Skip to main content

Full text of "Hans Sachs"

See other formats


Google 



This is a digital copy of a book that was prcscrvod for gcncrations on library shclvcs bcforc it was carcfully scannod by Google as pari of a projcct 

to make the world's books discoverablc online. 

It has survived long enough for the Copyright to expire and the book to enter the public domain. A public domain book is one that was never subject 

to Copyright or whose legal Copyright term has expired. Whether a book is in the public domain may vary country to country. Public domain books 

are our gateways to the past, representing a wealth of history, cultuie and knowledge that's often difficult to discover. 

Marks, notations and other maiginalia present in the original volume will appear in this flle - a reminder of this book's long journcy from the 

publisher to a library and finally to you. 

Usage guidelines 

Google is proud to partner with libraries to digitize public domain materials and make them widely accessible. Public domain books belong to the 
public and we are merely their custodians. Nevertheless, this work is expensive, so in order to keep providing this resource, we have taken Steps to 
prcvcnt abuse by commcrcial parties, including placing technical restrictions on automatcd qucrying. 
We also ask that you: 

+ Make non-commercial use ofthefiles We designed Google Book Search for use by individuals, and we request that you use these files for 
personal, non-commercial purposes. 

+ Refrain from automated querying Do not send aulomated queries of any sort to Google's System: If you are conducting research on machinc 
translation, optical character recognition or other areas where access to a laige amount of text is helpful, please contact us. We encouragc the 
use of public domain materials for these purposes and may be able to help. 

+ Maintain attributionTht GoogX'S "watermark" you see on each flle is essential for informingpcoplcabout this projcct andhclping them lind 
additional materials through Google Book Search. Please do not remove it. 

+ Keep it legal Whatever your use, remember that you are lesponsible for ensuring that what you are doing is legal. Do not assume that just 
because we believe a book is in the public domain for users in the United States, that the work is also in the public domain for users in other 
countries. Whether a book is still in Copyright varies from country to country, and we can'l offer guidance on whether any speciflc use of 
any speciflc book is allowed. Please do not assume that a book's appearance in Google Book Search mcans it can bc used in any manner 
anywhere in the world. Copyright infringement liabili^ can be quite severe. 

Äbout Google Book Search 

Google's mission is to organizc the world's Information and to make it univcrsally accessible and uscful. Google Book Search hclps rcadcrs 
discover the world's books while hclping authors and publishers reach new audiences. You can search through the füll icxi of ihis book on the web 

at |http : //books . google . com/| 



Google 



IJber dieses Buch 

Dies ist ein digitales Exemplar eines Buches, das seit Generationen in den Realen der Bibliotheken aufbewahrt wurde, bevor es von Google im 
Rahmen eines Projekts, mit dem die Bücher dieser Welt online verfugbar gemacht werden sollen, sorgfältig gescannt wurde. 
Das Buch hat das Urheberrecht überdauert und kann nun öffentlich zugänglich gemacht werden. Ein öffentlich zugängliches Buch ist ein Buch, 
das niemals Urheberrechten unterlag oder bei dem die Schutzfrist des Urheberrechts abgelaufen ist. Ob ein Buch öffentlich zugänglich ist, kann 
von Land zu Land unterschiedlich sein. Öffentlich zugängliche Bücher sind unser Tor zur Vergangenheit und stellen ein geschichtliches, kulturelles 
und wissenschaftliches Vermögen dar, das häufig nur schwierig zu entdecken ist. 

Gebrauchsspuren, Anmerkungen und andere Randbemerkungen, die im Originalband enthalten sind, finden sich auch in dieser Datei - eine Erin- 
nerung an die lange Reise, die das Buch vom Verleger zu einer Bibliothek und weiter zu Ihnen hinter sich gebracht hat. 

Nu tzungsrichtlinien 

Google ist stolz, mit Bibliotheken in partnerschaftlicher Zusammenarbeit öffentlich zugängliches Material zu digitalisieren und einer breiten Masse 
zugänglich zu machen. Öffentlich zugängliche Bücher gehören der Öffentlichkeit, und wir sind nur ihre Hüter. Nie htsdesto trotz ist diese 
Arbeit kostspielig. Um diese Ressource weiterhin zur Verfügung stellen zu können, haben wir Schritte unternommen, um den Missbrauch durch 
kommerzielle Parteien zu veihindem. Dazu gehören technische Einschränkungen für automatisierte Abfragen. 
Wir bitten Sie um Einhaltung folgender Richtlinien: 

+ Nutzung der Dateien zu nichtkommerziellen Zwecken Wir haben Google Buchsuche für Endanwender konzipiert und möchten, dass Sie diese 
Dateien nur für persönliche, nichtkommerzielle Zwecke verwenden. 

+ Keine automatisierten Abfragen Senden Sie keine automatisierten Abfragen irgendwelcher Art an das Google-System. Wenn Sie Recherchen 
über maschinelle Übersetzung, optische Zeichenerkennung oder andere Bereiche durchführen, in denen der Zugang zu Text in großen Mengen 
nützlich ist, wenden Sie sich bitte an uns. Wir fördern die Nutzung des öffentlich zugänglichen Materials für diese Zwecke und können Ihnen 
unter Umständen helfen. 

+ Beibehaltung von Google-MarkenelementenDas "Wasserzeichen" von Google, das Sie in jeder Datei finden, ist wichtig zur Information über 
dieses Projekt und hilft den Anwendern weiteres Material über Google Buchsuche zu finden. Bitte entfernen Sie das Wasserzeichen nicht. 

+ Bewegen Sie sich innerhalb der Legalität Unabhängig von Ihrem Verwendungszweck müssen Sie sich Ihrer Verantwortung bewusst sein, 
sicherzustellen, dass Ihre Nutzung legal ist. Gehen Sie nicht davon aus, dass ein Buch, das nach unserem Dafürhalten für Nutzer in den USA 
öffentlich zugänglich ist, auch fiir Nutzer in anderen Ländern öffentlich zugänglich ist. Ob ein Buch noch dem Urheberrecht unterliegt, ist 
von Land zu Land verschieden. Wir können keine Beratung leisten, ob eine bestimmte Nutzung eines bestimmten Buches gesetzlich zulässig 
ist. Gehen Sie nicht davon aus, dass das Erscheinen eines Buchs in Google Buchsuche bedeutet, dass es in jeder Form und überall auf der 
Welt verwendet werden kann. Eine Urheberrechtsverletzung kann schwerwiegende Folgen haben. 

Über Google Buchsuche 

Das Ziel von Google besteht darin, die weltweiten Informationen zu organisieren und allgemein nutzbar und zugänglich zu machen. Google 
Buchsuche hilft Lesern dabei, die Bücher dieser We lt zu entdecken, und unterstützt Au toren und Verleger dabei, neue Zielgruppcn zu erreichen. 
Den gesamten Buchtext können Sie im Internet unter |http: //books . google .corül durchsuchen. 



1 



ll ^. K^iUU^r^ 



BIBIIOTHEK 



DES 



LITTEßAßISCHEN VEREINS 



IN STUTTGART. 



CXXXVI. 



TUBINaEN 

GEDRUCKT AUF KOSTEN DES LITTER ARISCHEN VEREINS 

1878. 



s 



PROTECTOR 
DES LITTERARISCHEN VEREINS IN STUTTGART 
• SEINE MAJESTÄT DER KÖNIG. 



VERWALTUNG : 

Präsident: 
Dr A. V. K e 1 1 e r , ordentlicher professor an der k. Universität in Tübingen. 

Kassier: 
Kanzleirath Roller, universitäts-secretär in Tübingen. 

Agent: 
Fues, buchhändler in Tübingen. 



GESELLSCHAFTSAUSSCHUSS : 

Professor dr Barack, oberbibliothekar der kais. universitäts- und 
landesbibliothek in Straßburg. 

Geheimer hofrath dr Bartsch, ordentlicher professor an der g. Univer- 
sität in Heidelberg. 

K. Cotta freiherr v. Cottendorfin Stuttgart. 

Hofrath dr Hemsen, Vorsteher der k. handbibliothek in Stuttgart. 

Dr Holland, professor an der k. Universität in Tübingen. 

Dr Klüpfel, bibliothekar an der k. Universität in Tübingen. 

Director dr 0. v. Klump p in Stuttgart. 

Dr K. V. M a u r e r, ordentlicher professor an der k. Universität in München. 

Dr Vollmer in Stuttgart. 

Geheimer regierungsrath dr Waitz, ordentlicher professor an der k. 
Universität in Berlin. 

Dr Wattenbach, ordentlicher professor an der k. Universität in 
Berlin. 

Dr Zarncko, ordentlicher professor an der k. Universität in Leipzig. 



HMS SACHS 



HERAUSGEGEBEN 



VON 



ADELBEßT VON KELLER 



ELFTER BAND. 



THE 
HILDEBRAND 
LIBEAEY. 



FÜR DEN LITTERARISCHEN VEREIN IN STUTTGART 

NACH BE8CHLUSS DES A.VS8CBCS8ES YOH JCLI 1867 

GEDBÜCKX VON H. LAÜPP IN TÜBINGEN 

1878. 






vR. "^ "i ^^ ^. 



l 



Tragedia mit 12 personen , der prophet Jeremias 

sainbt der gefengkuuß Juda, hat fünf actus. 

Der ernholdt tridt ein, neigt sich unnd spricht: 

Heil und gnadt deß Herren Christi 
5 Sey euch allen versj^melt hie, 

So die tragedi hören wollen! 

Das argument wir mercken sollen, 

Welch gschicht vor lang beschreiben thet 

•Jeremias, der groß prophet. 
10 Den Gott schickt in Juda, das landt. 

Das er dem volck da macht bekandt 
[K 3, 1, 275] Sein heilig, himüsch, götlich wort, 

Zur büß sie vermant an dem ort. 

Doch blieb verstocket iederman. 
15 Darzn thet dem wort widei*stan 

Die priester und falschen prophcten, 

Jeremiam verklagen theten. 

Ob dem der könig Jojakim 

Erzürnet und in zornes grim 
20 Deß Herren wort verbrennen ließ. 

Auch den propheten tödten hieß. 

Doch er durch Gott verborgen war. 

Gott schickt den köng von Babel dar. 

Der iieng den könig Jojakim 
25 Und setzt Jechania nach im. 

Sein söhn, zum köng, auch böser art. 

Der auch gen Babel gfüret wardt, 

Und setzt darnach Zedekia 

Zum eim könig über Juda, 
so Der auch verachtet Gottes wort, 

Hans Sachs. XI. 1 



War abgöttisch, an allem ort 

Lag das gantz volck in schweren Sünden, 

Als Jeremias thet verkünden 

Die straff, das volck zur büß veimant, 
6 Verwüstet wirdt das gantze landt. 

Da wolt in aber niemandt hörn. 

Falsch Propheten theten bethörn 

Das volck, theten fried, fried verkünden, 

Das doch lebet in schweren Sünden. 
10 Jeremias gefangen wardt 

Von den fürsten gotloser art. 

Da ergrirabt endtlich Gottes zorn, 

Den Got Juda längst liet geschworn, 

Bracht den köng von Babel nach dem. 
15 Der belegert Jerusalem. 

Der stach dem köng sein äugen anß. 

Das Gottes und deß königs hauß 

Verbrent er sampt der gantzen stat. 

Alle kleinat, schätz und vorrat 
20 Sambt dem gantzen volck in dem land 

Fürt er gen Babel allesandt. 

Da must Juda dienen fürwar 

In der gfengkhuß sibentzig jar. 

Nun schweigt und seit still! ist mein rath. 
25 So hört und secht ir wort und that, 

Wie sich das als verloffon hat. 

König Jojakim geht ein mit seinen fürsten und trabanten und 

spricht : 

Ir liebn getrewen, rathet zu, 
so Wo man die Schätzung nemcn thu, 

Darmit könig Pharao Necho 

Das gantz landt hat geschetzet do, 

Nemlich zentner Silbers wol hundert 

Und ein zentner golt außgesundert, 
85 So wir in kürtz im müssen geben, 

WöU wir änderst in frieden leben. 

[A3, 1,1 36 1 Semaia, der fürst, spricht: 

Die köngklich schatzkamer ist lär. 
Darumb weiß ich nit wol, wo her 



3 

Man solche Schätzung nemen sol. 

Ahikam, der cantzler, spricht: 

Auß dem ist abznnemen wol, 
Das man muß legen unverschant 
5 Ein Schätzung auff Juda, das landt, 
Beide den reichen und den armen. 

Semsia spricht : 

Jedoch daß das geschech mit erbarmen 
Deß armen volcks, das man's in dem 
10 Schätzen nicht zu hart tlbernem! 

Wann die theurung ist groß und schwer. 

Der könig Jojakim spricht: 

Hör, Ahikam, du cantzler! 
[E 3, 1,276] Auß gwalt köngklicher mayestat 
15 Schreib auß ein heutiges mandat! 

Schick das in gantzem Juda auß 

Inn alle stett von hauß zu hauß, 

ledermann sein Schätzung zu geben, 

Niemandt außgeschlossen (merck eben!), 
80 Weder frembdling, witwen noch waisen! 

Heiß die poßbotten eillendt raisen! 

Der cantzler geht ab. Der prophet Jeremias kombt unnd 

spricht : 

Gott der hat mich gesendet auß, 
25 Sprach: Geh hinab ins könig-hauß 

Und sag dem könig meine wort! 

Die hör du, könig, an dem ort. 

Der du sitzest auff Davids thron. 

Auch dein fürsten, was ir solt thon! 
so Haltet ghricht und gerechtigkeit ! 

Errett den betrengten al zeit 

Und schindet gar nit aller ding 

Witwen, waisen und die frembdling! 

Auch keinem menschen gewalt thut! 
35 Yergiest auch kein unschuldig blntl 

Und werdt ir sollicbs halten thon. 

So werden sitzn auff Davids thron 



Von deim gschlecht könig, gleich wie vor, 
Auß und ein ziehen durch diß thor. 
Werdt irs nit thon. so hat geschworn 
Der Herr ein eidt in seinem zorn, 
5 Er wöll dises hauß gar zerstörn. 
Wer ohren hab, der mag wol hörn! 

Jeremias geht ab. Hanania, der falsch prophet, kompt, neigt 

sich und spricht: 

Dein königkliche mayestat 
10 Thu, was sie in dem hertzen hat, 

Dein reich zu auffen und zu mehrn! 

Da darffst dich gar mit nicbte kern 

An Jeremiam, den propheten ! 

Liest du in legen an ein ketten 
15 (Wann er ist unsinnig und wütig), 

Da thetst du recht. Du bist zu gütig 

Inn deim köngklichen regiment. 

Weil du den gwalt hast in der hendt, 

So thu, was du hast in deim mut! 
20 Dein ist unser seel, leib, ehr und gut. 

Der könig steht auff, geht auß, sampt seim hofgsindt und pro- 
pheten. Jeremias kompt unnd spricht zu allem volck: 

Zu mir so kam deß Herren wort, 

Ich solt trotten an dises ort 
25 In den vorhof an^s Herren hauß 

Und dem volck sein wort schreyen auß. 

Gott spricht; Und werdet ir zu letz 

Nit wandeln in meinem gesetz 

Und gehorchen meinen propheten, 
30 Die euch mein wort verkünden thoten. 

Die ich euch in Juda, das landt, 

Ein lange zeit her hab gesandt, 

So wil ich es mit disem hauß 

In meinem zoren machen auß, 
35 Gleich wie mit Silo, und die stat. 

So meim wort nit gehorchet hat, 

Sol zu eim spot und fluch auch werden 

Allen haiden auif diser erden. 

Darumb, Juda, bekere dich 



Eh dich Gott straff so grimmiglich ! 

Der falsch prophet spricht zu Faßhur, dem priester 

[K 3, 1,277] Hör, hör! was sagt der lose man? 
Gott wer diß hauß verwüsten tban, 
5 Weil man nit gehorch seinem wort? 
Wiewol er hie an disem ort 
Die götlich Wahrheit sagen ist. 
Weil aber wir durch schwinde list 
Dem volck lehren das widerspil, 
10 Weil es uns tregt der opfer vil 
Durch unser sündt und gleißnerey, 
Dem er gantz widersprichet frey, 
Das sich unser gnieß ab wil schneiden, 
Könn wir sein predig gar nit leiden. 

15 Paßhur, der priester, spricht: 

Ach, du redest gantz recht und wol. 
Rat, wie man im das wehren sol! 
Wann im hecht an der gmeine mann. 

Hanania, der falsch prophet, spricht: 

20 Da wollen wir in greiffen an 

Und vor den ftlrsten in verklagen, 

Auff einen auffrürer versagen. 

Das sie vom brot in lassen than. 

Ihn ligt nit vil an disem man. 
25 Er hat beim köng auch wenig platz. 

Paßhur, der priester, spricht: 
Komb! so greiff wir in an mit tratz. 

Sie grielfen ihn an. Hanania spricht: 

Jeremia, nun must du sterben, 
30 Als ein falscher prophet verderben. 
Warumb darffst im namen deß Herrn 
Im volck machen ein widerwerrn? 
Weissagen, Gott wer dises hauß 
Geleich wie Silo reuten auß 

* 

28 ? greifen. 



6 

Und Jerusalem sol wüst werden, 
Ein flach allen haiden auff erden ? 
Du bist nit auß Gott ein prophet. 

Jeremias spricht: 

6 Der Herr mir das bevelhen thct, 
Das ich sollichs weissagen solt. 
Und als ich das verschweigen wolt, 
Wart sein wort in meim gepain tewer 
Gleich wie ein flamment brinnendt fewer, 

10 Das ich schier drob vergangen wer. 

Die füraten kommen. Faßhur spricht: 

Da kommen gleich die fürsten her. 
Da wiret deinr lehr ein antwort gebn. 
Wo du erretten wilt dein lehn. 

Sie fiirn in den fürsten entgegn. Faßhur spricht: 

[A 1,3, 137] Gnedig und durchleuchtige fürsten, 
Die alzeit nach wolfart ist dürsten 
Deß köngreichs und gemeinen nutz, 
Diser mann ist schuldig deß bluts, 

2ö Wann er da geweissaget hat 
Wider königklich mayestat, 
Wider euch, fürsten, zu voran. 
Uns priester und den gmeinen mann, 
Wider dise statt und diß hauß, 

25 Gott werdt es alles reutten auß. 
Das doch nit hat geredet Gott. 
Darumb so rieht in zu dem todt! 

Semaia spricht : 

Jeremia, zeig du uns an! 
so Hast du ein solch Weissagung than? 

Jeremias spricht: 

Hört, ir fürsten, und gantz Juda! 
Gott der hat mich gesendet ja. 
Zu sagen dise wort herauß 
35 Wider dise statt und diß hauß. 
[K 3, 1,278] Darumb so bessert ewer leben 



Und gehorcht der stimb Gottes eben! 
So wirt der Herr nach seinem trewen 
Deß ubels sich lassen gerewen, 
Welliches er geredet hat 

6 Wider diß hauß und dise stat. 

Nembt war! ich bin in ewern henden. 
Ir mügt mit mir macheu und wenden, 
Wie es euch gfelt. Doch wo ir mich 
Werdt tödten, so wist ir warlich, 

10 Das ir darmit unschuldig blut 
Auff euch und die stat laden thut 
And auif all inwoner im landt! 
Wann Gott hat mich warhaft gesandt. 

Semaia, der fürst, spricht: 

15 Der mann ist nit schuldig dem todt, 
Dieweil er hat geredt auß Got, 
Wann zur zeit deß köngs Hißkia 
Weissagt auch der prophet .Micha, 
Zion wurdt geackert wie erden, 

20 Die statt zu eim steinhauffen werden; 
Noch ließ der könig in nicht tödten, 
Sonder rüffet zu Gott in nöten 
Und theten büß im gantzen landt; 
Da rewet Gott die straff zu handt 

25 Und unterließ, was der prophet 
Wider Juda geredet het. 
Darumb wöl wir in auch loß geben. 

Faßhur, der priester, spricht : 

Ewer gnadt sol doch merckn darneben, 
30 Das unser großmechtiger herr, 

Köng Jojakim, ließ holen ferr 

Uriam auß Egypten-landt 

Drumb, das er auch het solchen tandt 

Wider diß hauß und statt geredt, 
35 Und in mit dem schwerdt richten thet. 

Dergleich het diser auch verschuldt. 

Ahikam, der oantzler, spricht: 
Schweigt und habt auff diß mal geduldtt 



8 



Last mit friden ihn gelm sein Strassen! 
Wo er sich weitter ein wirt lassen, 
Mügt ir heklagen in dermassen. 

Sie gehen alle auß. 



5 Actus 2. 

» 
Jeremias, der prophet, kombt, rütPt dem Baruch unnd spricht : 

Baruch, komb her, mein Baruch! 
Nimb hin diß ungeschriben buch 
Und schreib darein zu diser stundt, 
10 Was ich dir angieb auß meim mundt, 
Wie mir das hat gebotten Got! 

Baruoh, deß propheten Schreiber, spricht: 

Ich will thon nach deinem gebot. 
So wöll wir in dein kamer gan 
15 Und Gottes wort da schreiben an. 

Sie gehen beid ab. Der falsch prophet kombt mit dem priester, 

der spricht : 

Wie wöll wir die sach greiffen an, 
Auff das wir dempfen disen man? 
20 Die fürsten sindt im gar zu lindt. 

Der falsch prophet spricht: 

Kein bessern rat ich darzu findt, 
Denn vor dem köng in zu beklagen. 
Der darff in nemen bey dem kragen, 
25 Wie er vor manchem hat gethan. 

[K 3, 1, 279] Paßhur, der priester, spricht : 

Solt bey uns ein wurtzeln der mann, 
Das in könig und fürstn thet lieben, 
So wurdt wir einen kurtzen schieben 
30 Mit unser superstition. 

Ein geist zu reden hat der man, 
Weil er verkündt auch Gottes willn, 
Das wh* in gar nit mögen stilln, 



Mit Worten im zu wider stelin. 
Derhalb mtlssen allein wir den 
König verbittern und verhetzen 
Heimlich, das er im thu zusetzen. 
5 Das thu und mach zum könig dich! 
Du bist im baß verwandt, denn ich. 

Hanania, der falsch prophet, spricht: 

Ich will den hasen im wol spicken, 
Das er den todt daran sol schlicken. 
10 Ich will mich heint zum könig machen 
Und mit im reden auß den Sachen. 

Sie gehn beid ab. Jeremias kombt, redt mit im selb unnd 

spricht : 

Gott, warumb hast mich gesandt, 
15 Dein wort zu predigen im landt, 
Darob ich wirt so hart geschmecht, 
Verspott, vervolget und durchecht. 
Weil ich, Herr, verkündt deinen zorn? 
Ich wolt, das ich nie werdt geborn. 

Baruch kompt, beut im das buch und spricht: 

Da ist das buch, das ich schrieb dort 
Auß deinem mundt von wort zu wort. 

Jeremias spricht: 

Ist diß das buch, das du ietzundt 
25 Geschriben hast auß meinem mundt. 

Wie mirs der Herr bevohlen hat, 

So geh hin in den tempel spat 

Und ließ das buch vor iederman, 

Ob sie doch all büß weiten than 
30 Und bessern ir sündig leben. 

Ob in der Herr noch thet vergeben 

Und nachlassen versprochne stmflf. 

So das hauß Israel auch traff! 

Baruch nimbt das buch und spricht: 

[A 3, 1, 138] Ja, heut ist gleich der nennt monat. 

Das sehr vil volcks ist in der stat 



10 

Vom landt, weil ein fasten ist gwcsen. 
Dem will ich dises buch verlesen 
Im tempel und darzu auch dem 
Gantzen volck zu Jerusalem. 

Sie gehn beidt ab. Die zwen fürsten kommen. Semaia spricht : 

Was duncket dich umb den propheten, 
Den die priester verklagen thcten, 
Weil er deß Herren wort verkündt 
Deß volckes straff ob irer sündt? 

10 Ahikam, der cantzler, spricht : 

Was geht mich Jeremias an? 
Ist ein grober pewrischer mann, 
In Worten grob, gar streng und hert, 
Der freylich ist gar seicht gelehrt. 
15 Auff unser Rabi halt ich mehr. 
Die sin dt sitzam in irer lehr, 
Dem köng freundtlich und angenem. 

[K 8, 1, 280] Semaia spricht : 

Ich aber halt vil mehr von dem, 
20 Weil er das wort deß Herren sagt. 

Ahikam spricht: 
Wie, das denn pfaffheit ob im klagt? 

Semaia 'spricht : 

Da greifft er an ir menschen lehr, 
25 Verkleinert iren nutz und ehr. 

Glaub, sie möchten in sonst wol leiden, 
Bekennen auch in irem neiden. 
Das er gottselig sey und ghrecht. 

Ahikam, der oantzler, spricht : 

so Die leut er aber zu hart schmecht. 
Verschont auch weder frü noch spat 
Fürsten, noch köngklich mayestat. 

Semaia spricht: 
Soli ich die Wahrheit sagen eben, 



11 

So führ wir gar ein fräflich leben 
Zu hof, in der statt, auif dem landt. 
Was er schreit, bessert sich niemandt. 
Ich förcht, ans wer straffen der Herr. 

6 Ahikam spricht : 

Ach, solche straff ist uns noch ferr. 
JVTan hat uns lang darv'on gesagt. 
Ich hab nie nichts darnach gefragt. 
Ich leb wie vor in der hofweiß. 
10 Hab auff proplieten wenig fleiß, 

Weil das Sprichwort sagt: Die gelehrton 
Das sindt gewönklich die verkerten. 

Faßhur, der prieater, kombt unnd spricht: 

Ir gnedign herrn, hört, wie Baruch 
15 Im tempel liest in einem buch 

Das gfewlichst ding wider die etat. 

Das Jeremias gschrieben hat, 

Vor allem volck! mit disen Sachen 

Wirt er gewiß ein auffrur machen, 
20 Wo ir nit unterkommet das. 

Semaia spricht zum trabandten: 

Judi, baldt mach dich auff die strasl 
Geh zu Baruch und sprich, das Er 
Sambt disem buch komb zu uns her! 

Judi, der trabandt, geht ab. Ahikam spricht : 

HB Dasselbe Sprichwort b. 6, s. 117 f. Ein gedieht über das »nralte gemeine 
Sprichwort »die gelehrten die verkehrten«« hat J. Fischart im jähre 1584 ge- 
schrieben. J. Fischarts sämmtliohe dichtungen hg. Heinrich Kurz 2, 329. 454. 
Göthes werke, Stuttgart und Tübingen 1850, b. 2, 318): NatiWtät: 

Der Deutsche ist gelehrt, 

Wenn er sein Deutsch versteht ; 

Doch bleib' ihm unverwehrt, 

Wenn er nach außen geht. 

Er komme dann zurück, 

Gewiss um viel gelehrter! 

Doch ist's ein großes glück, 

Wenn nicht um viel verkehrter. 



12 

Hab ich nit vor recht gsagt darvonj* 
Yil zancks richten die glehrten an. 
Derhalb ist mir bey in nit woi. 

Semaia spricht: 

5 Gots wort man nit verachten sei, 
Weil der seel leben darinn steht. 
Barach gleich mit dem buch her geht. 

■ Baruch kombt.. Ahikam spricht: 

Baruch, was wilt du mit dem buch 
10 Über uns fttrn hie den fluch? 
Sag, wer dir das bevohien hab! 

Baruch spricht: 

Jeremias, der prophet, gab 
Mir dises buch, ich seit es lesen, 
15 Ob das volck vom gottlosen wesen 
Wolt abstehn, wenn das buch es hört, 
Auif das die statt blieb unzerstört, 
Diß hauß und auch das gantze landt. 

Samaia spricht: 

20 Gib her das buch in unser handt! 
[K3, 1,281] Du aber hin gar eillendt geh! 

Verbirg dich mit Jeremie, 

Auif das euch niemandt finden kan ! 

Der köng möcht euch ablassen than. 
95 Judi, das buch in cantzley trag! 

Von dem handel gar niemandt sag! 

Baruch geht mit dem trabandten auß. Der ehrnholdt spricht : 

Michaia, bhreit das winter-hauß ! 
Der könig wirt kommen heran ß. 
80 Schaw ! mach ein gut reuchwerck darinn ! 
Schür ein kolfewer ins kamin ! 

Der könig jQJakim kombt , setzt sich unnd spricht : 

Mir ist gesagt von einem buch, 
Welches gelesen hab Baruch 
35 Im tempel. Last mich das auch hörn! 



13 

Die priester sich darob entbörn. 

Wo ist das buch? bringt mir das her, 

Anff das wir unterkommen gfUr! 

Semaia spricht: 

ft Jadi, geh in die cantzley ! 

Da ligt das buch; bring es herbey! 

Judi, der trabandt, geht ab. Semaia spricht 

Ich halt das buch für Gottes wort. 
Derhalb bitt ich an disem ort, 
10 Dem buch kein unehr zu beweisen 
Mit verbrennen oder zerreisen. 

Ahikam, der cantzler, spricht: 

Dasselb an ewer maystat ist glegen, 
Wenn sie das ghört hat und bewegen, 
15 Nach dem deß buchs innhalt im gfelt, 
Ers ehrlich oder unehrlich lielt. 

Judi bringt das buch, der könig spricht : 

[A3, 1, 139] Nun ließ frey öffentlichen an, 

Was guts in disem buch ist stan! 

20 Judi, der trabandt, lißt auß dem buch : 

So spricht der Herr, Gott Sebaot, 
Der einig allmechtige Got: 
Ich hab dir, köng in Juda, recht 
Gesendt propheten, meine knecht, 

25 Dich sampt dem volck zu mir zu kern 
Und nit die stummen götzen chrn. 
Weil du mein wort nun hast veracht, 
Sampt deim volck verspot und verlncht 
Und hast mein wort nit wollen hörn, 

80 So thut mein zorn sich entbörn, 
Das ich erwecken wil mit macht 
Alle völcker gen mitternacht. 
Auch Nebucadnezar, mein knecht, 
Von Babel, das er komme schlecht 

35 Mit grosser gewaltiger handt 
Und gar verwüste dises landt; 



14 

Und das volck soi sibentzig jar 
Dienen könig Nebucaduezar 
' Zn Babel gar in schwerer gfengknuß, 
In jamer, angst, trübsal und zwengknaß. 

5 Der köni^ spricht : 

Hör anf! mein hertz thut sich entbörn. 
Ich mag das lesteru nit mehr hörn. 

Der könig nimbt im das buch, zerschneidts und würfts in die 

koln unnd spricht: 

« 

10 Geht hin, ir trabanten, und facht 

ßaruch und Jeremiam Schlacht 
[K3, 1,282] In die eisen, das man sie tödt! 

Treiben sie auß mir das gespöt? 

Auffrtirisch ist ir prophecey, 
15 Lauter fabel und pbantasey. 

Was geht mich ir welssagen an? 

Ir lehr ich baldt aaßreuten kan. 

Last in die cantzley uns gan ! 

Sie gehen alle ab. 



20 Actus 3. 

Jeremias geht ein mit Baruch unnd spricht : 

Der Herr geredet hat zu mir. 
Baruch, ich sol sagen zu dir: 
Weil könig Jojakim verbrant 

25 Hat das erst buch mit seiner handt. 
So solt ein ander buch du schreiben 
Und klar die wort darinn verleiben, 
Die in. das erst buch schriebest du. 
Und solt auch noch schreiben darzu: 

30 Von Jojakim, deß königs st amen, 
Sol keiner haben königs namen. 
Wie sein vorvater vetter hetten. 
Auch sol er selb mit eysern ketten 
Gen Babel gfürt wem zum verderben, 

»5 Ellendt im frembden lande sterben. 



15 

Nimb hin das buch an disem ort 

Und schreib die ding von wort zu wort ! 

Baruch spricht: 

Ja komb! ich will die wort zu stoadt 
5 Schreiben auß deinem eignen mundt. . 

Sie £:ehen beid ab. Epnig Joja^im kombt mit seim hoffgesindt, 

setzt sich und spricht : . 

Ich hab nun gedient auff drey jar 
Dem köuig Nebucadnezar 
10 Zu Babel in eim schweren dienst, 
Will im fort geben keinen zienst, 
Sonder mit meinen stetten allen 
Vom könig zu Babel abfallen. 
Meint ir nit, ob solchs zu thun scy? 

15 Ahikam, der cantzler, spricht: 

Möcht wir von dem joch werden frey, 
Wie ktindt wir ein nützers erwerben? 

Semaia spricht: 

Wie, wenn wir aber drob verderben? 
20 Der köng zu Babel ist uns zu mechtig. 
Halt wir uns ghorsam nidertrechtig, 
Möcht lenger bestehn unser reich. 

Der könig Jojakim spricHt : 

Wir haben beschlossen geleich, 
25 Gen Babel kein tribut zu geben, 
Es gelt gleich sterben oder leben. 

j^er könig steht auff, geht auß. Die trabanten kommen. 

Michaia spricht: 

Wir habn all ghalten für ein fhbel, 
30 Das komen werdt der köng von BabeU 
Nun letzt ligt er schon vor der stat. 
Ein groß kriegsvolck er bey im hat, 
Darmit die statt und landt zu zwingen, 
Wider in gehorsam zu bringen. 



16 



Judi, der trabandt, spricht: 

Es ist das alier-ärgst ob allen, 
Das der könig ist abgefallen 
Von könig Nebacadnezar. 
§ Die. statt hat er verbolwergt gar. 
Kein rettung ist bey uns nit mehr 
[K 3, 1,283] Vor der Caldeer grossem beer. 

Ich glaub: will der köng bleibn bey leben, 
So muß er sich gfengklich ergeben 
10 Dem mechtign köng zu Babylon. 
Hör, hör! komb! es ist ein lerman. 

Sie gehen beid ab. Baruoh kombt unnd spricht: 

Ach weh, weh dir, Juda, du landt ! 

Dieweil in dir namb uberhandt 
15 Die haidnisch gotloß abgöttrey. 

Sonst all^rley sündt auch darbey 

Durch auß im landt an allem ort • 

Und niemandt gehorcht Gottes wort, 

So ist der grimmig Gottes zorn 
20 Erwacht, den Gott lang hat geschwora 

Und ist der köng von Babel kommen. 

Hat unsern könig gfengklich gnommen, 

Gen Babel gfürt an eysern ketten 

Nach sag unsers fromcn propheten 
25 Und auch Gottes tempel beraubt. 

Weil der könig nie hat gelaubt 

Dem wort Gottes, sonder verbrendt. 

Aber das köngklich regiment 

Ist Jechania übergeben, 
30 Der auch so gotloß wandelt eben, 

Wie Jojakim, der vatter sein. 

Drumb legt in auch gefenglich ein 

Nebucadnezar und fürt in 

Im drittn monat gen Babel hin 
35 Sampt seinem weih und seiner mutier. 

Sein kemerling und sehr vil guter 

Leut, vast auff siben tausent man. 

Solch straff lest Gott über uns gan. 

So sindt hingefürt diso zwen 



17 



König. Wie es wirt weitter gehn 
A3, 1,140] Mit Juda, das ist bey Gott stehn. 

Er geht wider auß. 



Actus 4. 

Der könig Zedekia kombt mit seinem hofgesindt , setzt sich. 

Der ehrnholdt spricht : 

Juda, hör und nimb eben war! 

Der groß könig Nebucadnezar 

Der hat disen Zedekia 
10 Zu köng erweit dem hauß Juda. 

Dem solt ir nun sein unterthon, 

Auffsetzen die köngklichen krön, 

Doch das er sambt dem lande eben 

Järlich all jar tribut sol geben 
15 Dem grossen köng zu Babylon, 

Unterthenig bleib seiner krön. 

Sie krönen den könig, der spricht: 

Nun stühnd alle sach glücklich noch, 
Wenn nur nit wer das schwere joch 
20 Daß königes zu Babylon, 

Das wir dem nrüßn sein unterthon. 
Ratt zu, wie wir deß ledig würnl 

Semaia spricht : 

Es will sich gar mit nicht gcbürn, 
25 Weil ir dem köng, der euch erkorn 
Zu ghorsam ein eidt habt geschworn. 
Das ir im nit wolt sein widerspenig. 

Ahikam, der cantzler, spricht : 

Wer mag im denn sein unterthenig, 
30 Weil wir doch wol so mechtig seyen, 
Das wir uns vor im ktlnden freyen? 
Greifft er uns gleich an mit eim krieg, 
Er wirt nit all mal haben sieg; 
Es wirt ein mal sein glück sich wenden. 

Hans Sachs. XI. 2 



18 



Semaia spricht : 

[K3, 1,284] Ich furcht, es werdt sich nit wol enden. 
Ir wist: die zwen könig vergangen 
Ligen beidt zu Babel gefangen, 
5 Dieweil sie abgefallen warn. 

Zedekia, der könig, spricht: 

Auff glück wöll wir das auch erfarn. 
Herolt, geh ! heiß im landt umb blasen 
Und allem volck verkünden lassen, 
10 Das man fort kein tribut sol geben 
Gen Babel, sonder frey ledig leben! 

Sie Rehen alle ab. Hanania, der falsch prophet. Faßhur, der 
Priester, und Jeremias gehn ein. Hananias spricht : 

Hört ! es spricht Gott, der Herre hoch : 
15 Ich hab das babylonisch joch 

Zerbrochen ; eh auß gehn zwey jar, 

Will ich die gfeß deß tempels zwar 

Sambt dem könig und andern dingen 

Widerumb her gen Babel bringen, 
20 Was man hat gfengklich hin gefürt. 

Drauff zu verlassen, unns gebürt. 

Jeremias hat ein hültzin Joch am hals, ein hafen in der handt 

und spricht: 

Amen, das war werdt dein weissagen ! 

25 Es haben aber vor alten tagen 

Die Propheten dem volck der Sünden 
Von Gott krieg und straff thun verkünden 
Und nit den friedt auß falschem griindt. 
Drumb redt ich auch auß Gottes mundt: 

80 Gott wirt an disem volck sich rechen 
Und dise stat also zerbrechen 
Mit einem unheilbarn verderben. 
Gleich wie deß hafuers gfeß zu scherben. 
Das gar nimmer gantz werden mag. 

Der zerschlecht den hafen , Hanania nimpt das joch dem 
Jeremia vom hals, zerbrichts und spricht : 



19 

Falsch, erlogen ist dein weissag. 
Schaw! Got der hat warhaft gesprochen. 
Also hab ich das joch zerbrochen 
Deß königs Nebucadnezar. 

5 Der prophet Jeremias spricht : 

Gott spricht: Da hast zerbrochen gar 
Vor dem volck hie das hültzin joch ; 
Ich aber will ein eyserns doch 
Dem volck Juda machen nachmals 

10 Und im das hencken an den hals, 
Zu dienen Nebucadnezar. 
Und du wirst noch sterben das jar, 
Weil du weissagst, das nit gebürt, 
Dardurch das gantz volck wirt verfürt 

ir. Auff Sicherheit ab von der büß. 

Weil doch die straff baldt volgen muß. 

Faßhur sohlecht Jeremiam und spricht: 

Ey, meinst, Gott redt allein durch dich, 
Das du redst also .trutzigklich 
20 Wider den könig und die stat. 
So Got änderst bevohlen hat? 

Der prophet Jeremias spricht: 

Gott sagt dir und dein freunden allen: 
Ir werdt all durch das schwerdt fallen. 
25 Von dem solt werden nit erledigt. 
Weil doch dein maul nur lügen predigt. 
Dich ist nach gab und schencken dürsten, 
[K 3, 1,285] Verfürst den könig und sein fürsten 
Und darzu auch das volck gemein. 

30 Paßhur .spricht: 

Facht Jeremiam ! legt in ein, 
Das er in dem gwelb bleib gefangen, 
Biß das dise nacht sey vergangen 1 
Morgen laß wirs an könig langen. 

Man fürt Jeremiam dahin. Sie gehen alle auß. 

2* 



' * 



20 



Actus 5. 

Der könig geht ein mit seinen forsten, setzt sich trawrig unn 

spricht : 

Acb, ans sindt kommen böse mär, 
5 Der köng von Babel ziech daher 
Mit grossem beer und werdt mit dem 
Belägern beint Jerusalem. 
Der prophet bat noch war gesagt. 
Schickt nach im, das er werdt gefragt, 
10 Was wir söHn lassen oder than 
Und wie es Juda werdt ergan! 

Judi, d^r trabant, holt Jeremiam. Semaia, der fürst, spricht 

Ey, werdt wir blieben unterthon 
Noch der babylonischen krön, 
15 So dörfft wir haben nit die angst. 
Doch hab wirs wol verschuldt vorlangst. 

[A 3, 1, 141] Jeremias kombt. De^ könig spricht : 

Jeremia, weil unser stat 
Der feindt heflftig belagert hat, 
20 Bitt wir, wölst Got für uns ratfragen. 

Jeremias spricht: 

Ich kan dir gar nichts gutes sagen. 

Hör, könig! ich hab nun fürwar 

Predigt wol 23 jar 
30 Und niemandt hat mich hören wollen. 

Derhalb die straff auch kommen sollen. 

Wer in diser stat bleiben werdt, 

Wirt hunger, pestilentz und schwerdt 

Fressen, und die stat an dem endt 
86 Mit heissem fewer wirdt verbrendt. 

Drnmb wer sein lehn erretten wöll, 

Hinauß zun feinden fallen soll. 

Wann die stat wirt gwiß übergeben 

13 ? war. 



21 
Den feinden. Darnach riebt dich eben! 

Ahikam» der cantzler, spricht : 

herr könig, es ist von nöten, 
Das da den mann baldt lassest tödten, 
5 Wann er wirt uns mit disen Sachen 
Ein auffrar unterm kriegsvolck machen. 
Er rätt zu keim friedt in keim Stack, 
Sonder nur, was dient zu unglück. 

Der könig spricht: 

10 Nembt war! es ist in ewem henden 
Der Prophet; ir mftgt mit im enden. 
Wie euchs gefeilt in discm fall. 

Ahikam, der cantzler, spricht: 

So greifit an den aufrürer ball 
15 Und werfft in in der gfengknuß gruben, 
Driiin man erfeult die scbälck und hüben, 
Auff das wir sein abkommen nur, 
Eh er im volck mach ein auffrur! 

Sie füren Jeremiam hin gebunden. Zedekia, der könig. Spricht: 

20 Wie künn wir erhalten die stat, 
[K 3, 1,286] Weil uberhandt genommen hat 
Der hunger und die pestilentz, 
Dergleich im landt an aller grentz 
Die junge mannschalFt ist erschlagen. 
25 Gott sucht uns heim mit allen plagen. 

• 

Machaia, der traband, kombt geloffen unnd spricht: 

Großmechtiger köng, vor tag heut 

So sindt alle unser kriegsleut 

Auß der statt nauß zun feinden gfalln. 

30 Ber könig spricht: 

das kombt zu schaden uns alln. 
Nun ist all gegenwehr verlorn. 
Ob uns schwebt Gottes grimmer zom. 
Wir wollen die flucht darvon geben, 
35 Ob wir erretten unser leben 



22 

Und kommen aaß deß feindes henden. 
Kombt! last uns unscrn anscblag enden! 

Sie Rehen alle ab. Konig Nebucadnezar tritt ein, seist sioh 

und spricht: 

5 Nun hat mir Got geben >Yahrhafft 

Die stat and sein volck mit gestrafft, 

Weil sie sündigten an dem ort 

Und nit gehorcbteu Gottes wort, 

Sonder giengen nur immer hin 
10 In stoltzes hertzens mut und sinn. 

Nebusaradon , der hauptman von Babel, bringt Zedekia, ddn 

konig, gefangen und spricht: 

Großmechtiger könig und berr 
über all könig weit und ferr, , 

15 Der könig wer uns schier entgangen. 
In der flucht hab wir in gefangen 
Bey Jericho auff blachem veldt. 
Den antwort ich dir in dein zeit. 

Zedekia feilt im zu fuß. Nebucadnezar spricht : 

20 3u untrew ehrloser mann, 

Hab ich dir nit vil guts gethan ? 

Zu eim könig ich dich erweit 

Und dich dem hauß Juda fürstellt. 

Das du drinnen solt guberniern, 
25 All ding nach deim willen regiern. 

Allein das du mir auß demut 

All jar gebest ein klein tribut 

Zu ghorsam, das du unterthon 

Werst der babylonischen krön, 
80 Wie du deß hast ein eidt geschworn. 

Warumb bist mir meinaidig worn 

Und abtrünnig sampt deinen fürstenV 

Dich thet nach grossem hochmut dürsten. 

Der hauptman Nebuzaradon spricht : 

35 Was sol man dem trewlosen mann 
Für ein peinliche straff an than? 



23 



Der könig spricht : 

Fürt in nauß und erwürgt on langen 

Ihm seine kinder vor sein äugen 

Und stecht im beide äugen auß! 
5 Nembt auch all schätz auß königs hauß ! 

Aus dem tempel auch nemen solt 

Alle gfeß von Silber und goldt, 

Und auch alles gerät von ertz 

Laß füreii gen Babel heimwertz! 
10 Und deß königs und herren hauß, 

All hewser in der statt durchauß 

Verbrenn du mit flammendem fewer! 

Laß umb werffen das statt-gemewer ! 

Den könig, fürsten und hofgsindt, 
15 Priester, kemerling, was der sindt, 

Sampt allen besten in dem landt 
[K3, 1,287] Führ gfengklich gen Babel allsandt, 

Geschlagen in eysern ketten! 

Allein verschon mir deß propheten 
80 Jeremie, des Herren knecht, 

And auch deß armen volckes schlecht! 

Das laß frey aller gfengknus bandt 

Hie bleiben, zu pawen das landt! 

Die trabanten bringen den könig, fürsten, priester und falschen 
Propheten alle mit eysern ketten gebunden, Nebusaradon 

spricht : 

Da bringet man den könig blindt, 
Fürsten, priester und hofgesindt. 
Was sol man weitter mit in than? 

so Der könig spricht : 

Da wil ich selb ziehen voran 
Mit den gfangen heim wider ab. 
Was ich dir mehr bevohlen hab, 
Wirst nach meiner heimfart außrichten. 

95 Nebusaradon spricht : 

Herr könig, es sol fehin an nichten. 
Yolendet sol werden all, das 



24 
Dein raayestat bevehlen was. 

[A3, 1, 142] Sie führen sie gefangen herumb, geht der könig von 

Babel vor. Nach dem sie abgehn , kompt Jeremias, Bohleoht 

die hendt zusamen, fecht an sein klag und spricht : 

5 Ach Zion, du herrlicbc stat, 

Wie hart dich Gott gezüchtigt hat! 

Warst unter den haiden ein farstin 

Und der länder ein köngin ; 

Wie bist du verwüstet mit fewer! 
10 Es ligen thürn und die statmewer. 

König und fürsten sindt gefangen, 

Sampt den priestern gen Babl gangen. 

Die junge mannschafft ist erschlagen. 

Die alten todt vor hunger lagen. 
15 Frawen und jungkfraw seuftzet weinen, 

Dergleich die sengling und die kleinen 

Ligen versclimacbet an den gassen. 

Sich frewen alle, so dich hassen. 

Hin ist das köngklicb regiment. 
20 Opfer und gotsdienst bat ein cndt. 

Das hailigtbumb ist verunreint, 

Darinn gebt umb der blutig feiudt. 

Die beuser sindt all lär und ödt. 

Mein hertz ist gleich vor onmacht blödt. 
26 Wer gibt wasser den äugen mein, 

Das ich dein grosse angst bewein? 

Weil so groß ist dein straff und plag, 

Das dich gar niemandt heilen mag. 

Ach warumb ist dir das geschehen? 
30 Ich wil die warheit dir verjehen. 

Das ists. Gott ließ dir lang verkünden 

Sein wort, noch bliebst du in dein sündn 

Gleich einem adamant verstockt; 

Wie freundlich Got zu büß dir lockt, 
35 Noch wurdt sein wort bey dir veracht, 

Sein knecht verspottet und verlacht. 

Du hörst nur gern loß propheten. 

Die dir heuchlen und schmeichlen theten, 

Sagten ires hertzen gedieht, 
40 Ir thöricht treume und gesiebt, 



25 

Biß sie deine kinder alsandt 
Haben gepredigt auß dem landt. 
tocbter Zion, dich beker! 
Zu Babel keinen götzen ehr! 
5 Ehr Got allein! bekenn dein schuldt, 
[K 3, 1,288] Ob du noch erlangst Gottes huldt! 
Wann Got ist barmhertzig und gütig, 
Freundlich, gnedig und langmütig, 
Auff das wenn die sibentzig jar 
10 Deiner gfengknuß sich enden gar, 
Das er dein harte gfengknuß wendt. 
Dich wider herbring an diß endt. 
Wie denn sein mundt hat selb bekendt, 

Jeremias geht ab. Der ehrnholdt beschleust: 

15 Also habt ir nach leng vernummen 
Die gantz tragedi ubersummen, 
Welche ist ein schröcklicher Spiegel, 
Dem teutschen landt ein war es sigel, 
Wann wie es gieng zu jener zeit, 

20 Geht es auch ietzt der Christenheit, 
Der auch Got schickt sein heilig wort, 
Klar, lauter, rein, an manchem ort. 
Das uns zu büß so freuntlich locket; 
Wir aber bleiben hart verstocket 

25 In Sünden, wie die Juden theten, 
Dergleich auch unser falsch propheten 
Und priester haben deß vertrieß. 
Weil in abgeht an irem gnies. 
Auch ir auffsetz und menschen-fünd, 

30 So in der schriiFt sindt ungegründt, 
Wirt durch das wort geleget nider. 
Derhalben kempfens auch darwider 
Mit falscher practict, list und lügen, 
Heimlich, gantz dückisch, wie sie mügen, 

85 Die weltlich obrigkeit verhetzen. 
Sich wider Gottes wort zu setzen, 
Als ob das rein wort Gottes pur 
Im volck mach irrthumb und auffrur, 
Darob die obrigkeit denn plagt, 

40 Gottes knecht fecht, vervolgt und jagt, 



26 

Dergleich das heilig wort veracht, 

Verbrendt, verbeut, hont und verlacht. 

Also in summa gleich und eben 

Fftren all stendt ein gotloß leben, 
5 Die obern sampt den unterthonen, 

Das Gott nit lenger kan verschonen. 

Weil niemandt gehorcht seiner stim, 

Wirt er inn seim zoren und grim 

Uns schicken auch in unser grentz 
10 Schwerdt, hunger und die pestilentz, 

Trübsal, eilend, hartsei und gfengknuß 

Und uns außreuten auch mit zwengknuß 

Durch ein tyrannen oder den Türeken. 

Wach auf, Teutschland, und thu büß würcken 
15 Und das letzt stündlin nit versäum! 

Die axt die ligt schon an dem bäum, 

Trout dir das endt als ungemachs. 

Got wends zum besten ! wünscht Hans Sachs. 

Die person in die tragedi: 

20 1. Der ehmholdt. 

2. König Jojakim. 

3. Zedekia, der letzt könig Juda. 

4. Semaia, ein fürst Juda. j 

5. Ahikam, der cantzler. 

25 6. Nebucadnezar, könig zu Babel. 

7. Nebusaradon, hauptman Babel. | 

8. Jeremias, der prophet. 

9. Hanania, der falsch prophet. 

10. Paßhur, der priester. i 
80 11. Michaia, der erst trabandt. ■! 

12. Judi, der ander trabandt. . j 

13. Baruch, der schreiber. 



27 



[K3, 1,289] Oomedia mit 15 personen, der Daniel, und 

bat sibeo actus. 

Der ernholdt tridt ein, neigt sich unnd spricht: 

Genadt, friedt und barmbertzigkeit 
5 Wünsch wir euch von Got alle zeit, 

AUn, so versamelt sindt zu mal 

In disem künigklichen sal. 

Gebetten sindt wir zu euch kommen, 

Ein histori uns fürgenommen, 
10 Com edi- weiß euch für-zutragen. 

Das an Gott niemandt soll verzagen, 

Schreibt Daniel, der groß prophet. 

Durch sechs capittel, darinn steht, 

Wie küng Nebucadnezar 
15 Beraubt den tempel Gottes gar. 

Die guldin gfeß gen Babel bracht. 

Und als er darnach aulF ein nacht 

Ein erschröcklichen träume het, 

Den im Daniel deuten thet, 
20 Das vor kein warsager nit kundt, 

Dardurch gnadt bey dem künig fundt. 

Nach dem der küng auffrichtet noch 

Ein guldin bildt, 60 klaffter hoch, 

Das all menschen anbetten solten, 
25 Das 'doch drey judisch mann nit wolten. 

Die ließ der köng werflfen darnach 

In ein fewring ofen zur räch, 

Darinnen sie doich Got behüt, 

Dardurch der künig wurdt begüt, 
80 Ob dem wunder selb preyset Got, 



28 

[A3, 1,143] Das auch zu tliun seim volck gebot. 

Nach dem der köng het noch ein träum 

Von einem hohen grossen paum, 

Den im Daniel deutet klar, 
5 Das der könig Verstössen war, 

Siben jar bei den thieren was 

Und aß auch mit in kraut und graß, 

Biß im sein vernunfft wider kam. 

Sein hofgsindt in wider an namb. 
10 Nach dem der alte könig starb. 

Nach im sein söhn das reich erwarb, 

Belsacer, der nit besser wart 

Auß Übermut, trutz und holFart, 

Tranck auß den heiligen gefessen, 
15 Die im hauß Gottes waren gwesen. 

Da schreib im ein handt an die wendt, 

Sein regiment das het ein endt. 

Und er wurdt erwürgt die selb nacht. 

Köng Darius namb ein mit macht 
20 Babel, erhöcht Danielem. 

Der wardt hart genieden ob dem. 

Die fürsten in mit list versagten 

Und bey dem könig hoch verklagten. 

Das man in warfF int löwen-gruben, 
25 Das doch selb außgieng an den buhen, 

Wann Daniel der wurdt erledigt. 

Bleib bey den löwen unbeschedigt. 

Da warf man sein feindt für die löwen. 

Die verschlickten sie gleich und eben, 
so Nun seit fein still und habet rhu! 

Höret und sehet fleissig zu. 

Wie sich das als verlauffen thu! 

Der ehrnholdt geht ab. König Nebuoadnezar geht ein mit seinem 

hofgesindt, setzt sieh unnd spricht: 

85 Lob sey den Göttern, die den sieg 
[K 3, 1,290] Uns gaben in der Juden krieg, 

Da wir Jojakim überwunden. 

Den könig, fürten in gebunden 

Gen Babel auß Jerusalem, 
40 Auch ein grosse zal leut mit dem, 



29 

Der besten leut auff sibeu tauset, 

Zimerleat, schmidt und was da hauset, 

Sampt kriegsleuten ein grosse sum! 

Auch beraubtn wir das bailigthum, 
5 Silber und goldt alle kleinat. 

Deß köngs schätz und allen Vorrat 

Bracht wir mit sieg und triumph her 

Gen Babel, da war mein beger, 

Aspenas, du solt etlich knaben, 
10 Der, so wir mit gefangen haben, 

Von köngklichn stam und fürstn kinder, 

Schön, guter gstalt, auch nit dest minder 

Vernünfftig, wolgschickt, weiß und klug, 

Die solt du unterhalten gnug 
15 Von meinem tisch mit spcilS und tranck 

In deim hauß und drei jare laug, 

Und das sie auch lernen hernach 

Die caldeisch geschrifft und sprach, 

Das sie zu hof frü und auch spat 
20 Dienten vor meiner mayestat. 

Sag! hast dasselbig du gethon? 

Aspenas, der oberst kamerer, spricht : 

Ja, großmechtiger könig fron, 

Ewer maystat gschefft bin ich nachkomen 
25 Hab etlich knaben zu mir gnommen 

Auß Juda, 30 studirn bei mir, 

Auß welchen siudt sonderlich vier, 

Die in künsten und der weißheit 

Treflich zu nemen in der zeit, 
30 Die sich vergleichen wol den weisen 

In Babel zu loben und preisen, 

Wie köngklich mayestat in neben 

Wol Wirt von in hören und sehen. 

König Nebucadnezar geht ab mit all seinem hofgesindt. .Daniel, 
Hanania, Misael und Asaria gehn ein. Daniel spricht: 

Ir lieben brüder, lobt den Herren, . 
Der uns drey jar in also ferren 
Landen zu Babel hat erhalten, 
Sein barmung über uns lest walten 



so 



Unter den feinden un verhol. 
Werden doch gehalten so wol 
Beide mit kleidung, tranck und speib 
Und lest uns auch mit allem fleiß 
5 Allerley edel künst studiern. 

Hanania spricht : 

Deß sol unser hertz jubiliern 
In Gott, dem einigen haylandt, 
Der ob uns helt so gnodig handt, 
10 Das uns die feindt wollen so wol. 

Misael spricht: 

Inn allem man Gott dancken sol, 
Auch bitten, das uns Gott behttt 
Unser hertz, seele und gemüt 
15 Vor unser feindt abgötterey, 

Das wir den nit nachwandeln frey, 
Sonder anhangen Gott allein. 

Asarias spricht: 

Hoff, Gott werdt uns erhalten rein 
20 Mitten in der gottlosen rott. 
Er ist ie allein Herr und Got, 
Der alle ding erschaffen hat 
Durch seiner weißheit mayestat. 
Der haiden götter sindt veracht, 
[K 3, 1,291] Allein von menschen henden gmacht. 
Den wollen wir kein ehre geben. 

Hanania spricht: 

Wie wol wir müssen darunder leben 
Als gfangen, unser sündt ein plag, 

80 So wöU wir doch drey mal all tag 
Kniet zu Gott thon unser bat, 
Auch unser angsicht wenden stät 
Gegen Jerusalem, dem tempel. 
Nach der alten väter exempel, 

85 Aller abgötter müssig stehn. 

Daniel spricht: 



31 

Kombt! last uns von dem sal abgehn! 
Bei* küng mit seinem hofgsindt kombt. 
Zu bleiben hie, uns nit wol frombt. 

e gehen alle auß. Der könig geht ein mit seim hofgesindt, 
5 setzt sich unnd spricht: 

Ehrnholdt, geh, bring eillendt her 
Die Caldeer und warsager, 
Sternseher und weisen allesandt, 
Berümbt in der Caldeer landt! 

9r ehrnholdt geht ab. Die warsager und zauberer komen, 

neigen sich. Midas spricht : 

HeiT könig, was ist dein beger, 
Das du uns vorderst zu dir her? 

König Nebucadnezar spricht : 

15 Ich hab gehabt in diser nacht 

Ein träum, der mir nimbt krafft und macht, 
Der mich so übel hat erschreckt 
3,1,144] Und mich auß meinem schlaff erweckt. 
Nun saget mir (Ist mein beger), 

20 Was für ein träum gewesen wer! 

Credas, der ander, spricht: 

Herr könig, Gott der wöU dir geben 
Wolfart, gsundtheit und langes leben! 
Sag deinen träum uns deinen knechten! 
25 So wöll wir in deuten rtit rechten 
Und erklären durch weisen rat, 
Was gheimnuß der träum in im hat. 

König Nebucadnezar spricht: 

Der träum ist mir gar abgefallen, 
so Darumb so sag ich euch gleich allen: 

Werdt ir mir den träum nit anzeigen 

Sambt seiner deutung gantz und eygen, 

So solt ir sterben mit gefärden 

Und ewre heuser zerstöret werden. 
85 Werdt ir mir aber sagen wem 

J)en träum und sein deutung erklern, 



32 

Werdt ir habeu groß schenck und gaben, 
Will euch in grossen ehren haben 
In meinem reich vor iederman. 

Midas, der warsager, sprioht : 

s Großmechtiger könig, sag an 
Uns dein knechten dein nacht-gesicht ! 
Denn wöU wir mit klarem bericht 
Dein träum warhafftigklich außlegen. 

Der könig spricht: 

10 Ewer antwort thut mich bewegen. 
Weil ir den träum nit sagen kündt, 
So merck ich, das ir ungegründt 
Seit, geht allein mit lügen umb. 
[K 3, 1,292] Derhalb das urtheil auff euch kumb, 
15 Als die jr mich betriegen wölt ! 
Darumb den tranm ir sagen sölt. 
Darb'ey merck ich eben und schlecht, 
Das ewer deutung auch sey gerecht. 

CredaSy der Chaldeer, sprioht: 

20 Herr köng, es lebt auff erdt kein mann, 
Der solche ding bescheiden kan, 
So der köng von uns thut begern. 
Kein köng so mechtig lebt auff erdn, 
Der solchs von seinen sternsehern, 

25 Weisen oder sein Zauberern 
Begert zu wissen, weil er doch 
Menschlicher weißheit ist zu hoch. 
Es lebet auch auff erdt kein man, 
Der solche ding bescheiden kan. 

30 Allein wissen die götter das. 
Derhalb uns solch frag unterlaß! 

Der könig spricht zornig : 

Arioch, du köngklicher rlchter, 
Laß baldt annemen die bößwichter 
35 Sambt zu Babel sonst allen weisen, 

26 ? es. 



33 

Welche nur land und leut besclieissen, 
Welche uns bißher habn betrogen 
Mit irer phantasey verlogen! 
Rieht sie auff einen tag zum todt 
5 Nach meinem bevelch und gebot, 
Weil sie auß uns treiben den spot! 

Die trabanten fiirn die weysen ab , unnd gehet der könig 

auch ab. 



Actus 2. 

Daniel geht ein mit seinen geselln unnd spricht : 

Ir lieben brüder, es steht nit wol. 

Wist ir auch, das man morgen sol 

Auß deß königs strengen mandat 

Alle weise in diser stat 
15 Sambt uns auch fahen sol und tödtcn? 

Drumb thut uns betten wol von nöten, 

Das mir Gott solch weißheit wöl geben, 

Uns zu erretten unser leben, 

Dem könig sein träum zu erklern, 
20 Wie er von weisen thut begern. 

Hanania spricht: 

Ach, Gott hat uns verlassen nie. 

Sonder geholfen ie und ie. 

Dem wöl wir ietzundt auch vertrawen. 

25 Misael spricht: 

Und auff sein gnedig hülffe pawen. 
Wann es steht als in seiner hendt. 

Asarias spricht: 

Er ist die hülff in dem ellendt 
30 Allen, so seiner hülff begern. 
Die thut er guedigklich gewern. 
Derhalb wöl wir bitten zu im, 
Ab-zuwenden deß königs grim. 

Hans Sachs. XI. 3 



84 



Bio gehen alle auß. Daniel kombt , hebt sein hend auff und 

spricht: 

Gott sey lob in der ewigkeit! 
Sein ist beide sterck und weißheit, 
6 Der den weisen gibt in dem landt 
Beide die weißheit und vei-standt, 
Der offenbart zu aller frist, 
Was in der tieff verborgen ist, 
Im finsternuß, das niemandt sieht, 
10 Das bringt er herfttr an das Hecht. 
Ich danck dir, meiner vätter Gott, 
Der du mir hie in diser not 
[K 3, 1,293] Mir sterck verleyest und weißheit. 
Hast offenbart die haimligkeit, 
16 Die der könig zu wissen gert, 
Mich hast so gnedigklich gewert. 

Ariooh, daß konigs riohter, kombt. Daniel spricht zu ihm : 

Arioch, hör mich in den dingen! 

Thu die weisen heut nit umb bringen, 
») Wie der könig gebotten hat, 

Weil in irm vermögen nit stat 

Solliche ding zu richten auß! 

Für mich nauff in deß königs hauß ! 

So wil ich im sein träume sagen, 
25 Nach dem er so hefftig thut fragen. 

Arioch, deß königs richter, spricht: 

Mein Daniel, das thu ich gern. 
Wilt du dem köng den träum erklern, 
So wil ich im das zeigen an. 
30 Wolauff, so wöl wir gen hof gan. 

Sie gehn beidt ab. Der könig geht ein, setzt sich. Arioch geht 

ein mit Danieli. Der könig spricht : 

Arioch, wirst nach meim gebot 
Die weisen heut richten zum todt, 
85 Die mein träum künden nit außlegen. 

Ariooh, der richter, spricht: 



35 

Großmecbtiger köng, hie entgegen 
[A3, 1,145] Auß Juda ein gfangner jüngling 
Der untersteht sich diser ding. 

Der könig wendt sich zu Danieli und Bprioht 

5 Bist du, der mir hie sagen kan, 
Was ich im träum gesehen han? 

Daniel neigt sich unnd spricht: 

Dise ding und verborgne sach. 
Dem der könig hie fraget nach, 

10 Was im für kam in dem gesicht, 
Vermügen die warsager nicht 
Zu sagen durch ir kunst gemein, 
Sonder Gott von himel allein 
Kan verborgne ding offenbarn, 

15 Dardurch der könig mag erfarn, 
Was künfftiger zeit gschehen sol. 
Solchs wil icli dir anzeigen wol. 
Doch nit auß meiner weißheit kunst, 
Sonder auß Gottes gnadt und gunst, 

20 Der mich den träum berichtet hat. 
Nun merck köngkliche mayestat! 
Du, könig, sachst grausam und wildt 
Ein sehr groß, hoch, erschröcklich bildt; 
Sein haubt das war von golde klar, 

25 Sein brüst und arbm von silber war, 
Sein pauch und lendt von glockenspeiß. 
Sein schenckel von eisen gleicherweiß. 
Gemischt sein füß mit leimen dem eisen; 
Nach dem thet sich ein stein abreissen 

30 On hendt von einem berge hoch; 
Der zermalmet das bilde doch, 
Silber und goldt, eysen und ärtz 
Zu kleinem staube gar abwertz. 
Das es zerstube gar geschwindt, 

85 Gleich wie die sprewer von dem windt, 

Das du nit west, wo es hin kam. 

Aber der grosse stein mit nam 

Der zerschlug das bildt obgemelt, 

Erfült darnach die gantzen weit 

3* 



36 

Und wardt zn einem grossen berg. 
Das war dein traam mit wunderwerck. 

[El, 3, 294] Der könig Nebucadnezar spricht: 

Daniel, du hast ie war. 
5 Nun sag mir auch sein deutang klar! 

Daniel spricht: 

herr könig, da bist geleicb 
Ein köng über all königreicb, 
Die hat Gott in dein hende geben, 

10 Schier alles, was doch hat das leben, 
Menschen, thier, vögl, visch im meer. 
Den grösten reichthum, gwalt and ehr. 
Du bist dem galdin haupt geleich. 
Nach dir ein ander königreicb 

16 Wirt auff kommen, doch ringer vil, 
Das ich dem silber vergleichen wil. 
Nach dem kompt das dritt reich abwertz. 
Welches vergleichet wirt dem ärtz. 
Das vierte wirt ein hartes reich, 

20 Das wirt sein dem eisen geleich. 

Doch sein füß gmischt mit thaen and eisen. 

Dasselbig thut ans klar beNveisen, 

Das es wirt ein geraüschtes reich, 

Daz es wirt starck, doch schwach dergleich. 

25 Wirt ob einander halten nicht. 
Sonder endlich zu grand gericht. 
Aber zu diser zeit geleich 
Wirt Got von himel ein köngreich 
Auffrichten mit gwaltiger hendt, 

80 Das ewigklichen bleibt on endt. 
Das wirt sonst alle reich zerstörn. 
Das sie alle müssen auffhörn. 
Wie du denn sachst im traam allein 
Vom berg den abgerissen stein, 

85 Der das groß herrlich bildt zerschlag. 
Darmit hat Got anzeigt genug. 
Wies gehn wirt nach der zeit fürwar. 
So hast deß traumes deutung klar. 



37 



Der könig Nebucadnezar spricht 

Erst zweivel ich zu keiner frist: 
Dein Gott über all götter ist 
Und auch ein Herr über all herrn, 
5 Der offenbarn kan von ferrn 
Verborgne ding, wie ietzundt du 
Hast meinem träum gleich troffen zu, 
Das ich dir zu dem besten dencJ^. 
So hab diß kleinat dir zur schcnckl 

10 Auch solt du sein ein fürst erweit 
Über das landt Babel gestelt. 
Auch solst du der oberste sein 
über die weisen all gemein. 
Ir lieben freundt, zündet dem man 

15 Speißopfer und reuchopfer an! 

Daniel neigt sich unnd spricht: 

Herr könig, ich hab noch ein bitt, 
Die wölst du mir versagen nit. 
Das ich mein gselln, Hanania, 
20 Misael und Asaria 

Zu landtvögten setz alle drey. 

Der könig spricht: 

Ja, dasselb dir vergünnet sey! 
Schaff und gebiet, was dich gelust! 
25 Zu hof du bey mir bleiben must, 
Weil götlich weißheit wohnt bey dir. 
Darmit must sein behülflich mir. 
Das ich leut und landt wol regier. 

Sie gehen alle auß. 



30 Actus 3. 

Hanania, Misael und Asaria gehn ein. Hanania spricht: 

Misael, es ist die sag, 
Wie der könig auff heutign tag 
[K3, 1,295] Ein guldin bildt anffrichten werdt, 



38 

Sechtzig elen hoch von der erd. 
SolHchs solt Daniel nit leiden, 
Sonder eh von dem hof sich scheiden 
Und gar meiden Babel, das landt. 

6 Misael spricht : 

Hanania, gar on verstandt 

Eedtst du. Meinst da, das Daniel 

Nit hab darob hertzliche quel? 

Meinst nit, er hab das an den orten 
10 Dem köng gewehrt mit Gottes worten? 

Wil sich der köng nit keren dran, 

So hat Daniel das sein than, 

Wann er gar kein bevelch nit hat, 

Dem köng zu wehrn mit handt und that, 
lö Sonder nur Gottes wort zu lehrn. 

Gott muß dem köng sein hertz bekern, 

Wann sein hertz steht in Gottes hendt. 

Asarias spricht: 

Ja, so halt ichs auch an dem endt. 
20 Wenn gleich der köng das bild auffricht, 

Dieweil wir im nur opfern nicht. 

Auch nit ehren noch betten an. 

Noch mit heuchlen es loben than, 

So haben wir daran kein schuldt. 
S6 Wir müsseus leiden mit geduldt. 

Groß herren die thun was sie wollen. 

Wer wil sich irm gwalt widerstellen? 

Wir müssen das bevelhen Got, 

Weil er sein wort helt für ein spot. 

[A 3, 1, 146] Hanania spricht: 

Schweigt, schweigt der wort gantz überall 
Der könig geht ein auff den sah 

Der könig geht ein mit seim hofgesindt. Die drey stehn auff 
ein ort, man stelt das groß bildt auff. Der könig spricht : 

85 Ich hab auß geschickt in dem landt 
Nach den gwaltigen allensandt, 
Fürsten, herni, landvögt, amptleut. 



39 

Richter und rät, zu kommen heut, 
Mein guldin bilde ein zu weyen. 
Du ehreniioldt, thu baldt außschreyen, 
Wie ich dir heut bevolhen hab 
6 Vor allem volcke ab und ab ! 

Der ehrnholdt tritt herfür und spricht : 

Hört alle, so herkommen seyen, 

Deß königs bilde ein zu weyen 

Zu Babel, deß Caldeer-landts, 
10 Was wirrden ir seit oder standts. 

So habt anffmercken all zu mal, 

Baldt ir hört der posaunen schal, 

Harpfen, hörner und die trometen, 

Psalter, harpfen, schwegel und fleten, 
15 So baldt falt nider an der stet 

Für das guldin bildt, das anbetti 

Und wer aber das selb nit thut. 

Der muß sterben in fewers glut. 

Solchs königkliche mayestat 
20 Euch ernstlich gebieten lat. 

Man focht an zu hofiern. Alles hofgesindt feit aulT die knie, 
die drey stehn aufiT ein ort aufPrecht stilL Der ehrnholdt 

kombt und spricht : 

Herr köng, Got geh dir langes leben! 
25 Heint hast du ein gebott außgeben, 

Baldt man hör der trometen schalin, . 

So sol iederman nider falln 

Für dein bildt und es betten an ; 
[K 3, 1,296] Wer aber das selb nit wolt than, 
so Derselbige solt mit geferden 

Inn fewerofen geworffen werden. 

Nun sindt alhie drey jüdisch man, 

Die selbign wollen das nit than, 

Sindt doch deine landtvögt im landt. 
85 Misael ist der ein genandt, 

Der ander heist Hanania 

Und der dritt Asaria. 

Die haben veracht dein gebot 

Und gar kein ehr thon deinem Got, 



40 

Nemlich deim galdin hohen bildt, 
Sindt halßstarrig, verstockt und wildt. 

Der könig spricht : 

Baldt bringt her Hananiaro, 
6 Misael and Asariam! 

Sie bringen die drey gefengklioh. Der könig spricht zornig: 

Wie, das ir drey nnghorsam seit 

Unter allem voick diser zeit 

Und diß mein bildt nit bettet an, 
10 Das doch sonst hie thut iederman? 

Drumb schickt euch ! wenn man wirt trometn. 

Hofiert mit saitenspiel und fletn. 

So falt nider und bettet an! 

Und wo ir werdt dasselb nit than, 
15 So solt ir all drey mit gefärden 

In fewerofn geworffen werden. 

Last sehen, wer ewer Got sey, 

Der auß meiner handt euch mach frey! 

Hanania spricht : 

20 Herr künig, es thut gar nit not, 

Das wir antworten. Unser Got 

Ist almechtig, welchen wir ehrn; 

Kan uns wol retten und ernehrn 

Vom fewerofen und dem brandt 
25 Und frey machen von deiner handt. 

Asarias spricht : 

Ja, könig! obs Gott nit wolt than. 
Im fewerofen uns beystan. 
So solt du, künig, wissen das, 
80 Das wir doch gar nit solcher maß ♦ 

Deinen abgott hie ehren wollen. 
Darzu uns deine trowort sollen 
Nicht nöten, auch kein gab noch schenck. 

Misael spricht: 

35 Ja, künig, änderst nit gedenck, 
Das wir uns wollen unsem glauben 



41 

Durch dein trowort lassen berauben, 
Uns eh verzeihen ehr, gut und leben. 
Gott kann das alles wider geben. 
Er ist ein almechtiger Got, 
5 Der uns verlest in keiner not. 

Der könig spricht: 

Nun, ir trabanten und kriegsleut, 

Bey meiner krön ich euch gebeut : 

Geht hin und heitzt das ofenfewer , 
10 Siben mal gi'össer und ungehewer 

Und bindet nachraal die drey mann, 

Die mein gebot verachtet han. 

Und werffet sie mit leib und gut 

Hinab ins fewerofens glut 
15 Und lasset sie darinn verderben, 

In ires Gottes namen sterben ! 

Man bin dt sie und fürt sie ab. Ein tiabandt kompt gelaufifen 

unnd spricht: 

Herr künig, als wir die drei mann 
20 In fewerofn geworflFen han, 

Da hat herauß gar ungehewer 
[K 3, 1,297] Geschlagen das wildt flamment fewer 

Und hat auch trutzig an dem endt 

Sehr vil deins hofgesinds verbrendt, 
25 Welche das fewer theten schürn, 

Das wir nit melir zum ofen dürn. 

Der könig spricht : 

Ich wil auch gehn in ofen sehen. 
Was Wunders alda ist geschehen. 

Der konig steht auf, geht gegen dem ofen, sieht samb hinein 

und, spricht: 

Ich wirt ob diser that zu letzt, 
Gleich erschluchtzet und gar entsetzt. 
Ir liebn getrewen, sind nit drey mänder 
35 Gebunden jüdische außlender. 
Worden geworfn in ofen nein. 
Die verachten die Götter mein? 



42 



Arioch, der fürst, spricht : 

Ja, herr künig, nach deim mandat 
Man ir drey nein geworfen hat. 

Der konig spricht: 

5 Nun sich ich ir doch vier darinnen 

Im fewer gehn und gar nit hrinnen, 

Gar unverseert, ledig und loß 

Und der viert ist herrlich und groß, 

Als ob er wer der götter söhn. 
10 Ich will baß hinein schawen thon. 

[A 3| l, 147J Der könig schaut wider hinein , hebt darnach sein 

hendt auff und spricht: 

Ir gottes knecht, Hanania, 
Misael und Asaria, 
15 Nun kombt her auß dem fewer wider! 

Sie kommen alle drey herauß, heben ir hendt auff. Aspenas 

spricht : 

Nun secht an groß wunder ein iedcr! 
Das gwaltig fewer hat fürwar 
20 Ir keinem besengt part noch bar. 
Unversehrt ist auch ir gewandt. 
Man reuchet auch an in kein brandt, 
Als werens gsessen in grüner aw 
Unter eim feuchten külen thaw. 

Der könig hebt sein hendt auff unnd spricht : 

Gelobt sey der Got Hananie, 

Misael und Asarie, 

Der seinen engel hat gesandt, 

Der seine knecht mit seiner' handt 
80 Errett, welche vertrawten Got 

Und nit hielten deß köngs gebot, 

Sonder haben ir leib dargeben 

Und eh gewagt ir leib und leben, 

Eh sie frembdt götter ehren sein 
35 Und die anbetten, sonder allein 

Woltens anbetten iren Got! 



43 



So sey nun dises mein gebot: 
Wer unter aller völcker schar 
Den Got der dreyer männer klar 
Übel redt, lestert oder schendt, 

5 Der 80l umbkommen an dem cndt 
Und sein hauß schendlich zerstört werden, 
Wann es ist sonst kein Got auff erden, 
Der so gewaltig helfen kan 
All, die vertrawen auif in han. 

10 Nun nembt wider in ewer handt 
Den gwalt in Babel und dem landt, 
Die weil ir habt Gottes verstandt! 

Sie gehen alle auß« 



Actus 4. 

Der könig geht ein mit seim hofgesindt, setzt sich trawrig und 

spricht : 

[K 3, 1,298] Ich hab die nacht gehabt ein träum 
Von einem hohen grossen bäum. 
Und als ich ob dem träum erwacht 
20 Und deß traumes gsicht nach gedacht, 
Wurden mir betrübt all mein sinn. 
Darumb so gehet eillendt hin! 
Rtifft mir herauff die sternseher 
Und alle weise der Caldeer 
25 Zu Babel und alle warsager, 

Schwartz-künstner und die teufelfrager. 
Das sie mir meinen träum außlegen, 
Darob mich groß forcht thut bewegen! 

Der ehrnholdt geht ab. Aspenas, der oberst kamerer, spricht: 

30 Der köng sol sich gehaben wol 
Und sich nit hart betrüben sol. 
Der träum wirt durch die weisen leut 
Zum aller-besten im gedeut. 

Die warsager und zauberer komen mit Danieli. Midas, der 
35 erst, spricht; 



44 



Großmechtiger köDg, hie kommen wir 
Als die gehorsamen zu dir. 
Schaff und gebeut mit uns allein! 
Wir willig und gehorsam sein. 

6 Der konig spricht: 

Ich hab gehabt anff meinem pett 
Ein träum, der mich erschrecken thet. 
Inn dem gesiebt sah ich zu handt 
Ein bäum, der stuhnd mitten im landt. 

10 Sein hoch reicht an den himel klar, 
Breit sich über das lande gar. 
Sein est die waren dick und grün, 
Trug vil der guten fruchte schön, 
Darvon das wildt sich nehret schier 

15 Und auff dem veldte alle thier 
Iren schatten darunter betten. 
Auff disem bäum auch nisten theten 
Die Vögel deß himels zu preiß. 
Auch het als fleisch von im sein speiü. 

80 Nach dem im träum ich gsehen hab: 
Ein heiliger engel fuhr herab. 
Der scbriere gar mit lauter stim: 
Hawet umb disen paum und grim 
Beschneitet seine este grön 

25 Und streifft im ab sein bletter schön 
Und seine fruchte im zerstreut. 
Das die thier von im fliehen heut, 
Die Vögel von sein zweigen fliegen! 
Doch last die wurtzel im erdtrich liegen! 

so Er sol mit ärin und eisern ketten 
Auf dem veldt in dem walt umbknetten« 
Er sol naß werden von himels thaw 
Sich waidn mit den thiern in der aw 
Von graß und kreuter auß der erden. 

35 Sein menschlich hertz sol im gnomen werden 
Biß über in umb sein siben zeit. 
Solchs ist beschlossen durch weißheit 
In dem gesprech der heiligen rat, 
Das die leut lehren auß der that, 

40 Das der höchste hab gwalt geleich 



45 

Auff erdt über all köHigreich 
Und giebet sie, welchem er wil, 
Und erhöcht der nidrigen vil. 
Das ist der träum, ir weisen lent! 
5 Nun zeiget mir, was der bedeut! 

Die zwen warsager sehen einander an» raunen einander in die 

ohrn. Credas spricht : 

Qroßmechtiger köng, Qot wöl dir geben 

Gesundtheit, glüek und langes leben! 
10 Dieser träum der ist uns zu wunderlich 

Von den göttern erschienen sonderlich, 
[K 3, 1,299] Wann unser kunst die reichet nur. 

Zu deutn die träum, die von natur 

Dem menschn erscheinen bey der nacht. 
15 Der götter träum hab wir kein macht. 

Was der bedeut, könn wir nit sagen. 

Thu ander weiß leut darumb fragen! 

Sie gehn beidt ab. Der könig spricht: 

Mein Daniel, sag! was bedeut 
20 Der träum? ich weiß, das du noch heut 

Hast der heiligen götter geist. 

All verborgene ding du weist. 

Derhalb sag die deutung erweit 

Deß traums, den ich hie hab erzelt, 
25 Den die Caldeer künden nit! 

Darumb sag her! das ist mein bitt. 

Daniel neigt sieh unnd spricht : 

Herr köng, deß traums bin ich entsetzt. 
Sein deutung mich betrübt zu letzt. 

so Der könig spricht : 

Mein Daniel, betrüb dich nicht! 
Sag, was bedeutet das gesiebt! 

[A 3, 1, 148] Daniel spricht: 

Wolt Gott, und das der träum allein, 
85 Herr könig, gült den feinden dein! 
Den panm, den du sähest, fürwar, 



46 



Deß hoch reicht an den himel klar, 
Sich anßbreit aber das gantz landt, 
Sein est vol fruchte allesandt, 
Darvon sich speisten alle thier 
5 Und woneten darunter schier 
Und die vögel unter dem himel 
Sassen anff sein zweign mit gewimel, 
Herr könig, diser bäum da bist, 
Denn dein reich groß und mechtig ist, 

10 Reicht hoch biß an das firmament 
Und dein gwalt biß an der weit endt 
Das du hast aber ein engel gsehen 
Von himel farn, der thet jehen: 
Haut ab den bäum, verderbt in glat! 

15 Den stam mit wurtzeln bleiben lat! 
Er aber sol in eisern ketten 
Aaff dem veldte im graß umb knetten 
Werden vons himels thawe naß, 
Mit dem wildt essen kraut und graß, 

20 Biß hinüber seindt siben jar, 
herr könig, die deutung klar. 
So her kombt auß dem höchsten rat, 
Wirt gehn über dein mayestat. 
Wann du >Yirst von deins reichs genossen 

25 Kürtzlich von deinem reich Verstössen, 
Im walt eßn mit den ochsen graß 
Und von himels thaw werden naß. 
Biß über dich vergehn 7 jar. 
Biß das du auch erkennest klar, 

30 Das der höchste gwalt und macht hab, 
Künig zu setzen auff und ab. 
Das aber ist gesaget kurtz: 
Man sol den stock mit seiner wurtz 
Noch lassen bleiben in der erden, 

85 Deut, das dir widerumb wirt werden 
Dein künigreich, wenn du erkendt 
Hast in solchem jamer, ellendt 
Den gwalt himlischer mayestat. 
Darumb laß dir gefallen. mein rat! 

do Mach dich von deinen Sünden loß 
Durch gUrechtigkeit und barmung groß 



47 

Mit wolthat der dürfftigen armen, 
So Wirt sich Gott auch dein erbarmen, 
Mit deinen Sünden habn geduldt, 
Darmit du die straff hast verschuldt ! 

[E 3, 1, 300] Sie gehen alle auß. Der könig geht ein und spricht: 

Daniel hat mir ein straff benendt. 

Zwölff monat seit vergangen sendt. 

Derhalben so wirt nichts darauß. 

Solch straff schlag ich in wind hinauß. 
10 Das ist Babel, die grosse stat, 

Die ich mir hab erbawet glat 

Zu einem königklichen haus 

Durch mein grosse macht uberauß, 

Zu ehren meiner herrligkeit. 
15 Kein köng ist mir gleich dise zeit. 

Der engel kombt und spricht: 

Dein köngreich wirt dir gnomen werden, 

Wirst verstoßn von leutn auff erdn, 

Wirst bey den thieren wohn fürbaß 
20 Im walt, wie der__ochs essen graß. 

Biß 7 zeit verschienen sein 

Und du erkenst im hertzen dein. 

Das der höchst hat gewalt warleich 

Über der menschen künigreich, 
25 Das er sie giebet, wem er wil, 

Und wider nimet auff ein ziel. 

Der engel geht ab. Hie wirdt der könig unsinnig, schreyet, 

tobet, kratzt unnd krelt, sie fallen ihn an unnd. füren ihn ab. 

Aspenas und Arioch kommen wider. Aspenas spricht : 

30 Wie ist unserm könig geschehen? 
Solch gebärdt hab ich vor nie gsehen. 

Arioch, der fürst, spricht: 

letzundt wirt gleich der könig plagt, 
Wie im hat vor eim jar gesagt 
85 Daniel. Er ist unsinnig worn, 
Thut beissen, kreln und rumorn 
Und wil erwürgen jung und alt. 



48 

Ist nauß geloffen in den waldt. 

Da kreucht er umb auff allen vieren 

Bey dem viech und den wilden thieren 

Und isset mit in kraut und graß, 
6 Wirt von deß liimels tliawe naß. 

Sein negel zu wachsen anfahen 

Oben geleich den vogcl klaen 

Und sein har wie die adler federn, 

Sein haut wirt rauch sambt seinen ädern 
10 Und ist auch gar wütig und grim. 

Kein mensch darff sich neben zu im, 

Er zerriß es zu kleinen stucken. 

So thut im Got ernidcr trucken 

Sein groß hoffart und ubermut. 

15 Aspenas sp rieht: 

Doch man im noch erhalten thut 
Sein königkliches regiment, 
Biß sein unsinnigkeit sich endt 
Und er komb wider zu vernunfft, 
20 Das wir all hoffen in zukunfft. 

Fleuch, fleuch! der könig kreucht da her. 
das ich vor der pforten wer! 
Komb! laß uns in den winckel stan 
Und laß sehen, was er wil than! 

Der konig kreucht hinein, sie fliehen. Er hebt sein angesieht 
gen himmel , rieht sich aufP die knie, legt sein hendt zusam 

und spricht: 

Dem höchsten sey lob, preiß und ehr, 

Der lebt ewig und immer mehr, 
30 Deß gwalt auch weret ewigkleich, 

Auch weret für und für sein reich, 
[K3, 1,301] Qegn welchem aller menschen kindt 

Auff erden nichts zu rechen sindtl 

Was er will, das selbig muß werden 
35 Im himel und bey den auff erden. 

Niemandt kan seiner handt sich wehrn. 

Er kan uns demütign und lehrn. 

Als er mir namb vernunfft und sinn. 

letzt aber erst erkenn ich in. 



49 



Arioch und Aspenas, die füraten, heben ihn auff. Aspenaa 

spricht : 

Du großmechtiger könig, kumb, 
Wideramb in dein königthnmb ! 
' 5 Sitz mder auff dein köngklichn thron, 
Den wir dir vorbehalten hon! 

Der könig spricht: 

Nun wil ich schreiben in alle landt, 

Das allen menschen werdt bekandt 
10 Solliche wunderbare that, 

Die Got an mir volendet hat 

Dem himel-köng zu preiß all zeit, 

Wann all sein thon das ist warheit, 

All seine weg sindt recht und gut, 
15 Der die hoffertign stürtzen thut 
[A3, 1,149] Und kan sie bringen zu demut. 

Sie gehen alle ab. 



Actus 5. 

Hanania, Misael und Asaria gehn ein. Hanania spricht : 

20 Der alte künig der ist todt, 

Wellichen hat demütigt Got, 

Das im der hochmut war vergangen. 

Belsacer, sein söhn, hat entpfangen 

Das reich und sitzt im regiment. 
26 Doch dunckt mich, wie er an dem endt 

Auch etwas wöl hochmütig werden. 

Misael spricht: 

Ja gleich mit werten und gebärden 

Erzeigt er heimlich sein hochmut. 

so Er wirt int leng auch thon kein gut. 

Weil er mit seinem stoltz und pracht 

Zu hof alle ding Übermacht 

In seiner dollen thummen jugendt, 

Acht weder gut Sitten und tugendt, 
Hans Sachs. XI. 4 



50 

Die doch eim fürsten wol anstehnd. 
Laster, unzncht im lieber sendt, 
Es ist kein gottes-forcht in im. 

Asaria spricht : 

5 Du hast war. Auff heut (ich vernim) 

Wirt er ein grosses pancket halten 

Mit seinen fttrsten, jung und alten, 

Mit sein kebsweiben und hauptleuten, 

Das man im nit zu gut ist deuten. 
10 Er sauiTt sich all mal truncken vol, 

Das einem künig zimbt nit wol, 

Der stäts sol sein in nüchterkeit, 

Seiner gscheift warten alle zeit, 

Weil er doch hat die feindt im landt, 
15 Köng Darium mit mort und brandt. 

Kom, weich! die tisch wil man gleich decken. 

Last uns ein weil stehn in ein ecken! 

Man deckt den tisch. Könis Belsacer geht ein mit sein fürsten, 

setzt sich unnd spricht: 

20 Aspenas, geh hin! bring on irr 

Die guldin und silbern geschirr, 

Die mein vatter raubet vor dem 
[K3, 1,302] Auß dem tempel Jerusalem, 

Der 50Ö0 vierhundert war! 
25 Bring uns nur her von golde klar, 

Die man namb auß dem gottes-hauß 

Und lasse uns zechen darauß! 

Last uns sein ires Gottes spötter 

Und loben unser gwaltig götter. 
30 Guldin, silbern, hültzin und stainen. 

Die uns mit allen trewen mainen. 

Uns geben gwalt und guts genung! 

Darauff bring ich dir disen trunck. 

Sie bringens einaiider umbhin. Der künig schawt gegen der 
wandt» fehrt vom tisch auff und spricht : 

m 

Ey, ey, was bedeut jhene handt, 
Welche dort schreibet an die wandt? 
Wie hart ist mir mein hcrtz erschreckt! 



61 

Mein gmüt vor ängsten sich anstreckt, 
Das mir gleich zittern faß und hendt. 
Mir schüchtern beide brast und lendt. 
Baldt bringet herauf die warsager, 
5 Die stemseher und teufelfrager ! 

Der ehrnholdt geht ab. Der könig spricht : 

Von hertzen erschreckt mich die schrifft; 
Weiß dannoch nit, wo sie hin trifft. 

Die warsager und zauberer komen. Midas spricht: 

10 Herr köng, was wil dein mayestat, 
Welche uns her vordert so spat? 

Der könig spricht : 

Es ist herfür gangen ein handt, 

Die hat geschriebn an jene wandt. 
15 Welcher die geschrifft lesen kan 

Und mir ir deutung zeiget an, 

Dem wil ich ein purpurkleidt gebn, 

Ein guldin ketten schenckn darnebn 

Und sol der dritt herr sein geleich ■ 
20 Nach mir im gantzen köuigreich. 

Die zaubrer sehen die wandt an. Credas spricht: 

Wir künden der schrift lesen nicht 
Noch weniger geben bericht, 
Was sollich schrifft bedeuten sol. 
25 Wir sehen sie geschriben wol. 
Das ist von den göttern geschehen. 
Nichts kündt wir dir darvon verjehen. 

Die warsager gehen ab. König Belsacer windt sein hendt, 

stellt sich grewlich, spricht : 

so Erst ist mir angst und pang fürwar, 
Seit ich die deutung nit erfar 
Der schrifft auß der warsager kunst. 
Ist warlich gschriben nit umb sunst. 

Arioch, der forste spricht: 

35 Herr könig, Gott der wöl dir geben 

4* 



62 

Deins hertzen wünsch und langes leben! 

Laß dich nit schrecken solch gedancken, 

Solch forcht und inwendiges zanckenl 

Es ist ein mann in deim köngreich, 
5 Der hat den gaist der Götter gleich. 

Der wardt mit Juda her gefangen 

Vor etwan vil jaren vergangen, 

Wann vor bey deines vatters standen 

Wardt bey im erleuchtang gefanden, 
10 Klugheit und der götter weißheit, 

Wie die götter haben all zeit. 
[K 3, 1,303] Dein vatter Nebucadnezar 

Setzt in über der weisen schar. 

Die Sternseher und Galdeer, 
15 Warsager und die zauberer, 

Dieweil denn nach der götter art 

Der hoch geist bei im funden wardt, 

Verstandt und weißheit, treum zu deuten 

Und zu offenbaren den leuten 
20 Verborgene sachen und thaten 

Und dun ekel Sprüche zu erraten. 

Der könig spricht: 
Wer ist der mann? und wie genandt? 

Arioch, der fürst, spricht : 

25 Daniel heist er, weit bekandt. 

Geh, ehrnholdt! thu in her bringen! 
Der Wirt sein hülflich zu den dingen. 

Der ehrnholdt bringt Danielem , der neigt sich. Der könig: 

spricht : 

30 Bist du Daniel, der gefangen 

Einer auß Juda, den vor langen 

Jarn mein vatter bracht auß Juda? 

Ich hab gehöret, du habst ja 

Den geist der götter in dem landt, 
85 Erleuchtung, weißheit und verstandt, 

Das sey bey dir funden dermassen. 

Nun hab ich für mich vordem lassen 
[A3, 1,150] Die warsager zum reich gestifft, 



53 



Das sie mir lesen die geschrifft, 
Welche ein Tvnnderlich handt 
Geschriben hat an jene wandt; 
Selten mir auch ir dentung sagen. 

5 Doch theten sie daran verzagen. 
Eanst du aber die schrifft mir lesen 
Und was ir deutung ist gewesen, 
Ein purpur-kleidt wil ich dir schencken, 
Ein guldin ketten an dein hals hencken 

10 Und solst der dritte herre sein 
Nach mir in dem königreich mein. 

Daniel spricht: 

Behalt dir selber deine gab, 
Der ich auch nie begeret hab! 

15 Wil doch die schrifft dir lesen heut, 
Auch anzeigen, was sie bedent. 
Herr könig, Got, der höchste zwar, 
Hat deim vatter Nebucadnezar 
Königreich, macht und ehre geben, 

20 Das sich vor im scheweten eben 
Yast alle völcker, leut und landt. 
Wen er wolt, tödtet er zu handt, 
Erlöset auch, die er het boldt. 
Und erhöhet auch, wen er wolt; 

25 Wem er feindt war, thet er vertrücken 
Und thet in allem im gelücken. 
Darob sein hertz erhaben wardt. 
In stoltz hochmütiger hoffart 
Wardt er außgstossen von seim reich, 

30 Verlor sein gwalt und ehr dergleich, 
Darzu sein sinn, witz und vernunfft 
Und wont bey der thierischen zunfft, 
Fraß wie der ochs kraut und auch graß, 
Sein leib von himel-taw wardt naß, 

35 Biß er lernt, das der höchst hat gleich 
Gwalt über alle königreich, 
Das er sie gibet, wem er wil, 
Und stürtzet, wer treibt hochmuts vil. 
Und du, Belsazer, bist sein söhn, 

40 Hast dein hertz nit demütign thon, 



54 

Ob du gleich sollichs als \\o\ weist, 
Sonder in hochmütigem geist 
Hast über den Herrn crhabn dich, 
Liest bringen die gefeß fräflicli, 
[K 3, 1,304] Die man raubt aaß deß Herren hauß, 
Und du hast gesoffen darauß 
Mit dein gewaltign auß mißtrawen, 
Mit deinen frawen und kebsfrawen, 
Dem Hern im himel zu einem trutz 

10 Und hast gelebt der hülff und schütz 
Deinr guldin, silbern, steinen götter; 
Bist gwest deß waren Gots ein spötter; 
In welches handt doch steht dein leben, 
Dem hast du nie die ehre geben. 

15 Darumb ist zu dir gesandt 

Die hendt, so dir schrieb an die wandt 
Die wort, welche lauten also 
Sampt irer deutung (merck aldol): 
Mane, das ist: Got hat dein reich 

w Gezelt und geendet geleich; 

Tekel : man wag dich auff einr wag 
Und fund dich zu leicht auff den tag. 
Peres: dein reich ist zertheilt eben 
Und den Meden und Persen geben. . 

25 Der könig spricht : 

Eombt! bekleidt Danielem pur 
Mir gleich mit eim schönen purpur! 
Hengt im ein ketten an sein halß! 
Und du solt gentzlich sein nachmals 
30 Der dritte herr nach mir geleich 
Im babylonischen köngreich. 
Weil du hast den geist der weißheit. 
Das du die Gottes heimligkeit 
Eanst offenbaren alle zeit. 

85 Sie gehen alle ab. 



Actus 6. 



55 



Hanania, Misael und Asaria gehn ein und Hanania spricht: 

Ir liebn brüder, secht an besunder 

Die Gottes plag und straff mit wunder, 

Wie Got bat unsern köng gesttirtzt, 
5 Sein gotloß leben im abkürtzt 

Heint in diser vergangen nacht, 

Das künig Darius mit macht 

Babel, die groß stat, hat eingnommen 

Und doch nit darumb her ist kommen, 
10 Sonder hat heimlich fürhin wölln zihen, 

Wider in Meden wollen fliehen. 

Da hat er die thor offen funden. 

Derhalb hat die that unterwunden 

Und hat im auch glücklich geraten. 

15 Misael spricht: 

Unser köng ist schuldig an den thaten 

Mit seiner nechtign füllerey 

Mit allem hofgesindt darbey; 

Dasselb war als truncken und vol, 
20 Hauptleut und kriegsleut gleich als wol, 

Haben an der stat alle pforten 

Offen gelassen an allen orten. 

Da ist eingfalln der feinde beer 

Mit fried on alle gegenwehr. 
25 Kein mensch hat im thon widerstandt. 

Die wechter verschlieffens allsandt, 

Das diser grosser schadt ist gschehen. 

Asarias spricht : 

Es ist auß Gots verhengknuß gschehen. 
30 Wann wo man hat Gottes Ungunst, 

Da wachen all wachter umb sunst, 

Und nimbt dem krieges volck das hertz 

Und stürtzt die reutter hinterwertz. 

Also hat Gott diß regiment 
85 Eim andern geben in sein hendt, 

Nemlich dem köng auß Fersen und Meden, 

Wie Daniel darvon thet reden. 

Villeicht wirt er besser regiern, 



56 

Zu hof all ding baß ordinicrn. 
[E 3, 1,305] letzt kombt köngkliche mayestat 

Baldt aoß dem sal uns weichen lat! 

Sie gehen alle auß. Der konig Darius geht ein mitt Daniel!, 
Arioeh, Aspenas unnd dem hofgesind, setzt sich unnd spricht : 

Weil ich letzt hab in meiner hendt 

Das babylonisch regiment 

Und das erlanget mit dem schwerdt, 

So wirt von mir hertzlich begert, 
10 Das wir forthin an disem endt 

Haben ein ruhig regiment. 

Derhalben wir ietzunder wollen 

Hundert und 20 landvögt bstelln 

Im landt hin und her in all ampt, 
15 Das auß unfleiß werdt nichts versambt. 

Und über diese landvögt frey 

Will ich setzen der forsten drey 

Fürnemlich dich, mein Daniel! 

Und zu hülff ich dir auch zustell 
20 Arioch und auch Aspenas, 

Mit der bescheidenheit, und das 

Euch dreyen järlich alle jar 

Die landtvögt thun ein rechnung klar. 

Ir liebn getrewen, globet an, 
85 Solchs mit allen trewen zu than! 

Sie rüren deß konig^ septer an. Der konig spricht: 

[A3, 1,151] Nun last uns in die cantzeley. 
Solche landtvögt erwelen frey 
Und ein newe Ordnung beschreiben, 
30 Darbey es vort sol al zeyt bleiben! 

Sie gehen alle ab. Aspenas und Arioch gehn auß. Aspenas 

spricht : 

Mein Arioch, wie gefeit es dir 
Das gentzlich sindt verachtet wir 
85 Vor unserm newen könig doch? 
Der helt Daniel werdt und hoch. 
Den jüdischen gefangen man. 
Und wo wir nit darzu wem than, 



57 

Wirdt in der könig setzen warleich 
Ein fürsten über das gantz köngreicb. 
Raht, wie wir sollichs mttgen brecbeji! 

Arioch, der füret, spricht: 

5 An im kttndt wir uns nit wol rechen. 

Er helt sich wol in seinem standt, 

Das in kan dadeln gar niemandt, 

Noch zeihen einer missethat. 

Derhalben wer allein mein raht, 
10 Das wir in mit list thetten fangen, 

Das sein gelauben thet belangen, 

Darob er helt gar starck and vest. 

Sonst kein list noch reuck nit west. 

Das wir Daniel möchten fangen. 

15 Aspenas, der fürst, spricht: 

Ich hab auch diese nacht vergangen 
Ein list erdacht, der wirt nit fehlen; 
Den wil ich dir auch nit verheln. 
Doch kumb! es ist alhie uns beden 
20 Yon diesem handel nit zu reden. 

Sie gehn beid ab. Der könig geht ein, setzt sich und spricht: 

Nun hab ich in meimb künigthumb 
Daniel, ein mann trew und frumb, 
Welcher hat den geyst der weyßheyt. 
[K 3, 1,306] Den wil ich setzen mit der zeyt 
über all fürsten in dem reych. 
Weil im kein fürst sunst ist geleych. 

Ariooh und Aspenas , die fürsten , kummen, bringen ein man- 

dat. Aspenas spricht: 

so Herr könig, Gott der wöl dir geben 

Ehr, gwalt und macht und langes leben! 

Herr könig, die fürsten in deim reych, 

Landtvögt und haubtleut dergeleych 

Haben einmütiglich bedacht, 
85 Zu ehren deiner küniglichen macht, 

Das du lest außgehn diß mandat, 

Das ein sollichen Inhalt hat, 



58 

Das in dreissg tagn nach deim gebot. 

Niemandt von menschen oder Gott 

Sol etwas bitten mit begir, 

Denn allein, herr könig, von dir, 
5 Und wer das nberfaren thet, 

Das man den selben an der stedt 

Sol werfen in den löwen-graben. 

Solchs wir also beschrieben haben. 

Derhalben bit wir: diese ding 
10 Versigl, herr könig, mit deinem ring 

Und besthete diß mandat frey, 

Das es unwiderrüfflich sey 

Und gehalten ahn Widerreden 

Nach brauch der könig Fersen und Meden \ 

Der konig schawdt das mandat, nach dem siegelt ers unnd 

spricht: 

Weil es euch all dünckt recht und gut, 
Ich das auch mit willigem mut 
Besthet euch, ir lieben getrewen, 
20 Und sol mich nimmer mehr gerewen, 
Warmit ich euch nur kan erfrewen. 

Sie gehen aUe auß. 



Actus 7. 

Daniel geht allein ein. 

25 Der liönig sich unterschriben hat 
Einem sehr gottlosen mandat, 
Das die forsten haben erdicht, 
Auß neidt über mich zu gericht, 
Mich dardurch zu bringen in nobt. 

so Dennoch so wil ich meinen Gott 
Anbeten drey mal alle tag, 
Wie ich denn bißher al zeyt pflag. 
Mein angsicht gehn Jerusalem kern. 
Meinen Gott da anbeten und ern, 

35 Das mir niemandt verbieten sol. 
Mein Gott kann mich behüten wol 



59 



Daniel kniet nider , hebt sein hendt auff und bett heymlich. 
Aspenes unnd Arioch kummen, sehen Danielem beten. Aspenas 

spricht : 

Sichstu dort kummen den jüdischen man, 
5 Das er bett Gott, seinen Herren, ahn? 
Das thut er drey mal alle tag, 
Das er nun nit gelangen mag, 
Wider das küniglichc mandat. 
Wir wölns anzeygen seiner mayestadt. 

Sie gehen beidt ab. Daniel steht auff , geht auch ab. Der 
konig gehet ein mit Danieli und spricht: 

Wo sindt die fürsten auff den tag? 
Ich het bey in zu thun ein frag. 

[K 3, 1, 307] Die zwen fürsten kummen. Arioch , der fürst, 
15 spricht : 

Großmechtiger könig, es ist ein man, 
Der hat einen Gott bettet ahn 
Wieder dein küniglich mandat, 
Darmit den todt verschuldet hat. 

20 Der könig Darius spricht: 

Ja, nach dem recht der Person undMeden 
Sol er sterben ohn wiederreden. 
Zeigt mir nur den Verbrecher ahn! 

Asponas spricht: 

25 Daniel, der gefangen man 
Auß Juda, veracht dein mandat 
Und auch dein künglich mayestadt 
Und dir gcleich zu einem spodt 
AI tag drey mal bett an sein Gott. 

so Der könig spricht : 

£y, Daniel hat das nit than. 
Er ist ein auffrichtiger man. 
Was sagt ir? ich gelaubes es nit, 

33 T geUab, 



60 

Aspenso spricht : 

Wir babens gesehen selb drit. 
HeD, Ariocb, ist es nit war? 

Ariooby der fürst, spricht : 

[A3, 1,152] Ja, wir sehen es offenbar. 
Das Daniel anbett und ehrt 
Sein Gott und sein angesicht kert 
Hin gen der Stadt Jerusalem. 

Darius, der konig^, spricht:* 

10 Obs gleych war ist, wöl wir doch dem 
Verzeihen diese schuldt geleich, 
Dem, der dem gantzen königreych 
Ist gewest sehr ein nutzer man, 
Den auch die voring könig han 

15 In ehren werdt und lieb gehabt, 
Für all fttrsten in hoch begabt. 
Den sol wir billig freyen dermassen. 

Aspenas, der fürst, spricht: 

Die straff kan man im nit nach lassen, 
«0 Er sey so nütz er immer wöl, 
Dieweil man gar nit brechen söl 
Das mandat der Fersen und Meden. 
Derhalb nit weiter ist zu reden. 
Er muß sterben und änderst nit. 

25 Darius, der könig^, spricht : 

Für Danielem ich selb bit: 

Umb mein willen in der straff erlat! 

Arioch, der fürst, spricht: 

* 

Weist du selb schwechen dein mandat, 
30 Wer wolt hei^nach dein mandat halten? 

Es brechens junge sambt den alten. 

Niemandt geh umb dich in dem landt. 

Das wer dir ein ewige schandt 

Und deinem gantzen regimendt. 
85 Darumb so gieb uns in die hendt 



61 

Danielem, das wir den bnben 
Werffen zum leben in die graben! 

Der könig Darius spricht kleglieh: 

Weil es ye mag nit änderst sein 
5 Und ir mit listen mich allein 

Gefangen habt, so nembt in ahn! 

Mein Daniel, du Gottes man, 

Auff deinen Gott verlasse dich, 

Dem du gedienet hast teglich! 
10 Der helffe dir in dieser noht 

Als ein getrewer, starcker Gott. 

[K 3, 1, 308] Sie blatzen ihn ahn und füren in ab. Daniel 

spricht : 

Herr, sie ahn die unschuldt mein! 
15 Heudt so stirb ich von wegen dein 

Und deiner ehr, du höchster Gott! 

Sthe du mir bey in diser noht. 

Darein mich bringen die fürsten. 

Welche nach meinem blut ist dürsten 
20 Auß lauter neidt und bitterm haß! 

Herr Gott, auff dich ich mich verlaß. 

Wann du bist der eynig heylandt. 

Mein leben entpfilh ich in dein handt. 

Das möchst mir wol erhalten fein. 
26 ledoch geschech der wille dein! 

Der könig spricht: 

Da last uns für der gruben loch 
Den stein wider für richten doch, 
Mit meim ring versiglen den stein, 
30 Auff das sunst niemandt kumb hienein, 
Der Daniel möcht überladen 
Mit einem gefehrlichen schaden! 

Der konig versigelt den stein, geht ab trawrig unnd spricht: 

Ach, wie betrübt ist mir mein hertz 

85 Mit angst und mit leidendem schmertz. 

Das es mir vor leidt wil versincken! 

Ich mag weder essen noch trincken. 



62 

Mag auch weder rwen noch schlaffen. 
Mein hertz schreidt sthets zetter und waffen 
Über mein fursten Daniel, 
Weil er muß leyden todtes qnel. 

Der konig verhült sein angesicht und gehet weinet ab. Ha- 
nania, Misael unnd Asaria gehn ein. Hanania spricht: 

Ach Gott, vfie hart dawrt mich der man, 
Der den könig vil guts hat than! 
Wie übel wirt im ietz gelonet! 
10 Zu hoff gar niemandt wirt verschonet, 
Weyl im der könig lonet schlecht, 
Gleych wie der teuffei seinem knecht. 

Misael spricht: 

Der könig ist unschuldig dran. 
15 Es habens die hoffschmeichler than. 

Die im der ehr nit günnen theteu, 

Weyl in die künig so ehrlich betten. 

Mit für^tliug ehren in erhüben. 

Das verdroß die ehrlosen buhen 
20 Und richten im durch list und duck 

Ein sollich Unglück auff den rück, 

Weil sie im sunst nit künden zu. 

Asaria spricht: 

Ey, zu hoff regiert spadt und fru 
25 Die lüge, list und heuchlerey. 

Hinterrück, neydt und haß darbey. 

Als vil betrug, arglist und renck. 

Einr fürt den andern zu der fleischbenck. 

Drüm spricht man recht: mein lieber gsel, 
so So lang zu hoff, so lang zu hei, 

Sam hab zu hoff im regimendt 

Trew, ehr und all tugendt ein endt. 

Welcher umb geht mit redling Sachen, 

Der hat zu hoff baldt außgebachen. 
85 Wolt Gott, ich wer mit ehm darvon! 

8 ? dem. 



68 



Hanania spricht .* 

Flicht, flicht!. der könig that her gohn. 
Ich merck: er wil zum löwen-graben, 
[K 3, 1,309] Sein klag ob Danieli haben. 

Sie trotten äuff ein ort. Der konig kiunbt und spricht laut: 

Daniel, Daniel, ein knecht 
Des lebendigen Gotts gerecht, 
Hat dich errettet auch dein Gott 
Vor der grimmigen löwen rott, 
10 Dem du teglich hast dienet eben? 

Daniel schreidt in der löwen gruben unnd spricht : 

König, Gott verleih dir langes leben! 

Mein Gott sein engel hat gesandt. 

^Der hat zu ghalten mit der handt 

15 Der löwen rächen in dem graben. 

Das sie mir keyn leidt gethan haben. 

Wann vor Gott so bin ich gedultig 

Erfunden worden, gar unschuldig; 

So hab ich auch für dich voran, 
20 Mein hcrr könig, gar nichts gethan. 

Der könig spricht: 

Zieht herauß Daniel, den frummen, 
Weyl er keyn schaden hat genummen, 
Dieweil er hat vertrawet Gott! 

[A 3, 1, 153] Die trabanten ziehen in herauß. Der könig umb- 

fecht in unnd spricht : 

Biß mir wiikummen von dem todt, 

Daniel, du hochweysser fürst, 

Den nach warheyt und frümkeyt dürst! 
so Geht hin und fahet alle man, 

Weliche vor mit liste han 

Danielem feischlich dargaben. 

Und werfft sie in den löwen-graben 

Beide mit weyb und auch mit kindt 
35 Und allem irem haußgesindt, 

Das die untrew gerochen werdt, 



64 

Die mich im hertzen hat beschwerdt ! 

Daniel aprieht : 

Gott der sitzet an dem gericht 
Lest kein nbel nngstiaffet nicht 
Und beschützt alle, so im Tertimwen. 
Von gantzem hertzen anff in bawen. 



Dia trabanten blatBen die svrenf&rsten ahn, Aren aie hin snr 
lowen sieben. Der ein trabandt kiunbt wider imnd aprieht : 

Großmechtiger könig, diese zwen man 
10 Hab wir in graben werfen than 
Mit iren weyben nnd den kinden. 
Die theten die löwen Terschlinden 
Und firassen nit ir fleisch aOein, 
Zermalmeten anch ir gebein. ^ 

IS DarinB» der koniff» spricht: 

Knmbt! so wil ich schreiben zn handt 

In mein königrercfa in alle landt. 

Das man den Gott Danielis 

Sol fllrchten nnd ehren gewis. 
M Er ist ein lebendiger Gott, 

Der kan erretten in der noht, 

Und er ist ein erlöser gut, 

Der groG zejchen und wunder thnt 

Beide im hjmel nnd anff erden, 
ts Er hat erlöset aaü geferden 

Daniel anü der löwen sddnndt. 

Sern rerch ist nnTei^ncklich und 

Sein künigliehes regimendt 

Und herrsdiafit ewig ist ohn endt. 
a» Und du« Daniel solst geleich 
[K 3,1,810] Der nechst nach mir sein in dem reych 

Über all Okrsten gwalUgleich. 

Sie tehn all in ordnunir ab» I>er emholdt kiunbt» beaehlenat: 

Si) hat die comedi ein endt^ 
M Xxkt d«r fnnff lohr weiüen erkendt 
KrftUioh >vir darauf mercken sollen 
n<>> I>anu'l und seineu gsellen: 



65 

Wer sich gentzlich ergiebet Gott 
Und vertrawt im in aller noht, 
Den bringt Gott wiederumb zu rw, 
Wie gferlich man im setzet zw. 

5 Gott weyß die rechten maß und zeyt, 
Zu helffen in wiederwertigkeyt, 
Kan die seinen verlassen nicht; 
Sein aug in nöten auff sie sieht. 
Zum andern bey Nebucadnezar 

10 Sol die obrigkeyt mercken klar, 
Das sie auch streb an keinem ort 
Wider Gottes volck oder wort, 
Sich auch nit erheb in hochmut, 
Sam hab sie solph gwalt, ehr und gut 

15 Von in selber vermessen sehr, 
Geh Gott darinnen nit die ehr. 
Solchs kan Gott leyden nit, auffs kürtzt 
Sie auß dem regimendt auch stürtzt. 
Demütigt sie, biß sie auch ferr 

20 Erkennen, das Oott sey ein herr. 
Zum dritten bei köng Belsacer sol 
Ein oberkeyt auch mercken wol, 
Wie sie sich gibt auffs leybs wollust 
Und lebt in aller Sünden wüst, 

25 Sich freflfel und rautwillens braucht. 
Das die Gott auch darnider straucht 
Und macht ir sambt dem regimendt 
Kurtzer zeyt ein erschröcklich endt. 
Zum vierdten bey könig Dario 

80 Merck ein obrigkeyt wol also. 
Das sie alle hoffschmeichler fiiech, 
Ihre obren von in abziech. 
Wann sie opffern durch list und ranck 
Manch redlig mann auff die fleyscbbanck 

85 Und sey im urteil gar fürsichtig. 
Wo do sindt untrew ehrnwichtig. 
So straff sie hart solch falsche knaben, 
So wirt in ehren sie erhaben. 
Zum fünfften bey den falschen fürsten, 

40 Die nach Daniels blut war dürsten, 
Sol alles hoffgsindt mercken wol . 

Hans Sachs. XI. 



66 

Und sich aaffrichtig halten sol. 
Bey der herrschafft, niemandt versagen, 
Mit iQgen und listen verklagen. 
Nichts Unrechts sich verbergen mag, 
5 Das nit kam mit der zeyt an tag. 
Denn wirt vergolten mit gleichen lohn 
Dem, der seim nechsten hat unrecht thon, 
Da denn nicht zum schaden erwachs 
Schandt und auch spodt, so spricht Hans Sachs. 

10 Die per son in die CO med i: 

1. Der ernholdt. 

2. Daniel, der fürstlich prophet. 

8. Hanania, der erst gsei Danielis. 
4. Misael, der ander gsel Danielis. 
15 5. Asaria, der drit gsel Danielis. 

6. Der engel oder die stimb. 

7. König Nebucadnezar. 

8. König Belsacer, sein son. 

9. König Darius, könig der Meden. 

20 10. Aspenas, ein först, richter und kemmerling. 

11. Arioch, ein ftlrst, richter und kemmerling. 

12. Midas, ein warsager. 

13. Credas, der ander warsager. 
[K3, 1,311] 14. Der erst trabandt 

25 15. Der ander trabandt. 

Anno 1557 jar, am zehenden tag Augnsti. 



i 



f>7 



Tragedia mit 8 personen, der gott Bell, und hat 

3 actus. 

Der ernholdt tridt ein, neigt sich unnd spricht : 

Heyl sey euch hie! allen zu frummen 
5 Hab wir uns alhie fQrgenummen 

£in tragedi zu spülen klar, 

Wie zu Babel ein tempel war, 
[A 2, 1,154] Darinn hat Bei, der abgott wildt, 

Ein sehr grosses edrnes bildt, 
10 Dem der könig al tag opffert nein 

Zwölff malter weitzen, drey eymer wein, 

Die solt all nacht der abgott essen. 

Sein priester aber gar vermessen 

Hetten ein heimling gang gemacht 
15 Unter der erdt und bey der nacht 

Karamens in tempel all zu bauff 

Mit weyb und kinden, zertens auff, 

Biß doch der frumme Daniel, 

Ein gefangner auß Israel, 
20 Entdeckt dem könig den betrug. 

Der ließ zum todt richten mit fug 

Des Bals pfaffen mit weyb und kinden, 

Wie wir das in den bücbern finden. 

Der bibel angehencket binden. 

Der ernholdt gehet ab. Die drey pfaffen des gott Bei gehen 

ein. Sadoch spricht : 

Ir priester, wir haben gute tag 

Ahn alle irrung und eintrag. 

Wol dem, der den gotzdienst erdicht 



68 

Und den gott Bei hat anffgericht! 
Der ist uns pfaffen ein guter gott. 
Von im hab wir fleyscb, wein und brodt, 
ZwölflF malter weitz, drey eymer wein, 

5 Virtzg kochter schaff darbey auch sein, 
So -der könig opffert all tag, 
Das uns gar wol erspriessen mag. 
Das selb wir denn zu nachts auff zeren, 
Unser sieben tzig mit ern ehren. 

10 Des seien wir all nacht schier vol. 

Aroch, der ander pfaff, spricht : 

Ja, mein Sadoch, es tlmt uns wol. 
Das wir pfaffen mit weyb und kinden 
Des gott Bei opffer thun verschlinden. 

15 Doch meindt der könig, sein gott allein 
Verzer nachts das fleysch, brodt und wein, 
So haben in beredt die alten. 
Darob wir auch teglich vast halten 
Und richten auch ahn dergeleichen 

80 Walfart und falsche wunderzeichen, 
Sam sey Bei ein lebender gott, 
Der helff diesem und jem auß noht, 
Thu sein freundt auß hardtsel erleding, 
Thu dargegen sein feindt bescheding. 

25 Darmit halt wir den poffl im zaumb 
Und geben in für lüg und traumb, 
Darmit wir den könig selb blenden. 
Das er darob helt an den enden, 
Bett den gott al tag selber ahn. 

30 Mardoch, der drit pfafP, sprieht: 

[K3, 1,312] Wie meindt ir aber wcrdt es gähn, 
Wenn es der könig innen werdt. 
Das wir treiben solch geferdt, 
Das unser faulen pfaffen hauff 
35 Fressen dem gott sein opffer auff, 
Kummen durch den verborgen gang? 
Mich wundert auch, das er so lang 
Dem könig ist verschwiegen blieben. 
Weil ein alt Sprichwort wirt getrieben: 



69 



Groß herrn haben an allem endt 
Groß orn, scharpff äugen, lange liendt, 
Darmit sie vil ding innen werden. 
Derhalben sindt wir in geferden. 
5 Seit wir dem könig dar werden geben, 
Es kostet uns allen das leben. 
Derhalb es mich nit weng anficht. 

Sadooh, der erst pfaff, spricht : 

Ich furcht das selbigen gar nicht. 

10 Wir habn den köug so gar bethört. 
Das er niemandt gelaubt noch hört. 
Wer dem gott ubels nach wolt sagen 
Oder wolt sein priester verklagen, 
Weyl wir in unser geystligkeyt 

15 Uns halten wol zu aller zeyt 
In schönem gleißnischen schein. 
Als ob wir lauter engel sein. 
Derhalben sin wir sicher wol. 
Das uns gar nichts gcweren sol. 

20 Der ktinig helt uns ftir heylig leut. 

Mardooh, der drit pfafP, sprioht : 

Du hast war, doch besorg ich heut 

Daniel, den jüdischen man. 

Der werdt uns einen eintrag than, 
25 Der warlich hat ein Gottes gayst, 

Der durch vil heimligkeyt auch weist. 

Der bett unsern got Bei nit ahn, 

Ist doch wol mit dem könig dran. 

Bey dem hat er groß glaubn und trawen. 
30 Nur vor dem Juden thut mir grawen. 

Er werdt uns all in ungltick bringen. 

Aroch, der ander pfafT, spricht : 

Ich wil für kummen diesen dingen 
Und mich mit dem könig bereden, 
S5 Heimlich allein zwischen uns beden, 
Das er den Juden mit gewalt 
Zur anbetung des gottes halt. 
Als denn so wer wir gar ohn sorgen 



70 



Und blieb unser sach wol verborgen, 
Das wir es treiben hin biß her, 
Gantz sicher frey ahn all gefehr. 

Mardoch, der drit pfaff, sprieht: 

5 Nou, dem kumb nach, wann es thut noht 
AufP das uns bleibe unser gott! 
Der ist uns allen nützer. darzw, 
Den het wir ein melckende kw. 
Da hab wir unser bauch-fül van. 

10 Sunst sehen wir in auch nit ahn. 
Mein Aroch, richts beim könig auß, 
Auff das uns werdt keyn unglück drauß! 
Nun wollen wir auch heim zu hauß. 

Sie gehn alle drey ab. 



15 Actus 2. 

Daniel geht ein, redt mit ihm selb unnd spricht: 

Ach Gott, wie sindt an diesem endt 

Die heyden also gar verblendt, 

Durch ir pfaffen verfüret frey 
20 Zu der gottlosen abgötterey, 
[K 3, 1,313] Das sie betten den gott Bei ahn. 

Der doch keim menschen helffen kan, 

Und habn den könig auch verfüit 

In die abgötterey? an dem spürt 
25 Man sunst groß weyßheyt und verstant, 

Zu regieren leut undc landt. 

Ein gerechter und frumraer herr! 

Doch haben in sein pfaffen ferr 

Verzawbert in iren gottsdienst hieneiu 
30 Durch iren gleischnerischen schein. 

Das ers mit grossm unkost erhelt. 

Wann er in alle tag zu stelt 

Zwölff malter weytzen allein, 

Viertzg schaff und drey eimer mit wein, 
35 Darmit der pfaffen hauff sich raest. 

wenn der könig ir schalckeyt west, 



71 

Er würt in geben Iren lohn, 
Wie sie umb in verdienet hon. 

Der konig Cirus geht ein unnd spricht : 

Mein Daniel, laß mich verstahn, 
5 Warumb du doch nit bettest ahn 
Bei, meinen gott, gester noch heudt, 
Wie ich denn thu und all mein hpffleudt! 
Darumb so bett auch ahn mein gott! 

[A 3, lrl55] Daniel spricht : 

10 herr könig, es ist unoht, 
Das ich dir den götzen veracht, 
So menschen-hendt haben gemacht; 
Sonder den lebendigen Gott 
Anbett ich, der. im anfang bot 

15 Gemacht hymel, erdt und das meer, 
Das firmamendt und hymels beer 
Und all lebende creatur, 
Welcher das als regieret nur 
Und das mit seiner handt erheldt. 

20 Dem Wirt von mir als lob erzelt. 
Den einig Gott den bett ich ahn. r 

Der könig spricht : 

Mein Daniel, helts du nichts van 
Dem gott Bei, sunder für ein spodt, 

26 Nicht für ein lebendigen gott? 
Siehst du nit, wie vil er vermag. 
Auch wie vil er teglich al tag 
Speyß und getranckes thut verzern, 
Darmit ich in denn thu verehrn 

so Als einen lebendigen gott? 

Daniel spricht: 

herr könig, es ist ein spodt. 
laß dich nit verfören mit! 
Dein gott der ißt und trincket nit, 
35 Er hat weder geyst oder hertz. 
Von leimen ist er gmacht in-wertz, 
Außwendig ist er glockenspeyß. 



72 

Hat auch nie gelebt keyner weyß, 
Sonder ist nur ein götzenbildt, 
Gemacht von menschen-henden wildt, 
Der keynem menschen helfen kan. 
5 Derhalben bett ich in nit ahn. 

Der könig spricht : 

»Daniel, du redtst freffle wort. 
Erfindt sich änderst an dem ort, 
So Wirt es dir bey ayd nit frumraen. 
10 Geh, ernholdt! heiß baldt herein kummen 
Deß gottes Bei priester ein drey! 

Ernholdt geht ab. Der könig sprieht : 

Ich wil erfaren wol darbey 
Die warheyt und den rechten grundt 
15 Meins gottes halb in kurtzer stundt. 

[E 3| 1, 314] Die drey priester kummen, neigen sich und Aroch 

sprioht : 

Großmechtiger könig, Bei, dein gott, 
Wil schützen dich vor aller noht. 
80 Warumb hast uns beschieden her? 

Der könig spricht: 

Ir priester, es ist mein beger. 

Das ir mir saget gar kurtz umb, 

Wo das teglich opffer hinkumb, 
25 Das ich Bei, meinem gott, fttrsetz. 

Wert ir den grundt rit sagn zu letz, 

So mtist ir mit weyb und kindt sterben 

Und eins grewlichen todts verderben. 

Kündt aber ir beweyssen mit ehren, 
30 Das Bei solch opffer thut verzeren. 

So muß Daniel sterben spadt, 

Weil er den Bei gelestert hat. 

Daniel spricht: 

Ja, mein herr könig, das gelt wol! 
85 Wie dein mundt hat geredt, so sol 
Es geschehen und änderst nicht. 



73 



Sadoch spricht : 

Ja, herr könig, wie dein mundt spricht! 

Setz deim gott Bei zu ehr und danck 

Dein teglich opffer, speyß und tranck, 
5 Gleich wie vorhin, auf sein altar! 

Nach dem so wöl wir alle jar 

Sembtlichen auß dem tempel gehn. 

Herr könig, so solt du als den 

Beschliessen selb die tempels-thür, 
10 Dein küniglich siege! trückeu für 

Mit deinem eigen behtschier-ring, 

Das sie bleib bschlossen aller ding 

Die nacht biß an den morgen tag. 

Als denn dein mayestat kummen mag» 
15 Aufschliessen und warhafPt besehen, 

Wie und was die nacht ist geschehen. 

Finst, das dein gott hochgeehret 

Speiß und tranck nit als hat verzeret, 

So wollen wir all geren sterben. 
«0 Wo aber nit, so sol verderben 

Daniel als ein gotslesterer 

Mit einem todt gantz herb und schweer. 

Der konig spricht : 

Nun, es geschech nach ewren werten! 
25 Macht euch auß durch des tempels pforten ! 

Der könig spricht : 

Ernholdt, heyß von allen dingen 
Die trabanten das opflfer bringen 
Und das setzen Bei, meinem gott, 
80 Auß dem Daniel treibt den spodt! 

Die trabanten bringen drey krüge unnd awölff semel für den 

abgott. Der könig spricht: 

Kumb! lat uns auß dem tempel gähn! 

Daniel spricht: 

35 Herr könig, ich muß vor etwas than. 
Geh, ernholdt! bring mir ein aschen, 



{ 



74 

Der pfaffen trutz mit zu erhaschen, 
Darmit sie dich geeffet han 
Und auch za Bahel yederman, 
Wann gewiß ist ir bauch ir gott, 
5 Dreiben selb anß dem götzen spodt. 

Daniel sehet den aschen. Der konig spricht: 

Daniel, laß dein lestern sein ! 
Es Wirt gelten das leben dein. 
[K 3, 1,315] Meinst du, das du siebentzig man 
10 Mich selten so lang betrogen han? 
Und darza die vor-eltern mein? 
Sindt ie auch nit narren gesein 
Nun bisher in so langen jarn. 

Daniel spricht: 

15 Morgen wirst die warheyt erfarn. 
Nun versiegel vor allem ding 
Des tempels thür mit deinem ring! 
Laß sehen, was der morgen bring! 

Der könig versigelt die tempels-thür und gehen alle ab. 



20 Actus 3. 

Die drey pfaffen kummen durch das loch, essen unnd trinken. 

Aroch spricht: 

Stil, still schleicht gemachsam herfur. 

Das man nicht lossen an der thttr! 
25 Der Jüd steckt aller liste vol. 

Auch vertrawet im der könig wol. 

Esset die speyß und trinckt den yteynl 

Das überbleibt, wöl wir gemein 

Heim tragen unsern weyb und kindeii, 
30 AufP das man frU nichts mehr thu finden. 

So mein dt denn der könig vermessen, 
[A3, 1, 156] Es habs Bei gedruncken und gessen, 

Und lest den Danielem tödten. 

Sq kuQimen wir auß allen nöt^i). 



75 



Sie essen unnd trineken. Sadooh, der priester, spricht: 

Seb, Bei! es gilt dir einen trunck. 

Du speist und trenckst uns wol gennnck 

Und must selbert darbey fasten. 

5 Mardoch spricht : 

scbweyg! wir dürffen sein am basten. 
In hungert oder dürstet nit. 
Er bleibt ein götz nach altem sit. 
Er hat die elir und wir den nutz. 

10 Sadoch spricht: 

Von seindt wegen gscbicht uns als gutz, 
Das wir sambt weyb und kinder hauffen 
Haben gnug zu fressen und sauffen 
Und mesten uns recht wie die schweyn 
15 Und lassen in ein götzen sein. 

Mardoch spricht : 

Hört, hört, hört, hört! es kreet der han. 
Es ist mitnacht. Last uns darvan! 
Yast ein, was da ist übrig noch! 
20 Schlifft mir all nach wider ins loch! 

Sie tragen das übrig opffer- als mit und gehen ab durchs loch. 
Der könifi: kumbt mit Daniel! und den trabanten und spricht: 

Daniel, siehst du? das sigil 
Ist brochen weder wenig noch vil. 
2'> Macht auff die thür und last uns ein, 
Wie sich helt Bei, der groß gott mein! 

Sie thun die thür auff. Der könig schawdt hinfür zum Bei 

unnd spricht mit auffgehaben henden: 

Bei, du bist ein grosser gott. 
30 In dir ist kein betrug noch spodt. 

Ich sie den altar öd und 1er. 

Du hast verzeret mein opffer. 

Derhalb, Daniel, so must du sterben 
[K 3,1,316] Und eines grimmen todts verderben, 
35 Dieweil du den grossen gott gestert 



76 

Hast also streffciilich gelestert. 
Ich wil in anbeten ohn sehe weh. 

Daniel helt den könig und spricht: 

Mein herr könig, ein klein verzeuch! 
5 Sander schaw auff den boden mit! 
Sichstu nit mancherley fußdrit 
In dem aschen hin nnde her, 
Sam do ein dantz gewesen wer? 
Die fußdrit hat dein gott nit gmacht. 

10 Der könig spricht: 

Ja, es ist war, ich hab gut acht. 
Ich sie im aschen viel fußtridt. 
Von wem sie kummen, weiß ich nit 
Wann meinst, das kummen die fußstaffen? 

15 Daniel spricht: 

Ich acht: nur von den vollen zapffen. 
Dem Bels-pfaffen, kummen die fußtrit. 

Der könig spricht: 

Wo woltens herein kummen mit? 

20 War doch verspert des tempels thür 

Und mein künglich Siegel darfür. 

Daniel spricht: 

Herr könig, laß sie int eisen schlagen! 
So müssen dir gfencklich wol sagen, 
25 Durch was betrug sie all gemein 
Sindt in den tempel kummen nein. 

Der könig spricht: 

Ir trabanten, nembt gfencklich ahn 
Bein pfaffen kinder, weyb und man! 

Die trabandten lauffen ab. Dieweil spricht der könig : 

Ich hab in gar zu wol vertrawdt 
Und gar zu starck auff sie gebawt; 

17 ? Den. 29 Bein = bei defl, wie 7, 23, 14. 



77 

Und füren sie unrechte sach, 
So müssens sterben all zu räch. 

Man bringt die pf äffen. Der könig spricht: 

Nun zeyget ahn und machts nit lang! 
5 Durch welchen weg und heimling eingang 
Seit ir heindt in den tempel kummen 
Und habt das opffer weg genummen? 

Mardeeh, der prister, spricht : 

Herr könig, wölst du uns begnaden, 
10 So wöl wir dir zeigen ahn schaden. 
Secht! dieses ist die heimlich thfir, 
Dardurch wir nachts kummen herfür. * 
Ob gleych der tempel versperret was, 
Verzerten wir doch alles, das 
15 Du deim got Bei hast zugericht. 

Der könig spricht: 

ir gottlosen bößwicht, 

Wie schendtlich habt ir mich betrogen 

Und bey der nasen umbherzogen, 
20 Mit einem falsch gleysenden schein, 

Sam werdt ir all heylig allein! 

Darmit habt ir den schalck verborgen. 

Des müst ir an eim sträng erworgen. 

Hacht sie mit weih und kind an galgen 
25 Und last sie mit den raben palgen ! 

Trabanten fallen sie ahn. Der pfaff spricht : 

weh, weh! erst ist uns angst. 
Ich hab besorget wol vorlangst, 
[K 3, 1,317] Unser schalkeydt werdt offenbar, 
80 Die wir haben trieben vil jar. 

Das geht uns letzt gleych in die hendt. 
letz nemen wir ein böses endt. 

Man fürt sie ab. Der könig spricht : 

Mein Daniel, an diesem endt 
35 Sey der gott Bei in deiner hendt 
Und auch sein tempel darzu! 



78 

Das als magst wol zustörn dn, 
Weil ich dardnrch betrogen wardt 
Sambt meinem volck gottloser art. 

Daniel hebt sein hendt auff unnd spricht : 

5 Gott sey lob in dem h(ychsten tron, 

Der dir dein äugen bat auffthon, 

Das du diese abgötterey « 

Und die götzendiener darbey 

Außdilget hast und außgerendt, 
10 Die dich, darza dein landt und leudt 

Haben mit dem abgott geblendt! 

Lob sey dir und deim regimendt, 

Das* solcher irthumb hat ein endt! 

• 
Sie gehn alle ab. [A 3, 1, 157] Der ernholt kumbt, beschleust : 

15 Auß der geschieht lert man, ir Christen, 

Die der teuffei mit schwinden listen 

Die heyden durch vil irtumb blendt, 

Die doch so grob und grettfflich sendt. 

Das es ein blinder greüffen kündt, 
so Mit schendtlich lügen ungegründt, 

Welch abgöttrey vor kurtzen jaren 

Die Christen auch haben wol erfarn, 

Da wir holtz, stein auch rüfften ahn 

Und liesen Gott dahinden stahn, 
25 Der uns doch gnedig hilff zu sagt, 

Also uns mancher irthum blagt, 

Biß Gott auch ein Daniel sant. 

Welcher Gott-lob im teutschen landt 

Solch irthumb hat gedecket auff, 
30 Das letzt Gott-lob der christlich hauff 

Weiß wol, wen er anbetten sol. 

Der im allein kan helffen wol, 

Nemblich Gott durch sein son Christum, 

Wie lert das evangelium. 
85 Gott wöl uns auch erhalten vort 

In seim heyligen, thewren wort, 

Das zunem und krefftig auff wachs 

16 K Wie. 18 K greiflieb. 



79 

Und vil frücht l)ring! das wünscht Hans Saclis. 

Die person in die tragedii: 

1. Der ernholt. 

2. Cirus, der könig Persie. 
5 3. Daniel, der prophet. 

4. Sadoch, der erst götzenprister. 

5. Aroch, der ander götzenprister. 

6. Mardoch, der drit götzenpriester. 

7. Der erst trabant. 

10 8. Der ander trabandt. 

Anno 1559 jar, am 14 tag Januarii. 



80 



[K 3, 1,318] Oomedia mit 10 Personen, dergantzprophet 

Jonas, und hat 5 actus. 

Der emholdt tridt ein, nei^ sich und spricht: 

Heil unnd genad Jhesn Christi 
5 Sey mit euch allen, so albi 

Wöln hörn die geystlich comedi, 

Das man nendt auch wol ein tragedi, 

Welch gschicht den Jona, der prophet, 

Selb nach der leng beschreiben thet, 
10 Wie das in Gott geschicket hat 

In Ninive, die grossen Stadt, 

Das er die baß predigen solt. 

Dem Herrn aber nit ghorchen wolt 

Jona und entpfloch auff das meer. 
15 Da schickt Gott ein ungewitter her 

Auff das meer sehr ungestümb und groß. 

Als die schiffleut wurffen das loß, 

Wer an der fortun schuldig wer, 

Da traffs Jona; da bekandt er. 
90 Den wurffens in das meer zu stundt. 

Alda in ein walfisch verschlundt, 

Darinn er lag drey tag und nacht. 

Nach dem sein botschafft er verbracht, 

Wie im das Gott befolhen hat, 
25 Und schrie auß in der gantzen stadt: 

Ninive, das wirdt unter gähn; 

Darumb so thut büß iederman 

Sambt dem könig und büß und aschenl 

15 E vngwHter. 27 K thu. 28 K k. in säok v. 



81 

Der Sünden rew thet sie erhaschen. 

Das sah Gott ahn und dardurch hat 

Erbarmet sich der gantzen Stadt. 

Das vertroß aber Jona hart 
5 Und uberauß sehr zornig wardt, 

Das er wünscht seiner seel den todt. 

Darumb strafft in mit Worten Gott, 

Er wer allein zu gut geneigt. 

Nun höret zu! seit stil und schweygt! 
10 So wirt euch wort und that gezeygt. 

Jona, der Prophet, g^eht ein, redt wider sich selb und spricht: 

Ich hab nun predigt etlich jar 

Dem Yolck in Israel fürwar 

Und dem könig Jerobeam 
15 Und verkündet des Herren nam, 

Wie Gott allein der Herre sey. 

ledoch in der abgötterey 

Und aller Sünden uberfluß 

So lebt das volck ahn alle büß. 
20 Dem hilft keyn predigen und sagen. 

Drümb furcht ich ,Gott mit schröcklich blagen 

In Israel unter und ober, 

Weil sie wider Gott Sünden gröber, 

Den andere heydnische landt, 
25 Welche Gott haben nie erkandt. 

Der Herr Gott kumbt unnd spricht : 

Jona, ein söhn Amathy, 
Was machest du allein alhy? 
Jona, Jona, kumb und hör mich! 

so Jona spricht : 

Was wilt du, Herr? hie bin ich. 

Der Herr spricht : 

Jona, mach dich baldt auff und geh 
In die grossen Stadt Ninive 
[K 3, 1,319] Und predig in büß! es ist zeyt, 
Wann es ist ir grosse boßheyt 
Auff gen hjmel kummen für mich. 

Hans Sachs. XI. 6 



82 

Darumb so predig in und sprich: 
Der Herr wirt diese Stadt hart blagen, 
Das sie noch wirt in viertzig tagen 
Untergehn von wegen ir Sünden, 
5 Ob sie büß thctcn und gnadt finden! 

Der Herr verschwindt. Jona redt wieder sich selb unnd 

spricht: 

Ich hab predigt in Israel 

Ein lange zeyt, doch ist ir seel 
10 So vol gottloser abgöttrey, 

Dergleych in Sünden allerley 

So gantz verhörtet und verstocket, 

Wie freundtlich icb sie hab gelocket, 

Büß zu thun von all Iren Sünden. 
15 Denn Gott doch auch vor ließ verkünden 

Sein heilig >vort durch seine propheten, 

Die doch auch nichts außrichten theten, 

Und der Herr sagt : Steh auff und. ghe 

In die grossen Stadt Ninive, 
20 In welcher Stadt die abgötterey 

Im anfang ist entsprungen frey 

Und lauter haydn sindt an dem ort, 

Gar nichts wissen von Gottes wort 

Noch von dem göttlicliem gesetz! 
25 Drumb wirt iu zweyffel ich gesetz 

Noch nichts außrichten mit meinem predigen. 

Viel eh so werdens mich beschedigen, 

Weil sie gottloß abgöttrer sin. 

Darumb so wil ich nit dahin, 
30 Sonder wil vor dem Herren fliehen 

Und eilendt hin gen Jophe ziehen, 

Hinfaren auff dem meer tieff. 

Dort kumbt gefaren gleych ein schiff. 

Da wil ich heimlich steigen ein, 
35 Fliehen des Herren angsicht rein. 

Hey, wölt ir mich lahn faren mit? 

[A3, 1, 1.58] Belus, der erst sohiff^an im schiff; spricht: 

Ja geren, und warumb das nit? 
Wilt einsteigen, so machstus thon. 



83 
Doch gieb uns vor her das furlon! 

Jona gibt im g:elt und 8teig:t in das sohiff und spricht : 

Nembt hin das gelt! im schiff ich bin. 
Nun sthost von landt und fart dahin! 

Sie faren herumb. Balim, der ander schifiEbian, spricht : 

Bolus, schaw! wie erhebt sich dort 

Ein schwartz gewülck ans liymels pfort! 

Ey schaw, wie saust daher so schwindt 

Ein grawsammer, starcker stürm -windt ! 
10 Schaw, wie thut das meer auffgesch wellen 

Und schlecht so hoch erschröcklich wellen, 

Die unserm schiff mit lautem döß 

Geben so ungefügte stoß, 

An allen orten es bekümmern! 
15 Wo sies zerstossen und zertrümmern, 

So muß wir all im meer ertrincken. 

Belus, der erst schiff^an, spricht : 

Schaw zu! das schiff wil untersincken. 
Ach, laß uns hicnauß werffen gar 
20 In das meer alle kauffmans-war, 
Auff das das schiff erleichtert wer, 
Ob wir entrünnen der gefehr! 

Sie werffen dieballen auß. [E3, 1, 320J Balim schlecht sein hendt 

zamb und spricht*: 

25 Neptune, des meers ein gott, 
Sthe du uns bey in wassers noht. 
In diesem grossen ungewitter. 
In dieser angst und sorg so pitter! 

Belus hebt sein hendt auff unnd spricht : 

»0 Thetis, wasser-göttin, hilff! 

In dieser noht ich zu dir gilff. 

Wir wollen dir ein opffer than, 

Wo du uns gnedig hilffts darvan 

Auß der fortun, dergleycli erfarn 
35 Haben wir nicht in dreissig jarn. 



84 



Balim» der ander schiffman , kummet und weokt Jonam unnd 

spricht : 

Was schleffstu hie in dieser noht? 
Sthe auff! rüff auch ahn deinen Gott, 
5 Ob du uns sein bilff thest erwerben, 
Das wir nit in dem Schiffbruch sterben! 

Belus, der erst, spricht: 

Wir wollen legen hie das loß, 
Von wem uns kumb das übel groß. 

10 Balim, der ander, spricht: 

Ja wol, all drey löß wir darumb, 
Von welches wegen auff uns kumb 
Diß ungewitter auff dem meer. 
Nun heb das loß und furcht mich sehr. 

Jona ergreyfft das, würfPt das loss. Bolus, der erst, spricht: 
Das loß das hat geleych dich troffen. 

Balim, der ander, spricht : 

Darauß so wirdt gleich und frey offen, 
Das dieser unfal kumb von dir. 
20 Wer bist du den? das sag du mir! 
Und von wann volckes bist du her? 

* Jona spricht: 
So wist! ich bin ein Ebreer. 

Belus spricht: 

25 Nun sag uns auch! was hast du than, 
Da dieser unfal kummet van? 

Jona spricht: 

Da hab ich gefürchtet den Herren, 
Hab wollen fliehen in von ferren, 
30 Der doch hymel, erden und meer 
Erschaffen hat; doch wolt ich sehr 
Seinem angsicht alhie entpfliehen, 
Wolt nicht nach seinem wort hin ziehen. 



85 



Belim spricht: 

Was sollen wir denn mit dir tlian, 
Das uns das meer wert stil darvon 
Von seinem sehr grawsamen wüten? 

5 Jona spricht: 

Wo ir den Herren wölt begüten, 
So werflFet mich ins meer hienein! 
Ich weyß: von meinet wegen allein 
Kumbf dieses grosse nngewitter. 
10 Darumb so werfft mich ins meer pitter 1 
Darmit so werdt das meer ir stillen. 

Belus, der sohiff^an, spricht : 

Herr, umb dieses mannes willen 

Laß nns so ellendt nicht verderben, 
15 In dem wütenden meere sterben, 
[K 3, 1,321] Weil wirs nit änderst mügen fügen, 

Gar nit zu lande kummen mügen, 

Eechen uns nit zu unschuldig blut. 

Weil der man selb begeren thut, 
20 Wir sollen in werffen in das meer ! 

Das wöl wir thon (Hilff dir zu ehr!) 

Und in dort in das meer stürtzn, 

Ob wir damit möchten abkürtzn 

Des meeres wüten und Gottes zom, 
25 Denn er hat diesem mann geschworn. 

Sie werffen Jona auß dem schiff. Belim zeygt unnd spricht: 

Schaw, schaw! ein walfisch zu den stunden 
Hat den mensch lebendig v.erschlunden. 
Nun wollen wir ein opffer thon 
30 Dem Gott aller Ebreer fron 

Und im sagen danck, lob und ehr. 
Schaw, wie stil worden ist das meer! 
Nun fahr, eh sich der windt verker! 

• 

Sie faren dahin im schiff. 



86 



Actos 2. 

Jona knmbt wider anß dem walllaeh. hebt aelii hoidt sair und 

spricht: 

Herr Gott, dir sey lob, brejß und ehr! 
» Da liest mich werffen in das meer. 

Das ich wol hab verdient Yorlangst. 

Zu dir schrie idi in meiner angst, 

Da ich lag in des walfisch sdilnndt. 

Da sanck ich zu der berge gmndt. 
!• Dein wasser-wellen grawsamlich 

Die gingen alle aber mich. 

Das ich gedacht, ich wer f&rwar 

Von deim angsicht Verstössen gar, 
[ A 3, 1, 159J Ich Wirt vorthin nicht mehr ansehen 
15 Dein hejling tempel, es wirt gschehen 

Gentzlidien and gar nmb mein leben, 

Weil ich mit wasser war ambgeben 

Und mein seel verzaget in mir. 

Do kam doch mein gebett zn dir, 
20 Mein Gott, in deim hejligen tempel, 

Da da einr gfit zn eim exempel 

Anß dem verderben löst mein leben. 

Das mich der walfisch speyet eben 

Herauß auffs drncken erdterich. 
25 Drumb so wil mit danck opffem ich 

Dem Herreu zaien mein gelübt, 

Der mir Iialff, weil ich war betrübt. 

Der Herr spricht: 

Jona, Jona, mach dich anff, geh 
30 In die grossen Stadt Ninive 
Und predig in nnd laß nit ab, 
Als was ich dir befolhen hab! 

Jona hebt sein hendt auff und spricht : 

Ja, Herr, ich wil an diesem ordt 
35 Verkünde^ in dein heylig wort 
Gantz willig nach dem munde dein, 



87 
Wann du bist Gott, der Herr, allein. 

Jona gehet auß. Salmanaaar, derkönig, kipnbt mit allem seinem 

hofPgsindt unnd sprioht: 

Ernholdt, geh, heyß richten zu 
5 Die priester, das man opfern thu 

Jovi, dem aller-höchsten gott, 

Bell und auch dem gott Astarot, 

Die unser küniglich regimendt 
[K 3, 1,322] über all könig in Oriendt 

10 So gwaltiglich haben erhaben. 

Die uns in den sorgen sieg gaben 

Wider unser allr nachtbawrn, 

Die wir mit krieg setzten in trawrn 

Und erweiterten unser grentz 
15 Und theten auch zu reverentz 

Ninive, die groß Stadt, vernewen 

Drey tagreyß gar mit grossen bewen, 

Die haubtstadt im sirischen reych, 

Der in der weit ist keyne gleych ! 
20 Nun wöl wir auch angreifen mit krieg 

Das volck von Israel, den sieg 

Gewinnen auch mit grossen ehrn, 

Unser köngreych darmit zu mehrn. 

Mileiades, der erst fürst, sprioht: 

85 Großmechtiger herr, das thet ich nit. 

Ewr guad küngreych ist wol befridt; 

Ir habt genugsam leut und landt; 

Auch habt ir unter ewre handt 

Gar ubei-flüssige reychtumb; 
80 Was wolt ir euch denn wiederumb 

Geben in kriegs gefehrligkeyt? 

Der könig spricht: 

Allein zu kürtzen uns die zeyt. 
Wenn wir nit kriegen, was sol wir thon? 
85 Vom krieg wir preyß und ehre hon. 

Cambises, der ander fürst, sprioht: 
Ewr mayestadt hat vor ehr und rumb 



VorLin erlegt in manchen siegen, 

Umb ehr, rumb dürft ir erst nit kriegen. 

Wil ilenu an kurtzweil euch gebrechen, 
6 So riebt abn tliurnieren nnd Btechen, 

Jagen, boilzen, tantzen, scfaiessen und spiel, 

Kempff nnd dergleichen kttrtzwail viel ! 

Viel köstlicher bancket auch macht, 

Als mit könglichem porop und bracht. 
10 In solchen aiielicheii frewden 

Mag ewr mayestadt frolockeiidt gewden, 

Auch darmit Irenen iederman, 

Des bluttigeu kriegs mOssig gähn. 

I>er ernholdt tridt ein, neigt eich uand spricht : 

15 königliche mayestadE, 

Es hat durch lofTcn uechton spadt 
Ein Stadt ein ebreischer man, 
Der scbreidt, die stadt wert unter gähn, 
Ist ietzt auch kommen au die pforten. 

SD Was sollen wir dem mann antworten? 

Der konig apricht: 
Ghe baldt und läse in herein ! 
Laß hören uns die abweyß sein ! 
Ist ein BchalcksnaiT oder phantast, 
3b Der auff den königlichen palaet 
Des jars vil kummen ubertag. 
I^ast hören, was uns diaer sagl 

Jona, der prophet, knmmet unad apriotat : 
Hör, könig, da ond all dein man! 

911 In viertzig tag wirt nntergahn 
Ninive, diese grosse stadt, 
Von wegen iier missethat. 

Der könIg epricht spddtUch : 
Mein mann, von wem bringst do uns her 
3b Dieser erhärten böse mehr? 

323] Jona spricht; 



89 

Das zu verkünden, mir gebot 
Der einig allmechtige Gott 
Der Hebreer, dir unbekandt. 
Hat mich warhafft zu dir gesandt. 

5 Der könig sprioht: 

Das wer ein erschröcklicher Gott, 
So er uns wolt in solche noht 
Bringen sambt unser gantzen Stadt. 
Geh auß von uns in dein mandat, 
10 Eh man dich hetz mit hunden auß! 
Baldt drol dich auß dem künig-hauß 
Mit deinem tandt und phantasey! 
Dir hat leicht traumbt solch trigerey. 

Jona geht auß. Miloiades, der filrst, sprioht: 

15 mein künigllche mayestadt, 
Auß trewem hertzen ich hie raht, 
Wölt solch botschafft verachten nit. 
Wann der Hebreer Gott hat mit 
Sodoma und auch Gomorra 

20 Erschröcklichen gehandelt, da 
Sie verachten des Herren wort 
Und nit büß theten an dem ort 
Umb ire sünd und grosse frevel. 
Da ließ Gott brlnnen pech und schweffei 

25 Von hymel regnen und das landt 
Verderbt, leut, viech und allesandt. 
Sollichs last euch ein warnung sein! 

Der könig spricht: 
Ist solchs war auff die trewe dein? 

so Miloiades spricht: 

Ja, ietz steht das, diß todte meer. 
Das landt ist als verwüstet sehr, 
Das weder viech noch leut ist do. 

Cambisos, der fürst« spricht: 

« 
30 fehlt A, ans K ergttnit. 31 E Jetit steht da das tode. 



90 

Dergleycb, als könig Pharao 
Das Gottes volck nit lassen wolt, 
Das im doch Gott gebot, er solt 
Es ledig lassen nach Gottes sag, 
5 Da schicket im Gott zehen blag. 
[A3,l, 160] Damach f(^ Gott sein volck selb auß 
Egypten-landt, des fftrsten hauß. 
Mit starckem arm, durch rote roeer, 
Darinn Pharao und sein beer 
10 Zu straff ertrnncken all gemein 

Und zu grundt sancken wie die stein. 
So der Hebreer Got warhafft 
Die völcker warhafftiglich strafft. 
Drumb last euch sein wort sein kein schertz ! 

Der könig stehet auff, greuflt an sein brüst, sieht auff iinnd 

sprioht : 

Herr Gott, erst klopffet mir mein hertz, 

In mein gebcin bidmet das marck 

Ob meinen Sünden böß und starck. 
20 Der sindt unzelich vil (gelaubt!). 

Mehr denn har sindt auff meinem haubt. 

Ladt baldt die priester rüffen auß 

Ein fasten rumb von hauß zu hanß, 

Das viech und leut fasten ! zu letz 
S5 lederman sich zu aschen setz 

Und thüt alle seck umb sich hülen 

Und umb ir sünd weinen und rülen 

Und sich von übel thun bekem 

Zu Gott und in ftirchten und ebrn! 
30 Wer weyß? Got möcht sich noch auß trewen 

Des grossen ubels lassen rewen, 

Welchs er zu straff uns hat geschworn, 
[K 3, 1,324] Absthan von seinem grimmigen zorn, 

Auff das wir nicht alsambt verderben, 
85 Sonder ablaß der sttnd erwerben. 

Da ligt purpur, zepter und krön. 

Kumbt! lat uns all seck ziehen ahn 

Und in den aschen sitzen than! 

8 K dunhf. 12 K Last. 25 K s. int a. 26 K thn. 



91 



Sie gehen alle auß. 



Actus 3. 

Die zwen trabanten kummen. Sarphax, der erst trabandt, 

spricht: 

5 Sag, Dari, was doch das bedeut! 

Unser könig hat vor landt und leut 

In krieges laafft glücklich gezwungen 

Und ist im oberal geluogen, 

Das ob seinem gwalt zittern gleych 
10 Forchtsam all ander künigreych, 

Und ietz so ein hebreisch man 

Durch sein abweyß bat zeyget ahn, 

Ninive das werdt nntergahn, 

So bat er gleych erschrecket than 
15 König sambt allen seinen fürsten, 

Die vor waren die aller-kttrsten 

In allen kriegen voren dran, 

Das sie ietz wie die weyber gabn 

Und thun dort in dem aschen sitzen, 
20 Als ob sie kummen sindt Yon witzen« 

Sag, lieber! was helstu darvan? 

Dari, der trabandt, spricht : 

Ey lieber, weyl der Gottes man 

Den Untergang uns hat verkündt 
25 Von wegen unser grossen sündt, 

Die uberhandt genummen hat 

In Ninive, der grossen Stadt, 

So unverschembt und mit gewalt 

Bey reich und arm, bey jung und alt, 
80 Dergleych zu hoff am aller-grteten. 

Da wir handleten als die hosten, 

Gantz ungestrafft ahn alle büß« 

Darumb Gott hefftig straffen muß. 

Dem zu fflrkummen, hat sich geben 
85 Der könig in ein bußfertigs leben 

Sambt aUem volck in dieser Stadt. 



92 



Sarphax, der erst trabandt, spricht : 

Gantz thörlich er gehandelt hat. 
Es Wirt im sein ein spodt und schandt, 
Wo man das sagt im gantzen landt, 
5 Und ein verkleinernng seinem gewalt. 
Weil ein törichter man ahralt 
Sagt, Ninive wer untergohn, 
Legt er von im scepter und krön, 
Als wöl er lassen gar von hauß. 
10 Es ist doch schendtlich uberanß, 
Das er so leichtlich wirdt erschreckt. 

Dari» der trabandt, sprioht: 

Ey, Gottes wort hat in bewegt 
Zur büß, ob er möcht gnadt erwerben 
15 Vor diesem grewlichen verderben, 
Welliches im verkünden thet 
Dieser alt man, der groß propfaet 
Darumb thut er gar nit unrecht. 

Sarphax, der erst trabandt, sprioht: 

20 Wie bist so einfeltig und schlecht? 
Der störtzer sindt vor wol mehr kummen, 
Tbeten uns der glttbt ubersummen, 
Doch eitel dant, mähr und betrug. 
het ich die weyl gelts genug, 
[K 3, 1,325] Weil die Stadt Ninive thet stan, 
So wolt ich darnach betteln gähn 
Ohn kleidung immer nacket bloß. 

Dari, der ander trabant, sprioht: 

Du redtst gleich wie ein mensch gottloß, 
so In dem kein Gottes forcht nit ist. 

In Sünden du verstocket bist. 

Derhalb wirst du darinn verderben, 

Mit sambt andern welt-kindern sterben. 

Ich aber wil bekeren mich 
35 Von allen Sünden williglich, 

Wil auch fallen zu seinen füssen, 

Auch in dem sack and aöchen büsen 



9S 



und Gott bitten ntnh gnad und huld, 
Das er mir verzeih sttndt und schuldt 
Und m\ gentzlich bessern mein leben. 
Darzu y/QX mir Gott sein gnad geben! 
5 Die straff die ist ie vor der liaridt. 

Sarphax, der erst trabant, spricht ;• 

Du redest ohn sinn und verstandt. 
Ey du heuchier, geh weit von mir, 
Eh das ich setz ein schmurren dir! 
10 Du wirst mit deinen gleißner-sachen 
Auff heut kein münchen auß mir maichen, 
Sunder ich wil bleibn ein krigs-man 
Und leben, wie ich vor hab than, 
Und solt der boden untergahn. 

15 Sie gehen beidt ab. 



Actus 4. 

Jona, der prophet, kumbt» setst sich und spricht: 

Nun ist ie heudt der viertzigst tag, 
Das kummeri sol der stadte plag. 

20 Ich wil da sitzen und sehen zu, 
Was Gott mit dieser stadte thu 
Und wie diß gottloß Ninive 
Zufallen werdt und nndtergeh 
Mit vich und leutn undter die erden. 

25 Wie Wirt ein gschrey und brassein werden ! 
Gott hat mir lassen auff wacbssen auch 
Den schönen^ grünen kürbiß-strauch, 
Das mir an schatten nichts gebrech, 
[A3, 1,161] Die sunn mich auff mein haubt nit stech. 

so Ich merck : der Herr wil mir gar wol. 
Der kurbis macht mich frewden vol. 
Nun ist heut hin der halbe tag 
Und sich noch weder straff noch blag 
Über Ninive, die arg Stadt, 

33 Wie Gott durch mich verkündet hat. 
Ach Herr, das ists, das ich erkandt, 



94 

Weil ich nocli war in meinem landt 
Daramb wolt ich dein angsicht fliehen, 
Thet auff dem wilden meer hin ziehen. 
Ich west, da werst gnedig and gütig, 
6 Barmbertzig, milt, darzu senfftmatig 
Und lest des abels rewen dich. 
Nimb hin mein seel! das bitte dich. 
Wolt viel lieber sein todt, denn leben. 

Der Herr ktunbt unnd spricht: 

10, Jona, Jona, vermerck mich eben ! 
Meinsta, du zürnest gar billich? 

Jona spricht: 

Ja, Herr, and solt nit zürnen ich? 
Nnn Wirt man mich in allen stetten 
15 Halten für ein falschen propheten, 
Weil diese Stadt nit antergeht 
Weil ich verkündet, dem prophet. 
[K 3, 1,326] Dergleich auch dieser karbes-stranch 
Ist mir zu leidt verdorret auch, 
to Die sonn that aaff mein haabt ietz stechen. 
Darumb so wünsch ich und mag sprechen: 
Ich wolt, das ich gestorben wer. 

Der Herr spricht: 

Jona, Jona, sag da mir her! 
25 Meinsta, du zürnest billich auch 
Umb diesen wilden kürbes-strauch V 

Jona spricht: 
Ja, ich zürn billich biß in todt* 

Der Herr spricht: 

so Jona, Jona, es ist ohn noht, 

Das dich rewt dieser kurbes-strauch. 
Den du nit hast bereitet auch. 
Wart in einr nadit dardi mich gemacht 
Und verdorb in der andern nacht; 

16 K So d. IT t ¥rto i«h. K dtia. 



d6 

Und es jammert ded kuit«s dicb, 

Und es solt gar nit jammern mich 

Niiiive, dieser grossen stadt, 

Ob gleych drinn gschach groß missetbat? 
5 Weyl so viel menschen ^rinn hausendt, 

Wol auff hundert und zweintzig tausendt, 

Die so einfeltig sindt'und schlecht, 

Wissen nit, was sey linck oder recht, 

Die sich mein wort liessen erschrecken, 
10 Thetten büß in aschen und secken, 

Solt ich denn nit sein so viel armer 

Ein gütig, gnediger, erbarmer, ' 

Die ich selb auch erschaffen hab? 

Darumb laß ich mein zoren ab. 
15 Derhalben zürn du auch nicht mehr! 

Sag meiner gut lob, breyß und, ehr ! 

Wider heim in Israel kerl 

Sie gehen beidt ab. Der ernliolt kumbt uund besohleust : 

Also habt ir nach leng die snm 
20 Ghört dieser gschicht umbadum, 

Darin ein christglaubiges gemüt 

Erkendt Gottes gunst und gut, 

Gnad und grosse barmhertzigkeyt, 

Darmit er al zeyt ist bercyt. 
25 Wo er wil straffen an dem ort 

Ein volck, so schickt vor ahn sein wort, 

Das das das volck vor der straff gefert, 

Zu rechter büß vermanet wert 

Erstlich durch das schröcklich gesetz, 
30 Wie Gott es straffen werdt zu letz, 

Wo es in Sünden bleib verstocket, 

Dergleich er im gantz freundtlich locket 

Zu büß durchs evangelion, 

Von Sünden wider auff zu stlion, 
85 Christus sey drumb auff erden kummen 

Und sich der Sünder angenummen, 

Er sey das lemblein unbewegt, 

Das der gantze weit sünde tregt, 

27 R Das« das volok. 38 K gantsen. 



96 

Sey von der Sünder wegen gstorben, 
Bey Gott ewige Imldt erworben. 
Baldt eim volck solch gnad wirt verkünt, 
Von hertzen senfftz über die sOnd, 

5 Wil im der sündt Gott nit mehr dencken, 
Sander in meers grundt versencken; 
Wann Gott wil nit des sOnders sterben, 
Das er in Sünden sol verderben, 
Sonder das er zn bnß sich geb, 

10 Zu Gott beker und ewig leb, 
Da ewig frewdt ans anfferwachs 
Nach diesem leben, wünscht Hans Sachs. 

Die person in die comedia: 

1. Gott, der Herr. 
[K 3, 1, 327] 2. Jona, der prophet. 

3. Salamanasar, der könig zu Ninive. 

4. Milciades, der erst fürst. 

5. Cambisos, der ander först. 

6. Emholt. 

20 7. Belus, der erst schiffmann. 

8. Balim, der ander. 

9. Sorphax, der erst trabant. 

10. Darii, der ander trabandt. 

Anno 1551 jar, am 1 tag Octobris. 



97 



Tragedia mit 27 personen, der Maehabeer, nnd hat 

7 actas. 

Der ernholdt tridt ein, neigt sich unnd spricht: 

Heyl, fried und gnad wünsch wir euch allen. 
5 Auß sunder gunst, euch zu gefallen, 

Kumb wir, ein tragedi zu halten. 

Die gschicht ist bschrieben von den alten 

In büchern Machabeorum, 

Welche inn helt hernach die sum, 
10 Wie der wütrich Antiochus 
, Mit falschen ducken und trttcknuß 

Durch falsch pratic und verretrey 

Und sehr grawsamer tyranney 

Einnamb Jerusalem, die Stadt, 
15 Nam auß dem tempel die kleynat, 

Die Juden verfolgt und durch-echt^ 

Zwang sie wider Gott, ehr und recht, 

Abzufallen vom Gottes gsetz, 

Heydnisch zu leben an der letz. 
20 Im tempel abgöttrey auff rieht. 

Welch im wolten gehorchen nicht. 

Mit grawsamer marter umbbracht. 

Yil entsetzten sich seiner macht 

Und vielen von dem herren ab 
26 Zu abgötterey; doch sich begab, 

Das der priester Matbatia 
[A 3, 1, 162] Sich mit seim son voreinet da, 

Stelten sich im zu gegen-wehr 

« 

18 ? graiuame. 
Hans Sachs. XI. 7 



98 

Und versamelten auch ein hecr 

Von frummen Juden umbadumb, 

Besthelt Judam Machabeumb, 

Sein son, zum haubtman; viel bößwicht 
6 Vielen zu den beyden gericht, 

Ir eigen vatterlandt veiTieten, 

Theten viel böser stück sich nieten, 

Durch die der wtltrich wurt verhetzt. 

Überzug die Juden zu letzt 
10 Mit Nicanor und andern mehr, 

Ofift mit eim unzelichen beer, 

Die Juden gentzlich außzurewten 

Mit landen, steten, viech und lewten. 

Doch Machabeus, der liaubtman, 
15 Rüfft al mal Gott, den Herren, ahn 

Sambt seinem volck in seiner nobt, 

Halff im al mal genedig Gott, 

Das er al mal sein feinde schlug. 

Der feindt sich offt mit in vertrug. 
20 Den friedt er doch hielt keiner frist. 

Handelt al mal betrug und list, 

Biß in doch traff die Gottes räch, ' 

Das er elendt starb, und hernach 

Wart köng Antiochus Ewpater, 
25 Sein son, auch ein gifiPtige ater, 
[K 3, 1,328] Der auch die Juden hart bekrieget. 

Doch auch wenig ahn in gesieget, 
. Biß sie endtlich kämmen zu rw. 

Seit Stil ! höret und sehet zw, 
80 Wie sich das alles verlauifen thw! 

Der könig Antiochus gehet ein mit seinen fürsten unnd spricht 

Hört, ir meine getrewe fürsten, 

Die euch al zeyt noch ehr ist düraten ! 

Ehr liabt ir einglegt alsandt 
35 Und bezwungen Egypten-landt, 

Erlanget auch sehr grosse bewt 

Als erlich und kecke kriegßleut. 

Nun reiß wir wieder heim von 'dem 

Ruhen hie zu Jerusalem, 
40 Der israhelischen haubtstadt. 



99 

Sol wir sie nit mit krieges that 
Ein stuck unsers gwalts lasen sehen 
Und in eines darüber drehen, 
Wiewol sie sindt in unsenn bundt? 

5 Nicaner, der fürst, spricht: 

Großmechtiger könig, al standt 
Ist das volck stoltz, darzu hochmtttig, * 
Den frembden völckern gar angütig. 
Hon newlich veracht vil herrschafft. 
10 Obs gleych ein wenig züchtigt und straft 
Dein mayestadt durch seine kneclit, 
So hat sie des gut fug und recht. 
Das krieges volck ist darzu willig. 

Xiisias, der fürst, spricht : 

15 Großmechtiger herr, nit unbillig 

Greiffstu dem volck auch auff die hauben, 
Weil sie nit haben unsern glauben, 
Hallen auch nit unsern gottsdienst. 
Groß schetz von goldt du bey in finst, 

20 Viel gülden kleinat uberauß 
In irem tempel und gotzhauß. 
Die magst in nemen wol mit ehren. 
Wer wil deinr mayestadt das wem? 
Weil du mit so eim beer groß 

25 Hie liegest zu fuß und zu roß, 
Darmit du sie demütig machst. 

König Antiochus, der tyrann, spricht : 

Lisia, das best du betrachst. 

Ich wil ein gehn mit kleiner sumb 
80 Im tempel in ir heyligtumb, 

Als ob ich das nur wöl beschawen. 

Darüber werden sie mir trawen. 

Was ich denn findt an dieser Stadt 

Für schetz und güldener kleinat, 
35 Die laß ich rauben alle sandt 

Und heimfüren in unser landt, 

Darmit ich in auff diesen tag 

Ein forcht und ein schrecken einjag, 

7* 



100 

Das sie uns bleiben nnterthan. 
Bey diesem pact bleib er besthan! 

Sie gehen alle ab. Silas, der Jud» geht ein mit Onia, dem rabi» 

unnd spricht : 

6 Antioches, der könig roechtig, 
Der ist bey uns einzogen brechtig 
Mit grossem volck zu roß und fuß, 
Dem man auf hendt auch schencken muß, 
Darmit wir bhalten sein genaden 
10 Und sein feiudtschaift nit auf uns laden, 
Wann er uns gar wol helffen kan, 
Den unsern feinden wiedersthan, 
Wann er ist ein mechtiger herr. 

[E 8, 1, 829] Onias, der rabi, spricht : 

15 Doch sagt man, in Egypten ferr 

Sey er auch wie ein freundt einzogen 

Und hab durch falschen schein betrogen 

Sein vettern Pthelomeum frey, 

Ein gnummen im mit verretrey 
20 Vil stedt. Drumb ist wol drauff zu schawen 

Und im nit zu weit zu vertrawen. 

Er hat in im vil falscher tttck, 

Auch forthin braucht vil böser stück, 

Auch an den nechsten freunden sein. 

25 Silas, der Judt« spricht : 

Rabi, wer lauift so eillendt rein, 
Erblichen samb unmutig schwer? 

Thobiel kumbt gelauffen, schlecht sein hendt ob dem kop£f su- 

samb unnd spricht: 

30 Ach Gott, ich bring euch böse mehr. 

Der könig ist mit sein haubtleuten allen 

In sancta sanctorum gefallen, 

Hat ghraubt den galden tisch fürwar, 

Die gülden leuchter und altar, 
85 Die gülden becher, schaln und krön. 

Auch die fürheng im tempel schon 

Und darzu den heimlichen schätz. 



101 

Die kleinat zerschlecht er mit tratz 
Und fttret sie mit im darfan. 
Etlich wolten das nntersthan, 
Die wurden erstochen und erschlagen. 
5 Wie ist ein weinen und groß klagen 
In der gantzen Stadt gar durch auß! 
Trawrigkeyt wonht in irem hauß 
Ob dieser gefehrlichen noht. 

Onias, der rabi , spricht : 

10 söllich übel das hat Gott 

Gewißlich über uns verhengt, 

Das wir uns haben eingemengt 

Unter die heyden solcher massen, 

Darob des Herren gsetz vergassen. 
15 Heydnisch spiel-hewser thet wir bawen, 

Theten aufif die bundtgnossen trawen 

Vil mehr, weder auff unsern Gott. 

Darumb schickt er uns das zu spodt, 

Das uns der selber thut berauben, 
20 Auff den wir setzten trawn und glauben, 

Der gar solt unser schutzherr sein. 

Silas» der Judt» spricht: 

leider alles volck gemein 
Hat sich schwerlich an Gott versttndt, 
26 Dardurch sein zoren angezttndt, 
Wenn es nur mit dem het ein endt. 

[A 3, 1, 163] Thobiel spricht : 

Nach dem sein haubtman hat eylendt 
Die gantzen stadt auch eingenummen, 
80 Darinn erschlagen vil der frummen, 
Auch geblündert und brendt die stadt, 
Yil Yolckes auch gefangen hat 
Und eingenummen die bürg David, 
Besetzt und bewart im unfriedt. 

Der ernholdt kumbt, bringt ein offen mandat nnnd spricht 

Es lest die künglich mayestat 

Außgehn diß streng und scharpff mandat 



102 

Und wil haben zu rendt nnd zinst, 
Das man halt einerley gotsdienst 
Und leb nach heydnischer art 
Und sol opffern dem abgott zart, 
5 Auch thun mit schweinen-fleyscb verehrn. 
Ewr gsetz thut nicht mehr haltn noch lern. 
[K 3, 1,380] Sabat und fest sol als ab sein. 

Wer nicht ist ghorsam in gemein 
Diesem küniglichem mandat 
10 Im gantzen landt, auch in der Stadt, 
Derselbig sol des todtes sterben 
Und niemandt sol im gnadt erwerben. 

Der heroldt spricht. Onias, der rabi» spricht 

Herr Gott, laß dich im reych erbarmen ! 

15 Sollen erst wir elenden armen 

Nicht mehr noch Gottes gsetze wandeln, 
Sonder gleich wie die beyden handeln ? 
Eh ich halt das gottloß mandat. 
Eh wil ich meyden landt und Stadt 

20 Oder verlieren gar mein leben. 

Thobiel spricht: 

Das selbig ist mir gar nit eben. 
Laß mir mein vatterlandt nicht erleyden. 
Ich wil eh leben gleich eim heyden. 
25 Auch wirt dieser nit sein allein 
In dieser Stadt und grossen gemein, 
Die von Gottes gsetz ab thun fallen. 

Siclas, der Judt, spricht : 

Weiß nicht, wie ich dem thu in allen. 
80 Ob ich bey Gottes gsetz gern blieb, 

Gut, weib und kindt sindt mir auch lieb. 

Ich wirt mich besinnen darauif. 

Und wo denn bleibt der grosse hauff. 

Da wil ich auch beleiben bey, 
35 Damit ich mich vor unglück frey. 

Onias, der rabi« spricht: 



103 

Kambt! lat uns in den tempel gähn, 
Den grossen jammer schawen ahn, 
Den uns der tyrann hat gethan ! 

Die drey gehen auß. 



5 Actus 2. 

Mathatias, der priester» gehet ein mit Juda Machabeo und Jo- 

natas« seinen sönen, unnd spricht: 

Ach Gott, bin ich darzu geborn. 

Das ich sol sehen, das ist verlorn 
10 Jerusalem, die heylig Stadt? 

Darinn der feindt sein mutwillen hat. 

Das heyligthumb ist verunreindt. 

Die kleinater darauß beraubt seindt. 

Abgötter in dem tempel sthendt. 
15 Das gsetzbueh Gottes ist verbrendt. 

In allen gassen sieht man fttrwar 

Auffgericht heydenisch altar. 

Vom gsetz feit schier ab iederman. 

Wer aber das selb nit wil than, 
20 Der Wirt gar jemmerlich erraört. 

Von Gott man nichts mehr redt noch hört. 

Die heyden haben uberhandt 

In meimb geliebten vatterlandt. 

Wen solt lenger Insten zu leben? 
96 Herr Gott, das sey dir klaget eben! 

Melius, der haubtman« gehet ein, bringt ein offen mandat und 

spricht : 

Mathatia, nun merck! ich bin 

Vom köng gesandt her gen Medin. 
80 Nimb ahn das küniglich mandat 

(Du bist der farnembst dieser Stadt) 

Und erstlich zu dem altar tridt 

Und opifer nach der heyden sit, 
[K 3, 1,331] Wie zu Jerusalem iederman 

85 Auch ander lender haben than! 

Darumb wirt dir der könig holdt, 



104 
Dir schencken silber und das goldt. 

Mathatia» der prieBter» spricht : 

Wenn schon alle lender zu letz 
Abfielen von Gottes gesetz, 
5 Namen heydnischen glauben ahn, 
Dennoch wolt ich das selb nit than 
Sambt den brttdern und sönen mein, 
Deinem könig gehorsam sein. 
Da sey Gott vor im höchsten tron! 
10 Solch übel wttrt ich nimmermehr thon. 

Thobiel ffehet ein» opffert und spricht : 

Ich abr wil nit unghorsam sein 
Antioche, dem herren mein, 
Sonder opffern aufif seim altar 
15 Alhie mit andern heyden schar. 

Melius, der haubtman, spricht: 

Weil du opfferst heydnischer weyß, 
Hast du beim könig lob und preiß. 

Mathatia, der priester, spricht: 

90 Ach Gott, erst brinnet mir das hertz 
Vor grossem eyfferigem schmertz 
Ob der gottes-lesterung und schmach. 
Von deinr ehr wegen ich das räch. 

Mathatia ersticht den haubtman und Thebielem unnd sthöst 
25 die altar umb und spricht: 

Nun last uns fliehen, lieben sün, 

Sambt allen, so Gott lieben thUn, 

Und last uns im gebirg verstecken 

In die höln, klüiften und hecken 
80 Vor dieses königs tyranney 

Und wollen bloß verlassen frey 

Hinter uns alle unser guter, 

Aufif das frey bleiben unser gmüter 

In Gottes wort und seinem lob, 
85 Wie Abraham, Isaac, Jacob! 



105 



Onias« der rabi» kumbt und spricht: 

Mathatia, Gottes man, 
Raht! was sollen wir armen than 
In diesem jamer, angst und leyden ? 
5 Zwey weibr ir und habn lassen bschneiden, 
Die man all zwo gefangen hat, 
Sie umb gefttret in der Stadt, 
Ir kinder an die heiß gebunden. 
Darnach warff man sie all beyd unden 

10 Durch ein zinnen durch die stadt-mawrn 
In Stadtgraben mit grossem trawrn 
[A3, 1,164] Zu todt. Also thut man zu letz 
All den, so halten das gesetz, - 
Auch frummer Juden ein grosse zal. 

15 Die sindt geflohen uberal, 

Sahen sich in die hol verborgen 
Vor dem wütrich in grossen sorgen. 
Da man sie aber am sabat 
Gar dückisch überfallen hat 

20 Und hat sie all zu todt geschlagen, 
Weil sie sich an den sabat-tagen 
Der feyndt nicht haben weren wollen. 

Mathatia» der priester, sprioht: 

Ir lieben sön, wir alle sollen 
25 Uns wem und nicht lassen erschlagen. 
Ob es gleych gschech an sabat-tagen. 
Wir würden sunst all außgerewt. 
Sich wern bey uns versamlen hewt 
[K 3, 1,332] Die frummen leut in dieser noht. 

80 Uns Wirt auch bey sthan unser Gott. 
Wollen auch mit gewerter handt 
Herumher raissen in dem landt, 
Unser lieb brüder zu erretten, 
Wer die heyden durch-echten thetten, 
35 Umb reissen ir abgöttisch altar 
Und erwürgen der heyden schar 
Sambt allen abtrünnigen Juden, 

• 

5 und] E kind. 34 E Welch. 



106 

Die solch gotslesterung auff sich luden. 

Wollen auch bschneidcn nach dem gsetz 

Die, so unbschnitten sindt zu letz. 

Aufif der raiß, lieben söne mein, 
6 Wirt euch der Herr beistendig sein, 

Wie Phinehas und Josua. 

Darumb, mein lieber son Juda, 

Machabeus darzu genandt, 

Nimb diesen handel undtert liandt 
10 Und sey der frummen ein hanbtman 

Und greiflft den krieg mit frewden ahn 

Mit deinen brttdem allen samen! 

Weil es trifft Gottes ehr und namen, 

Wirdt euch Gott geben glück und segen 
15 letzundt darzu, auch alle wegen. 

Sie gehen alle ab. Der henoker fürt Eleasarum und spricht 

Eleasar, iß Schweinen fleysch, 
Wie des königs gebot erheisch, 

r 

Das man hat geopffert dem abgott! 
20 Darmit entrinnest du dem todt. 

Eleasar, der frumb alt, spricht: 

Ach Gott, das thu ich nimmermehr. 
Solt ich wider die Gottes ehr 
Des heydnisch abgott opffer essen 
25 Und des Herren gesetz vergessen? 

Schweyg! müt mich des nur nit mehr an! 

Der henoker spricht : 

Eleaser, du alter man, 

Die gnad wil ich dir heimlich than, 
30 Weil ich dich lang gekennet han, 

Und deins altars verschonen mit. 

Iß dieses fleysch! das ist gar nit 

Geopffert worden dem abgott, 

Auff das doch mein der heyden rott, 
35 Du habst der heyden opffer gössen. 

11 ? greif. 



107 



Eleasar, der alt, eprioht : 

Ey, solt ich handeln so vermessen 
Und das fleysch essen dergeleichen, 
Samb ich von Gottes gsetz thet weichen? 

5 Solt mit solchem heuchlischen leben 
Dem jungen volck ergernuß geben, 
Sarah wer ich zu eim heyden worn? 
Schweig nur! dein raht der ist verlorn; 
Wann mir neuntzig-jerigen man 

10 Ziemit solliches nit zu than. 

Darumb nur mit mif untert erden 1 
Ich wil am gsetz nit brttchig werden, 
Weder mit werten noch geberden. 

Der hencker füret in ab. 



15 Actus 3. 

König Antiochus, der tyrann, gehet ein mit dem fürsten Nica- 

nor, setzt sich unnd spricht: 

Sag! geben auch in dieser Stadt 
Die Juden umb mein streng mandat, 
20 Das sie verlassen ir gesetz 
[K 3, 1,333] Und leben heydenisch zu letz? 

Der henoker spricht : 

Großmecbtiger könig, wir haben unden 
Ein weyb mit sieben sönen gepunden, 
25 Die verachten gar dein mandat. 

König Antiochus spricht: 

Bring sie herauff für einen raht! 
Da wöl wir sie mit marter leren, 
Das sie unser abgötter ehren. 

Der hencker bringt die mutter und den eltesten son, Antiochus 

spricht : 

Da wert ir essen schweynen fleysch 
Und opffern auch nach meimb geheysch, 



108 

Oder ist müst des todtes sterben, 
An grawsamer marter verderben. 

Der elter son spricht: 

Was wilt dn lang an uns erfragen? 
5 Mit werten kurtz wil ich dir sagen: 
Wir wollen halten Gottes gsetz 
Und gar nit brechen an der letz. 
Darzu solt da nit nöten mich. 
Eh wil ich sterben williglich. 

10 Konig Antiochus, der tyraxm, spricht : 

Setz baldt über das glüendt fewr 
Die rostpfannen gar ungehewr 
Und schneidet im die znngen ab 
Und füret in darnach hienab! 
15 Haut im ab beyde füß and hent 
Und darnach aber in verbrendt 
In der rot glüenden rostpfannen! 
Nur mit dem Juden baldt von dannen! 

Man schneidt ihm die zungen ab. Die mutter spricht : 

20 Mein lieber son, leidt unverzagt! 

Wann Gott, der Herr, hat selb gesagt, 

Er wöl verlassen nit die ghrechten 

Und sein genedig seinen knechten. 

Wie Mose zeygt in seim gesang. 
26 Gott geh dir glück zu deinem gang! 

Man fürt in ab und bringt den andern son, Antioohus, der 

tyrann, spricht : 

Sag, ob du schweynen fleisch wildt essen 
Oder auch bleiben so vermessen, 
80 Wie dein bruder treiben den spodt ! 

Der ander son spricht: 

Ich wil eh leiden auch den todt, 
Antioche, du gottloß man! 

1 K 0. ihr. 



109 

So du mir ietzundt nemest schon 
Mein zeitlich gebrechliches leben, 
Gott wirt mir wol ein ewigs geben 
Und mich erwecken von dem todt, 
[A3, 1,165] Wann er ist ein almechtig Gott. 

Antiochi, dqr tyrann, spricht: 

Schneid im auch ab sein zungen gar, 
Weil er mich hie schmehet fürwar 
Und für in ab! thu im voran, 
10 Wie du seim brnder hast gethan ! 

Sr schneydet im die zungen ab. Die mutter spricht : 

Nun kempff trcwlich, du küner ritter! 
Gott steh dir bey in todtes bitter! 

[K 3, 1, 334] Der hencker füret den ab, bringet den dritten unnd 
spricht. Antiochus , der Wüterich, spricht : 

Sag baldt! wiit essen oder nicht? 
Wilt nit, wie dein brüdern geschieht, 
Wirt man dein zungen dir abschneyden. 

Der drit son spricht: 

20 sollichs wil ich lieber leyden, 
Denn das ich brech Gottes gesetz, 
Wann ich hoff, mir Gott werdt zu letz 
Wiederumb wol ein zungen geben, 
Zu leben in im ewing leben. 

Er schneidt im zungen ab, fürdt in herauß. Die mutter spricht : 

Nun, Gott beleid dich gnediglich ! 
Der wirdt wider auffwecken dich. 

Der hencker bringt den vierdten son. Antiochus, der tyrann, 

spricht : 

so Wilt nicht abtretten vom gesetz? 

Der vierdt son spricht: 
Nein, eh wil ich sterben zu letz, 

14 ond spricht] fehlt K. 24 K loben. 



110 

Wann es ist mir ein grosser trost, 
Stürb ich gleycli auff glUendeni rost, 
Das die menschen erwQrgen mich. 
Gott macht mich wider lebendig. 
6 Aber du, wütrich (merck mich eben !), 
Wirst nit wider erwerckt zum leben ! 

AntiochuB, der tyrann» spricht zornig : 

Haw den mit geysseln und fttr in ab! 
Haw im auch alle viere ab, 
10 Wie du sein brüdern hast gethon ! 
Also entpfach er auch sein lohn! 

Man geysselt ihn nnnd füret ihn darnach ab. Die mutter spricht : 

Mein son, sey auch keck und getrost ! 
Gott lebt, der endtlich dich erlöst 
15 Vom todt, fttrt dich ins ewig leben. 

Der vierdt son spricht: 
das wöl uns Gott allen geben! 

Der hencker bringt den fünfften son. Antioehus, der tsrrann, 

spricht : 

20 Thu dem gleych wie den andern virn! 

Der fünflt son spricht: 

Wie grimmig thust tyrannisiern ? 

Bist doch ein mensch und must auch sterben 

Und baldt durch Gottes räch verderben. 
25 letz bist wol gewaltig auff erdt 

Und tliust als, was dein hertz begert. 

Du darffst nit dencken solcher massen, 

Das uns Gott darumb hab verlassen, 

Weil wir letzt sindt in deiner hendt 
so Und du uns marterst so ellendt. 

Du solt erfarn kurtzer frist, 

Das des Gott als ein recher ist. 

Antiochus, der tyrann, «spricht zornig: 
Baldt rieht auch hin den losen man, 



111 

Wie du sein brüdern hast gethan! 

Der hencker schneydet im die zungen ab. [E 3, 1,335] Die mut- 

ter spricht : 

Mein lieber son, stirb unverzagt, 
5 Ob dich gleych itzt der wütrich blagt! 
In dieser marter, angst und noht 
Hab dein hoffnung allein zu Gott! 

Die hencker füret in ab unnd bringet den sechsten son. An- 

tiochus, der tyrann, spricht : 

10 Thu dem auch, wie du jehm hast than ! 

Der sechst son spricht : 

Die marter wir verdienet han 
Mit diesen Sünden gegen Gott. 
Meinst du aber, das unser Gott 
15 An dir auch nit gerochen werdt, 
Weil du also thobest auff erdt 
Wider Gott und die knechte sein? 
Das nimb dir nit in sinne dein! 

Man thut im zungen abschneiden und geysselt in. Die mutter 
20 spricht : 

lieber son, leid mit gedult. 
Ob du ir gleych nit hast verschuldt, 
Und hoff auff der merterern krön, 
Die Gott den seinen gibt zu lohn ! 

Der hencker fürt den auch ab und bringt den jüngsten son. 

Antiochus, der tyrann, spricht: 

Du zarter jüngling, was zeychst dich? 
Tridt ab vom gsetz gut-williglich ! 
Wil "dich mit gelt und Silber begaben. 
30 Solt ein gnedigen könig haben. 
Dir sol wiederfaren kein leydt, 
Bey meinem königlichem aydt. 

Der könig winckt der mutter und spricht: 

Weyb, bered deinen jungen son, 
35 Das er nit sol so übel thon, 



112 

Das er wöl gemartert sterben, 

Weyl er groß reychthumb mag erwerben! 

Sie gehet zu irem son unnd spricht: 

Hertz-lieber son, ich bab mit schmertzen 
5 Dich tragen nnter meinem hertzen 
Neun monat lang und dich gezeuget, 
Auch bey drey jaren dich geseuget. 
Gott aber der selb hat dir geben 
Dein athem, seel, vernunfft und leben. 
[A3, 1,166] Wiewol ich hab ernehret dich, 
Ich bit: erbarm dich über mich! 
Scbaw an die erden und den hymel 
Und alle creatur mit gewimel, 
Das Gott auß nichte hat gemacht! 
16 Den schöpffer im hertzen betracht 
Und furcht dich vor dem hencker nit ! 
Das ist an dich mein letzte bit. 
Stirb willig, wie die bruder dein, 
Das ir werdt wider allgemein 
20 Mir, ewren mutter, wider geben 
Dort mit frewdt in dem ewing leben. 

Der jüngst son spricht: 

Was verzeuchst und wartzt also lang? 
Mit mir liin zu der marter gang! 

25 Denck nur nit, das ich werdt allein 
Dem tyrannen' gehorsam sein, 
Zu brechen des Herren gesetz. 
Das Gott gab seinem volck zu letz! 
[K 3, 1,336] Du aber, der du Wagst die Juden, 

30 Meinst, iren gottsdienst zu zertlden, 
Und vergeust viel unschuldig blut 
Auß grimmig, tyrannischem muht, 
Meinst, Gott wer das nit an dir rechen 
Und dir auch deine tag abbrachen, 

85 Dir auch mit einer grimmen harter 
Blagen, mit einer herben marter, 
Das du mit schmertzen must bekennen. 
In einen Gott und Herren nennen, 
Auß dem strengen Gottes gericht, 



113 

Die wirt dein kürtzlich fehlen nicht 

Sambt einem ewigen verderben, 

Das dein verdambt seel maß sterben. 

Aber die lieben brüder mein, 
5 Die umb das gsetz gestorben sein, 

Den steht ietzandt der hymel offen. 

Des bin ich auch von hertzen hoffen, 

Gott werdt auch nach diesem ellendt 

Mein geyst entpfahen in sein hendt, 
10 Das ich werdt ewig mit im leben. 

Die mutier spricht : 
Das wöl.dir Gott, der Herr, auch geben! 

Antiochus, der tyrann, spricht zornig : 

Nur immer hin zu einer räch 1 
15 Mach dem schalck sein marter zwifach. 

Weil ich verspodt wirt von dem jungen! 

Geysel in! schneidt im ab die zungen 

Und für in darnach auch hienab 

Und haw im alle viere ab! 
20 Rost in auch in der fewrpfannen. 

Wie sein brüder! baldt mit im dannen! 

XSr marterdt und fürt in ab. Antiochus, der ty^ann , spricht : 

Geh! füre auch sein mutter hin. 
Die alte, verstockte Jüdin, 
25 Und leg ir gleyche marter ahn. 
Wie du hast iren sönen than ! 

Der henoker feit die mutter ahn , sie hebt ir hendt auff unnd 

spricht : 

Herr, ich danck dir, und das du mich 
so Auch hast gemacht ehrwirdiglich, 
Zu sterben hie umb deinen namen 
Nach meinen sönen aliensamen. 
Dort werdt wir wider zammen kummen 
Bey allen seligen uud frummen. 

Der hencker füret sie ab. Antiochus * der wütrich, spricht : 
Herr Nicanor, du thewrer füi'st, 

Hans Sachs. XI. 8 



114 

Ich merck: die Jaden sindt gethürst, 

Hert-mcwlig nnd gar nnghorsam. 

Ich wil dir schicken Gorgiam 

Zu hilff mit zweintzig tausendt mau. 
5 Darmit so greiff die heyden ahn 

Und ihn sie unter mein gwalt bringen 

Und rent sie auß mit allen dingen! 

Ich aber wil mit einem beer 

In Persien einlegen ehr 
10 An Persepolim, einer Stadt, 

Die einen reichen tempel hat. 

Den selben schätz wil ich erheben. 

Der bekambt mir gleych wol und eben, 

Das ich darmit habe zu kriegen 
15 Und meinen feynden an zu siegen, 

Das sie sich yor mir mtlssen schmiegen. 

Sie gehen alle auß. 



[K 3, 1,337] Actus 4. 

Judas MachabeuB geht gerüst ein mit seinen brüdern unnd 
20 spricht : 

Ir lieben brüder, ich hab kundtschafft, 

Wie Gorgias mit heeres krafft 

Nicaneor hab gesendet nanß, 

Uns Juden gar zu rewten auß. 
25 Hat schon kauffleut an sich gehangen, 

Verkauft, eh das er uns hat gfangen. 

Vermeindt, es kündt im fehlen nit; 

Wann die kauffleut ziehen schon mit, 

Samb uns Juden mit zu erschrecken, 
so Ftlren das gelt schon in wadtsecken, 

Darmit sie uns wollen erkauffen. 

Derhalben halt euch fein zu hauffen 

Und habt ewer hoffnung zu Gott! 

Der Wirt uns beisthen in der noht, 
86 Wie er uns auch hat than bey^standt, 

Weyl wir vast in dem gantzen landt 

Die besten flecken haben innen. 



115 

Die wir mit dem schwerdt theten gwinnen, 
Haben der heyden io kurtzen tagen 
Eintzig ein grosse samb erschlagen, 
Ir viel gefangen und verjagt, 

5 Sie gleich gmacht forchtsam nnd verzagt, 
Dergleych die abtrttnnigeii Juden, 
Thetten in ir flecken zn-rüden, 
Haben etlich gar auß gebrendt. 
Doch welcher hie an diesem endt 

10 Gott nit vertrawt, der kehr nur umb 
Und za der schlacht nicht mit uns kumb! 

Jonatas spricht: 

Mein bruder, bey dir wol wir stalm, 
Einhellichen wie ein man. 

15 Unser auff die sechs taosendt sein. 
Die wollen streitten hie altein 
Und ir leben wagen allsandt 
Für das gsetz und ir vatterlandt. 
Haben unser guter verlassen, 

20 Haben hoffnung, Gott werdt der massen 
Uns wiederumb genedig sein, 
Dieweyl wir uns alle allein 
Verlassen auff den Herren gar. 
Aber die ungelaubig schar 

25 Verlest sich auff ir gantzes beer, 
Auff ir pferdt, hämisch unci wehr 
Und haben ein unrechte sach. 
Üben an den unschulding räch, 
Die in keyn leyd haben gethan. 

80 Judaa Maohabeus spricht : 

Da habet gar keyn zweyffel ahn, 
Das uns Gott wirt verlassen mehr, ' 
Dieweil wir streitten für sein ehr, 
So die heyden außdilgen wollen! * 
85 Ungezweyffelt wir hoffen sollen, 
Er werdt uns hilfflich bey gesthan, 
[A3, 1,167] Wie er vor alters hat gethan 

Unsern vettern, die im vertrawten. 
Zu im schrien, die auff in bawten, 

8* 



116 

Wie er balff köuig Hißkia, dem, 
Als belegert Jerusalem 
Senacherib, dem er auß nobt 
Halff, scblng in einer nacbt zu todt 
5 Der beyden darcb sein cngel scban 
Hundert fünff und acbtzig tausendt man. 
Derselbig Gott der lebet nocb. 
Kumb! so wöl wir dem Herren bocb 
Sein beyliges gesetzbucb lesen, 
10 Wie er alzeyt sey gnedig gwesen 
All den, so sucben sein angsicbt. 
Der wkt uns aucb verlassen nicbt. 

Sie gehen all ab. [K3, 1,338J Nicaner, der fürst, flehet e^erüstet 
ein mit Gorgia , dem haubtman , und seinen kneohten und 
15 spricht : 

Gorgia, bast nach mir gemacbt 
Die Ordnung, zu thun ein feldtscblacbt 
Mit den Juden auff frü tagzeyt? 
Wann sie liegen von uns nit weit. 

20 Gorgias, der haubtman, spricht: 

Obe, der Juden ist nit viel. 
Mit ringer müb icbs scblagen wil, 
Wann unser sindt wol vier an ein. 
Mein grosse sorg die ist allein: 
85 Sie werden unä kein scblacbt bestban. 
Sonder flieben und uns endtgabn. 
Es ist gar loß budelmans-gsindt, 
Die nie mit im krieg gwesen sindt. 
Mit kriegßübung ungleicb uns beyden. 

30 Nicaner, der fürst, spricht : 

Gorgia; icb möcbt gar wol leyden, 
Das wir die Juden gar nit scblügen, 
Sondev sie gar ringsweyß umbzügen, 
Gefangen nemen den gantzen bauffen, 
35 Das wir sie denn möchten verkauffen 
Und also auß den beylosn bösen 
Juden möcbten ein Schätzung lösen. 
Die wir den Römern müssen geben, 



117 

Zway hundert zentner Silbers eben, 
Wann bey uns sindt schon die kauffleut, 
Uns abzukaufen diese beudt. 
Derhalb für auß des heres sumb, 
5 Wie ich sag, umb die Juden rumb ! 
Ich hör ir trometen, sie kommen schon. 

Gorgias, der haubtman, spricht: 

Ja wol, ich wil im also thon. 
Stost in trometen zu der schlacht! 
lü Unser Ordnung ist schon gemacht. 

Her, her, her, her ! die feyndt die kummen. 
Macht lerman baldt auff allen trummen! 

Die Maohabeer kummen , schlagen einander , biß die heyden 

fliehen. Judas spricht: 

15 Ir lieben brüder, eylendt nach 
Und nemet an den heyden räch! 

Judas Machabeus kumbt wider, heist blasen und spricht: 

Nun, so kehr umb ein iederman! 
Es bricht geleych der sabaht ahn 
20 Des Herren, darurab wir der massen 
Von der heyden nach-jagen lassen. 

Die Machabeer kummen, tragen groß seck mit gelt, Jonatas 

spricht : 

Gott, der Herr, hat mit seinen banden 
25 Trewlich und vetterlich bey gstanden. 

Dem allein sollen wir danck sagen, 

Wann wir haben zu todt geschlagen 

Bey neun tausendt der unsern feyndt, 

Dergleichen auch ereylendt seindt 
30 All ire kauffleut obgemeldt. 

Den hab wir genummen ir gelt, 

Darmit sie uns weiten erkauffen, 

Und ist flüchtig der gantze hauffen, 

Einer hie nauß, der ander dort nauß. 

35 Judas Machabeus spricht: 

Nun blündert und theiit die peudt auß! 



118 

Weil sich Gott nnser tbet erbarmen, 
Gebt Witwen, waisen und den armen! 
[K 3, 1,339] Bbalt anch für encb, für weyb und kinder! 
Halt nun den sabat nit dest minder 
& Und thut ein gmein gebet zn Gott, 
Unserem könig Sebaobt, 
Das er uns sey barmbertzig fort! 
Nun wöl wir zieben an den ort 
Wieder in unser leger dordt. 

10 Sie gehen all ab. 



Actus 5. 

König Antiochus gehet ein mit Philippe» dem fürsten, tinnd 

spricht : 

Acb wie grossen hon, spodt und schandt, 
15 Das wir auß Persia, dem landt, 

Mit dem beer musten flücbtig zieben, 

Gleicbsam verzaget, forcbtsam fliehen, 

Weil sich Persepalim, die Stadt, 

So teuffelisch gewehret hat, 
20 Die wir vermeinten zn gewinnen, 

Zu finden grossen schätz darinnen ! 

Das uns doch hat gefehlet weit. 

Sollich ist uns zu keyner zeyt 

Begegnet, wie zu dieser frist, 
25 Da kein verreterey noch list 

Uns bat wollen behülfflich sein. 

Des leidt ich in dem hertzen pein. 

Der postpot kummet, bringt ein briefT, neigt sich unnd spricht : 

Durcbleuchtiger könig, auß Judea, 
so Bin ich eylendt postiret da. 

Findt ir nach leng warhafftig meh, 
Wieß umb ewr kriegßvolck darinn steh. 

Antiochus thut den brielf auff, lieset den und spricht: 

Ich merck: mir hat das frölicb glück 
85 Auß neydt gar keret seinen rttck. 



119 

Mein volck ist mir zwir worden gschlagen, 

Das neun und zweintzig tausent erlagen, 

Von den losen Juden entrunnen. 

Haben mir viel vestung abgewunnen, 
5 Mir auch etlich baubtleut umbbracbt 

Und sindt darnach mit grosser macbt 

Hinzogen gen Jerusalem 

Mit grossem raub. Darumb zu dem 

So schwer ich einen harten aydt, 
10 Das ich wil antban als bertzleidt 

Den Juden und sie gar außreuten 

Und wil die Stadt mit viecb und leuten 

Machen zu einem todten-grab, 

Wil auch die weil nit lassen ab. 

Antioohus greiffet an sein brüst und spricht: 

Ach, wie ist mir so hertzlich weh! 
Mein ernholdt, baldt eylendt geh! 
Beruff mein leib-artzt, das er knmb! 
[A 3,1,168] Mein leyb thut mir. weh umbadumb. 

20 Grimbt mich im gedirm hin und wider. 
Gichtbrüchtig sindt all mein glieder. 

Der ernholdt geht ab. Der kÖnig spricht : 

Weh, weh, weh, weh, ach weh und klag! 
So weh war mir nie mein lebtag. 

Der artst kumbt mit dem heroldt, begreift im den pul^ und 

spricht : 

Kein natürlich kranckheyt das ist. 
Das zeyget ahn ewr puls, das wist! 
Im hertzen euch verborgen leidt 
80 Etlmmernuß, zorn und trawrigkeyt. 
[E 3, 1,340] Ein grosse anfechtung euch krenckt. 
Diesen Ursachen nach gedenckt! 
Dasselbig solt ir euch abbrechen. 

Antiochus spricht zornig : 

35 Ich wil mich an den todten rechen. 
Darumb heiß baldt trumeten auff, 
Das eilendt ziech der gantze hauff 



120 

Deo nechsten anif Jerasalem 
Und saumb sich gar niemandt in dem. 
Mag ich kranckeyt halben nit reiten, 
So wil ich aber zu den zeyten 
5 Doch faren aoff einem streit-wagen. 
Macht ench baldt aaff, eh es wirt tagen! 

Sie gehen all mit dem konis: ab. FhilippuB, der fürst, kTunxnet 

wider und spricht: 

Wer wolt das falsch glück nit beklagen? 
10 Unser könig ist von seinem wagen 

Gefallen danssen auff der strass, 

Als er gar zu hart eylen waß, 

Das er auch nit mehr faren mag. 

Sein kranckheyt nimbt zu alle tag. 
15 letz muß man in einr senfften tragen. 

Darumb so hab wir than rahtschlagen. 

Wir wöln in lassn in der neben 

Und sein leyb-artzet in versehen. 

Man tregt in ein auff eim sessel, halten all die nasen bxl An- 
20 tioehus spricht: 

Weh, weh der grossen angst und quel! 
Mich dfinckt, ich sitz schon in der hei. 
An meimb gantzen leyb ich verdirb. 
helfft mir doch, eh ich gar stirb ! 

Der artzet kumbt, greyfft sein puls unnd zugebunden solienokel 

und spricht : 

Die hitz hat ewren leyb entzündt, 

Das er unablöschlich brindt. 

Stinckendt und faul ist ewer schaden. 
30 Darinn wachssen würm und groß maden 

Und fallen herauß gantze stück 

Des faulen fleysch euch zu Unglück. 

Auff erdt lebt so kein künstreych man, 

Der ewr kranckheyt büsen kan, 
85 Wann ich besorg endtlich hernach, 

Die blag kumb her auß Gottes räch. 

Antiochus, der wütrioh, spricht : 



V 



121 

Ach, ich bin ye von hertzen kranck. 

Ich schmeck selb mein üblen gestanck. 

Ich wil demütig mich bekern, 

Der Juden Gott opffern und ehrri, 
5 Mich Gott bekennen in demut, 

Den Juden fort thun alles gut, 

In ein freundtlich brieff zuschreiben 

Und wil mit fried sie lassen bleiben, 

Ein ewig bündtnuß mit in machen, 
10 Ob mich ir Gott in diesen sachen 

Wieder wolt machen frisch und gsundt. 

Nun traget mich hienauß ietznndt 

(Mir wil gleych in amacht geschwinden), 

Ob icli möcht ruh roeins hertzen finden! 

Sie tragen in- ab. Fhilippus, der fürst« kummet wider und 

spricht : 

Ach, unser könig ist verschieden 

Und hat ein grimmig todt erlieden. 

Dieweil wir nun nichts bessers haben, 
20 Wollen wir in alhie begraben 

In der wildtnuß, in frembden landt. 
[K 3, 1,341] Nach dem wirt sich das beer alsandt 

Zerstrewen, wo ein yeder mag. 

Des thewren fürsten todt ich klag, 
25 Mit dem ich aufferzogen bin. 

Nun wil ich in Egypten hin 

Zum könig Phtolemeo ziehen, 

Antiochum, den jungen, fliehen. 

Fhilippus , der fürst , gehet ab. Judas Maehabeus gehet ein 
so mit seinem bruder Jonati und spricht : 

Sehr gute mehr sindt kuramen heindt, 
Wie unser aller-gröster feindt 
Antiochus der sey gestorben. 
An elender kranckeyt verdorben, 
85 Der vor mit seins volckes«gewimmel 
Vermeindt, zu buclien Gott im hymel. 
^ Weil unser gröster feyndt nun leidt, 

So haben wir bequeme zeyt, 
Wieder einzunemen nach dem 



122 



Die heylig Stadt Jerusalem, 
Zu reinigen des Herren tempel 
Von allem heydnischen exempel, 
Anfi^cbten ein andern altar, 

5 In masen wie der vorig war, 

Und wollen Gott im höchsten thron 
Brandtopffer and danckopffer thon, 
Welcher gotsdienst nun lange jar 
Zu boden ist gelegen gar. 

10 Wollen auch aufrichten in guten 
Des Herren fest und lauberhüten, 
Darbey dencken der elenden tag, 
Da Israel in hütten lag. 
Gott wöl, das das gschech nimmermehr, 

15 Sonder den krieg in friedt yerker, 
Darmit sich mehr sein rumb und ehr. 

Sie gehen alle ab. 



Actus 6. 

Menelaus, der abtrünnig verrether* gehet ein, redt mit im selb 
20 unnd apricht: 

Antiochus, der alt, ist todt, 

Der den Juden thet grosse noht. 

Sein son ist durch der fürsten raht 

König wordn an seins yattei*s Stadt. 
25 Den selbn wil ich helfen verhetzen, 

Das er sich auch thu wiedersetzen 

Den Juden mit mordt, raub und brant, 

Obs gleych wol ist mein vatterlandt. 

Denn möcht ich hoher priester wem, 
80 Mein hilff wirdt er annemen gern. 

Antiochus , der jun^ könig , gehet ein mit dem fürsten Lisie 

und spricht : 

[A3, 1,169] Lisia, ist das beer bereyt 

Und als gerüstet zu dem streidt ^ 

35 Wieder die Jaden, die früe und spadt 
Mein vatter auch bekrieget hat? 



123 



Iiisias, der fürst, spricht: 

Großmechtiger köng, gerüstet bausendt 
Hundert, darzu zehen mal tausendt 
Griechischer fußknecht an den droß, 

& Fanff tausendt dreyhnndert zu roß 
Und zwen und zweintzig elephanten. 
Auch hast fttr dich tausendt trabanten, 
Drey hundert wegen mit eyssern zacken, 
Vor den die feindt almal erschracken. 

10 Wenn du wilt, wöl wir ziehen ahn. 

Antiochus, der jung könig, spricht : 

Ich wil mit in eigner person 
Und die Juden helffen außreuten 
Mit landen, steten, viech und leuten. 

[E 3, 1, 342] Menelaus, der abtrünnig, spricht : 

Großmechtiger könig, Gott geh dir glück, 
Deim fürnemen in allem stück! 
Zu dir setz ich auß trewem muht 
Mein leyb und leben, gut und blnt, 

20 Zu straffen die Juden grawsamlich. 
Die vor haben vertrieben mich. 
Wenn du den krieg denn thust beschliessen, 
Hoff ich, das bey dir zu gemessen, 
Das du mich fürderst wiederumb 

»5 Dort zu dem hohen priesterthumb 
Umb mein gehabte müh und dienst. 

Lisias, der fürst, spricht: 

Herr könig, trawt im nit das minst! 
Er ist ein bößwicht ob in allen, 
30 Von seim vatterlandt abgefallen, 
Den Juden und durch in Unglück 
Landt und leut bracht durch seine duck. 
Auch die könig zu unruh bracht. 

König Antiochus, der jung, spricht: 

35 Ir trabanten, den bößwicht facht 
Und fürt in hin gen Berea 



124 

Und auff den hohen thnren! da 
Redert baldt diesen nbeltheter, 
Als seines vatterlandts verreter! 

Man blatztMenelaum ahn, fürt in ab. Der könifl^ spricht: 

5 Lisia, nun heyß bald auifblassenl 
So wöl wir reissen unser Strassen. 

Sie gehen alle ab. Judas Machabeus geht gerüst ein mit den 

seinen. Jonatas spricht: 

Bruder, ich hab gewiß kundtschafft, 
10 Das der jung könig mit heeres krafft 
Uns überzeucht, und wil auch brechen 
Den fried, den sein vatter thet versprechen. 
Er handelt eben gleych dem alten. 

Jndas Machabeus spricht: 

15 Seiner untrew laß wir Gott walten! 

Nun wollen wir uns frü und spedt 

Mit gar andechtigem gebet 

Zu Gott halten in dieser noht, 

Das uns der almechtige Gott 
20 Wöl schützen, wie er vor hat than, 

Und unser unschuldt sehen ahn, 

Der heyden gwalt und unrecht brechen 

Und uns, sein lieb volck, an im rechen 

Durch sein allmechtig wunderthat. 

25 Jonatas spricht: 

Das wöl wir than; es wer mein raht, 
Das wir dem feindt entgegen Zügen, 
Ausserhalb der grentz mit im schlügen, 
Eh er einnemb der festen stedt, 
30 Darauß er uns groß schaden thet. 

Judas Machabeus spricht: 

Ja, Jonatham, das wöl wir than 
Und wollen als baldt ziehen ahn, 
Uns nit säumen, wann zu Medin 
35 Da ligt des königs beer vorhin. 
Denn wollen wir mit dem beer allen 



125 

Bey eitler nacht ins leger fallen, 
Wenn sie liegen in bester rub. 
Laß uns auffs stilst rücken hinzu! 
Doch unser loß sey in dem kiieg 
5 Das herrlich wort: Gott gibt den sieg! 
Last uns ir schildtwach heben auff, 
Ehs innen werdt der gwaltig hauff! 

[E 3« 1, a48] Sie gehen, heben die wach aufP, der feindt hauffen 

kumbt. Sie schlagen einander, biß die feindt fliehen, lauffen 

nach auß. Der konig kumbt wider mit Iiisia und spricht: 

Die Juden sindt sie freydig leut, 

Das wir haben entpfunden heut, 

Die uns bahn uberfalln zu nacht, 

Unser bey viertausendt umbbracht. 
15 Wir künneus uberweltig nit. 

Es wer mein raht, und das wir mit 

In machten friedt und ein anstandt 

Und wider heim zUgen zu landt. 

Weil Philippus ist abgefallen, 
20 Mein stadthalter, ist noht vor allen. 

Die auffruhr wiederumb zu stillen. 

Ijisias, der fürst, spricht: 

Sie Werdens thnn mit gutem willen. 

Wir wöln Machabeum beschicken, 
25 In bundtnuß mit im verstricken 

Und in zu einem haubtman machen. 

Wollen auch mit andechting Sachen 

Der Juden heyling tempel ehren, 

Freundtschafft und friedt mit in zu mehren. 
30 Nun last uns in das leger keren ! 

Sie gehen alle ab. 



Actus 7. 

Kicanor, der fürst, tridt ein mit seinen gewapneten unnd 

spricht : 

11 E sind gar fr. 



126 

Ich hab knndtschaift, und dis Joda 

ItzQDdt «e:)dt in Samaria. 

Der aaG Jerusalem entnn, 

Als ich priester suchet ahn. 
s Sie sollen mir in abergeben. 

Weil wann Jada ist in dem leben« 

So kambt der könig nit zu rw. 

Daromb sthel ich im immerzw 

Mit aller pratic nach seim leben. 
1? Die priester halffn im darvon eben. 

Den bab ich in mein grimmen zom 

Zu Gott ein herten ajdt geschwom. 

Den tempel Gottes zu verbrennen 

Und Bacho, dem we.Migott benennen, 
15 Ein tempel bawen an die Stadt, 

Und das anfiahen mit der that 

So baldt ond ich herwider knmb. 

Itzt wil ich dem Machabenm 

Heim suchen aaff den sabaht-tag, 
10 Daran er sich nit weren mag. 
[A3, 1,170] Derhalb so seydt gertist darzo! 

Silaa» der gefangen Judt, spricht: 

Gnediger herr, wir bitten, da 
Wölst verschönen den sabaht-tag 
95 Zn ehr Gott, der alle ding vermag. 

Hicaner, der fürat, apnoht: 
Ist Gott in dem hvmel ein herr. 

m 

So bin ich anff erdt weyt und ferr 
Ein herr nnd gewaltiger Gott, 
so Dramb nach des jangn königs gebot, 
Ir tmmmeter, nun blaset anff. 
Das sich rQste der gantze hanff, 
Sich anff mach und baldt ziehe ahn, 
Anff das wir in erlegen than ! 

Sie gehen all ab. [E 3, 1, 344] Judas Machabeus kommet mit 
einem golden sehwerdt mit den seinigen ond Jonas sprieht : 

Du thewrer haubtman, wevst du nicht. 
Das Nicanor sein ayde bricht^ 



127 

Den er zu bündtnuß hat geschworn? 
Er zeucht auff dich mit grimmen zorn 
Mit grossem volck zu fuß und roß 
Mit krieges rüstung und geschoß, 
9 Mit gar vil schützen und trabanten, 
Auch mit gerüsten elephanten. 
Derhalb versamel auch dein beer 
Und rüst dich in die gegen-wehr! 
Eyll es ist noht, noht über nobt. 

* 

10 Judas Machabeua spricht: 

Mein einig hoffnung steht zu Gott. 
Der weyß, das wir unschuldig sein, 
Im leidts thun weder groß noch klein. 
Halten ob Gottes gsetz und gebot 

15 Und ehren in als einen Gott. 
Aber dieser fürst Nicaner, 
Der uns friedt hat geschworen fer, 
Doch mir dückisch stelt noch dem leben 
Durch falsch untrew pratic darneben, 

20 Den Wirt Gott auch zu seiner zeyt 
Straffen umb sein trewlossigkeyt, 
Weyl er Gott im hymel veracht. 
Sich gleych ein Gott auff erden macht. 
Derhalben so furcht ich mich nicht. 

25 Ich hab heindt ein hymlisch gesiebt 
Gehabt, wie ich eroffne das, 
"Wann der hoch priester Anias 
Mir heindt erschiene an dem endt 
Und hub gehn hymel auff beidt hendt 

30 Und bett zu Gott, den Herren rein. 
Für uns des jüdisch volck gemein, 
Gott solt uns schützen in dem krieg, 
Uns verleyhen gnedigen sieg. 
Neben im was erscheinen than 

35 Ein gar herrlicher alter man. 
Der het ahn gar herrliche waht. 
Und Anias sprach an der Stadt: 
Schaw ahn! das ist Jeremias, 
Der prophet, bett ahn unterlas 

40 Für das volck Israel und dich, 



128 

Das eacb Gott bhut genedigklich. 
Und Jeremias, der prophet, 
Mir in mein hende geben thet 
Und sprach: Niemb bin das he jlig seh wert, 
5 Das dir Gott hat gesandt auf erdt, 
Darmit dein feindt zu aberwinden! 
Darmit thet das gesiebt verschwinden. 

Jonatas, sein bruder, spricht: 

bruder, in des Jammers schmertz 
10 Hast du ans gemacht ein gut hertz. 

Nun wollen wir hie machen weger, 

Nemlich kein schantz graben noch leger, 

Sonder dem feindt nur strax zu ziehen. 

Sein grossen hauffen gar nit fliehen, 
15 In Gottes namen greüffen ahn, 

Weil uns der Herr wil bey gestahn, 

Auch sein heyliges wort dergleichen 

Durch wunderbare wunderzeychen. 

Der Wirt unser volck wol erretten. 

20 Judas Machabeus spricht: 

Ich hör schon der feinde trometen. 
Dort zeucht er mit seinr Ordnung her 
So erschröcklich, als ob es wer 
Ein Stehler berg mit seinem hauffen. 
26 Seit gerttst sie wollen anlauffen, 
Hie wil ich an der spitzen sthan, 
Wil rüffen Gott von hertzen ahn, 
[K 3, 1,345] Das er seim lieben volck bey sthe, 
Uns helff auß noht geleich wie ehe. 

Nioaner kiimbt mit seim hauifen und spricht: 

Herr, herr, herr, dran, dran, dran, dran! 
Stecht todt, stecht todt ! last kein darvon! 

Sie schlagen einander, biß Nicaner unnd etlieh fallen ; die an< 
dern fliehen. Die Machabeer laufi'en nach auß. Judas Macha- 
35 beus leget sein hent zam und spricht: 

Gott sey allein lob, ehr und preyß. 
Der uns halff wunderbarer weyß! 



129 

Nun blündert baldt der todten schar! 
Nach dem that sie begraben gar! 

Sie plündern Jonatas son, 19'ieanorem, unnd spricht 

Gelobet sey der Herre Gott! 
5 Da ligt Nicanor und ist todt, 
Allen heyden zu eim exempel. ^ 
Der schwur, er wolt den Gottes tempel 
Verbrennen und in aschen legen. 
Das thet Gott, den Herren, bewegen, 
10 Und hat den gottslestrer gestrafft 
Mit aller seiner heeres-krafft 
Auff fünff und dreyssig tausendt man. 

, Judas Maehabeus spricht: 

Nun tredt hinzu und greuffet ahn! 
15 Schlacht ab dem gottlosen sein haubt. 

Der uns hat aller frewdt beraubt! 

Haut im auch ab sein rechte hendt, 

Darmit er troet an dem endt, 

Den tempel Gottes zu verbrennen, 
20 Auff das solch Gottes straff erkennen 

Die heyden in Davits vesten, 

Die sie in huet halten am besten! 

Den wöl wir zeygen des todten haubt, 

Das der seins lebens sey beraubt, 
25 Auff das sie ir hertz theten stellen. 

Aber sein rechte handt wir wollen 

Gegen unserm tempel auff hencken 

Zu einem ewigen gedencken. 

Sein Zungen, darmit er ehgestern 
80 Den Gott thet in dem hymel lestern, 

Die wollen wir zu stucken schneyden 

Zu einem schrecken allen heyden, 

Werffen für die vögel zu fressen, 

Dieweil sein lestert so vermessen. 
85 Aber sein haubt das muß hoch stecken. 

Allen heyden zu einem schrecken, 

Das Gott sein feindt nicht lest ungstrafft 

* 

34 E Bieweils jhn. 
Hans Sachs. XI. 9 



130 

Sambt irer gantzen heeres-krafit 
Und wollen den tag sambt den alten 
[A3, 1,171] Ein ewig fest und feyer halten 

Got zu danck, lob, rum, preys und ehr. 
5 Mitt friden nan das gantze beer 
Wider gen Jerasalem ker ! 

Sie gehen alle in Ordnung ab. Der ehmholt kumbt, pesohleust: 

So habt ihr gehört und gesehen 

Die gschicht mit hant und mnnd veijehen. 
10 Hie lert man auß anderlettt schaden, 

Wo Gott ein volck noch thnt begnaden 

Mit seim heyligen, reinen wort 
[K 3, 1,346] Und ein volck an solchem ort 

In Sünden ligt, sein wort veracht, 
15 Das als denn Gottes zorn erwacht. 

Wenn ein volck ie nit büß wil würcken, 

So schickt Gott den blntdürsting Tttrcken 

Oder sunst der gleych ein tyrannen, 

Der denn auff würfft seinen streitfannen, 
20 Überzeucht ein solch volck und landt 

Mit gfencknuß, roorl, raub und auchbrant, 

Zu dringen sie von irem glauben. 

Des gottsdienst und worts zu berauben, 

Da sich auch finden ubeltheter 
25 Irs eigen vatterlandts verrheter, 

Die das volck auff die fieischbanck geben, 

Biß Gott ein volck demütigt eben 

Und lieget in des feindes hendt 

Verdruckt, vergweltingt gar elendt. 
30 Da werden die frummen bewert 

Und die verstockten hart beschwert, 

Thun büß und sich zu büß bekern, 

Schreien umb hilff, denn thuts Gott hörn 

In irer widerwertigkeyt 
35 Und schickt in hilff zu rechter zeyt 

Wie ein milt, getrewer heylandt, 

Stercket ir hertz, round und die handt, 

Das sie dem feinde obgesiegen, 

Vorauß wenn sie in irem kriegen 
40 Gott vertrawen in irem beer. 



131 



Sich nit aaff büchssen , hämisch und wehr 
Verlassen, wie hie Judas thet 
Nach dem würfft Gott aach an der stedt 
Die ruten in das hellisch fewr 
5 In seinem zoren ungehewr 
Und setzt sein yolck zu fiied und rw. 
Da hclff uns Christus allen zw! 
Das fried und ruh wieder auff wachs 
Chi-istlicher gmein, das wünscht Hans Sachs. 

10 Die person in die tragedii: 

1. Herolt. 

2. Antiochas, der edel. 

3. Antiochus Eupater, der son. 

4. Nicanor, ein fürst Antiochi. 
15 5. Philippus, ein fürst Antiochi. 

6. Lisias, ein fürst Antiochi. 

7. Melius, ein hauhtman Antiochi. 

8. Gorgias, ein haübtman Antiochi. 

9. Der artzet Antiochi. 

20 10. Der postpot Antiochi. 

11. Menelaus, der abtrünnig priester. 

12. Silas, ein abtrünniger Jud(. 

13. Thobiel, ein abtrünniger Judt. 

14. Mathatia, der frumb alt priester. 

25 15. Judas Machabeus, ein son Mathatia. 

16. Jonatas, ein son Mathatia. 

17. Onias, der rabi. 

18. Eleasar, der frumb alt. 

19. Die frumb mutter der sieben son. 
30 20. Der eltest. 

21. Der ander. 

22. Der drit son. 

23. Der vierdt. 

24. Der fünfft. 
S5 25. Der sechst. 

26. Der siebendt. 

27. Der hencker. 



132 



[K 3, 1,347] Tragedia, mit 15 personen zu agirn, der 

wfitrich könig Herodes, wie der sein drey sön und sein gmatael 

umbbrackt, nnnd hat 5 actus. 

Der emholdt tridt ein unnd spricht: 

5 Heyl sey den edlen, ehrenfesten, 

Erbarn und ausserwelten gesten, 

Zuchting und tagentbafften frawen 

Und allen, so hie wollen scbawen 

Ein tragedi zu ubersummen, 
10 Die auß Josephe ist genummen, 

Dem gschicbtschreiber warhafft beriebt, 

Auß sein btichern der alten gscbicht. 

Wie Herodes in ungedult 

Enthaubten ließ, doch umb un^cbuldt, 
15 Marianne, sein egemahel, 
> Öle keusch und ehrenfest wie stahel, 

Därautf sein Schwester in Verbeitzt, 

Dergleich in auch weiter verreitzt, 

Sein jüngste zwen sön unibzubringeU) 
80 Wiewol ir lialff starck zu den dingen 

Antipater, sein eltster sun, 

Sambt anderen verretern nun, 

Auff das des königs reych im blieb. 

Nach dem in auch sein boßbeyt trieb, 
25 Seim vatter auch selb zu vergeben, 

Nach dem er im zu lang wolt leben. 

Des Herodes gewarnet wur 

Und seines sons mordtstück erfur, 

Derhalb er in auch tödten ließ 
30 Und in ellendt begraben hieß. 




I 



Dergleych hat er ein grosse snmb 

Redliclier mann lasan bringen umb. 

Mitler zeyt sein blatigen handel. 

Nun solcbea märdemchen wandol 

i Wert ir nach ordenung hie sehen, 

Wie es warhalTiig ist geschehen. 

Beide mit wort und tbat verjehen, 

König Herodes gehet ein niit Beynem lioffgeeindt, c 
uud Bp rieht : 

10 Ir lieben getrewen, weil ir wist 
Wie ein mandat herkntnmen ist. 
Das (ins zietiret hat gen Rom 
Zu keyser Augusto mit nom, 
Bey welchem wir sindt bai-t verklagt 

18 Und in viel arlickeln versagt, 

Ist noht, das wir uns baldt darfllgen, 
Uns der veh entschuldigen mOgen. 
Zu dieser reiß sindt wir bereit 
Und morgen zu frlier tagzeit 

80 Wül wir auff sein. Mein .losippe, 
Diewell in deinen banden stbe 
Das rejch samht unserra frawenzimmer ! , 
^^_ Das halt in hiit und pflege immer ! 

^^^1 JoHippus, der fürst, neigt eieh und spricht : 

^^^1 25 Dui'cblenchtiger könig, weil du mich liebest 

^^H Und mir vertrewlicb untcrgiebest 

^^H Dein reycb sambt dem gemeinen nul^ 

^^V Dnd dergeleicb in meinen schutü 

I Marianne, dein liebe gmahel, 

30 Die keuschen, ehrenfest wie stahej, 
So wil ich trewiich in dem allen 
[A3, 1,172] Hoffhalten nach deim wolgefallen. 

Ber könig Herodea spricht: 
Seeroe, fürst, du sey hereidt 
[K3, 1,348] Ein mit-regendt in mitler zeyt. 

Weil du allmal trew bist belieben! 



134 

Da hast eiu bsandern befelch geschrieben 
Und sey mit diesen sachen stil! 

SeemuB, der fürst, sp rieht : 

dnrchlenchtiger könig, ich wil 
5 Thnn, was begert dein mayestat. 

Konig Herodes steht auff und spricht : 
Nnn wöl wir abgehn, es ist spat. 

Der konig geht ab mit seim hofTgsindt, Josippos und Beemus 
kummen wieder, Seen^us thut den brieff aufT, list den und 
10 spricht : 

Ach, der befelch ist viel zn streng, 
Den ich auch warlich nit verbreng, 
Wann es gar zu tyrannisch wer. 

Josippus nimbt den brieff unnd spricht: ^ 

15 Was ist denn dieser handel schwer? 

Er list den brieff und spricht: 

Ja, ein solchen unschulding todt 
Der könig mir der gleich gebot, 
Solt auch die küngin würgen, do 
20 Er reyset zu Antonio. 

Marianne, die künigin, kumbt und spricht: 

Josippe, forthin dir ist bekendt 

Dir ietzt das küngklich regimendt, 

Weil zu Rom in Welschlanden ferr 
25 Ist könig Herodes, mein herr. 

Ich bit: sag ahn, wie das man thut 

Mich halten so in strenger hut 

Beide bey tag und auch bey nacht! 

Wirdt mit den trabanten bewacht, 
so Sag! hat mein herr befohlen das? 

Josippus, der fürst, spricht: 

Marianne, das gschicht ahn haß, 
Du durchleuchtige künigin! 
*Nimb das in argwon nit zu sin ! 



135 

Es gschicht auß lauter trew und lieb, 

Die den könig almal|]£fl3!£jt^>6^» 
Wann er sorgt für dich immerdar, 
Das dir nur nicht args wiederfahr. 
5 Drumb lest er halten dich in hut. 

Die künigin spricht : 

Wie? wenn er aber sollichs thut, 
Das er mir also übel trawt? 
Wer das, so sag ich überlaut, 
. 10 Das es mir verschmähet sehr hart. 

Josippus, der färst, spricht: 

Nein, durchleuchtige königin zart, 
Die brinnet lieb treibt iii darzu. 

Seemus, der fürst, spricht: 

15 Und noch zu grossem, das ich thu 
Dir, werde küngin, hoch verschweigen. 

Die künigin spricht : 

Mein Seeme, thu mir anzeygen! 
Ist was heimlichs befolhen dir? 

20 S^smus, der fürst, spricht: 

Es ziemmet nicht, zu öffnen mir 
Des königs grosse heimligkeyt. 

Die königin spricht: 

Sag ahn! es sol dir zu der zeyt 
[K 3, 1,349] Warhafft reychen zu keynem schadend 

Seemus, der fürst, spricht: 

Ich hab befelch von sein genaden, 
Wo im gschech et^wan gwalt ohn recht. 
Und das der keyser in umbbrecht, 
30 So solt ich dich als denn auch tödten. 
Darzu thut die streng lieb in nöten, 
Anff das du nit kumbst in die hendt 
Der Römer, das du würst geschendt. 
Schaw! das weist auß sein handtschrifft. 



136 

Die künigin spricht : 

Ja, hat er sollich mördisch gifft 
In seim hertzen heimlich verborgen, 
Erst mnß ich mich für im besorgen. 
6 Kan mich nichts gats zn im versehen. 

Seemua spricht: 

künigin, thu nichtsen jehen! 
Es gült mir sunst das leben mein. 

Die künigin spricht: 

10 Seeme, du solt sicher sein. 

Ich muß die groß untrew beweinen, 
Darmit der könig mich that meinen. 

Die künigin geht ab weinet. Josippus, der fürst, spricht: 

Du solt irs nit han offenwart. 
15 Du weist: die weyber schweigen hart. 
Viel Unglücks möcht sich dranß andrehen. 

Seemus, der fürst, spricht : 
Es rewt mich zwar, das ist' geschehen. 

Sie gehen all ab. Salome, des königs Herodes Schwester, redt 
20 wider sich selb und spricht: 

Nun hoff ich starck , ich wöl mich rechen^ 

Der küngin iren hochmut brechen, 
'■: Die mich so offt veracht und schmecht. 

Ich sey von pewrischem geschlecht. 
25 Wann baldt Herodes nach den tagen. 

Mein brnder, knmbt, wil ich im sagen. 

Wie Marianne ir gestalt 

Abconterfeit, abgemalt 

Hab Antonio zn thnn schicken, 
80 In liebe in mit zu verstricken, 

Dergleich wie Josippus voran 

Sich freundtlich hab zu ir gethan 

In seim abwesen. Hoff, mit den dingen 

Wöl ich den könig in argwon bringen, 
S5 Das er der künigin werdt abholdt. 



137 

Nach dem ich wol schweren wolt, 
Das sie körn in als nnglttck« 
Zu solchem fttrgnummen stück 
Hah ich hestelt des königs weinschencken 
Mit grossem gelt, listen and rencken. 
Der wirt dem könig ansagen eben, 
Wie sie im hab wollen vergeben, 
Mit gifft wollen nemen das leben. 

Salome lerehet ab. 



10 Actus 2. 

Herodes , der könig , gehet ein mit seinem holTgeaindt , setzt 

sieh unnd spricht : 

[A3, 1, 173] Unser sach ist volendt mit glück 

ßey dem keyser in allem stück. 
15 Hab erst ein bstendig regimendt 

Und grossen gwaltin unser, hendt. 
[K 3, 1,350] Geh! bring her unser küngin trew. 

Das sie des glucks sich mit uns frew! 

Der ernholdt gehet ab. Der könig spricht: 

20 Josippe, wie steht es im landt? 
Hat sich dieweyl entbört niemandt 
Von den Juden nach nnserm abschiedt? 

J'osippus, der fürst, spricht: 

Großmechtiger köniig, guten friedt 
26 Hab ich gehabt im regimendt. 
Gott geh, lenger biß an das endt! 

Marianne , die künigin, kumbt. Der könig steht auff, sie su 
umbfangen ; sie stöst in von ir. Der könig spricht : 

Marianne, warumb thast das? 
80 Tregst auf mich Unwillen und haß, 
Der ich dich doch hab hertzlich lieb? 
In deim abwessn mein zeyt vertrieb 
Mit grossem senen und verlangen, 
barmit mein hertz steht war umbfangen 



138 

Nach dir mit flammender inbranst. 

Die künigin spricht: 

Du tregst mir weder lieb noch gnnst. 
Du thast nicht änderst nach mir fregen, 
5 Denn von des schnöden wollust wegen. 

Konig Herodes spricht r, 
Hab ich dich nit4ft trewer hut? 

Die künigin spricht : 

Dein eyffergeyst das selbig thut, 
10 Das du mir gar wenig vertrawst, 

Auff mein zucht und schäm wenig bawst. 
Ich spar wenig lieb und trew bey dir. 

Der könig Herodes spricht: 

Zu eyffern gabst du ursach mir, 
15 Weil du dein abconterfeidt bildt 
Du liast geschickt Antonio mildt, 
Dem Römer, tückisch und heimlich. 
Meinst nicht, er hab verlenmet dich 
Und mir gemacht viel nach-gedencken? 
20 Das ich dir doch alsambt thn schencken 
Von lieb wegen, die ich zu dir trag. 

Die künigin spricht : 

Dein lieb ich gar nit spüren mag, 
Dieweil du Aristobulum, 
25 Mein allerliebsten bruder frum, 

Mördisch und tückisch list erdrencken. 
Und wenn ich noch daran thu dencken, 
Mein hertz mir gar ob dir erkalt. 

Der könig Herodes spricht: 

80 Marianne, du redst dein gewalt. 
Ich wil mein ehr hiemit bewarn. 

Die künigin spricht: 

Ich hab den waren grundt erfarn, 
Dein trewlosigkeyt ist nicht new. 



139 

Der könig Herodes spricht: 

Erhielt mich nit die lieb and trew, 

Die ich im hertzen zu dir trag, 
^ So mttst da sterben aaff den tag, 
6 Weyl da lesterst mein mayestadt. 

Die künigin spricht: 

Dein antrew hertz nan zwey mal hat 
Verordnet, mich ohn schnldt za tödten. 

[K 3, 1, 351] Herodes, der könig, spricht : 

10 Wo das? bezeag! es ist von nöten. ^ 

Die künigin spricht: 

Da da zagst za Antenio 
Und auch zum keyser Augusto, 
Hest du von der eim müssen verderben, 
15 Het ich nach dem auch müssen sterben, 
Gantz unverdient ohn alle schnldt. 
Darumb so ist dein lieb und huldt 
Ein lauter falsche und heuchlerey. 

Herodes spricht aorniglich: 

20 Augenscheinlich merck ich hiebey, 

Hat Soemuß geoffenbart 

Die heimligkeyt. So feit es hart, 

Er hat mehr mit dir ghabt zu schaffen. 

Drumb wil ich in am leben straffen. 
»5 Baldt nemet in gefengklich ahn 

Und fürt hin den trewlosen man 

Und würgendt in noch diesen tag! 

Geht baldt und volendt, was ich sag! 

Die trabanten fallen den fürsten ahn und füren in ab. Salome, 
des königs Schwester, kiunbt mit dem weinschencken und 

spricht : 

Herr bruder, der schenck hat zu klagen, 
Dir etwas gar heimlich zu sagen. 

* 

12 K Antonio. 14 E Hetjii. 31 E Seemus. 28 E Geh, 



140 

Herodes, der könig, spricht: 
Was hast za klagen ? redt ohn scheuch ! 

Des künigs schenek spricht: 

Herr könig, gester, als ich euch 
5 Ein schencket in ein schalen wein, 

Wolt die küngin lassn fallen drein 

Ein gffft, ond sagt mit diesen Sachen, 

Sie wolt euch mit ein baldranck machen. 

Wolt mir ein summa geldes schencken, 
10 Zu schweigen, und wolt mirs gedencken 

In gut. Da dacht ich, es möcht schaden 

Das gifft ewren künglichen gnaden, 

Und hab ir sollichs abgeschlagen. 

Sollichs thu ich in gheim euch sagen, 
15 Euch forthin dester baß zu hüten 

Vor der kClngin heimlichen wüten. 

Herodes keret sich zu der künigin unnd spricht zornig:: 

Ja, wolst mir auch mit gifft vergeben, 
Das du denn möchst in uhnzucht leben? 
80 Nein, den lueck solt du nicht erwerben. 
Mit dem schwerdt mustuheut noch sterben. 
Bald greift sie ahn und fürt sie hin! 
Rieht die blutig chbrecherin! 

Josippus, der fürst, spricht: 

25 Durchleuchter köng, bedenck dich baß 
Und die küngin einfüren laß 
In gfencknuß auff weiter bedencken 1 
Ir schneller todt würdt dich bekrencken. 
Eyl nit! die sach ist groß und schwer. 

30 König Herodes spricht: 

Josippe, erst merck ich dein gfer. 
Umb sunst bist nicht bey mir verklagt. 
Mir ist warhafft von dir gesagt, 
Seidther ich außgewesen bin, 
35 Wie du habst mit der künigin 
Gehalten vil heimlicher rede. 



141 

Vertrewst mich nit weng auff euch bede. 
Wirt ich des grundes baß bericht, 
[A3, 1,174] Was dein auch zu verschönen nicht 
Derhalb schweig von der küngin stil! 
5 Das merck! das ist gentzlich mein mh 

[K 3, 1, 352] Josippus, neigt sich und spricht : 

königliche mayestadt, 
Ich hab nach delm befelch und raht 
Gehandelt in deinem abwesen, 
10 Wil vor aller anklag genesen. 

Salome redt zum könig in ein ohr unnd spricht: 

Ach, herr bruder, verzeug nicht. lang! 
Verschaff dem urteil seinen gang, 
Das nicht darauß ein auffrhur wehr! 
15 Du weist: es sindt dir sunst gefehr 
Die Juden, reychen und die armen. 

Der könig Herodes sprioht: 

Nun fürt sie hin ohn als erbarmen! 
Schlacht ir das haubt ab an der stedt! 
20 Mein urteil nicht zu rucke geht. 

Die künigin fürt man hin gebunden, sie spricht: 

Nun bin ich fro von hertzen grundt, 
Das ich nur von dir, du bluthundt, 
Durch den todt hie sol ledig wem. 
25 Ich wil sterben willig und gern. 

Der könig gehet auch ab. Die zwen trabanten kummen wider. 

Thiro, der erst trabandt, spficht: 

Ich mein, der könig sey ahn sinn. 
Das er die zarten küniginn 
30 Also gar umb unschuldt lest tödten. 

Ewclides, der ander trabandt, sprioht: 

Der eyffer lest in darzu nöten. 
Die ktlngin war mit werten frech, 

3 E Weiß. E uersohonen. 



142 

So ist der könig mit worten gech. 
Darza ist sie versaget hart. 

Thiro, der trabandt, spricht: 

Salome ist untrewr art. 
5 Die hat sie helffen veruntre wen. 
Was gilts? es wirt den könig rewen. 
Er hat sie lieb ob allen weyben. 
Der könig kumbt; wo wöl wir bleiben? 

Der könig kumbt mit seim hoffgsindt, setzt sich und sprielit 

10 Heroldtj ich hör die heertrummen. 

Man blest zu tisch. Geh ! heyß bald kummen 

Mein Marianne, das hcudt 

Mit mir eß! mein hertz sie erfreudt. 

Der heroldt neiget sieh unnd spricht: 

15 Großmechtiger könig, die künigin 
Die hat man hcudt gefüret hin, 
Nach ewrem urteil sie gericht. 

Herodes, der könig. spricht: 

nein, nein, das selb wöl Gott nicht! 
so Wie solt mein Marianne sterben? 

Josippus, der fürst, spricht: 

Herr köng, als ich an dich thet werben. 
Du soltest nicht eylen mit ir, 
Da verschmacht es dir hoch von mir. 
25 Ich dacht wol, es wühr also gähn. 

Herodes spricht trawrig : 

Marianne, hab ich denn than 
Solliche grosse untrcw an dir, 
[K 3, 1,353] Die du warst so holdtselig mir 
80 Für alle weibßbilder auff erdt? 

Hymlisch war dein schön und geberdt. 
Mein Marianne, bist du thodt 
Durch mein jech urtheil und gebot? 



143 

Verflacht sindt all, thadt und raht 
Haben geben zn dieser tbat! 
Nun frewdt mich weder gwalt noch ehr. 
Ahn dich mein leben ich verzehr 
6 In leidt, wirt frölich nimmermehr. 

Der könig legt sein krön und zepter nider, gehet mit seiin 

gesindt ab. 



Actus 3. 

Alexander und Aristobulus, die zwen sön, gehen mit den tra- 
10 bauten. Alexander spricht : 



Mein bruder, nun sindt wir von Rom 
Kummen, sindt gleich zu spot und schom. 
Hörn, unser muttcr, die künigin, 
Sey glcych samb ein eh brecherin 
15 Von dem vatter getödtet worn. 
So hab wir unser mutter verlorn 
Und wissen nit, wie oder wenn. 

Aristobulus, der ander söhn, spricht: 

Thiro, du trabandt, hie bekenn 
20 Die warheyt, was doch das geschrey 
Von unser lieben mutter sey 
Bey der gemein, reyclien und armen! 

Thiro, der trabandt, spricht: 

lederman het hertzliches erbarmen 
25 Mit ewer mutter, der ktlnigin. 

Die unschuldig ist ghrichtet hin. 

Beim könig heimlich verklaget war. 

Als er ir das macht offenbar, 

Dem könig sie hefftig zu redt, 
30 Irer unschuldt sich trösten thet. 

Des ist der könig ergrimmet worn 

Und hieß sie richten in seinem zom. 

Sie gieng in todt frölich, nachmale 



. 
* 



1 K aU die. 



144 

Reckt sie auff darnach iren hals 

Gantz unverblichen irer färb, 

Gedaitig und frey willig starb, 

Des doch der köng het groß nachrew, 
5 Die im auch noch ist tegiich new. 

Was man für kortzweil im thut machen, 

Thut er nor stehts seufftzen and achen, 

Schreidt ofit seinr Maranne eben, 

Als ob sie noch sey bey dem leben. 
10 Ist schier vor leidt seinr sinn beraubt. 

AristobuluSy der ander bruder, spricht: 

Schaw! wer het dieser ding geglaubt? 
Laß dichs erbarmen, Gott, du guter. 
Das wir unser hertz-lieb fraw mutter 
15 Verlorn haben durch falsche zungen, 
Die unsern herr vatter darzu hat zwnngen ! 

Ewclides« der ander trabandt, sprioht : 

Ja, ich west wol darvon zu sagen« 
Wenn ir den todt in kurtzen tagen 
20 Nit recht an den blutürsting wolffen, 
Die dückisch habn darzu geholffen. 
Das ewr fraw mutter umb ist kummen, 
So thet ir ie nit als die frummen. 
Ir findt wol leut, die euch bey sthen. 

[A 3, 1, 175. K 3, 1, 354] Aristobolus spricht : 

Baldt wir erfaren, wie und wenn, 
So laß wirs ungerochen nicht. 
Sie müssen werden auch gericht. 
All die an irm todt schuldig sein. 
30 Kumbt! last uns in die thürnitz nein! - 

Sie gehen alle vier auß. Salome gehet ein mit irem bruder, 

dem fürsten Fheroras, unnd spricht: 

Marianne sön sindt kummen her. 
Nun stendt wahrhafft gehn in in gfer, 
85 Die an ir mutter todt haben schuldt. 
Man sagt, sie reit groß ungeduldt 
Ob ir mutter unschuldig todt. 



145 

Derhalb, mein brader, ist uns noht, 
Uns fleyssig vor in fürzusehen. 
Wir wollen hören, was sie jehen, 
Und ir gemüht gegen uns Stadt. 

5 Fherores, der fürst, spricht: 

Salome, Schwester, dieser raht 
Ist gut. Wil folgen dir; der massen 
Wöl wir die jungen beydt anlasen, 
Mit schmeichel-worten auß in locken, 
10 Was in in steckt. Sey unerschrocken! 
Vielleicht stedt die sach nit so gfer. 
Schweyg! da gehn sie gleych beidt daher. 

Alexander und Aristobnlus kununen. Fheroras beudt in thendt 

und spricht: 

15 Ir jungen herren, ewr ungemach 
Ewr mutter halb ist uns zwifach 
Hertzlaidt. Nun geschehen dingen, 
Die nicht herwider sindt zu bringen. 
Das zu vergessen ist das best. 

20 Alexander spricht: 

Ja, mein herr vetter, wenn man nit west, 
Das unsr herr vatter durch falsch zungen 
Wer zu dem mordt woren bezwungen. 
An den arglistigen und frechen 
25 Wollen wir mit der zeyt uns rechen, 
Uns nemb denn beiden Gott das leben. 

Fherores, der fürst, spricht: 

Wölt ir euch in gferligkeyt geben, 
Weyl ir nicht wist, wer, wo und wie? 

30 Aristobulus spricht: 

Mein herr vetter, wir wollen hie 
Nicht handien als unweisse thorn 
Mit auffruhr, unfuhr und rumorn, 
Sonder den rechten grundt erfragen, 
85 Darnach beschulden und anklagen 
Solche untrew, mördisch verreter 

Hans Sachs. XI. 10 



146 

Denn straffen als die nbeltheter, 
Zu rechen nnser mutier todt. 

Alexander spricht: 

Ja, darzu sol uns helffen Gott ! . 
6 Es treff geleich ahn, wen es wöl, 
Sein nicht verschonet werden soll 

Salome, die untrew, spricht: 

Ja, mein herr vetter, das selb thw! 
Wir wollen euch auch helffn darzw, 
10 Wann uns ist groß hertzleidt geschehen 
An ewer mutter, mag ich jehen. 
Haben für sie groß opffer thon. 

Alezander spricht: 

Aide, herr vetter ! wir wollen gohn 
15 Zu unser lieben fraw mutter grab, - 
Das ich noch nit beschawet hab. 

Die zwen sön gehn ab. [E^, 1,355] Salome spricht: 

Hörst, bruder? wir sthen in gefar. 
Laß eilen uns zum könig dar, 
- 20 Das wir in bhreden, wie wir mttgen, 
Beide mit arglisten und lügen. 
Wie seiner person sein zwen sün 
Gar trütziglichen troen thun, 
Darmit wir sie seinr gunst berauben ! 
25 Wenn er uns solcher stück wirt glauben, 
So wirt ers beidt ins ellendt treiben. 
Denn kündt wir sicher vor in bleiben. 
Da kumbt der könig. Thu ims sagen! ^ 

Pherores, der fürst, spricht: 
30 Ja, wolauff gut glück wil ichs wagen. 

Der könig kummet allein unnd spricht: 
Was habt ir heimlich zwischen euch beden ? 

Pherores, der fürst, spricht: 
Herr köng, wir hettn mit dir zu reden 



147 

Ein wort, und tliün es doch nit gern. 
Wo die ding nit so gferlich wem, 
So wolt wir warlich lieber schwey^en. 

Der könig spricht: 

5 Baldt thut den handel mir anzeygen, 
Es treff geleich ahn, wen es wöl ! 

Fherores, der fürst, spricht : 

Ja, billig man nit schweygen söl. 
Wiß, herr bruder, das wir dich warnen 

10 Vor deinen beyden sönen garnen. 
Gehn den sthestu in grosser gfer, 
Wann sie troen mit werten schwer, 
Ir mutter todt an dir zu rechen 
Und an den allen, thun sie sprechen, 

15 So dir geraten habn darzu. 

Solch räch must unterkummen du 
Mit gwalt, eh das es wert zu spat. 

König Herodes schawt übersieh und spricht: 

Von wann kumbt all dieser unraht? 
so Ich wil sie beydt in kurtzen tagen 

Durch brieff vor dem keyser verklagen. 

Weil sie mich begern zu verderben, 

Wil ich sie beydt des reychs entderben 

Und wil das reych zu stellen thun 
25 Antipater, meim eisten sun, 

Den ich hab mit Dasis, der frawen. 

Dem thu ich ie als guts vertrawen. 

Er hat sich ie noch freundtlich ghalten 

Gehn mir; der sol mein reych verwalten! 
80 Nun kummet mit mir alle zweyl 

So bschreib wir in der cantzeley, 

Das er gwiß könig nach mir sey. 

Sie gehn all ab. 



Actus 4. 

10* 



148 



Antipater , der eltest son , gehet ein unnd redt mit ixn unnd 

spricht : 

Das glöck wil mir ie aberwol, 

Dieweil ich könig werden sol 
ft Nach meim herr vatter anverborgen. 

Ich maß mich aber hart besorgen, 

Weil ich meim vatter wart gebom, 

Eh er selb ist zum könig wem, 

Von Dasis, einr unedlen frawen. 
10 Dramb möcht die wal den könig räwen, 

Das küngreych mir wieder abschlagen 

Und meiner brQder eim zusagen, 
[Ad, 1,176] Die Marianne hat geborn, 
[ES, 1,356] Yen künglichem stamb ausserkorn. 
15 Nan muß ich sein mit list gefast, 

Das ich mein bruder mach verhast. 

Beim vatter sie heimlich verklag. 

Das er ins ellendt sie verjag. 

Ewclides, wann her? was sagst guts? 

EwclideSy der trabandt, kumbt unnd spricht: 

Ich wil euch warnen, euch zu nutz. 
Thut euch vor ewren brüdern htlten! 
Wann sie heimlich thoben und wüten, 
Troen euch und dem köng den todt. 

25 Antipater gibt im gelt unnd spricht: 

Seh dir ein schenck zu potten-brodt ! 
Geh, Ewclides, du thewrer man! 
Zeig sollichs auch dem könig ahn ! 
Der Wirt dir thun ein besser schenck. 

30 Euclides gehet ab. Antipater spricht: 

Die sach steht recht. Nun ich gedenck 
Den köng auff sie baidt zu reitzen. 
Durch etliche falsche brieff verpeitzen, 
Sambs wider den vatter conspieren. 
35 Wil mit dem hoffgsindt praticirn 
Und mich kein gelt nit dawren lassen, 
Die helffen mit in kluppen fassen. 



149 

Da thnt der könig selb her gähn. 
Ich wil in dapffer reden ahn. 

Herodes, der könig, kummet eylendt. Antipater spricht: 

Herr vatter, wie geht ir allein 

5 Und wagt ewr leben herein? 

Weil doch ewr jung zwen sön in zorn 
Euch beidt haben den todt geschwom 
Und haben wider euch gmacht ein bnndt, 
Das zu hoff offen ist und kundt. 

10 Darumb halt euch in besser hut! 

Herodes, der könig, spricht: 

Son, ich merck : du günst mir als gut. 
Hab das schon von vielen vernummen : 
Ich wil dem handel fein fürkummen. 
15 All huet ist heimlich wol bestelt. 

Antipater"* spricht : 

Wenn mir der könig folgen wölt, 
So wolt ich lenger nit verziehen. 
Man sagt, sie wöln zum keyser fliehen 
20 Und euch ir mutter halb verklagen. 

König Herodes spricht: 

Schweig ! thu von der sach nichtssen sagen ! 
Kumb ! wir wollen nein auff den sal, 
Die sach rathschlagen nach der wähl. 

Sie gehen alle ab. Alexander unnd Aristobulus knmmen mit 
Thir9, dem trabandten, und Alexander spricht: 

Mein bruder, wie reit das unglttck 
Uns beyde so in manchem stück 1 
Unser mutter die ist ermört. 
10 Darzu sich gegen uns entpört 

tUnser herr vatter mit werck und werten 

trütziglich an allen orten 

Hb wir im nie arges than. 

»bulus spricht: 
' h mag nd 




150 

Unserm vatter nit recht holdt sein, 
Weil er die lieben mutter mein 
Ohn alle schuldt hat getödt, 
[K 3, 1,357] Sein schwerdt in irem blot geröht, 
5 "Wil uns darzu des reychs Verstössen, 
Uns samb zu banckarten genesen. 
Bey im spür ich kein vetterliche trew. 

Alexander spricht: 

Ja, das macht mich auch gar abschew, 
10 Weil sein zoren an uns erscheindt 
Und uns auch warnen freundt und feint. 
Bath! wöl wir seinem zoren fliehen 
Und gen Rom zu dem keyser ziehen? 
Wir haben ye kein andern trost. 

15 AristobuluB spricht: 

Der vatter ist auff uns vcrbost, 
Durch unser mißgünner verhetzet, 
Das er uns umb unschuldt zu setzet. 
Nicht wunder wer, wir würn vergessen 
20 Und solch untrew in wider messen. 
Mein Thiro, ists aber nicht war ? 

Thiro, der trabandt, spricht : 

Ir herrn, ich wil zum könig dar 

Und im ewr unschuldt anzeygen 
25 Und warnen in, das er thut neigen 

Sein obren den unnützen wescbem. 

Den ehrabschneidern, zungen-dreschern, 

Mit im reden freydig, unverzagt. 

Hab vor wol mer ein gferlichs gwagt, 
30 Und ob ich gleych darob solt sterben. 

Alexander spricht: 

Thiro, thustu uns huldt erwerben, 
So thün wir dir ein fürstlich schenck 
Und auch zu gut sein ingedenck. 
35 Geh hin! Gott geh dir glück darzu! 

Thiro, der trabandt, gehet ab. Aristobulus spricht 



151 

Mein Alexander, ich and du 
WöUn ein weil in die dürnitz nein. 
Wie kündt wir hartseliger sein? 
Wir müssn nns vor dem könig schmügen. 
5 Aach unter dem hoffgsindt wir liegen 
Wie unter löwen, wölff und bern, 
Die uns zu schedigen begern. 
Wir dürffen schier keinem vertrawen, 
Auch auff unser blut-freundt nicht bawen. 
10 Kein hoffnung hab wir denn zu Gott. 
Der kan allein helfen auß noht. 

Sie gehen beydt ab. Salome, Pherores, Herodes, die gesehwistert, 

klimmen mit Antipater. Der spricht: 

Erst schickt sich die sach an den enden, 
15 Den unsern rahtschlag zu .volenden. 
Sie liegen schon im kercker beidt, 
Mit ketten bunden in hertzen-leidt. 
Das fewr an allen orten brindt. 

Pherores, der fürst, spricht: 

» 

20 Des wir auch hoch erfrewet sindt, 
Das ein mal fort geht der anschlag. 
Der köng hat heut gesetzet ein tag 
In beden, das weiß ich gewieß, 
Wenn er nur verhart, nit nach ließ. 

25 Antipater spricht: 

Der könig ist mit wiederpart 
Über sie ergrimmet so hart 
Durch mein schwindt pratict und angeben, 
[A3, 1,177] Das er in nemen wirt das leben 

so Und all, die sie wollen verfechten. 

Salome schlecht ir hendt zusamb unnd spricht: 

[K 3, 1,368] Ey, ey, das ist warlich des rechten, 
Das ich lang zeyt begeret hab. 
So kummen wir ir beyder ab. 
15 Ttlrffen uns vor in bsorgen nicht. 

Hört, hört! man leut zu dem halßgncht. 



en alle au(i. Der könig Herodes kummet, setset aioli 
cbt, man bringet die awen BÖn gebunden. Der köiÜK 

spricht : 
Ir liebii getrevfen, mit angst nnd sclimertz 
5 Ist erfüllet mein vetteilicli bertz, 
Diewei] mir mein Gön beidesander, 
Aristobolus, Alexander, 
Stellen mir bcyd nach meinem leben. 
Drumb lielfft urteil über sie geben! 

10 Joeippus, der fürat, aprinht : 

Mein herr künig bedenck sieb wol! 

Die weit ateckt nller untrew vol. 

Den jungen lierren icb, wie du, 

Traiv ^ar nit soklier untrew zu, 
I» Sonder als gufs, weil sie von jogeodt 

AufTzogen sindt auff sttten und tugendt. 

Icli bah sie anffriehtig und frumb. 

Der könig spricht zornig: 

Meinst, ich geb mit tandimerung nmb? 
so Ir viel des bandeis zeugnuß geben, 

Das sie mir stellen nach dem leben. 

Der icb etlicb bab in gefencknnß, 

liranns und auch Jocandas. 

Von mein sön waren bestelt beidt, 
S5 Das sie mich beimltch am gejeidt 

Solten vom pferdt werffn nnd erstechen. 

Habn in groß gelt drumb tbnn versprechen. 

Dergle3'eb habens bestelt Triphon, 

Mein seberer, umb ein grossen lohn, 
Sil Das er mir solt mein kein abschneyden. 

Auch thettens auß mördischem neyden 

Thiro, im trabantn, zu mir senden, 

Midi /u erwürgen mit sein benden. 

Nach dem wöltens gen Rom fliehen 
M Und mein kUngreych mit gwalt einziehen. 

Zu solchen mördiscbn anscbleg arck 

Habens gemacht ein bundtnuß starck. 



153 

Die hab ich in gefencknuß bandt. 
Wern all mit in am leben gstrafft. 
Briefflich nrkundt hab ich warhafft 
Vom keyser, das ichs aufif den tag 
5 Nach irm verschulden richten mag, 
Weil sie der that auch an dem endt 
Bekendtlich und ahn laugen sendt. 

Alezander unnd Aristobtüus, sein sön, fallen ihm 8U füß. Ale- 
xander spricht: 

10 Herr vatter, wir geren genad. 

Solch mördisch übel auff uns nicht lad, 

Der wir gar alles sindt unschuldig! 

Doch sey wir etwas ungeduldig 

Und trawren umb der mutter todt. 
15 Das bekennen wir; es wer ohn noht, 

# 

Das wir solten nach stellen dir, 
Weil alles guts gewarten wir 
Von dir, als unserm lieben vatter. 

AristobuluSy der ander son, spricht: 

20 du alier-höchster woltater, 

Warumb glaubst du den falschen zungen, 
Von welchen du dich gehn uns jungen 
Elenden, mutterlosen waisen 
Dich lest verfüren und verreitzen, 
[K 3, 1,359] Umb unschuidt zu nemen das leben? 

So gschach auch unser fraw muter eben. 

König Herodes bricht den stab und spricht sornig: 

Nachrichter, sie beidt eillendt schleiff 

Gehn Zesariam! alda straifif 
30 ledem ein strick an seinen halß! 

Erstecks in der gfencknus! nachmals 

Rieht auch den trabanten Thiro 

Und Triphon, mein scher er, also 

Sambt all den, so des bundts sindt ziegen 
85 Und unden in dem kercker liegen, 

Das wir ruh vor in allen kriegen! 

Man füret die zwen söhn dahin unnd sie gehen auch alle ab. 



154 



Actus 5. 

Antipater, des königs dritter bod, gehet ein unnd spricht: 

Nun ist der handel giflcklich Tolendt. 

Gwiß Wirt mir nan das regimendt, 
5 Weil nan mein zwen brOder sindt todt. 

Nun aber ist mir nQtz nnd noht, 

Das ich mich gehn dem lioffgsindt 

Erzeyg miltgebig, senffl and lindt, 

Darmit ich mir mach ein anhang. 
10 Mein Tatter aber lebt za lang 

Und wachsen seins braders sön daher. 

Vor den bsorg ich nit klein gefehr, 

Der möcht einr wem za köng erweit. 

So wQrt ich binden angesteldt. 
15 Wie fing ichs ahn, das ich aach schlecht 

Mein vatter kartzer zeyt ambbrecht? 

Darza kündt mir der vetter mein, 

Pherores, wol behülflFlich sein. 

Der mit meim vatter ist aneins wom. 
20 Sindt beidt hessig in grimmen zom. 

Da kambt er; ich wil zwischen ans beden 

In wol arglistiglich anreden, 

Das er hülff wttrgn sein brader wQtig. 

Pherores, der fürst, kummet unnd spricht: 

25 Antipater, wie so einmütig? 
Wie gestu umb in eim getrecht? 

Antipater, des königs elster son, spricht: 

Da betracht ich den handel schlecht, 

Das wir beidt stehn in grosser gfar. 
80 Wo noch der könig würdt gewar 

Unser heimlichen meaterey, 

Die wir anrichten alle drey 

Wider sein beide sön erdichten, 

Meinst nicht, er würdt ans beyde richten 
96 IJmb solche Tinser missethat? 



155 

Fherores, der fürst, spricht: 

Ja gwiß, fttrwar, gieb da uns raht, 
Wie man solch gefehr unterkumb! 

Antipater, des königs elster son, spricht: 

5 Der negst weg summa snmmaram 
Wer, das man dem könig vergeb, 
Wenn, wo der könig lenger leb, 
Nit lang verschwiegen bleiben mag 
Dieser handel, der an dem tag, 
[A3, 1,178] Wie du weist, ist weitleufftig weit. 

Fherores, der fürst, spricht: 

Das wer ein groß unghrecbtigkeyt, 
Solt meinem bruder ich vergeben. 

[K 3, 1, 360] Antipater spricht : 

, 15 Darmit erredt wir unser leben. 
Derhalb darffs bedenckens nit vil. 
Ein starck gifift ich dir schicken wil. 
Das kanst du im zu schleichen frisch. 
Wenn der könig sitzet zu tisch. 
20 Wenn denn der könig nimbt sein endt, 
Als denn wir vor im sicher sendt 

Fherores, der fürst, spricht: 

Darzu must auch behilfflich sein 
Mein haußfraw und die mutter dein, 
25 Doch das es stil bleib und verborgen. 

Antipater spricht: 

Nun kumb dem nach und sey ahn sorgen! 
Du must ietzt hienein in die reht. 
Heindt kumb wir wieder zammen spädt. 

Sie gehen alle auß. Herodes, der konig, gehet ein, redt wider 

sich selb unnd spricht: 

Mein junge sön die rewen mich, 
Das ichs hab also schnelliglich 
Tödten lassen in grimmen zorn. 



156 

Die Marianne hat geborn 
Von edlem, küniglichem stammen, 
Die ich auch thet zom todt verdammen. 
Hab niemandt, ich verlaßner vatter, 
5 Denn mein eisten son Antipater, 
Der nach meim todt das reych besitzt. 
Wie lanffsta samb ahn alle witz, 
Meine liebe Schwester Salome? 

Salome, die Schwester des konigs Herodis, kumbt unnd spricht : 

10 mein herr bmder, weh, o weh! 
Wie stehst so in grosser gcfehr! 

Der konig spricht: 
In was gstalt, Schwester? sag baldt her! 

Salome spricht: 

15 Antipater, dein eltster son, 

Dem du hast wol vertrawen thon, 

Der stelt dir heimlich nach dem leben. 

Mit starckem gifft dir zu vergeben. 

Welcher ist in dieser bnechsen, 
20 So ich hie trag unter der uchsen, 

Welches Antiphilus genandt 

Gebracht hat auß Egypten-landt, 

Der mit Pherores, unssr bruder, eben 

Solt ob dem tisch haben vergeben, 
85 Welliches er ob seim todtbeht 

Mir heimlich offenbaren thet. 

Derhalb hüt dich vor solchem spil! 

König Herodes spricht: 

Salome, Schwester, schweig nur stil! 
so Ich wil etlich fangen und strecken 
Und in sollichs heimlich abschrecken, 
Darmit ich kumb auff rechten grundt, 
Auff meines sons trewlosen bundt. 

Sie gehen beid ab. König Herodes gehet ein mit seim hofP- 
gsindt« setzt sich. Antipater wil den vatter umbfJEUigen, der 

stöst in von im unnd spricht: 



157 

da mördisch, giftige atter, 
Wilt du ermorden deinen vatter, 
Im mit gifft stellen nach seim leben ? 

Antipater feit ixa zu fuß unnd spricht: 

[K 3, 1,361] Herr vatter, thu nicht urteil geben! 

Bit, wolst mein unschuldt vor anhörn. 

Solt ich begern dich zu mörn, 

Der ich doch kurtz vor dieser zeyt 

So offt vor grosser gferligkeyt 
10 Thet vor den jungen sönen warnen, 

Vor ieren auffsetzen und garnen? 

Dergleych in allm anliegen dein 

War ich, der bey dir stundt allein. 

Hab ich doch gwiß dein reych nach dir, 
15 Was möqjit dein todt denn frewen mir? 

Solt ich- die redligkeyt meiner jugendt 

Außtilgen mit dieser untugendt? 

Herr vatter, traw mir bessers zu! 

Herodes zeygt ixa die büohssen mit dexa gittt unnd sprioiit 
20 zornig : 

Schweyg aller entschuldigung du! 

Deiner mordtstück kanst du nit laugen. 

Schaw! da ist noch solch gtfft vor äugen, 

Das Antiphilus bracht hieher, 
25 Wie das selb hat bekennet er 

In dem kercker und ander vil. 

Die helffen wollen zu dem spiel. 

Furt hin den schalck in die gefencknuß 

Und htit sein wol in harter zwengknuß, 
so Biß ich der sach nach erachte wol. 

Mit was todte ersterben sol! 

Sie füren Antipatrem ins gefencknuß. König Herodes gehet 

auch nach im ab. Der könig Herodes kummet kranck her- 

wider, setzt sich und spricht krencklich: 

S5 Nun bin ich gleich todt kranck von hertzen. 
Mein gantzer leib der ist mit schmertzen 

* 

5 K erlaub. 



168 

UmbfaDgeD, dergleych mein gemüht 
In mir zappelt, dobet und wüht. 
Ein nnfal nach dem andern erscheindt. 
Mir stellet nach freandt unde feindt. 
6 Wann knmbt mir so vil Unglücks her 
In meinem letzten altar scliwer? 
Heist mein leybartzt kummen herbej, 
Zu helffon mir darch ertzeney! 

Der ernholdt bringet den leybartzet, der sohawt den bninnen 
10 und spricht: 

Ach, herr könig, es ist nmb snnst 
Fürwar all mein bilff, raht und kanst. 

Herodes spricht krencklioh: 
Was feit mir am leyb? mich bescheidt! 

■ 

15 Der artzet spricht: 

Herr könig, euch fault das ingeweidt. 
In euch brindt anzündt das wildtfewr. 
Auch wachssen würm groß unghewr 
In ewrem leib, auch ewr schenckel 
20 Werdn anffbrechen umb den enckel. 
Auch ist zerschwollen ewr gemecht. 
Ich weiß euch tringen nit zu recht. 
Darumb macht ewer testament! 
Es nahet ewer letztes endt. 

Der artzet geht ab. Der könig Herodes spricht : 

[A3, 1,179] Salome, liebe Schwester mein, 

So ich stirb, wirt es in gamein 

Allen Juden ein wolgefallen 

Und unbeklagt bleib von in allen. 
80 Ich bit dich: beschick die alten 

Auß allen stetten und thus behalten 

Bey dir in einer harten gfencknuß! 
[E 3, 1,362] Und auff den tag meiner begengknuß 

Laß richten sie bey meinem grab, 
85 Auff das das volck zu trawrn hab ! 

Salome, sein Schwester, spricht: 



159 
Ja, mein lierr brnder! das wil ich than. 

Herodes, der könig, spricht: 
So glob mir das bey trewen ahn! 

Sie beudt ihm die handt, er spricht weiter: 

5 das ich einen apffel het, 
Der meinen durst mir leschen thet! 

Salome gibt ihm ein apffel unnd spricht: 
Da hast ein schönen apffel da. 

König Herodes spricht: 
10 Leich mir ein messer auch darza! 

Herodes nimbt das messer, zuckt es hoch auff, wil sich er- 
stechen. Sie fallen im in arm. Josippus, der fürst « spricht: 

Ey, herr könig, was wolst du than? 
Halt dich keck als ein dewrer man! 
IS Wolst an dich legen eigne hendt, 
So nembst du ein verzweiffeit endt. 

Der könig spricht: 

Ach, mich verdrewst, auff erdt zu leben, 
Weil ich mit schmertzen bin umbgeben. 
20 An leyb und gmüt und am gewissen 
So Wirt ich gmartert und gebissen. 

Der kerckermeister kummet und spricht : 

Herr köng, es ist ein gschrey auß kummen 

Am hoff, du habst schaden genommen. 
25 Als solch s Antipater, dein son. 

Im kercker hat vernemen thon, 

Da thet er in frewden frolocken. 
. Verhieß mir frölich unerschrocken 

Hundert silberling zu einr gab, 
80 Von ketten in zu lösen ab. 

Jedoch hab ich das nit wöln than. 

Sonder deinr mayestadt zeygen ahn. 

Herodes schüt den kopff unnd spricht aornig : 



160 

Nein, nein, dein frewdt die sol dir fein. 
Geh! schneidt dem böß wicht ab sein kein 
In dem kercker mit eim scharsach 
Und begrab seinen lejb darnach 
5 In Hircanio ahn alle ehr! 

So dörff wir in nit fürchten mehr. 
Ach, fort mich nauß an mein behtstadt! 
\Yann ich bin tödtlich kranck und madt. 

Sie fOreü den konig auß, gehen alle ab. Josima. der fOrst, und 
Salome knnunen wider, tregt das testament nnnd Bprioht: 

Nun trawrt! der könig ist verschieden 
Und hat ein harten todt erlieden. 
Eambt! so wöl wir an diesem endt 
Offnen des königs testamendt, 
15 Wie er sein reych hat außgespendt. 

Sie gehen alle auß. Der emholt kumbt nnnd beschleust: 

So endt sich die tragedi wol. 

Darauß drey stück man mercken sol; 
[K 3, 1,363] Das erst, das ein fOrst oder herr 

so Von seim hoff treib all henchler ferr, 

Halt auch all schmeichlerey argwenig 

Und glanb ir weder viel noch wenig, 

Yorauß in großwichtigen Sachen 

Laß sich nit baldt beweget machen 
» Wider seine gnte frenndt bewerdt, 

Dnrch henchleriscb wort und geberdt. 

Mit seim urteil sey nit zu jech, 

Sonder dem bandel wol nach spech, 

Wie, wo und wenn, wer und warumb, 
so Darmit auff rechten grundt er kumb. 

Denn urteil er weißlich mit vernunfft, 

Das es in hernach in zukunfft 

Nicht mit seim grossen schaden rew. 

Das ander stück: wer mit untrew 
35 Ein andern hinterruck verklagt, 

Ohn schuldt viel arges von im sagt, 

Auß neidt und haß, vil list und lüg, 

34 K stück. 



IGl 

Das er dem frummen scbadeu füg 
An leib, ehr, gut mit seinem kallen, 
Der muß endtlich in gruben fallen. 
Die er eim andern graben hat. 

5 Ein unrat bringt den andern unrat. 
Solch heuchler sindt eim fürsten gferlich. 
Auch merck man zu dem dritten klerlich: 
Welch fraw nicht thut manßbilder fliehen, 
Sich nit einmütig ein thut ziehen, 

10 Beyde mit daten und mit werten, 
Behutsam ist an allen orten 
Und auch mit kleydung sich auffmutzt, 
Mit werten ieren ehman trutzt, 
Die entzündet iren ehman 

15 Die ejflfersucht und den argwan, 
Das sich den für und für thut merri. 
Ob sie geleich ist frumb an ehrn, 
So lest sich doch- des maus Unwillen 
Und eyffersucht nicht leichtlich stillen. 

20 Auß dem volgt gar vil ungemachs 
In ehling standt, so spricht Hans Sachs. 

Die person in die tragedi: 

1. Emholdt. 

2. König Herodes. 

85 3. Antipater, der eltester son Herodes. 

4. Marianne» die künigin, sein gemahel. 

5. Alexander, ir son. 

6. Aristcbulus, ir son. 

7. Feroras, der fürst, Herodes bruder. 
so 8. Salome, könig Herodes sohwester. 

9. Josippus, ein fürst könig Herodes. 

10. Seemus, der ander fürst. 

11. Des königs ertzschenok. 

12. Des königs leybarsst. 
S5 13. Thiro, ein trabandt. 

14. Ewclidesy der ander trabandt. 

15. Der kerckermeyster. 

Anno 1552 jar, am 2 tag Novembris. 

14 K Da. ? irem. 15 E der a. 21 K Im. 
Hans Sachs. XI. H 



180] Oomedia mit 24 personen , die entpfeng- 

unnd gcbiirdt Johannis und Christi, and hat 9 actus. 

Der ernholdt tridt ein, neigt sieh unnd spricht: 

Genad, friedt und barmhertzigkeyt 
5 Sey euch von Gott, all, die ir seidt 

Yersamlet hie auff diesen sal! 

Hie werdt ir hören all zu mal 
364] Und sehen ein geystlich comedi, 

Doch im endt gleych einer tragedi, 
10 Wie die geschieht beschreiben was 

Im ersten und andern Lucas, 

Dergleichen Mattheus ahn mittel 

Im ersten und andern capitel, 

Entpfencknuß und geburt des tauffers 
15 Johannis, des Herren vorlauffers, 

Nach dem die menschwerdung Christi, 

Wie Gabriel verkündet dy, 

Maria den heylandt empfing, 

Nacli dem ubers gebirge gierig, 
20 Wie die auch Joheph wolt verlassen, 

Den der engel bericht der massen, 

Und wie die auch Christum gebar, 

Das wart verkundt der birten schar 

Von den engelen auff der fart, 
25 Wie auch das kindt beschnitten wardt 

Nach Mose, des gesetz exempel, 

Wie man in auch opffert in tempel, 

Wie auch die weysen in Oriendt 

Kamen zu Herodi behendt 
30 Und fragten fleyssig, wo doch der 



163 

New Juden-könig geborn wer. 

Herodes die schrifftgelerten fraget 

Und nach dem zu den weysen saget, 

Zu zihen bin gen Bebtlebem, 
5 Zu im wieder kämmen nach dem, 

Wie er auch gert mit listing dingen, 

Sie sambt dem kindtlein umbzubringen. 

Der engel die weysen warnen waß, 

Daß sie zugen ein andre straG. 
10 Nach dem er wolt die kindtlein tödten. 

Und wie auch erschin in den nöten 

Der engel, warnet Joseph hoch, 

Das er in Egypten entpfloch 

Mit dem kindt und der mutter sein. 
15 Und wie die unscbulding kindtlein 

König Herodes ließ ermöm, 

Das als werdt ir nach Ordnung hörn 

Und sehen mit weyß und geber. 

Doch seit stil! ist unser beger, 
20 Das keinr im spiel verirret wer. 

Der ernholdt gehet ab. Zacharias gehet ein im priesterlichem 
kleydt, tregt ein rauohfaß inn der handt, kniedt für den altar 

mit auffgehaben henden, spricht: 

Herr Gott in dem höchsten trän, 
25 Sich deines volckes jammer ahn. 

Wie sie die heyden in den tagen 

Sehr hart untertrucken und blagen! 

Hat ie vorlengst im geyst geredt 

Esaias, der groß prophet, 
so Deim volk, das in der finster saß. 

Dem sey auffgangen ubermaß 

Ein grosses liecht, das sie erleucht, 

Darvon die tunckel finster fleucht. 

Auch saget der prophet nach dem: 
35 Ste auff, du Stadt Jerusalem! 

Werdt liecht ! dein liecht kumbt mit klarheit. 

Baldt wirt des Herren herrlikeyt 

Ob dir genadreych auff gehn werden. 

Finsternuß bedeckt die gantz erden. 
40 Ob dir aber so wirt allein 

11* 



164 



Des Herren herrligkeyt 61*80116111, 
Das die könig and beiden gantz 
Werden wandlen in deinem glantz 
Und Wirt gut friedt und frewde sein. 
5 Im heil stehn die stadtmawren dein. 
Auch wirt alles trübsals ein endt 
In dir sambt jammer und ellendt. 
Herr, solchs geschehen wirt alsandt, 
Wenn du wirst schicken dein heylandt, 
[K 3, 1,365] Den du verheissen hast mit nam 
ZukünfTtig von könig Davids stam. 
Von dem so wirt ein zweyg auff gehn. 
Derselbig heylandt wirt als den 
Dein lieb volck . Israhel erlösen 

15 Von dem fluch und von allem bösen, 
Darein uns der vatter Adam 
Hat bracht durch sein ungehorsam, 
Durch brecbting des einig gebots. 
Des sitz wir im schatten des todts. 

20 Herr Gott, zerreiß die bymel dein! 
Sendt uns deiner genaden schein. 
Deinen heylandt hieher auff erdt, 
Des so hertzlichen wirt begerdt 
Von deinem volck frw unde spedt 

25 Mit gar inbrünstigem gebet! 

Ach lieber Herr, gedenck auch mein! 
Auff erdt muß ich verachtet sein, 
Weil ich und auch mein ehlich weyb 
Beide unfruchtbar sindt von leyb, 

80 Das wir uns haben schier verwegen. 
Von dir zu haben der frtlcht sogen. 
Weils aber ist der wille dein, 
So gieb ich mich auch willig drein. 

Er sieht sich umb, spricht weiter : 

85 Ach Gott, neben dem rauch-altar 
Sie ich sthen einen engel klar. 
Ist warhafft ein gesendter pot 
Zu mir von dem erschröckling Gott. 
Forchtäam, erschrocken ist mein hertz, 

40 Dieweil er zu mir trit herwertz. 



165 



Der engel trit au im und 8|>rioht : 

Zacbaria, furcht du dir nit! 
Gott hat erhört dein fleh und bit. 
Dein weyb Elisabet wirt wern 
5 Schwanger und einen son gebern. 
Johannes sol heissen dein sun. 
Ob im wirt haben frewdt und wun 
Die nachtbaurschafft, erfrewet werden. 
Er wirt groß vom Herren auff erden. 

10 Wein und starcke tranck trinckt er nicht. 
In mutterleib wirt er verpflicht, 
Erfült mit dem heyligen geyst 
Und wirt bekeren allermeist 
In Israhel zu Gott auffwertz 

15 Der Vetter zu der kinder hertz 
Und die unglaubing seiner zeyt 
Bekern zu der waren klugheyt, 
Dem Herrn zu bereiten fürbaß 
Ein Yolck zu Gott auff rechter straß, 

20 Wann kurtzer zeyt wirt der heylandt 
Von Gott her auff erden gesandt. 
Desselben wirt dein son ein tauffer, 
Ein Wegbereiter und vorlauffer. 

Zacharias, der priester, spricht; 

25 Sag mir! warbey sol ich erkennen 
Die gnad, so du mir thust benennen? 
[A3, 1,181] Die weil ich bin sehr alt von leib, 
Auch wol betaget ist mein weib. 

Der engel spricht: 

80 Zacharie, es hat kein mengel. 
Wiß! ich bin Gabriel, der engel, 
Der vor Got steht; ich bin gesandt. 
Zu machen dir die freudt bekandt. 
Weil du nun meim wort nit gelaubest, 

S5 Gott dardurch seiner ehr beraubest, 
Wirst du verstummen an dem ort 
Und forthin mehr reden kein wort, 
Biß das dein fraw dein söhn gebiert 



166 

Und dises als erfüllet wirdt, 
[K 3, 1, 366] Das gschelien wirt zu seiner zeit, 
Wie dir vom Herren ist geseit. 

Der engel geht ab. Zaeharias gehet auch ab» winoket dem 
volck mit der handt ab-zufi:ehn. lamael, der prlester, sprioht : 

Wie, das Zacliarias abgeht 
Von allem volck gar ungeredt, 
Das er nit gibt dem volck den sogen, 
Wie er dann hat ein brauch allwegen? 
10 Was meinst do, das die ursach sey? 

Caleph, ein freundt Zacharie, sprioht: 

Mich dunckt in meinen angen frey, 
Wie er erschluchtzet sey, erblichen. 
Ich glaub, er sey oillcndt entwichen 
15 Hie auß dem sancta sanctorum 
Und das alles allein darumb, 
Das er hat ein gesicht gesehen. 

Ismael, der priester, spricht: 

Ja warlich, das laß ich geschehen. 
20 Nun weil iederman geht zu hanß, 
So wollen wir auch gehn hinauß, 
Weil im tempel das ampt ist anß. 

Sie gehen beid ab. 



Actus 2. 

Maria, die jungkfraw, geht ein, kniet nider, bett in einx buch- 

lin und spricht : 

Es beschreibet Esaias 
Clärlichen im sibenden das, 
Wie ein jungkfraw sol schwanger wem 
80 Und sol auch einen söhn gebärn, 
Deß nam sol heissen Emanuel. 
Der sol sein volck lösen auß quel. 
Der Wirt putter und hönig essen, 
Auff das er warhaft könn ermessen. 



167 

Das gut erwehln, verwerffen das böß, 

Auff das er Israel erlöß. 

Wie selig wirt die mutter sein, 

Die das hochwirdig kindelein 
5 Dem volck Israel wirt gebem! 

Gott, ich wolt nit mehr begern, 

Denn das ich möcht ir dienstmagdt sein! 

Wie wolt ich disem kindelein 

Dienen mit alier-höchstem fleiß, 
10 Willig und geren aller weiß, 

Mit wickeln, wigen, laitn und tragen. 

Mit wischen, waschen, badn und zwagen, 

Im ätzen, drencken, singen und wachen, 

Was ich vermocht in allen Sachen 
16 Unvertrossen, dem kindelein 

Und auch der werden mutter sein! 

Ach wer geht dort zu mir herfür. 

So schwindt durch die verschlossen thür, 

Gantz engelisch gepersonirt? 
20 Gott hilff, was das bedeuten wirt! 

Der engel Gabriel kombt, neigt sioh und sprioht: 

Du holdtselige, sey gegrüsset, 
Yol genaden gar ubersüsset! 
Der Herr ist mit dir dise zeit. 
25 Bist ob all frawen gebenedeit. 

Maria sprioht : 

Ach, was mag für ein grüß das sein, 
Der mir verkündet wirt allein? 
[K 3, 1,367] Mein hertz erschrocken ist forchtsam, 
80 Weil ich nit weiß, von wann er kam. 

Der engel Gabriel sprioht : 

Ach fürchte dir nit, Maria! 
Bey Got hast gnadt gefunden da. 
Du wirst in deim leib schwanger wem 
85 Und darnach einen söhn gebäm, 
Deß namen solt du Jesus nennen, 
Wann er wirt groß (thu ich bekennen), 
Ein son deß allerhöchsten gnennt werdn 



168 

Und Got wirt im geben auff erden 
Den stuhl David, seins vaters, ein 
Und wirt also ein künig sein 
Über das gantze haaß Jacob, 
6 Erhaben ewigklich in lob. 

Auch wirt seins künigreichs allein 
Immer ewig kein ende sein. 

Maria, die jungkfraWy spricht : 

Wie sol aber geschehen das, 
10 Weil ich kein mann erkennen was? 

Gabriel, der engel, spricht: 

Maria, weiter mercke mich! 

Der heilig geist wirt über dich 

Kommen und auch die höchste krafft 
ifi Dich überschatten wunderhafft. 
. Dammb wirt auch der heilig schir, 

Welcher geboren wirt von dir, 

Wirt Gottes söhn genennet sein. 

Elisabet, die freundin dein, 
20 Ist schwanger, geht auch mit eim sühn 

In irem schweren alter nun 

Und ist ietzt gleich das 6 monat. 

Da sie ir kindt entpfangen hat, 

Welche war im geschrey gantz ruchtbar, 
26 Wie das sie gentzlich war unfruchtbar, 

Eh mit dem söhn sie schwanger gieng. 

Bey Got sindt müglich alle ding. 

Maria hebt ir hendt auff unnd spricht; 

Nimb war! ich bin deß Herren magdt. 
30 Mir geschech, wie du hast gesagt! 

Der engel neigt sich und geht ab. Maria spricht mit auffi^e- 

haben henden: 

Nun, Herr Got, dir sey ewig lob! 
Dein gut schwebt überflüssig ob 
S5 Dem gantzen menschlichen geschlecht. 
Zu bringen anß dem fluch und acht. 
Nun wil ich hin gehn an der stet 



169 



Zu meiner mnmmen Elisabet 
Ubers gebirg int stat Jude, 
Hin in das hanß Zacharie, 
Verkünden ir die gnadt und frendt, 

5 Die mir ist widerfaren beut, 
[A3, 1,182] Das mir der engelische bot 

Warhafftig hat verktindt von Got, 
Das ich entpfangen und gepern 
Soll und des Herrn mutter wern, 

10 Deß ich doch gar unwirdig bin. 
Nun icli wil zu ir raisen hin 
Und wil ir auch in diser zeit 
Dienen in irer schwangerheit 
Drey monat lang, biß das auch nun 

15 Wirt zeit zu gepern iren sühn. 
Denn ker ich von Elisabeth 
Widerurab heim gen Nazaret 
Und warrt alda auch meiner zeit, 
Die Got, der Herr, mit gnaden geitj 

20 Das ich auch meinen söhn geper, 
Wie mir verkündet hat der Herr. 
Ich wil mich schicken auff die straß 
[K 3, 1,368] Ubers gebirg on unterlaß, 

Eillendt wandern züchtiger maß. 

25 Maria geht ab. 



Actus 3. 

Slisabeth geht ein mit grossem leib, redt mit ihr selbs unnd 

spricht : 

Wo ist nur Maria so lang, 
80 Mein mum, das sie nit thut ein gang 

Von Nazaret, kombt her zu mir. 

Das sie sich mit mir frewe schir. 

Weil mich der Herr hat heim gesucht 

In meim alter mit einer frucht, 
85 Wie der engel verkünden was 

Meinem gmahel Zacharias? 

Ach, Got sey lob in seinem thron ! 



170 

Dort kombt gleich die, von der ich hon 
So gar inbrünstigklich geredt. 

Maria kombt, beut ir die hendt unnd »pricht: 

Gegrüsset seist, Elisabet, 
6 Du allerliebste freandin mein! 
Ich wil mich mit dir frewen sein. 

Elisabet spricht: 

Gebenedeit bist du anff trawen 

Anff erden unter allen frawen ! 
10 Gebenedeit sey auch dein frncht 

Deins leibes, die du tregst mit zucht! 

Wann mich hat auch der heilig geist 

Mit frewden erfült allermeist 

Und offenbaret die genadt, 
15 Die Got mit dir gewürcket hat. 

Von wann kombt mir das hail herein. 

Das die mutter deß Herren mein 

Zu mir herkombt? mein mum, vernim! 

Baldt ich hört deines grusses stim, 
20 Hupfet vor frendt im leibe mein 

Das ungeboren kindelein. 

selig bist du, der du hast 

Dem engel als gelaubet fast! 

Denn es mri als erfüllet werden, 
25 Was dir der Herr zusagt auff erden, 

Ubei*flüssig nach seinem wort 

Mit deiner frncht an allem ort. 

Maria spricht: 

Mein seel in dem Herren firolocket, 
so Erhebt in und in freuden schocket 

In Got, dem meinen haylandt gut, 

Dieweil und er hat die demut 

Der seinen magde angesehen. 

Von nun an wern mich selig jehen 
85 Und preisen alle kindes kindt, 

Die auff der gantzen erden sindt, 

Dieweil der Herre Got hat an 

Mir solche grosse ding gethan, 



171 

Wellicher gar allmechtig ist 

Und sein nam heilig alle frist 

Und sein grundtloß barmhertzigkeit 

Werdt für und für zu aller zeit 
6 Bey den, die in förchten auff erdt. 

Er übt gwalt in seim arbme werdt. 

Der Herr gwaltig zerstrewen thut 

Der kochfertigen sinn und mut. 

Er stößt die gwaltigen vom thron, 
10 Erhebt die demütign forton. 

Die hungrigen fült er mit gut, 

Lest die reichen lär mit armut. 

Er denckt seiner barmhertzigkeit, 

Hilfft seim knecht Israel all zeit, 
15 Wie er geredt hat Abraham, 
[K 3, 1,369] Den vättern und all seinem sam 

Von ietznndt an zu aller zeit. 

Dem sey lob, ehr in ewigkeit! 

Zaoharias geht ein, beut Maria still sehweigendt sein handt, 
20 sie spricht: 

Grüß dich Got, lieber vetter mein! 

Elisabet spricht: 

Ihm ist versperrt die zungen sein, 
Das er kein wort kan reden nicht. 

25 Maria spricht: 

Wie oder warumb? mich bericht! 

Elisabeth spricht: 

Als meim gmahel Zacharias 

Gottes engel verkünden was, 
so Das ich gebären solt ein sühn. 

Empfangen in meim alter nun. 

Als mein gemahel das nit glaubet, 

Da wurdt er seiner sprach beraubet 

Und wirt auch fort so spracbloß sein, 
85 Biß ich gebier das kindelein. 

Maria spricht: 



172 . 

Gott Wirt das auch mit freuden geben, 

Wie er das hat versprochen eben, 

Wann alle seine wort sindt war. 

Was er verheisset lauter klar. 
5 An dem sol niemandt zweivel haben, 

An Gottes verheiäsenen gaben. 

Gott geb zu deiner geburt glück! 

Got sey lob! der dich in dem stück 

Deiner Unfruchtbarkeit hat entladen, 
10 Ein frucht dir geben auß genaden 

Und dich geweret deiner bat. 

Nun wil ich hin gen Nazareth. 

Leb in Got mit dem gmahel dein! 

Der sol auch unser Zuflucht sein. 
15 Bey im steht hülff und trost allein. 

Sie bieten einander die hendt und gehen alle ab. 



Actus 4. 

Ismael, der priester, und Caleph gehn ein. Ismael spricht: 

Hör, Caleph! Got hat dise zeit 
20 Gethan grosse barmhertzigkeit. 

Hat erhört das hertzlich gebät 

Unser freundin Elisabeth 

Und auch Zachariam, den alten. 

Die von alter theten erkalten. 
85 Elisabeth ist schwanger worn 

Und hat ein jungen söhn geborn. 

letzt wir das kindt beschneiden wern. 

Caleph spricht: 

0, ich hör das von hertzen gern, 
30 Günn wol den frommen leuten das, 
[A3, 1,183] Weil sie so lang unfruchtbar was. 

Got ist in all sein wercken gar 

Un ervorschlich und wunderbar. 

Der Zachariam machet stumb, 
35 letzt in erfrewet widerumb 

Mit einem jungen schönen söhn. 



173 

Deß wollen wir uns frewen tlion 
Sambt unser gantzen nachbaurschafft, 
Dancken götlicher gnaden krafft 
Sambt den frommen alten ehleuten, 
6 Den Got sein gnadt erst tbut vertrewten. 

[E 3, 1, 370] Zacharias geht ein mit Elisabeth, die tregt das kindt 

unnd spricht : 

Es ist gleicb heut der acbte tag, 
Das ich meines sohnes gelag. 
10 Den beschneidet mir ietzt zu letz, 
Wie Got verordnet im gesetz, ^ 

Das er mit Gottes volck auflf erdt 
Oflfentlich eingeleibet werdt! 

Zacharias wincket, das man das kindt beschneiden soll. Ismael, 
15 der priester, der spricht: 

Nun so wollen wir nennen das 
Kindlein mit nam Zachaiias. 
Seim vatter nach, das es sein tag 
Auch seines vatters namen trag. 

so Elisabeth spricht: 

Mit nichte also nennet es! 
Wann sein nam der ist Johannes. 
Das sol werden sein nanie; secht! 

Caleph spricht: 

25 Ist doch niemandt in deim geschlecht 
Noch in deiner freundschafft durchab, 
Der einen solchen namen hab! 

Ismael, der priester, spricht: 

Zachariä, zeig du uns an, 
so Wie man das kindt sol nennen than! 

Zacharias zeigt aufiP ein tafel, die gibt man im. DaraujQP schreibt 
er mit einer kreiden also. Ismael ließt das: 

Er schreibt: Johannes ist sein nam. 
Das ist uns allen wundersam. 
35 Solliches würckt Got aller-meist 



174 

In im durch deu heiligen geist. 

Zaoharias nimbt das kindt auff seine arbm unnd spricht : 

Gelobt sey der Got Israel! 

Er hat besucht sein yolck in qoel 
5 Und sindt durch in erlöset worn, 

Wann er hat auffgericht ein hom 

Deß hails und deß ewigen frieds 

In dem hauß seines knecht Davids, 

Das er vor zeiten uns thet kundt 
10 Durch der heilign propheten mundt, 

Das er vom feindt uns thet erretten 

Und all den, so uns hassen theten, 

Und hat erzeigt barmhertzigkeit 

Unseren vättern dise zeit 
15 Und dacht an sein heiligen bundt 

Und an den eidt, so schwur sein mundt 

Unserem vatter Abraham, 

Das wir erlöst würden alsam 

Von alle unser feinde handt 
20 Und dienten on forcht dem hailandt 

In hailigkeit und ghrechtigkeit. 

So lang wert unsers lebens zeit. 

Und du, kindlin, wirst ein prophet 

Deß höchsten heissen, der her geht 
25 Vor dem Herren, den weg bereit, 

Und giebst erkentnuß alle zeit, 

Seim volck das haue thust verkünden 

In der Vergebung irer Sünden 

Durch die hertzlich barmhertzigkeit 
30 Unsers Gottes, der uns die zeit 

Besuchet hat, wie im anfang 

Auß der höhe war der außgang, 

Auff daß das wäre Hecht erschein 

All denen, so sitzen allein 
85 Im finsternuß deß todtes schatten. 
[E3, 1,371] Rieht unser füß auff! komb zu statten, 

Auff das wir wandeln solcher maß 

Auff deß ewigen frides straß! 

Ismael , der priester , besohneit das kindt mit einem grroasen 



Nach dem geht vatter und mutter mit 

Ismael spricht : 

Ach, wie ist Got so wunderbar! 
Zacharias ist vast ein jar 
5 Unredent gewesen und stumb, 
Wirt ietzundt redent widerumb, 
Ist erfült mit dem heilign geist 
Und weissaget uns allermeist, 
Wie der haylandt baldt kommen wer, 

10 Deß dann gantz Israel beger, 
Das er genedig werdt erlösen 
Uns von allem übel und bösen, 
Wie die götlicbe mayestat 
Unsern vättern verheissen bat. 

15 Das Wirt erfült werden ietzunder. 

Caleph spricht : 

Ey, der gscbicht ich mich hoch verwun« 
Sambt allen nachbaurn uberal 
Auff dem gantzen gebierg zu mal, 

20 Wenn sie hören die wunderthat, 
Das Got erst heim gesuchet hat 
Das volck in ires alters zeit 
Auß genaden mit fruchtbarkeit. 
Die vor unfruchtbar gwesen sindt. 

25 Was meinst du, das aus disem kindt 
Wirt werden, wann es kombt zu jarn. 
Wie sein vatter thut offenbarn. 
Er werdt daher gehn vor dem Herrn. 

Ismael, der priester, spricht: 

30 Es werden auch nahen und ferrn 
Die forcht erschrecken iederman. 
Wann sie solliches hören an. 
Nun wöl wir auch zu hause gan. 

Sie gehn beidt ab. 



176 



Joseph, der gemahel Marie, gehet ein, redt mit im selb unnd 

spricht : 

Herr Got, wie ist mir mein hertz 

So vol nmuut, trttbsal und schmertz 
5 Umb Maria, die gmahel mein, 

Die mir vertrawet ist allein, 

Die ich noch nit, wie sich gebürt, 

Mit hochzeit hab zu hauß gefürt 

Und sie geht doch mit grossem leib 
10 letzt schwanger, wie ein ander weih! 

Ach, wie hat sie sich übersehen! 

Ach Got, wie sol ir nun geschehen? 

Sol ich sie rügen, so muß sie sterben, 

Nach dem gesetz ellendt verderben. 
15 Ey, sie müst mich bey meinen trewen 

Immer und ewigklichen rewen, 

Das ir von mein wegen ein har 

Solt krümbt werden endlich fürwar. 

Darumb ich sie nit rügen wil, 
[A3, 1,184] Sonder nur darzu schweigen still, 

Sie auch nit schelten oder hassen, 

Sonder heimlich ziehen mein Strassen 

Und verlassen die ellendt armen, 

Die mich im hertzen thut erbarmen. 
25 ledoch kan es nit anders sein. 

Ich darff sie ie nit nemen ein, 

Sonst so wurdt mich das volck drumb straffen. 

Vor unmut schreit mein hertz laut waffen, 
[K 3, 1,372] Mag weder schlaffen, trinckn noch essen, 
so Ich kan deß unfals nit vergessen. 

Nun ist ie mein gemahel zart 

Von guter tugentlicher art 

Daher von könig Davids stam 

Von frommen eitern beidensam, 
35 Von Joachim und Anna worn 

Ehlich auff dise weit geborn, 

Die sie auch in blüender jugendt 

Auff Gottes volck Sitten und tugendt 

In aller zucht haben auff zogen. 
40 Ach Got, wer hats also betrogen? 



177 

Wena ich dran denck, gebt mir mit schraertz 
Ein stich auß durch mein betrübt hertz. 
Wil daher schmucken mich ein stundt, 
Ob ich meins laids vergessen kundt. 

Joseph setzt sich und entsehlefft. Der engel Gabriel kombt 

und spricht : 

Hör zu, Joseph, du sehn Davidt! 

Mit dir sey der ewige friedt! 

Furcht dich nit, zu nemen zu dir 
10 Mariam, dein gemahel, schier! 

Wann was in irm leib ist entpfangen, 

Ist durch den heilign geist zu gangen 

Und sie wirt einen söhn gebärn, 

Der sol Jesus genennet vTern, 
15 Wann er wirt sein volck in den Sachen 

Von iren Sünden selig machen. 

Der engel geht ab. Joseph erwaoht, hebt seine hendt aufiP, 

sieht gen himel und spricht: 

Herr Gott, dir sey lob, ehr im thron, 
20 Das du solch wunder hast gethon 

Deinem volck Israel auß gnaden! 

Hast mich auch meiner sorg entladen, 

Wann ich thet ie diser jungkfrawen 

Allmal guts und bessers vertrawen. 
25 Wiewol sie ie groß schwanger gieng 

Und augenscheinlich war das ding, 

Noch kundt ich in dem hertzen mein 

In keinem weg ir feindt gesein. 

Mein hertz mir weinet tag und nacht, 
30 So offt ich nur an sie gedacht. 

Trug doch solchen schmertzen gedultig. 

Mein hertz sagt stäts: sie ist unschuldig, 

Wiewol ir iederman zu thet messen, 

Sie het sich gar gröblich vergessen. 
S5 Nun erfindet sich an dem ort 

Durch den engel und Gottes wort. 

Das sie gentzlich unschuldig sey, 

Sonder sey Gottes gscheffte frey. 

Deß ist mein hertz fro uberauß. 

Hans Sachs. XI. 12 



- 'r* ^".^^ Till " •r'^^rr -.ii»-- • -«J*" 

r^ n. *ir ^^'* r*»" Si-Ti ■^■:.:'r5:i-r iie:a 



«•ifie^ix 2*!fc: 1.1. 



1 '- -^ n 






JH-^um» .*.!» A^4Ai 3C«« * T.^'_i^ ^ «~-.>i>kasc>i. 

Ad? i-rii "JT^z i:«?:- kiiilciz rejsln- 

t; Joseph spneh;: 

Nor., wi? Go: T^iL lüs^lb rischecli! 
Doc?i ir.öü wir die :::Tt richten an6- 
Weil '^ir =iLdt vor. desi stani and hanb 
David i^. darnmb in öl» wir rsp 
26 Anff die äcLatznn?, da iedemian 
KpicLeir.en maß anff zeit ui.d frist. 
Das docli die erste Schätzung isr. 
Welche ans die Römer anflegen. 

Maria spricht: 

30 Nun, ich wil auch mit sein dargegon. 
iMf;in lieber gmahel, weil es muß sein, 
80 gib ich mich auch willig drein, 
Wil mit ncmen tüchlein und winde], 
Ob »ach wer, und das icli das kindel 



l 



179 

Auflf diser raiß etwan gepär, 
Das ich darzu gerüstet wer. 

Joseph spricht : 

Ja, mein gemahel, du thust recht, 
5 Wann zu Bethleem muß wir schlecht 
Hausen in einem öden stall, 
Wie ander arme gest zumal. 
Nun schick dich ! so wöl wir auff sein 
Mit den andern geferten mein. 

Maria UTindJoseph gehen ab. Die zwen hirten kommen. Arnos 

spricht : 

Baruch, wie ist die nacht so liecht, 
Das man schier wie heim tag gesicht! 
Dergleich hab ich vor nie gesehen. 

15 Baruch, der hirrt, spricht : 

, Arnos, ich mag dergleich auch jehen. 
Schaw! wie geht auff ein glantz in dem 
Stettlin dort in zu Bethleem! 
Darinn ligt heiut manch frembder gast, 
20 Der sich die Römer schätzen last. 
Mich dunckt, ich sech die morgenröt. 
Nach der die helle sonn auffgeht, 
Und ist doch kaum umb mitternacht. 

Arnos, der hirrt, spricht: 

25 Ja, ich hab auch darauff groß acht. 

Nun es ist ie an diser stat 

Erst umb den andern hanenkrat. 

Mich dunckt, der schein noch klarer wer. 

Und sehet sich baß zu uns her. 
30 Darob ich gleich entsetzet bin. 

Baruch, der hirrt, spricht: 

Ja, rath! wo wöl wir fliehen hin? 
Wann ich förcht mich auch ubermaß. 
Weil uns der schein ruckt neher baß. 
86 Schaw, schaw! mich dunckt, wie in dcrmitt 
Deß glantz Gottes engel her tritt. 

12* 



180 

Arnos, der hirrt, spricht: 

Ach, erstnhat mich der engel schrecken. 
Komb! laß ans schlieffen in die hecken 
Und uns vast verbergen vor im, 
6 Eh wir sterben vor seiner stim! 

[A 3, 1, 185] Der engel kombt und spricht : 

Ir hirrten, fürchtet euch gar nicht! 
Wann grosse freudt ich euch bericht, 
Die allem volcke mit begierdt 
[K 3, 1,374] Auflf erden widerfaren wirdt, 

Wann heut ist der weit haylandt geborn, 
Christus, der Herre außerkoni. 
In der statt David Betlileem. 
Habt euch zu eim zeichen nach dem: 
15 In einer krippen ir das kindt 
In Windel eingewickelt findt. 
Gott sey lob in der hoch ewig 
Und der friedt sey auff erdterich 
Und dem menschen ein wolgefallen 
so Sey ob den Gottes gnaden allen! 

Der engel geht ab. Arnos, der hirrt, spricht: 

Hör, hör! wie erklinget so schön 
In der hoch das englisch gethön. 
Die auf fahrn gen himel! nach dem 
«6 Wöll wir nein gehn in Bethleem 

Und wollen die geschieht besehen, x 

Die uns der engel hat verjehen. 
Wie der war haylandt sey geborn. 

Baruch, der hirrt, spricht: 

30 Ja, so schaw wir das kindt erkorn. 
Baldt wir haben gesehen das, 
Wöl wir wider gehn unser straß 
Zu unsern schafen auff die weidt 
Und verkünden die grossen freudt. 

35 Was wir haben ghört und gesehen, 
Das wöl wir iederman verjehen. 
Wie das geborn sey der heylandt, 



181 

Wellicher Christus ist genandt. 

Got dem sey rum, preiß, ehr und lob, 

Deß gut schwebt immer ewig ob! 

Die hirten gehen ab. Maria unnd Joseph bringen das liindt. 
5 Joseph spricht: 

Nun wolt ich ie auch wissen gern, 
Was wirt auß disem kindlin wem. 
Wunderbar es entpfangen wurdt. 
Wunderbar ist auch sein gehurt. 
10 Darob die engel freude betten. 
Wie uns die hirten sagen theten, 
Die wider sindt gangen heimwertz. 

Maria spricht: 

Ich hab behalten in mein hertz 
15 Gar alle dise werck und wort, 

Die ich von hirrten hab gebort. 

Und hab sie auch bewegen wol, 

Was auß disem kindt werden sol, 

Nemlich der gantzen weit haylandt, 
20 Den Got auff erden hat gesandt. 

Nun heut ist gleich der achte tag, 

Das wir nach deß gesetzes sag 

Das kindt sollen beschneiden lassen, 

Das mir doch schwer ist ubermassen, 
25 Das es so baldt sol blut vergiessen. 

Joseph spricht: 

Ja, das kindt wir nit änderst Messen, 
Denn Jesus, wies der engel zart 
Nendt, eh das kindt entpfangen wardt, 
so Wann es wirt ie nach disen sachen 
Sein volck von Sünden selig machen. 
Das wirt sein ampt auff diser erdt. 
Nun komb, wie das gesetz begert. 
Daß das kindlein beschnitten werdt! 

85 Sie gehen mit dem kindt ab. 



[K3, 1,375] Actus 7. 



182 



Simeon , der alt , geht ein und redt mit im selb und spricht : 

Ich bin der alte Siraeon. 

Lange zeit ich gCAvartet hon 

Auff den liebling trost Israel. 
5 Mir wart ein antwort in mein scel 

Von Got, dem heiligen geist, 

Ich solt nit sterben allermeist, 

Biß ich den haylandt het gesehen. 

Nun thet der heilig geiste jehen, 
10 Hent solt ich in den tempel gehn, 

So wurdt icK warhafft sehen den. 

Maria unnd Joseph bringen das kindt und zwo tauben in eim 

körblein. Maria spricht: 

Weil heut ist meinr reinigung tag, 
15 So komb wir nach deß gsetzes sag 

Zu Jerusalem in dem tempel, 

Da wir nach heiligem exempel 

Das kindt dem Herren stellen dar, 

Das gheiligt sey dem Herrn klar 
20 Und opfern ein bar turteltauben. 

Darmit löß wir das kindt in glauben, 

Welcher denn ist der erst geborn, 

Wie im gsetz ein geleibt ist worn. 

Der alt Simeon nimbt das kindt auff seine arbm unnd spricht : 

25 Nun laß du, Herr Gott, deinen knecht 

Im fride dahin farcn schlecht 

Nach deinem wort, wie du hast jehen ! 

Mein äugen habn dein haylandt gsehen, 

Wellichen du bereitet hast, 
3) Vor allem volck ein Hecht und glast 

Zu erleuchten die haiden hell 

Zum preiß deinem volck Israel. 

Joseph spricht: 

Das sind gar wunderbare wort, 
35 Die wir vom kindt haben gehört. 

Simeon segnet sie unnd spricht : 



183 

Auff ench so sey der Gottes segen 

letzunder und hernach allwegen! 

Dir, weib, dir sag ich auch zu letzt: 

Diser dein söhn der wirt gesetzt 
5 Zu einem fal und aufferstan 

Viler in Israel fortan, 

Wirt auch zu einem zeichen wol, 

Dem widersprochen werden sol, 

Und es wirt noch ein schwerdt dein seel 
10 Durch tringen vor hertzleides quel, 

Auff das viler hertzen gedancken 

Werden offenbar durch solch zancken. 

Hanna, die prophetin, tritt hinzu, nimbt das kindt von Simeon 

auff ihren arbm unnd spricht : 

16 Und ich Hanna, ein prophetin, 

Durch den geist ich berichtet bin, 

Daß das kindt sey der war haylandt 

Von Got auff erden her gesandt. 

Auff den h«ab ich gewart im tempel 
20 Mit fasten, betten, gutem cxempel, 

Ein witfraw vier und achtzig jar, 

Biß ich erwartet hab fürwar 

Auch dise selig reiche stundt, 

Das ich den waren haylandt fundt, 
25 Von dem die propheten gar weit 

Haben klärlich gepropheceyt, 

Wie das er noch zukünfftig sey. 
[A3, 1,186] Der ist ietzundt kommen herbey. 
[K 3, 1,376] Das sey warhafftigklichen kundt 
30 Allen, so alhie warten thundt 

Auff die erlösung Jerusalem! 

Den lasset euch sein angenem! 

Das kindlein ist warhafft der recht 

Trost gantzem menschlichen gschlecht. 

Maria nimbt das kindt unnd Joseph setzt die tauben auff den 
altar, knien beide nider mit aufgehaben henden. Ismael, der 

priester, spricht: 

Hör, Caleph, lieber freunde mein, 
Sol dises kindt der heilandt sein. 



184 

Baryon so klärlich hat geredt 

Esaias, der groß prophet, 

Spricht: Ein kindlein ist uns geborn, 

Ein söhn ist uns gegeben worn, 
5 Deß reich ist auff seinr achsel gar, 

Er Wirt genennet wunderbar, 

Ein rat, ein krafft und starcker heldt, 

Ein ewig vatter außerweit 

Und ein friedfürst, auflf das auif erdt 
10 Sein herrschaift groß und mechtig werdt 

Und seines friedes wert kein endt 

Auif dem thron und im regiment, 

Das er rieht mit gerechtigkeit 

Von nun an biß in ewigkeit. 
15 Hoff, das kindt sol derselbig sein. 

Caleph spricht: 

Ismael, lieber freunde mein, 

Weil nun ietzundt die zeit ist kommen, 

Das der zepter ist hin genommen 
90 Von Juda sampt dem königreich, 

So ist warhaift zukünftig gleich 

Sylo, der lieldt und haylandt wol, 

Der Israel erlösen sol. 

Nun glaub ich wol, das der mag sein, 
25 Weil von im zeugen uberein 

Die heilign leut, so allermeist 

Durch einsprechen deß heilign geist 

Im als dem haylandt zeugnuß geben, 

So glaub ich auch warhafftig eben, 
30 Das er der wäre haylandt sey 

Nach laut vil alter prophecey. 

Lob sey Got, der uns hat gesandt 

Christum, den einigen haylandt! 

Joseph und Maria stehn auff von dem altar, nemen das kindt. 

Maria spricht: 



85 



Weil wir haben volendt zu letz 
Unser opfer nach dem gesetz, 
So wöl wir wider raisen drat 
Hinheim in unser geburt-stat, 



185 

Daß das kindt zu nemb in weißheit 
Vor Got und menschen alle zeit, 
Starck im geist und genadt bereit. 

Sie gehen alle ab. 

» Actus 8. 

Der könig Herodes geht ein mit seinem herolt, setzt sich und 

spricht : 

Heut werden wir gericht halten 
Mit den raten, jungen und alten, 
10 Die werden kommen all^zumal 
Her auff den königklichen sal. 
Auff die wir ietzundt warten than. 
Geh, herolt! schaw, wer klopfet an! 

Der hei'olt laufft, kombt wider unnd spricht: 

15 Es sindt magos von Orient, 
[K3, 1,377] Durch die das gstirn wirt erkendt. 
Den steht zu deinr mayestat beger. 

Herodes spricht: 
So geh und laß sie für mich her! 

Die drey weisen kommen. Casper spricht: 

Auß ferrn landen von Orient 

Hahn wir ein newen stern erkendt, 

Dardurch uns ist anzeiget worn 

Ein newer Juden köng geborn. 
25 Den komb wir her zu betten an. 

Wölln im auch unser opfer than. 

Sindt kommen gen Jerusalem, 

Dein mayestat zu fragn nach dem, 

Wo wir den könig sollen finden 
30 Unter den new gebornen kinden. 

König Herodes spricht: 

Thut ab in ewer herberg gehn! 
So wil ich baldt schicken nach den 
Hochpriestern und den schrifftgelehrteu, 



\ 



18»j 

VersteniiigCD und hochgeertcn. 
Bey den wil ich die sach erfragen 
Und euch das endtlich wider sagen. 

Die drey ma^ gehn ab. Der konig Herodes spricht sam 
5 ehmholdt : 

Gefa, ehmholdt! bring die Phariseer, 
Hochweisen und die schrifft-versteher ! 

Der ehmholdt geht ab. Herodea apricht: 

Soli ein newer Jnden köng kommen, 
10 So würt mir das königreich gnommen. 
Ich wil so vil list greiffen an, 
Das ich sollichs mQg nnterstan, 
Das ich ein köng der Juden bleib, 
Kein ander mich mit gwalt vertreib. 

Eleaaama, der hoehpriester, und Mose, der rabi, kommen. He- 

rodes spricht: 

Ich hör wnnder-erschröcklich mär. 
Es sindt drey magi kommen her. 
Nach eim newen Jaden köng fragen. 
20 Sein stem sey in vor knrtzen tagen 
Erschienen. Sindt kommen, zn betten an, 
Und wöUn im ire opfer than. 

Eleasarus, der hochpriester, spricht: 

Das wem gar erschröckliche sachen. 
25 Er wnrdt im land ein auffrur machen, 
Wenn er mit gwalt nem in die hendt 
Das königkliche regiment. 

König Herodes spricht: 

Sagt mir! wo soll geborn werden 
30 Christus, ewer messias auflF erden? 
Was sagn ewer propheten darvon? 

EleasaruB, der hochpriester, spricht : 

Vil alt Propheten zeigen an, 
Christus, der könig auüerkora, 
M Der werdt zu Bethlehem geborn. 



187 

Die statt ligt im jüdischen landt. 

« 

Herodes spricht : 

[A3, 1,187] Wie ist dann der prophet genandt, 
Welcher darvon geschrieben hat? 
5 Sagt, wie in seinen büchern statt 

E 3, 1, 378] Mose , der rabi , spricht : 

Micheas so heist der prophet. 

In seinem fünfften also steht: 

In Judea du Bethleem 
10 Bist mit nicht die kleinest in dem 

Unter den forsten Juda weit, 

Wann es sol gar in kurtzer zeit 

Mir ein bertzog kommen auß dir. 

Der mein volck Israel regier 
15 Und herr in Israele sev. 

So beschleust er sein prophecey. 

Herodes spricht: 

Nan geht nur ab and schweiget stil! 
Die sach ich anterkommen wil. 

I>ie gelehrten gehen ab. Konig Herodes spricht: 
Geh! heiß die magi zn mir kommen! 

Der elmholdt geht ab. Der könig redt mit im selbs und sprielit : 

Weil ich nan hab die sadi rernommen. 
Das Jerusalem die-gantz statt 
23 Deß ne^en köogs ein schreeken hat, 
Wil ich die sach mit listen enden. 
Darzo mit gwaH and blatign henden. 



Die magi kommen unnd naSgen sieh. Konig Herodes spr &ri h t: 

Ich hab üeimf^ nachvorschet dem. 
M Ziehet in die stat Bethleem! 

Da findet ir den newgeboren 

KOnisf der Juden au[>erkoro. 

Den bett an! ziecLt denn widentmb! 

Zeigt mir den an. das idb aoeb knmb« 
» Ihm (»pfer und ihn bette an, 



188 
Ihn als ein könig ehren than! 

Die mag! neigen sieh unnd srehen ab. Der könig redt mit ihm 

selbs unnd spricht: 

Kombt ir wider von Bethleem 
5 Vom newen Juden köng, nach dem 
Wil ich euch alle würgen lassen, 
Den newen könig auch dermassen, 
Wo sie in zeigen, auch umb bringen. 
Zuvor kommen den schedlichn dingen. 

Der könig stehet auff unnd gehet ab. Die drey magi khommen. 

Walthasar spricht: 

Schawt aufif! und secht ir nit von ferrn 
Vor uns hin gehn den newen stem. 
Den wir sahen in morgenlandt? 
15 Secht! dort ob jenem hauß zuhandt 
Da steht er still, da wöl wir ein. 

Melchior spricht: 

Ja, es Wirt der recht stern sein. 
Das ist ein wunder uberauß. 
20 Sol denn in dem eilenden hauß 
Der new geborn könig liegen 
Und sich in solcher armut schmiegen? 

Die magi gehen alle drey ab. Joseph geht ein mit Maria und 

dem kindt unnd spricht: 

25 Maria, gar wol ich spür: 
[K 3, 1,379] Etlich frembdt leut sindt vor der thür. 
Ich will sie gleich lassen herein. 
Mich dunckt, wie es weiß magi sein. 

Die magi gehn ein. Caspar feilt auff seine knie, opfert golt 
80 unnd spricht: 

Du könig aller könig reich. 
Dein gotheit ich dem goldt vergleich. 
Das goldt thu ich dir presentiem. 
Wann du wirst ewigklich regiern. 

Balthasar, der ander, kniet nider, opfert den Weyrauch und 

spricht: 



189 

Den Weyrauch ich vergleich die zeit 
Der deinen menschheit tödtligkeit. 
Darinn wirst menschlich geschlecht lehrn, 
Das heil und Gottes reich zu mehrn. 

Celchior, der drit , feilt auff seine knie , opffer mirrhen unnd 

spricht : 

Den mirren opfer ich dir gleicli. 
Deut dein leiden auif erdtereich, 
Dardurch du bringen wirst zu recht 
10 Zum hail gantz menschliches geschlecht. 

Der engel kombt und spricht: 

Lencket nit zu Herodi wider, 
Sonder ziecht ein andre straß nider! 
Wann er tregt heimlich tödtlich haß. 
15 Gott belait euch heim ewer straß ! 

de magi neigen sich dem kindt und gehen ab. Joseph sitzt 
und natzt. Der engel kombt wider unnd spricht : 

Joseph, Joseph, steh auif geschwindtl 

Nimb die mutter und auch das kindt 
20 Und fleuch hin in Egyptenlandt ! 

Wann es ist letzt schon vor der handt, 

Das köng Herodes on schamroten 

Suchet das kindelein zu tödten. 

Nicht wider in Judea kumb, 
25 Biß ich dirs sage widerumb! 

er engel geht ab. Joseph fehrt auff, reibt die äugen und 

spricht : 

Ach, wo sol wir hin bey der nacht? 
Ach, wer het deß Unglücks gedacht? 
so Wie könn wir in Egyptenlandt? 
Die Strassen sindt uns unbekandt, 
Auch unsicher von wilden thiern 
Und mördern, die drinn umb refiern. 
Auch ist sehr mechtig ferr darein. 

35 Maria spricht: 

Got der wirt unser gleitzman sein, 



190 

Uns zeigen weg und anch die Strassen, 
Wann er wirt die sein nit verlassen, 
Sonder sein engel mit uns senden, 
Der uns beschütz an allen enden. 
5 Darumb steh auff on alle rhu 
Und rieht uns baldt den csel zu, 
Der mich und auch das kindt thu tragn! 
Wir wölln auff sein, eh es thut tagn. 

Joseph spricht: 

[A3, 1,188] Dieweil wir nun wegfertig sindt, 

So seug ein weil dein liebes kindt, 

Biß ich den esel füttern thu 

Und auff die raiß in richte zu, « 

Auch mit nem , was nottürfftig sey 
15 Zu der unwegsamen wüsteney, 
[K 3, 1,380] Dardurch wir müssen alle dreyl 

Maria saugt ir kindt, küst es. Gehn darmlt eillendt ab. 



Actus 9. 

Herodes, der könig, geht ein mit seinen priestern und rabi 
20 und spricht: 

Die magi kommen langsam nach dem 
Widerumb her von Bethleem, 
Wann sie verliesens, eh sie hinzogen. 
Ich furcht, ich sey von in betrogen. 
25 Sie solln wol sein gewarnet wora, 
Das ich sie wer in grimmen zorn 
UiAbbi-ingen, wenn sie widerkommen. 
Wie ich hab entlich für genommen. 

Der postbott kombt, neigt sich unnd spricht: 

so Durchleuchtiger köng, dir lest ansagen 
Der pfleger, das vor siben tagen 
Die magi sindt verrucket da 
Von Bethleem in India 
Durch die wüsten, nit die landtstraß. 

21 ? kommn. 



191 

Der könig spricht: 

Es hat mich wol geantet, das 
Uns nach zu eiln wirt nit tügen, 
Weil wirs nit mehr ereiln mügen. 

5 Ey, het wir sie nur vor umb bracht! 
Ich hab die sach nit recht bedacht, 
Das ich nit hab an dises endt 
Zwen kundtschaffter mit in gesendt, 
Die hetten auß kundtschafft geschwindt 

10 Das ne\y geborn königs-kindt. 

Wie könn wir ietzt dasselbig finnen? 
Gebt rat! thut den Sachen nach sinnen, 
Wie dises kindt zu finden sey! 

Eleasarus, der hochpriester, spricht 

15 Herr könig, so rat ich darbey: 
Wenn du schickest etliche knecht 
Gen Bethleem, das außgespecht 
Wurdt durch sie, wo der new geborn 
Juden könig leg außerkorn, 

20 Denn ließt in holen mit gewalt. 
Denn müchst du mit im dcfr gestalt 
Handien, wie dir gefellig wer. 
Darmit kembst ab der sorgen schwer, 

Mose , der rabi , spricht : 

25 Ja, du gehst wol ein weisen rat, 
Wie wenn das kindlein in der stat 
Verhalten wurdt, das niemandt west, 
Weder mitburger noch die gest, 
Wo der newgeborn könig wer, 

30 Das etwan gar heimlich leg der 
On allen pomp, hoffart und pracht. 
Das gar niemandt aufif in het acht. 
Sag, wie man denn möclit finden ihn! 

Ber könig spricht: 

35 In grimmen zoren ich entbrinn. 
Kan ja nit volgen deinem rat. 
Sonder in Bethleem, die statt, 



192 

Und auch in ire grentz herumb 

So wil ich schicken umb und umb 

Mein trabanten und meine knecht 

Mit gwehrter handt nach krieges recht, 
5 Das sie einfallen mit gewalt 

Und die kneblin zweyjärig alt, 

Auch darunter, sollen erstechen, 

Würgen und ire heiß ab brechen 
[K 3, 1,381] On all mitleiden und erbarmen, 

10 Beide den reichen und den armen. 

Verschonen weder klein noch groß, 

Den müttern reissen von der schoß. 

Von den brüsten und auß der wiegen. 

Wo sie sitzen, stehn oder liegen, 
15 Wenn man ein kindt verhalten hab. 

Das man es such und laß nit ab, 

Biß man alle knäblin umb bring. 

Denn sorg ich nit, das mir mißling. 

Das unter diser kindlin sum 
20 Der Juden könig auch umb kum 

Und muß also sein junges leben 

Von meim gewalt sein geist auff geben. 

Nun wil ich gehn schicken die knecht, 

Den anschlag auß zu richten recht, 
25 Eylendt, eh das man die geferdt 

Dort zu Bethleem innen werdt. 

Sie gehn mit dem könig ab. Drey jüdische weiber stehen ein» 
tregt iede ein kindt am arbm. Mara spricht: 

Sara, heint hat getraumet mir, 
30 Wie das mein kindlein und auch dir 

Dein junger söhn gefallen wer 

Auß meinem hauß durch ein fenster 

Auff die gassen beide zu todt. 

Da lieff wir zu in diser not, 
35 Wunden die hendt, rauften die har 

Und schlugen unser brüst fürwar, 

Beweinten hertzlich unser kinder. 

Sara, das ander weib, spricht: 
Mein Mara, mir hat nicht dest minder 



193 

Heint traumbt, wie in deß walts refier 
Kern ein grawsam und wildes tliier 
Und zuckt mir mein son auß den armen 
Und würget in o'n als erbarmen 
5 Vor mein äugen; also ich stuhnd 
Erschrocken, im nit helffen kundt, 
Biß in die bestia erbieß, 
Sein zart leiblin in stuck zerrieß, 
Loff hin, ließ liegen in im bliit. 

10 Im schlaff weint ich, war ungemut. 
Und im schrecken ich auff erwacht, 
Gab im ein kuß und mir gedacht: 
Mein lieber söhn, behüt dich Got 
letzt und all zeit vot aller not! 

15 Was halt solch schwerer träum bedeut? 

Kebecea, die dritte flfaw, spricht: 

Sara, frü vor tag ich heut 

Het auch ein grawsam schweren träum. 

Wie ich seß unter einem bäum, 

20 Bey mir mein söhn leg in dem graß. 
Heimlich zu im her knechen was 
Ein grosse schlang, die mein söhn hecket. 
Zuband todt krailck mein son sich recket 
Und vor meinen äugen verschiedt. 

«5 Deß ich so grossen scbmertzen litt. 

Mich daucht, vor leid mein hertzwolt brechen. 
Als ich erwacht, thet ich außrechen, 
Das man auff der trewme gesiebt 
Solt gentzlich halten nichte nicht, 

30 Dieweil die treum doch kommen nur 
Von einfluß der complex-natur 
Und von nach-dencken aller-meist. 

Mara, die erste fraw, spricht : 

Rebecca, man sagt, deß menschen geist 
[K3, 1,382] Gegen tag offt fürbildet frey, 
[A3, 1,189] Was dem menschen zu-künfftig sey. 

Doch Got uns durch sein niiltc glU 

36 fUrbilde. 
Hans Sachs. XI. 13 



194 
Unser söhn vor übel behüt. 

Bie zwen knecht fallen ein. Der ein nimbt der Mara ihr kindt, 
durchsticht und wiirfPt es hin. Sie schlecht ir hendt ob dem 

kopff Busamen unnd spricht : 

5 Ach zetter, waffen, angst und weh! 

Nun mrt ich frölich nimmer meh. 

Ach weh, mein hertzen-lieber sahn, 

Mein trost, mein freudt, einige wnn! 

Liegst du ietzt vor mir und bist todt, 
10 Gewaltzelt in deim blute rot? 

Mara hebt ir kindt auff , küst das. Sara laufft der thür zu 
mit ihrem kindt. Diekneoht lauffen ihr nach. Der erst knecht 

spricht : 

Laß uns nur da das kindlin baldt, 
15 Das wirs auß königklichera gwalt 
Tödten! Es hilfft alhie kein flucht. 

Sara schreit: 

mordio, weh meiner frucht. 
Die ich hab unter meim hertzn tragen! 
20 Vor hertzenleidt möcht ich verzagen. 

Rebecca verbirgt ihr kindt in den gem. Der ander knecht 

spricht : 

Gib her! dein söhn er muß auch sterben 
Oder du must mit im verderben. 
25 Woltst du deß köngs gwalt widerstrebn? 

Rebecca feilt auflT ire knie unnd spricht : 

laß mir meinen söhn nur lehn 
Und erwürg mich selber für in! 

Der knecht reist das kindt bey dem kopff von ir, stößt sie 
so hinweg und spricht: 

Leich mirs kindt her und geh du hin! 
Ich hab nichts zu schaffen mit dir. 
Fleuch ! troll dich ! geh dein weg von mir ! 

Er schlecht das kindt an ein wandt, durchsticht es» lest es 
3$ liegen. Der erst knecht spricht: 



195 

Komb ! laß uns eillendt gehn geschwindt, 
Mehr suchen der jüdischen kindt, 
Das ^ir sie würgen und erstechen! 
Sonst wurdt es der köng an uns rechen. 

Die henokerknecht gehen ab. Rebecca hebt ir kindt auff und 

spricht : 

Ach, wer gibt unsern äugen zäher, 

Das wir mögen beweinen näher 

Unser kleine seugende kindt, 
10 Die so ellendt ermordet sindt 

Von köng Herodi, dem bluthuudt? 

Erfüllt ist worden auff die stundt, 

Das Jeremias, der prophet. 

Vor langer zeit weissagen thet: 
15 Auff dem gebirg in disen tagen 

Hört man hewlen, weinen und klagen. 

Rachel beweint ir kindt dermassen. 

Wolt sich auch gar nit trösten lassen, 

Die weil es gar auß war mit im. 

[E 3, 1, 383] Mara, die Jüdin, spricht : 

Ach Got, Yol hertzenleidt ich bin. 
Weiß gentzlich nit, was ich sol thon. 
Ach, du mein hertzenlieber söhn, 
Wie hast du dein unschuldig leben 
25 Durch disen tyrannen auffgeben! 
Ach Got, das hertzleidt unser armen 
Laß dich in deinem reich erbarmen, 
Unser kinder kläglichen todt! 

Sara spricht: 

30 Nun, die räch muß wir lassen Got. 

Der Wirt das mort am wütrich rechen. 

Sein leben im darumb ab brechen, 

Weil unser kinder sindt gestorben 

Und eins eilenden todts verdorben, 
35 Die wir nit mögen widerbringen 

Mit trawern und klagbaren dingen. 

Irs lebns wir kein hoffnung mehr haben. 

So kombt! last ire leib begraben 

13* 



196 

Und aufschlagen das hertzenleidt, 
Weil iren seein ist bereit 
Die Arendt ewiger Seligkeit. 

Die weiber tragen ihre kinder zugedeckt jnit weinen ab. 13er 
5 ehmholdt beschleust: 

So habt ir gehört die histori, 

Welche dienet zu Gottes glori. 

Auß der kindtheit Jesu Christi, 

Unsers haylandts, so lehr wir hie, 
10 Sol der auch in uns hie auff erden 

Geistlicher weiß entpfangen werden, 

So muß uns Got auch schicken her 

From gotselige prediger, 

Die bey dem engel wern erkandt, 
15 Die uns verkünden den haylandt 

Durchs heilig evangelion. 

Und wenn wir hertzlich glauben dron, 

Als denn wir auch Christum entpfangen 

Geistlich im hertzen mit verlangen. 
20 Als denn den edlen schätz wir tragen 

In irrden gfessen und dancksagen 

Got auch mit worten und mit leben, 

Sein wort im auch außbreiten eben, 

Dardurch Christum gebären schon, 
25 Bekennen in vor iederman 

Mit gutem christlichen exempel. 

Darmit opfern wirn in den tempel. 

Auch opfern wir mit willigem mut 

In sein handt seel, leib, ehr und gut, 
80 Suchen sein ehr an allem endt. 

Wie die weisen von Orient. 

Baldt soUichs mercket der Sathan, 

So erschrickt er gar hart darvon ♦ 

Und darzu alle seine glieder, 
85 Stellen sich tyrannisch darwider, 

Wie Herodes, mit list und mort 

Zu dempfen Gottes heiligs wort. 

Darob erwürgn mit gwalt und listen 

Gar vil der unschuldigen Christen 
40 Geleich den unschuldigen kinden, 



197 

Wo sie deß Satbans glider finden, 
Sie hencken, trencken und erschlagen, 
Verbrennen oder ins ellendt jagen, 
So trawert denn darob in Icidt 

9 Auch die mutier der Christenheit 
Anß mitleiden, also wir denn 
Durch trübsal auch müssen eingehn, 
Wie Christus, hie nach diser zeit 
In die ewigen Seligkeit, 

10 Da ewig freudt uns aufferwaclis 

Mit Christo, wünschet uns Hans Sachs. 

[K3,l,384] Die person in die tragedi: 

1. Der engel Gabriel. 

2. Maria, die mutier Christi. 
15 3. Joseph, ir gemahel. 

[A 3, 1, 190] 4. Zacharias, der vaiier Johannis. 

5. Elisabet, sein gemahel. * 

6. Ismael, ein priesier. 

7. Caleph, ein nachbawer Zacharie. 
20 8. Arnos, 

9. Baruch, zwen hyrdten. 

10. Simeon, der alt. 

11. Hanna, die prophetin. 

12. Ehmholdt. 
25 13. Caspar, 

14. Walthasar, 

15. Melchior, die 3 weisen. 

16. König Herodes. 

17. Eleasarus, der hochpriester. 
so 18. Mose, der rabi. 

19. Mara, 

20. Sara, 

21. Rebecca, 3 mütter der unschuldigen kindlin. 

22. Der erst knecht. 
S5 23. Der ander knecht. 

24. Der postbott. 

Anno salutis 1557, am 16 tag Junii. 



}>»• 



Jrm^^miifinsvnm. lir mtiNilnlMirTrtiiilr 



2dflr ^enjuuMÖi »/"Ifte -frr.j zksöEi ücä inmfi 



£iuvl zx li*n. CH3S niL -riiiEffiiiDm 
i Junta i>;jT. ^ÜL mi£u>c 2e iibbeii. 

:ki JliiSi B:«riiei zi Acrscuiisst stet 

W/fflt JvLüi.: «gjTT.b frtii-ihBck her 
i; riflüi 5« ;i2: t3 s^ht^ r^bänftt. 
D^ h^nüi^ T33LL^ er kdalkb ^miku 
l^aMt aber JoLarsec s«nfesi «mrit 
J>d& k<^ eLbrediensdie irL 
fSaibb zimiDet gar nicfa: seiaera leib 
»» Herodias. seiss broders weib. 

I>ef» vardt gegn im enuündt ino haß 
Dasselb £idscb weib Herodias 
Unnd Tor dem könig in verklag. 
Als ir der könig das absagt, 
2s Da richtet sie ir tochter an. 
Über den unschnldigen mann 
Den köng mit listen zu betliöm. 
Das er Jobannem ließ ermOm. 
Nun schweiget still! so werdt irs hörn. 



199 



[K 3, 1, 385] Herodes, der könig, tritt ein, setzt sich und spricht : 

Mir ist vom römischen senat 

Eingeben köngklich mayestat. 

Aller gwalt steht inn meiner handt 
5 Als eim vierfürsten inn dem landt. 

Weil mir die götter wölln so wol, 

Ich in billich dancksagen sol. 

Nun zeiget mir Johannes an, 

Der tanffer, ein from heilig mann, 
10 Es sey ein einiger Gott allein. 

Es dunckt mich wol im hertzen mein, 

Er sag mir die lanttern warheit, 

Wiewol ich ietzandt diser zeit 

Mich auff sein lehr nit darff begeben, 
15 Weil ich die Römer förcht dameben. 

Den solche lehr zu-wider ist. 

Ich bleib, wie in voriger frist. 

Die königin Herodias tritt ein mit ihrer tochter unnd spricht : 
Sey grüst, du großmechtiger fürst! 



20 Nach deiner lieb mich allzeit dürst. 
Derhalben so hab ich dermassen 
Dein bruder Philippnm verlassen 
Und wone in freuden bey dir. 
Drumb bitt ich dich, du wölst auch mir 

25 Dein leib auch gant^s und gar ergeben. 

König Herodes spricht: 

Hertz-liebste, weil ich hab mein leben. 
So Wirt ich nit verlassen dich. 
Wers mtiglich, du müst ewigklich 

80 Bey mir wonen und ich bey dir. 
Dergleich sol auch dein tochter mir 
So lieb sein, als wer sie mein eigen. 
Ich will ir alle gnadt erzeigen, 
In allen stücken solt du sehen: 

35 Es Wirt sich gar baldt zu uns nehen 
Johannes, der from heilig mann, 
Der zeigt den weg der warheit an 
Und vermanet uns zu der büß. 



4 



200 
Dem man zum tbcil gehorchen muß. 

« 

Die königin spricht: 

Acb, was ficht mich Johannes an, 
Weil ich dich in genaden han? 
Du bist mein freadt und höchster schätz. 
Sein predig hat bey mir kein platz. 
Er sagt von einem newen glauben. 
Lest du mit werten dich betauben, 
So bist du leichtfertiger sinn. 



10 



König Herodes spricht: 

Ach schweig, hertz-liebe königin! 
Laß hören uns der warheit woit! 
Schaw! ietznndt kombt er eben dort, 
Dem wir doch ie zuhören sollen. 
16 "Wir thun darnach wol, was wir wollen. 

Johannes, der tauffer, kombt und spricht: 

Mensch, hör! ich bin die rüffet stim 
Inn der wüsten, das ich vor im. 
Dem Herrn, bereit sein weg zumal 

20 Und mach eben berg und die thal. 
Ich tauif mit wasser zu der büß; 
Aber der nach mir kombt, Christus, 
Derselbig ist weit über mich; 
Deß ich nit werdt bin, und das ich 

25 Ihm sol die seinen schuch nach tragen. 
Derselbig wirt euch nach den tagen 
Tauffen mit dem heiligen geist 
Und auch mit fewer aller-meist. 
i^erselbig hat auch an dem endt 

30 Die werflFschauifel in seiner hendt 
[K3; 1, 386] Und wirt den seinen tennen fegen. 
Den waitzen wirt er denn mit segen 
Einsammeln in die schewem sein; 
Aber die sprewer all gemein 

S5 Wirt er mit ewign fewr verbrennen. 
So er gefegt hat seinen tennen. 
Darumb würckt büß! die zeit ist kurtz, 
Die axt ligt an deß bäumen wurtz. 



201 

Drumb, welcher paum nit gut frucht bring, 

Wirt abgehawen aller-ding 

Und geworifen ins hellisch fewer 

Und verbrendt wie die lären sprewer. 

5 Der konig spricht: 

[A3, 1,191] Du, Johannes, zeig uns hie an, 
Was wir auff erden sollen than. 
Das wir auch entlich selig wern! 

Johannes neigt sich unnd spricht: 

10 Ja, herr könig, von hertzen gern. ; >y /Xv-^^' ' 

Merck! es zimbt gar nit deinem leiH ^ • y, \ v> O "| 

Zu haben deines bruders weib, I 

Wann es ist gar strax wider Got 

Und wider sein götlich gebot. 
15 Sprich ghrecht urtheil! thu dich erbarmen 

Der Witwen, waisen und der armen! 

Halt guten fiiedt im lande weit! 

Gelaub an den, der in der zeit 

Das evang^li wirt verkünden, 
20 Entbinden dich von allen Sünden! 

So wirst du selig nach deim endt 

In der gemeinen uresteudt. 

Herodes spricht: 

Johannes, du sagst war und recht. 
25 Du bist ein trewer Gottes knecht. 
Geh hin und komb wider zu mir. 
So baldt und ich schicke nach dir! 

Johannes geht ab. Der könig spricht: 
Sag! wie gefeilt dir der Johannes? 

80 Die konigin spricht: 

Er ist ein kundtschaffter meins mannes, 
Der unser lieb geren zertrennet, 
Wie man an seim gewesch erkennet. 
Drumb mag ich sambt meim frawenzimer 
15 Den genßprediger hören nimmer. 
Mich wundert, das dein mayestat 



202 

An disem mann gefallens hat, 

Der dich thut mit stichwortcn schmehen. 

Der könig spricht: 

Ach, er thut die warheit verjehen 
5 Und straffet unser süudtlich lehen, 
Barinnen wir täglichen kleben. 

Die königin spricht: 

Ich hab ein bitt (thust mich gewern?), 
Die ich dir will mit kürtz erklern. 
10 Was du anlegst an mich far bitt, 
WiLich dirs auch abschlagen nit. 

Der könig spricht: 
Was ist dein bitt? zeig mir die an! 

Die köngin spricht: 

15 Ich bitt, du wollest disen mann 
Deß galileischcn landts verjagen, 
Auff das er nit in kurtzen tagen 
Zwischen uns ein böse eh mach. 

Herodes, der könig, spricht: 

20 Herodias, schweig diser sach! 

Er ist ein from heiliger mann. 
[K3, 1,387] Ihm hecht das gmein volck alles an. 

Die schrifftgelehrtn sindt wider ihn nur. 

Ich solt baldt machen ein auffrur, 
25 Wenn ich den mann vertreiben wolt. 

Die königin spricht: 

Ich merck: du hast mich nit so holdt, 
Als ich dich hab, weil in der frist 
Diser schlecht mann dir lieber ist, 
30 Wann ich. Drumb fach ich so vil an, 
Biß ich außtreib den losen mann, 
Auff das ich sicher vor im sey. 



22 K hengt. 



203 

Herodes sprioht: 
Mein köngin, sey da sorgen frey 



Und laß mir auch zu frieden in!< 
Ich wil zu meim hofmeister hin. ■ 
Ob er bestellt hab auff dem sal ^ O'--^ 



Auff heut das kösjJidL abentmaL^ ^ 

Dieweil he¥t mein geburts-tag ist, f<P^ 
Darzu ich ludt vor langer frist \^ 

Die obersten und haubtleut da > 

10 Im gantzcn landt Galilea. ' 

Darzu hab ich bestellet vil 
Der woldönenden saitenspi), 
Auch etlich artlich höflich täntz. 
Auch mit gepreng und reverentz 

15 Muß man. rennen, stechen, thurniern. 
Auch muß man zu dem panckatiern 

Fackel und liechter qne zal 

Auffstecken auff dem köngklichn sal, 
All freudt und fröligkeit zu mehrn, 

20 Und das als nach köngklichen ehrn. 







Der könig geht auß, die köngln spricht: 

Schaw, tochter! unser sach stühnt wol. 

ledoch mein hertz ist sorgen vol, -/ ^^ 

Weil zu hof ist der unütz gauffer, / ^^ '~ 
25 Den man nendt Johannem, den tauifer. { l 

Ich furcht, er werdt mit seinem lehrn ^ 

Unsern herr könig gar verkern, 

Das er uns allbeidt von im stoß. 

0, wie stühnd wir so ellendt bloß 
80 In grossem ellendt, spot und schandt! 

Wir dörffen nit mehr heim zu landt. 

Nun, liebe tochter, rat darzu, 

Wie man doch disen Sachen thu; 

Das man durch liste in vertrieb! 

35 Die tochter sprioht : 

Weil in der kanig hat so lieb, 
Ob im helt, in nit wil vertreiben, 
AuflF das wir sicher vor im bleiben, 



hf^ 



204 

Ich rat: ladt in zu eim wol-leben 
Und thu im in dem wein vergeben 
rsiy Mit gifft! so komb wir sein gar ab. 

Die konigin spricht: 

5 Lang ich die sach betrachtet hab. 
Er trincket aber keinen wein, 
Behilfft deß wassers sich allein. 
Zu hof thut er gar nit mit schlecken, 
Ißt nur wild bönig und hewschrecken. 

10 Mit gifft kan ich im gar nit zu. 

Die tochter spricht: 

Fraw mutter, so merck darauff du! 
Wenn der könig ist am gejeid. 
So mach du heimlich ein bescheidt 
15 Und laß in die trabanten tödten! 
Laß in begraben! nach den nöten 
Stell falsch zeugn, samb sey er verdorben 
Und an einr schwern kranckheit gstorben! 
Dardurch wir vor im sicher wern. 

20 Die königin spricht: 

liebe tochter, ich het lengst gern 
[K 3, 1,388] Johannem heimlich hin gericht, 
Wo ich fürchtet den könig nicht. 
Der helt ob im und furcht in sehr. 

85 Das ist uns gfärlich dester mehr. 
Wie aber wir mit listen klug, 
Mit glimpf und einem guten fug. 
Mit wißn deß küngs in möchtn hinrichten. 
Darnach laß uns trachten und dichten! 

30 So unter-komb wir den unfal. 

Die tochter spricht: 

Fra^r mutter, wie, wenn ich zum nachtmal, 
Wenn heint der könig seß zu tisch 
Und wer von wein gantz feucht und frisch, 
35 Gieng zu im ein mit reverentz, 
Thet vor im etlich artlich täntz, 
[A3, 1,192] Wie ich vor offt hab than dergleich, 



■ \ 



205 

Das er mir sein halb königreich 
Offt hat verheissen gar gewiß? 
Wewi er mirs ietzt wider verhieß 
Vor den gesten mit eidcs pflicht, 
5 So kündt er mir versagen nicht, 
So ich bat das haabt von dem tauffer, 
Der seinem Got ist ein vorlauffer, 
Das man mirs her geh auflf einr Schüssel. 
Meinst nit, das wer ein gwiser schfüssel, 
10 Unser glück wol mit zu verwarn, 
Das als Unglück mit auß müst farn? 
Fraw mutter, wie gfelt dir der rath? 

Die königin Herodias spricht: 

tochter, nachvolg mit der that! 

15 Geh! schmück dich adelich und fein, 
Das du gefalst den äugen sein 
Und seinen herren all zumal! 
Wenn du vor in tantzt in dem sal, 
Artlich nach adelichem sitten, 

20 Mit seuberlich schwancketen (ritten, 
Dergleich mit hucken und mit neigen, 
Thu auffs holdseligst dich erzeigen! 
Auch im umbwenden und verdrehen 
Laß dich hurtig und höflich sehen, 

25 Mit stillem schwantzen wie ein pfab, 
Wie ich dich offt gelernet hab 
Von jugendt auff, o tochter mein! 
Wenn der köng und die geste sein 
Mit wein sindt truncken überladen 

30 Und er dich wie vor thut begnaden, 
Das er dich all des wöl gewern. 
Was du nur thust an in begern, 
So bitt denn, wie du hast gesagt, 
Umbs haupt Johannis unverzagt l 

35 So kan er dir das nit versagen. 

Die tochter spricht: 

Ja, ich komb nach unsern ratschlagen. 
Das bleib also heimlich bestehn! 
Ich wil ins frawen-zimmer gehn, 



206 

Mich lassen mit wolriecbcnden salben 

Und baisam schmieren allenthalben, 

Mich ziern und schmucken nach dem besten, 

Bas ich dem könig und sein gesten 
5 Sein hauptleuten und herren allen 

In iren äugen mög gefallen, 

Wenn sie mich tantzent ane blicken, 

Das Ichs müg fahen und verstricken 

Allsam in meiner lieb und gunst. 
10 Das wirt ie sein die rechte kunst, 

Das ichs all mach zu narrn und äffen. 

Die königin spricht : 

tochter, du bist recht geschaffen. 
Lebst, so Wirt auch ein fraw auß dir. 
15 Du schlechst mit aller art nach mir. 
Glück zu! geräts, so komb wir beidt 
[E3, 1,389] Darmit auß sorg und hertzenleidt. 

Die köngin und ir tochter gehen ab. Der könig kombt mit sein 

gesten unnd spricht: 

20 Seit willkommen, ir edlen herren 

Auß allen orten nach und ferren, 

In dem lande Galilea! 

Ich hab euch all bcruffen da 

Her aüff mein königklichen sal, 
25 Mit mir zu halten das nachtmal 

Auff den heutign geburtstag mein, 

Mit mir gantz freudenreich zu sein, 

Wie iedem geinstet sein hertz. 

Morgen so mag aber heimwertz 
80 Ein ieder kern wider zu hauß. 

Wenn der königklich hof ist auß. 

Die tochter branget hinein unnd spricht: 

Herr könig, ich komb her im besten, 
Ewer mayestat und ewern gesten 
85 Ein artlich fröligkeit zu machen 
Mit schönen höfelichen sachen, 
So es öwr mayestat gfellig wer. 



207 

Der könig spricht : 

Du außerweite, komb hie her! 
Mach mein herren ein guten mutl 
Wir halten dir all ding für gut. 

5 Die tochter tantzet. Der könig spricht: 

Secht, ir getrewen all geleich, 
Wie höflichen und adeleich 
Mit pracht, gebreng und revcrentz 
Braucht das jungkfrewlin seine täntz! 

10 Ach wie köngklich ist sie geziert, 
Gantz engelisch geliedmasiert, 
Wie innigklich, zart und gantz weiblich, 
Unaußsprechlich und gar unschreiblich ! 
Wem solt aber unter uns allen 

15 Die außerweit nit wol gefallen, 
Das sie im gleich eihüb sein hertz 
In lieb zu freuden, schimpf und schertz? 
Derhalb hast du vor meinem thron 
letzt das höchst wolgefallen thon. 

20 Derhalb, du himelisches bildt, 
Beger hie von mir, was du wilt, 
Biß an mein halbes königreich! 
Das wil ich geben dir geleich, 
Das sey bestätt bey meinem cidt. 

25 Die tochter spricht: 

Auf disen gnedigen bescheidt 
Danck ich köngklicher mayestat. 
Die mich reichlich begäbet hat, 
Sein halbes köngreich mir verpflicht. 

so Deß beger ich doch alles nicht. 
Sonder das man auff einer schüssel 
Mir geb das faanbt sambt seinem drttssel 
Johannis, den man nendt den lanffer. 
Ein verfürer, lotter und gauffer 

35 Deß gantzen lands Galilea. 

Herodes, der könig, spricht: 
Ach tochter, was begerst du da? 



208 



[K 3, 1, 390] 



Er ist ein from heiliger mann. 
Vorder etwas, das dir nützen kan! 
Was nutzt dir der unschuldig todt? 

Die toohter spricht: 

Nichts anders will ich habu bey Got, 
Hoff auch, mir werdt versaget nicht, 
Weil ewr maystat sich hat verpflicht 
Und verbunden mit hartem eidt. 

Der könig spricht : 



1 



10 Die that zu thun, bringt mir hertzleidt. 
Doch umbs gethanen eides willen, 
Darmit ich auch hie mög gestillen 
Meine pfleger, vögt und haubtleut 
Und all, so ich zu gast halt heut, 

15 So volstreck wir das dein beger. 
Nachrichter, du tritt zu mir her! 
Geh du nah in das unterst gfengknus, ? 
Darinn da ligt in angst und zwengknußl 
Johannes, der from heilig tauffer, 

20 Welcher ist deß Herren vorlauffer! 
Denselben rieht du mit dem schwerdt, 
Wie das mein tochter hat begert, 
[A3, 1, 193] Und gib ir das haubt auff einr schQssel! 
Da hast zum kercker du den schlassel. 

25 Geh hin! rieht in nach meiner sag! 



Der hencker spricht: 

Herr köng, ich hab zu thon ein frag: J^ 

Sol ich Johannem köpfen schlecht x^N^^''^ 

On alle urteil wider recht, 

Weil ewer mayestat im selb den rum 

Gibt, wie er sey heilig und frumb? 

Wölt ir vergießn unschuldig blut? 

Ewr mayestat schlag das auß dem mut 

Und handel nach gerech tigkeit! 



c^ 



vr^ 



j>-' 



80 



85 



König: Herodes spricht: 

Es hats also geben die zeit. 

Geh hin und weitter nit. nach frag! 



209 

Ich muß nach kommen meiner zusag. 
Mit dem eidt hab ich mich vergangen. 

Der hencker spricht: 

Herr köng, ir seit mit listen gfangen. 
5 Brumb wers deß eids halb nit von nötu, 
Ein unschuldigen mann zu tödten, 
Der nie kein übel hat verschuldt. 

Der könig sprioht : 

Tliet ichs nit, ich verlür die huldt 
10 Tochter und mutter, aller beider. 
Wiewol es nit gar recht ist leider, 
Geh doch, volstreck den willen mein! 
Die sündt die bleib auff mir allein ! 

Der hencker spricht: 

15 Herr könig,.nach ewerm gebot 
Bicht ich Johannem zu dem todt. 

Der hencker gehet ab, der könig gehet hinnach. Die königin 
Herodias kombt zu der tochter und spricht: 

Wie steht die sach, o tochter mein? 
20 Geht noch fürsich der anschlag dein? 

Die tochter spricht : 

Fraw mutter, es hat uns das glück 
Sehr wol gewölt in disem stück. 
Der hencker ist schon gangen hin. 
25 Wirt in der gfengknuß richten in. 
Ich warrt deß haubtes aller-ding, 
Wenn er mirs auff der Schüssel bring. 



-— *, 



l Der hencker bringt das haubt ^nit blutigem schwerdt unnd 
■"' spricht: 

so Ich hab den fromen seins lebns beraubt 
(Nim hin von mir sein todtes haubt!) 
Nach deß königs strengem gebot, 
Wiewol mich gar sehr rewt sein todt. 
Er war ein from heiliger mann. 

Hans Sachs. XI. 14 



210 



Die königin gibt im g:elt und Bprioht: 

Da liab 6 crona dir za Ion! 
[K3,l,391] Geh baldt mit hin! schweig darzu still! 
Deß manns bekümmer dich nit vil! 

\ 
Der henoker nimbt das gelt und geht ab. Die königin spricht 

trutzig zum haubt: 

Schaw! ietzt bist du von uns erlegt, 
Der du den köng schier hetst bewegt 
Zu unser beider schandt verderben. 
10 Nützer ist uns gewest dein sterben, 
Denn dein leben; gelaub du mir! 
letzundt sein wir sicher vor dir 
Und deiner auffrürischen lehr. 

Die toehter spricht: 

15 Fraw mutter, ja, bey meiner ehr. 

Wir habn ein gute arbeit than. 

Da wir urab bracht haben den mann, 

Der uns all beidt brecht in unfal. 

Der könig sitzt dort auff dem sal 
20 Und stellt sich also trawrigklich. 

Geh und im gar freundtlich zu sprich! 

Die königin geht zum könig und spricht: 

Ach, was mag nur bedeuten das, 
Das mein herr köng vor frölich was 
s5 Mit seinen gesten auff dem sal 
Durchauß am gantzen abentmal 
Und sitzt ietzundt so trawrigklich? 

König Her ödes spricht: 

Ach Gott, wie übel rewet mich, 
so Das ich den frommen hailign mann 

Unschuldigklich hab abgethan! 

Deß wirt ich ietzt in meim gewissen 

Peinlich gemartert und gebissen. 

Got Wirts nit ungestraffet lan. 
35 Wie unrecht hab ich an dem than, 

Der mir doch gab vil guter lehr! 



211 



Die könig^n spricht: 

Ewr mayestat kömmer sich nit sehr 
Umb den einfeltig schlechten mann, 
Gantz ring von geschlecht und person, 
5 An dem doch gar nichts ist gelegen! 
Du findst in deinem reich allwegen 
Gelehrt leut ansehlig und hoch, 
Die wissen dich zu halten doch, 
Die reden, was man gern hört. 
10 Seinthalb het wir uns schier entbört. 
Drumb laß dein trawrigkeit hin sincken! 
Laß deine gest den schlaf-trunck trincken, 
Den man herumb tregt immerzu! 

Herodes, der könig, steht auff und spricht: 

15 Nun trinckt! denn wöl wir uns zu rhu 

Legen und schlaffen die gantz nacht. 

Frü, wenn ein ieder aufferwacht, 

So will ich euch nach köngklichn gnadu 

Alle, so ich her hab geladn, 
20 Abfertigen von dem pancket. 

Aide! ich geh dahin zu pett. 

Sie gehen alle ab. Der ehrnholjdt beschleust: 

Auß der tragedi man vei*steht, , 

Wie es noch in der weit zu geht. ^f \v.v«^^^^ ' V 
25 Wer noch verkündet Gottes wort, • ^ • ' ' ** 

Wo der etwan an einem ort 

Die öffentlichen laster rürt, 

Treulich wie im denn zu gebürt. 

Wenn er trifft etlich hoch person, 
30 Zeigt in ir grobe laster an. 

So können sie in denn nit leiden. 

Sonder thon in hassen und neiden. 

Denn wirt er hinder rück versagt 
[K 3, 1,392] Und bey der obrigkeit verklagt, 

35 Wie er deß volcks sey ein verfürer. 

Ein widerspenstiger auffrürer 

Und das mit hinterlist und lügen, 

Wie sie im das zu können fügen, 



212 

Die Obrigkeit auff in zu hetzen, 
Ihn zu verjagen und zu letzen, 
Wenn gleich der herrschafft regiment 
Ihn gut und gantz unschuldig kendt, 
5 Das er verklagt ist auß Ungunst. 
Doch eh sie wil verlieren gunst . 
Der mördischen ehbrecherin. 
Die ir verblendt vernunfft und sinn 
Durch schmeichlerey, trowort und horcht, 
[A3, 1,194] Biß das sie ir zu letzt gehorcht, 

Tödt oder vertreibt den gottes-knecht 
Unschuldigklich und wider recht. 
Denn kans der sach ein schein wol machen, 
Samb thues sies auß billichen Sachen, 
15 Wiewol ir gwissen änderst sagt, 
Sie beisset und heimlich anklagt. 
Das Gottes wort zunemb und wachs 
Und bring sein frucht, das wünscht Hans Sachs. 

Die person in die tragedi: 

20 1. Ehrnholdt. 

2. König Herodes. 

3. Herodias, die königin. 

4. Ir tochter. 

5. Der hencker. 

25 Anno salutis 1550, am 15 tag Januarii. 

* 
9 ? foroht. 14 ? thue. 



213 



Comedia mit 9 personen, der verlorn söhn, und 

hat 5 actns. 

Der ernholdt tridt ein, nei|?t sich unnd spricht: 

Heil nnnd genadt von Gott, dem vatter, 
6 Durch Ghristam, den höchsten wolthater, 

Wünschen wir euch von hertzen allen. 

Beruffen kom wir euch zu gfallen, 

Gomedi-weiß ein geleichnns 

Für-zutragen, wie die Christus 
10 Luce am 15 erzelt, 

Welliche geleichnuß inhelt, 

Wie ein vatter zwen söhne het, 

Welchen er sein gut th eilen thet. 

Der jüngst sein erhtheil kriegt int bandt. 
15 Da wurdt ein thewrung in dem landt. 

Als er verbrasset het sein gut 

Mit schön frawen und ubermut, 

Als er am garben hunger gieng, 

Er sich an einen burger hieng, 
20 Dem hüt er auflf dem veldt der sew. 

Da gewan er erst groß nachrew. 

Vor hunger er begert sein bauch, 

Mit sew-trebern zu füllen auch. 

ledoch kundten im die nit wem, 
25 Wie er von hertzen thet begem. 

Da schlug er erst selber in sich. 

Dacht, wie sein vatter het täglich 

Vil taglöner frü unde spat. 

Die all betten deß brotes sat. 
80 Derhalb kert er heim mit beschwerdt. 



214 

[K3, 1,393] An sein vatter nicht mehr begert: 

Mach mich deiner taglöner ein! 

Den vatter aber jamert sein 

Und im selber entgegen gieng, 
6 Ihn küsset and freundtlich umbfing. 

Ließ im ein new kleidt legen an 

Und schnch an seine füsse than, 

An sein handt ein üngerring stieß 

Und ein gmest kalb bereiten ließ, 
10 Mit dem verlornen söhne sein 

Zu sein gnts muts frölich allein. 

Als der elter söhn obgemelt 

Zu haase käme von dem veldt, 

Hört das gschell, wolt er nit ins hauß. 
15 Der vatter gieng zn im herauß, 

Bat in, das er auch gieng hinein 

Und Arewt sich mit dem brnder sein. 

Diser zürnet, wolt hinein nit. 

Also beschleust Christus darmit. 
20 Was er vermeint mit der gleichnuß, 

Werdt ir hören zu dem beschluß. 

letzt höret der gleichnuß histori, 

Die weltlich auch zu Gottes glori* 

Wol ist zu bhalten in memori! 

Der ehrnholdt geht ab* Der vatter geht eia , setst sieh unnd 

spricht : 

Gott sey lob immer ewigkleich 

In seinem himelischen reich, 

Der mir hat geben hie auflf erdt 
30 Vil mehr, denn ich ie hab begert, 

Nemlichen reichtumb, gunst und ehr, 

Glück, gsundheit, sterck, über das mehr 

Zwey tugentsam weiber in meim leben! 

Mit der ersten zwen söhn mir geben, 
35 Zu mehren mein stammen und gschlecht. 

Der elter söhn ist schlecht und ghrecht, 

Mir gehorsam und unterthenig. 

Mit keinem wort nit widerspenig, 

Gantz arbeitsam, fleissig und achtsam, 
40 Ob dem hausgsind munter und wachtsaro. 



215 

Anbebig, örnlicb, crnstlicb and männlich, 

In allen dingen mir vast änlicb. 

Dergleich der jünger sobn nit tbut, 

Sonder bat noch ein tbnmmen mut 
5 Acht sich deß haußhaltens gar klein, 

Wil nur bey losen gsellen sein, 

Bey den er lernet gar nichts gats, 

Hat ir doch weder ehr noch nutz. 

Darob trag ich doch noch geduldt, 
10 Denck, es sey seiner jugendt schuldt. 

Yilleicht wann er baß liombt zu jarn 

Wirt er verstendig und erfarn 

Und sich baß halten wirt zum hauß. 

Ich wil gehn auff das veldt hinauß 
15 Und schawen, was mein knechte thon, 

Wie sie anschaff mein elter son. 

Der vatter geht ab. Wolff, der schmarotBer, geht ein und redt 

wider sich selbe und spricht: 

Ich geh heut umb bey zweyen stunden, 
80 Hab mein junckherren noch nit funden, 

Der mir nechten in eim pancket 

Auff heut wider her zielen thet. 

Weite für mich ein zech bezaln. 

Mir aber ist gleich ein gefalln, 
25 Sein vatter sey sein innen worn 

Und hab im trucken außgeschorn, 

Wann es ist warlich ie sein alter 

Ein filtzig und karger haußhalter. 

Der im fürlauffet alle weg. 
30 Wenn im der nit im zäume leg, 

Er wer mir nützer spat und fru, 
[K3, 1,394] Denn het ich ein melckende kuh. 

Wann mein junckherr ist jung und leppisch. 

So bin ich unverschembt zu-deppisch 
35 Und speiß in wol mit schmeichelworten, 

Wann ich heuchel an allen orten 

All sein wort und that ich im billich, 

Deß findt ich in all zeit gutwillig 

17 K Sohmarotser. 



216 

Als, was ich nur von im beger. 
Dort geht mein jnnckherr eben her. 

Der verlorn söhn kombt. Wolff, der schmelohler, sprioht 

Ach, mein jnnckherr, ein gnten morgen! 
5 Im schlaff thet ich lieint für ench sorgen. 
Wie war ich nechten also trnncken, 
Das ich an wendten heim bin ghnncken! 
Mein, ich sey wol zehen mal gfallen. 
Drey mal loff mir aber die gallen. 
10 Es kam mich an das kellcr-gschoß. 
[A3, 1,195] grosser löwen ich drey goß, 

Eh das ich gar bin heimhin kommen. 
Die schtttzn bahn mir mein wehr genomen. 
Wöl wir heint nit wider dort hin? 

15 Der verlorn sehn sprioht: 

wolff, wiß! ich veiTaten bin 

Bey meim alten. Wie hat er mich 

Anß geholhübt so senigklich 

Und hat mir auch geschworn dargegen, 
20 Er wöl mirs gelt nit mehr fürlegen. 

Das ich also mit schlem und demb 

Aach darmit anßhalt ander fremb. 

Ob ich wöl angeraten sein, 

Und helt mir für den bruder mein. 
25 Ich sol aach also heaßlich wern, 

Mich einziehen and sparen gern. 

Wie er aach selber hab gethan, 

So wer anß mir ein byderman. 

Schaw! so fehrt mir mein vatter mit. 

30 Wulff, der sohmarotzer, spricht: 

Ach, lieber junckherr, volget nit. 
Sonder niet ench der jangen tag. 
Weil es der alt doch wol vermag! 
Ist an gat sehr mechtig and reich 
35 Und lebt nit ewerm brader gleich, 
Der sich in helt wie ein Carthenser. 
Ey, werdt nit ein solcher dockmewser! 
Sonst verachten ench all gat gselln. 



217 

Der verlorn söhn spricht: 

Wie kan ich aber nach gelt stelln, 
Weil mirs der alt als thut versperrn? 

Wolff, der Schmarotzer, spricht: 

5 Junckherr, last euch nit also kerrn 
Und beist eucb ewern erbtbeil geben, 
Was euch denn zu gebüret eben! 
Und bringt ir das in ewer handt, 
So ziecht mit bin in frembde landt, 

10 Darinn auch gute gsellscbafft sey! 
Da mügt ir leben friscb und frey 
Mit kurtzweil, spil, euch aucb umbscbawen 
Nach holdseligen, schönen frawen 
Unverbindert on alle scheuch! 

15 Begert ir mein, ich wil mit euch 
All zeit sein ewer trewer knecht. 

Der verlorn söhn spricht: 

Mein wolff, du rätst mir eben recht. 
Mein erbtbeil wil einbringen ich, 
20 Darmit außhalten mich und dich 

In frembdem landt, und wil meim alten 
Mit meim bruder lassen haushalten, 
Arbeitn und spam immerzu. 

[E 3, 1, 395] Wolfi; der Schmarotzer, spricht: 

25 Junckherr, das thut on alle rhu! 
So wil ich mit getrewem mnt 
Zu euch setzen leib, gut und blut. 
Deß habt euch auch zu pfandt mein trew! 
Darumb vordert on alle schew 

so Eweren erbtbeil an den alten! 
Er kan euch ie den nit vorhalten, 
Weil ewer mutter ist gestorben 
Und er ein ander weib erworben. 
Die euch ist weder trew noch holdt, 

35 Euch vil lieber todt sehen wolt. 
Das irn kindern blieb ewer gut. 
Darzu sie auch verhetzen thut 



218 
Den alten wider euch all stundt. 

Der verloren söhn spricht : 

Du rätst mir recht auß hertzen grnndt. 
Noch heut so wil ich mein erbtheil 
Ä Vordem mir und auch dir zu heil. 
Und baldt ich den bring in mein handt, 
Will ziehen ich in frembde landt 
Mit dir; darauff hab dir mein handt! 

Sie gehen beid ab. 



10 Actus 2. 

Der vatter geht ein mit dem eitern sehn unnd spricht: 

söhn, wo ist der bruder dein, 
Das er nit kombt vom veldt herein 
Mit andern knechten und mit mir? 
15 Nun ist es ie gantz abendt schier, 
Das man zu hauß vom velde gang. 

Der elter sehn spricht: 

Hab heut auff in gewartet lang, 

Das er auch auff das veldt solt komen. 
20 Er hat im aber ein außschweif gnomen, 

Ist etwan geratn zu sein gselln. 

Er thut nit nach heußligkeit stelln, 

Er ist leichtfertig uberauß. 

Sein sinn steht im nur auß dem hauß. 
25 So straffst du auch darumb nit den. 

Lest in nach seinem sinn hin gehn, 

Auffwachßn wie ein ungschneitn paum, 

Lest im zu alln mutwilln räum. 

Weil er ist höflicher gebär, 
so Sauber und geschmückt geht daher, 

So hast an deinem son wolgfallen 

Und verbeugst im das gleich in allen. 

Dein lieb zu deinem son dich blendt. 

Es wirt nit nemen ein gut eudt. 
95 Das wil ich dich erfarn lassen. 



219 

Der vatter spricht: 

Ich hab in wol gestrafft dermassen 
Zwischen mir und im doch allein 
Sitlich mit guten Worten fein, 

5 Doch on rumor heimlich und still. 
Weil aber das nit helfen wil, 
So wil ich in scherpffer anreden 
In gegen wart zwischen uns beden. 
Ich hab gar kein gefallen dran, 

10 Das er wil sein also verthan. 

Da kombt er gleich. Nun hör auf mich, 
Wie ietzt mit im wil reden ich! 

Der verlorn söhn kombt. Der vatter spricht: 

Du schlüffel, wo gehst du nur umb? 
15 Man hat dich gesucht umb und umb. 
[K 3, 1,396] Wie das du nit deß dein thust warten 

Und heut nit draussen im Weingarten 

Die arbeiter hast gschaffet an 

Und den tag auff sie sehen than 
20 Und. alle ding verordnet recht? 

Der verlorn söhn spricht: 

Vatter, ich wil sein kein bawernknccht 
Und solch bewrisch geschefft verwalten, 
Sonder mich fein bürgerlich halten 
25 In eim dapfer ehrlichen standt. 

Der vatter spricht: 

mein son, es wer dir kein schandt, 
Wenn du dich nehrest, wie ich mich. 
Meinst, du wölst besser sein wann ich? 
80 Was wilt denn treiben? kauffmans handl? 

Der verlorn söhn spricht: 

Nein, ich wil füren sonst ein wandl 
Wie manch gut ehrlicher gesell. 
Derhalb mein erbteil mir zustell 
[A3, 1,196] Meiner mutter halb! den bet ich gern, 



220 

Der vatter spricht: 

Da wolst leicht ein streußgütlin wern, 
Mit losen gsellen werden an, 
Was ich lang zeit erarnet han 
ft 'Mit ämsiger arbeit und spam. 
Wenn du es onwürst in jungen jam, 
Alt würdt dich nach der sonnen friern. 

Der verlorn söhn spricht: 

vatter, das laß dich nit irrn! 
10 Gib mir mein erbteil! laß mich sorgen! 

Der vatter spricht : 

Ey lieber son, ist dir verborgen, 

Wie auch unsörs nachbawern son 

Sein erbteil hat so jung verthon? 
15 Alt muß er ietz am hungertuch neen, 

Das sonst auch manchem ist geschehen! 

Darumb, mein son, bedenck dich baß. 

Dein erb mir bey mein henden laß! 

Ich wils nit ringem, sondern mehm, 
20 Biß du ein mal auch greiffst zu ehrn 

Und kombst in den ehlichen standt. 

Der verlorn solin spricht: 

Vatter, gib mir nur unter handt 
Mein erbteil her! das bitt ich dich. 

85 Und sorg du gar nicht mehr umb mich! 
Der ruten ich entwachsen bin. 
In frembde landt zeuch ich dahin, 
Wil was erfarn in jungen tagen, 
Darvon ich kan im alter sagen. 

so Was sol ich auf dem polster liegen, 
Mich vor dir und meim bruder schmigen? 
Darumb, vatter, gib mir das mein! 

Der vatter spricht: 

Weil es ie nit kan änderst sein, 
S5 So wil ich euch teilen mein gut. 
Sag an! was hast in deinem mut? 



221 
Wilt parschafft oder ligende hab? 

Der verlorn son spricht: 

Weil ich darmit wil scheiden ab, 
So gib mir für mein theil bar gellt! 
5 Das kan ich bringen über feldt. 

Der vatter geht ab. Der elter söhn spricht: 

brader, brnder, denck au michl 
Der that wirt offt gerewen dich, 
Kerst dich etwan an loß geselln, 
10 Die deiner hab und gut nach stelin 
[K 3, 1,397] Und heucheln dir spat unde fru? 
Sie spotteu darnach dein darzu, 
Hast du das dein mit in verthan. 

Der verlorn söhn spricht: 

15 Mein bruder, was geht es dich an?j 

Billich so heist der neidhart, 

Weil du bist so neidischer ärt 

Und mir nit gunst, ein guten mut 

Zu haben mit meinem erbgut. 
20 Was ligt dir dran, wenn ich verdtirb? 

Du sechst leicht geren, das ich stürb, 

Das du hernach erbest mein gut, 

Und ich het weder freudt noch mut 

Gehabt in meinem gantzen leben. 
25 Da bringt mein theil der vatter eben. 

Der vatter tregt ein sack mit gellt hinnein und spricht: 

Mein son, da hast die gantzen sum 

Nach meinem inveutarium, 

Fünff hundert guldin also bar, 
30 An ducA^aten goldt lauter klar, 

Dein mütterlichen crbetheil. 

Darzu wünsch ich dir glück und heil. 

Ich bitt, wölst das wol legen an, 

Wenn ein mal wirdt auß dir ein mann, 
95 Das du sein nutz habst und ich ehr. 

16 K heist do. 



222 

Der verlorn söhn spricht: 

Vatter, nan bleib ich ietzt nit mcbr. 
Ich wil geleich morgen darvon, 
Pieweil ich ein geferten hon, 
5 Der mir ist willig, frum und trew. 

Der vatter spricht: 

Vor böser gsellschafft hab abschcw! 

Wann mancher jüngling wirdt verfürt. 

Biß im der schöpf an galgen rürt. 
10 Derhalb hab ein abschew and grawen 

Vor allen anzüchtigen frawen, 

Vor spil und auch vor trunckenheit I 

Hab Gott vor äugen alle zeit 

Und fleiü dich deines willens eben! 
15 Gott wöl zu deiner raiß glück geben. 

Das du gesundt kombst widerumb! 

Halt dich aufrichtig, redlich, frumb 

üncf sey warhafft bey iederman l 

Als-denn dir nil mißlingen kan 
20 Und magst gar lang in ehren leben. 

Nun wöl wir dir das glait nauß geben. 

Sie gehen alle ab. Wolff, der Schmarotzer, kombt allein, redt 

mit im selbs unnd spricht: 

Ich schaw nach meim junckherrn umb, 
85 Ob er seim fürnemen nach kumb. 

Bringt er vom vatter sein erbtheil, 

So kombt er mir zu glück und heil, 

Wann ich hab eben gar abgspunnen. 

Was mein eitern lang haben gwnnnen, 
so Und über das noch schuldt gemacht. 

Drumb muß ich eben haben acht, ' 

Das mich die statknecht nit erdappen 

Und mit mir in schnldt-thnren sappen. 

Drumb kem mein jünckherrlin ebn recht. 
S5 Ich hab außbadt, wurdt nun sein knecht. 

Ich wolt in auch vor allen dingen 

Das licdt Fortuna lehren singen, 

Pas sein auch helfen werden on, 



223 

Wie mir mein gsellen halflfen tlion. 
Dort kombt mein Juncker, tregt auf seim nack 
(Ich hoff) vol gelts ein gantzen sack 
Mit kreistn, schnaudn und mit scbnauffen. 
5 Ich wil im gehn entgegen laufen. 

[E 3, 1,398] Wolff laufft im entgegen, der verlorn söhn kombt 

mit dem geltsaek unnd spricht: 

Da bring ich mein erbgut zu hanß. 
wie zech ist es gangen rauß! 
10 Vatter und bruder auff mein eidt 
Wider rieten mirs alle beidt. 

Der Schmarotzer spricht: 

Habt ir ewern erbteil überkommen 
Und von dem alten eingenommen? 
15 Mein Juncker, ich frew mich mit euch. 

Der verlorn söhn spricht : 

Mach dich auffl kom mit mir on scheuch! 
Wil lassen kleiden mich und dich 
Auff die raiß sauber und höflich. 
20 Und wil uns auch zwen zeltner kauffen, 
So dörff wir nit zu fussen lauffen. 
Rat zu, mein Wolf! wo wöl wir nauß? 

Der Schmarotzer spricht: 

Wöl wir zu Augspurg halten hauß, 
[A3, 1,197] Zu Straßburg oder Cöln am Rein? 
Alda sindt schöne frewelein, 
Holdtselig, adelich und glat. 

Der verlorn söhn spricht: 

Mein alter mir verbotten hat, 
so Ich sol der weiber mich enthalten. 

Wolff, der Schmeichler, spricht: 

Ewer vatter hat gmeint die alten 
Bösen weiber, die wetter machen. 
Die wöU wir meiden in allen Sachen; 
sft Mit jungen wöl wir uns ergetzen. 



224 

Der verlorn söhn spricht: 

Wir wöUn uns mit den gselln letzen 
Und morgen wöll wir für das thor 
Reitten. Baldt wir kommen darvor, 
So wöl wir ein federn aoffblasen, 
Und wo dieselb hin fleugt dermassen, 
So reit wir nach dieselben Strassen. 

Sie gehen beidt ab. 



Actus 3. 

Buleeda, eile schön firaw» tritt ein mit Hilla, ihrer magdt» tinnd 

spricht: 

Hilla, unser junckherr ist hin ; 

Derhalben ich unmutig bin; 

Nicht, das ich in so gar lieb hab, 
15 Sonder das mir ietzundt geht ab 

Von im gar manche gab und schenck. 

Darumb hab acht, merck und gedenck, 

Das ich in kürtze umb und umb 

Ein andern Junckern uberkumb, 
20 Wann uns laufft ietzt ein spulen lär! 

Hilla spricht: 

Fraw, rechten so ist kommen her 
Ein schöner jttngling mit eim knecht ; 
Derselb in ewern kram wer recht. 
25 Ich schetz in gar reich aller-ding. 
Er hat guldin ketten und ring 
Und geht auch für oft uberauß, 
Sicht allmal rauif an unser hauß. 
Nit weiß ich, wie er dasselb meint. 

30 Dulceda, die fraw, spricht: 

Hilla, wenn er für gehet heint. 
So sag im einen grüß von mir! 
[K 3, 1,399] Gibt er ein freundlich antwort dir, 

So ladt in rauff zu eim schlafftrnnck t 



225 

Hilla, die magdt, spricht: 

Fraw, ich bin Unterricht genung. 
Ich wil euch fein gehn äuff dem seil. 
Hoff, darbey werdt auch sein mein theil. 

5 Buloeda, die schön fraw, spricht: 

Ich wil auch nauß gehn an den laden 
Und beschawen den jungen fladen, 
Ob ich den möcht int rewsen bringen; 
Denn mttst er mir mein liedlin singen. 

Dulceda geht ab. Hilla stellt sich zu der thür, redt mit ihr 

selbs unnd spricht: 

Ich steh auf der lauß, warrts junckherrn. 
Mich dunckt, er geh dort her von ferrn. 
Behengt er, so wirt es nit fäln, 
15 Mein fraw wirt seinem pentel sträln, 
Das im kein pfenning darinn bleibt. 
Kein ander handtwerck sie nit treibt. 

Der verlorn söhn kombt mit seim heuchler. Hilla, die magd, 

spricht: 

20 Junckherr, euch ich ansagen muß 

Ein holdtselig freundlichen grüß 

Von der aller-schönesten frawen, 

Die menschen -äugen theten schawen, 

Erbar, züchtig, von gutem adel, 
25 Die auch an reichtumb hat kein zadel. 

Die ist gegn euch mit lieb gefangen. 

Nach dem ir heut frü für seit gangen. 

Ir gfelt ewer gstalt und gebärdt 

Für alle männcr auff der erdt. 

Der verlorn söhn gibt ir ein ring unnd spricht: 

Gebt ewer frawen den guldin ring! 
Doch zu urkundt gemelter ding 
So bringt morgen herwider mir 
Auch ein zeichen der lieb von ir 
S5 Und sag ir heint ein gute nacht! 
Du, maidlin, hab gut fleiß und acht! 

Hans Sachs. XI. 15 



226 

Hab den dacaten dir zu lohn! 

Er gibt ir ein duoaten, die magd spricht: 

Janckberr, das m\ ich endtlicb thon. 
Daromb so dörffL ir gar nit sorgen. 
5 Umb die zeit kommet wider morgen! 
Solt ir finden ein guten bscheidt. 

Hilla, die magdt, geht ab. Der heuohler spricht: 

Ich will mich halten zu der meidt. 
Was sie von ench entpfecht für gab, 
10 Die schweiß ich ir denn wider ab, 
So sindt wir denn buler all zwen. 

Der verlorn sehn spricht: 

Komb! laß uns in die herwerg gehn! 
Du bist ein grosser narr and gancb. 

15 Wolff, der Schmeichler, spricht: 

Mein lieber jnnckherr, and ir anch. 

Der Terlorn sehn spricht: 
Was sagst? 

Wolff, der Schmeichler, spricht : 
20 Ich sagt: Janckberr, mich beist der raach. 

Sie gehn beidt ab. [E 3, 1, 400] Bulceda kombt, redt mit ir selbe 

unnd spricht: 

Mein Hilla ist aaff die jacht gangen, 
Sol mir ein jungen gackguck fangen. 
25 Behecht er, so wöll wir in rapfien 
Und sein pflaumfedern im außzupfen. 
Sein beutel im berapfen kal. 
Da kombt mein Hilla auff den sal. 
Mein Hilla, wie stehn alle ding? 

so Hilla spricht : 

Ey recht, ich bring ein guldin ring. 
In lieb ist wol acht crona werdt, 
DarfUr der janckberr wider gert 



r 

I 



227 
Von euch der warzeichen ein lieb. 

Dulceda, die fraw, spricht: 

Sich da, mein Hilla, du im gieb 
Das mein außgenät facilet, 
5 Barinn mit goldt gesticket steht 
Mit eim stral ein verwundet hertz. 
Erklär im das, du kanst zum schertz! 
[A3, 1,198] Und schuch mir nur den äffen wol! 
Dein theil darvon dir werden sol. 

Sie gehen beid ab. Der verlorn söhn geht ein mit seim Schma- 
rotzer, der spricht: 

Junckherr, das ist das gestrig hauß, 
Von dem euch kam der grüß herauß. 
Da kombt auch gleich die gestrig maidt. 

15 Hilla, die magdt, geht ein unnd spricht: 

Junckherr, ich bring euch guten bscheidt. 
Mein fraw schickt euch diß facilet, 
Darinn ir hertz gebildtet steht, 
Mit einem stral der lieb verwundt. 
20 Und sie wirt auch nicht eh gesundt, 
Biß das sie gwiß sey ewer lieb. 

Der verloren söhn zeucht ein ketten von seim hals , gibt irs 

und spricht: 

Ninib hin und dise ketten gib 
25 Meiner lieben zu stätigkeit 

Und sag ir, das sie ein malzeit 

Auff das köstlichst bereiten thu! 

Da will ich auff heint kommen zu. 

Heiß sie kauffen vorrhen und äschen 
30 Mit schleckerbißliu, guten gneschen. 

Mit granat-öpfeln, pomerantzen, 

Sambt eim hofirer, das wir tantzen 

Und unser lieb ein anfang machen 

Mit freuden und freundlichen Sachen! 
S5 Doch allen unkost sambt dem mal 

Ich ir allein zu danck bezal. 

Dir auch ein ehrlich kuchen-gelt. 

15* 



228 

Hilla, die magdt, spricht: 

leb richte auß, wie ir habt gemelt 

Wie fro ¥drt mein fraw nberauß ! 

Mein janckerr, kombt heint bald zn hanß! 

Hilla, die magdt, geht ab. Der verlorn aohn spricht: 

Wolff, mein gat gsell nnd freund, schaw an, 
Ob ich nit höflich bulen kan, 
Das edel frawen stelln nach mir! 

WolfT, der Schmarotzer, spricht: 

10 Da seit wol gestaffieret ir. 

Euch steht wol an ewer laßn und thon. 
Man meint, ir seit eins graven son. 

[K 3, 1,401] Der verlorn son spricht: 

Ich wil auff die trinckstuben gehn. 
15 Findt ich ein herren oder zwen, 

Mit den ich ein weil kurtzweiln wil 

Mit karten oder würffel-spiel. 

Sie zogn mich nechten nmb im kot, 

Verlor 80 duccaten rot, 
20 Mein Wolff etwas nur auff die schantz. 

Das unglttck het wol sanct Veits tantz. 

Ich het doch goster gar kein stem. 

Sie theten mir den peulel lern. 

Bin heint schier kommen von mein sipnen. 

2S Der Schmarotzer spricht: 

Ey heint so möcht irs wider gwionen. 
Wagen gewint und wagn verleust. 

Der verlorn söhn spricht: 

Verlieren thut wee und vertreust. 
80 Will noch 200 wagen dran. 
Du aber thu int herwerg gan ! 
Strigel die rossz und reits ins veldt 
Und komb auft Stuben ob gemelt! 

Der verlorn söhn geht ab. Der Schmarotzer redt mit im selb 
85 unnd spricht : 



! 



229 

jünckerlein, du bist zu milt. 

Wenn du also haaßhalten wilt, 

So must du baldt deins erbtheils geratn. 

Hast nechten verspilt 80 ducaten. 
6 Lauf wir ie auch dem wirrdt an dwandt, 

Bey 30 ducatn verzehret handt 

On ander schlemmen und pancket, 

Das als über mein junckhern geht. 

Ich geschwelg deiner bulet^y. 
10 Du hast ein schlepsack oder drey, 

Den du in eim monat vergangen 

On zal gelts nun hast an gehangen 

An ringen, ketten und an hauben, 

An borten, bireten und schauben. 
15 Den schlepseckn zu einfeltig bist. 

Du kennest nicht der huren list. 

Eh du erbulst ein facilet, 

Es dich 10 ducaten gsteht. 

Weil man ie die lieb kaufen sol, 
so So thet dir auch das pfenwert wol. 

Wirst nit abstehn von disen Sachen, . 

So wirst du warlich baldt außbachen. 

Fttnffhundert guldin sindt baldt hin. 

Nun wil ich mich baldt legen in 
25 Die herwerg, mich volsauffen denn. 

Mit Malvasier baden mein zen, 

Weil es sonst wil an galgen gehn. 

Wulff, der Schmarotzer, geht ab; Hilla, die magdt, geht ein, 

redt mit ir selb und spricht: 

so Es hat mein fraw dem jungen läppen 

An hals gestreifft die narren-kappen. 

Das er on sie nit bleiben kan. 

Er Wirt sehr groß gut mit ir an 

Und sie hat in dannoch nit lieb. 
35 West er, daß den spot auß im trieb, 

Er speit an weg, daran sie gieng. 

Doch hat sie in blendt aller-ding. 

Mit irem schmeicheln, feder-klauben 

Thut sie den jungen gar berauben, 
40 Das er meint: der sonnen sindt siben. 



230 

Hat das auif zwey monat getrieben. 
Drinn hat mein fraw deß jungen bossen 
Wol nmb ein hundert guldin gnossen. 
Hab sein auch nit entgoltn die zeit. 
[K 3, 1,402] Gut schenck und trinckgelt er außgcit. 

Dort kombt mein fraw, gantz traarig sieht. 

Die firaw geht unmutig ein. Hilla, die magd, spricht 

Fraw, sagt baldt an, was euch gebricht, 

Das ir ietzt also trawrig seit, 
10 Dieweil ir vor ein lange zeit 

Kein miltern balen habt gehabt, 

Der euch so reichlich het begabt 

Mit allem, was ewer hertz begert! 

Seit ir von im willig gewert, 
15 Wie mögt ir sein so trawrigklich ? 

Buleeda, die firaw, spricht: 

mein Hilla, da trawre ich, 

Das er schier auß gebeuttelt hat, 

Wann er bat mich nur nechten spat, 
20 Ich solt im 20 galdin leyen. 

Ich merck: die armnt wil in gheyen. 

Beim wirrt im pferdt und kleider stehnd, 

Wenn er sitzt nmb zerung verpfendt. 

Ihm will der wirrdt nit lenger borgen. 
25 Schaw! deß trawer ich in grossen sorgen, 

Er werdt also trucken außbaden. 
[A3, 1,199] Das reicht mir nit zu kleinem schaden. 

Het ich ein jar gehabt den knaben, 

Ich wolt mich sein wol bessert haben. 
so So ist aber die kirchweich auß. 

Drumb merck! wenn erheint kumbt fürs haus, 

So laß in bey leyb nit herein! 

Sprich, ich sey gfaren über Rein, 

Kumb in eim monat wider nicht! 
35 Mit scharpffen werten in abriebt! 

Hilla, die magdt, spricht: 

Ey, ey, ey, ey, er dawret mich 
(Er hat kostfrey gehalten sich). 



231 
Das er so baldt hat anßgebacheo. 

Duloeda, die schon fraw, spricht: 

Er dawret mich nit in den Sachen. 

Wil er bey schönen frawen hausen, 
5 Narren muß man mit kolben lausen. 

Trawr nur allein, das mir geht ab 

Die nutzung von im, schenck und gab, 

Wann ich bin ye ein weyb auß Flandern, 

Und gieb ein narren umb den andern. 
10 Baldt ich ein anßgebadet hab, 

Ist er stampa dahin, schabab. 

Schlag in für den ars mit der thür. 

Eumb! laß uns auff den blatz hinfttr, 

Nach einem andern gucku schawen! 
15 Auff den ist vort nicht melir zu bawen. 

Die zwu brangen dahin. WolfP, der schmarotaer, kummet und 

redt mit im selb unnd spricht: 

Bolz küre leyden, was sol ich sagen? 

Der hagel hat in kirchweych gschlagen. 
20 Wie sol wir ankeren unser leben? 

Der wirdt der hat uns urlab geben. 

Uns ist hämisch, wahtsack und kleider 

Als an der hefft belieben leyder, 

Auch beyde roß gesprungen in paren. 
25 Ennnen nun weder reiten noch faren. 

Nun müssen wir zu fussen traben. 

Kein pfenning wir im seckel haben, 

So gar hat mein Juncker außdroschen. 

Erst ist uns alle frewdt erloschen. 
80 Der kessel ist im abgehawen. 

Mann wil uns umb kein mal mehr trawen 

's 

Erst Wirts uns auf das armbrost regen. 
Ich hab gesorget alle wegen, 
Es werdt nemen ein böses endt. 
[E3, 1,403] Das dich roßmarter schendt und blendtl 
Wie wollen wir nun halten hanß? 
Dort geht mein Juncker trawrig ranß, 

8 Vgl. 10, 206. 



232 

Hat ahn gar ein eilende waht. 
Wil mich von im abtreen spadt. 
Ich mag nit mer sein Epela sein. 

Der heuchler fleucht, der verloren son kumbt und sohreydt 
5 im nach und spricht: 

Wölff, Wolff, mein Wolff, ach har doch mein! 

Ey harr und hab dirs valand übel. 

lieber Wolff, wie gets so ubell 

Der wirt hat mich gestossen auß ; 
10 So ich kamb für Dalceda hauß, 

Wil mich die Hilla nicht einlassen, 

Hat mich abgfertigt solcher massen, 

Mit Worten also rösch und scharpff, 

Das ich nit mehr hin \Yider darff. 
15 Mein Wolff, hast du kein gelt bey dir? 

Leich ein halben gülden mir, 

Das ich doch hab zwen tag zu zem! 

Weil ich dich kleidt und thet dich nern, 

So theil mir auch dein zeitlich mit! 

20 WolfiP*, dem Schmarotzer, spricht: 

mein Juncker, das thu ich nit. 

Ich hab nit vil, kündt ir ermessen. 

Drumb muß ich mir selb kauffn zu essen. 

Weil mir ewr kessl ist abgehawen, 
25 Muß ich gehn und wider umbschawen 

Umb einen andern herren milt. 

Schaw du auch, wo du bleiben wilt 

Und forthin wilt behelffen dich! 

Und tröst dich weiter nicht auff mich ! 
80 Darumb trol dich nur von mir ab! 

Der verlorn son spricht: 

du untrewer, nasser knab! 
Wolff, Wolff, Wolf ist dein rechter nam. 
Du hast mich gefressen ohn schäm. 
35 Vil hab ich dir gehencket ahn. 
Ist ietzunder solches dein lohn, 

3 Vgl. 9, 428. 7 ? vaUend ü. 16 K So loyh ein. 20 K der. 



233 

Das du mich schlechst auff haberweydt? 
Des hab dir trüß und das hertzleidt! 
Du hast mich umb das mein beschiessen. 

Wolff, der Schmarotzer, spricht: 

5 Aide, Juncker! ich scheydt mit wissen. 
Ich thu dir ietzt zu dieser frist, 
Wie mir vor auch geschehen ist 
Von meinen gseln an der stedt, 
Da ich auch gar verlernet het. 
10 Das Sprichwort für die äugen stel, 
Das sagt: nimmer gelt, nimmer gsel! 
Das solt du vor haben betracht. 
Eh du dich best zu armut bracht. 

Wol, der heuchler, g^ehet ab. Der verloren son hebt sein hendt 
15 auff und spricht kleglich : 

Ach Gott, was sol ich fahen ahn. 
Weil ich mein erb gar hab verthan 
Und hab ietzt weder gelt noch pfandt 
Und ist durch- au ß im gantzen landt 
20 Korn, weyn, gersten so thewr, 

Das man becht habern, kielen und sprewr. 
Ach Gott, wie bin ich so cllendt! 
Aller-erst stöst mir in mein hendt. 
Was mir mein lieber vatter saget. 

25 Der burger kumbt unnd spricht: 

Wer ist, der also hart sich klaget? 

Der verloren son spricht: 

Ich bin ein mann ellendt und arm. 
[K 3, 1,404] Ich bit durch Gott: dich mein erbarm! 
80 An hab und gut bin ich verdorben 
Und darzu schier hungers gestorben. 

Der burger spricht: 
Du bist ein junger, stareker man, 

1 Fastnaohtspiele ans dem 15 jh. s. 661. Ayrers dramen s. 2606. SohmeUers 
bayerisches wtfrterbach 2, 137. 14 E Wolff, 



234 

Der wol sein brodt verdienen kan. 

Der verloren son sprieht : 

Ja, wenn ich nur ein herrcn het, 
Der mich ietzundt auffnemen thet! 
5 Dem wolt ich hertzlich dienen gern. 

Der burg^er spricht: 

Ich wil dich selb dienstes gewern, 
Wo du nur dienst wilt bey mir han. 

Der verlorn son spricht : 
10 Ja, mein herr, gern; was muß ich than? 

Der bnrger spricht: 

Ich wil dich schicken auff das gew, 

Da must du hüten meiner sew. 

Ich darff dein sunst zu keinem knecht. 

15 Der verlorn son spricht: 

0, der dienst wirt mir eben recht, 
Auff das ich nur zu essen hab 
[A3, 1,200] Und kumb des bittem bungers ab. 

Der burger spricht: 

20 So glob dein trewen dienst mir ahn^ 
Zu dienen umb ein zimling lahn! 
Nun Yolg mir und thu nacher gähn ! 

Der burger geht vor, der verloren son folget im nach. 

Actus 5. 

Der verloren son gehet ein mit einer hirten-daschen und stecken, 
hebt sein hendt und äugen auff gen himel, spricht : 

Ach Gott, wie ellendt bin ich ictz! 
Des tags trag ich der sonnen hitz, 
Die nacht muß ich in kelt erfriern, 
so Bey den sewen sticken, den thim, 
Muß darbey austhen gferlich noht, 



235 

Gib mir ein tag ein girsten brodt, 

Gar klein, muß halb darbey erhungern. 

Man geb mir doch zu essen ungern 

Der sew treber genug zu essen. 
5 Erst bin mit rewen ich besessen, 

Das ich so übel hab gethan 

Mein gut, denck auch mit seufftzen dran. 

Mein vatter vil taglöner hat, 

Die doch haben des brotes sat. 
10 Was thu ich denn alhie verderben 

Im hunger? sol ich ellendt sterben? 

Ich wil heim zu dem vatter mein 

Und wil zu im sagen allein: 

Vatter, ich hab gesundet schier 
15 In dem hymel und auch vor dir. 

Bin forthin nicht mehr werdt auff erdt, 

Das ich dein son genennet werdt. 

Ich bit dich: mache mich allein 

Als einen der taglöner dein ! ^ 

20 Ich wil halt lenger nicht da stehn. 

Sonder heim zu meimb vatter gehn. 

Zu büssen meines hungers schaden. 

Ich hoff ie, er werdt mich begnaden. 

Der verlorn son geht ab. [E 3, 1, 405] Der vatter gehet ein, 
25 redt mit im selb und spricht: 

Wo ist mein junger son im landt? 

Es thut mir gleych im hertzen andt. 

Man sagt mir, er sey frech und geil 

Und wirdt unnütz ahn sein erbteil. 
80 Mit losen gseln, unzüchting weyben 

Thut er sein zeyt ietzundt vertreiben. 

Das hab ich wol gefurcht vor langst. 

Umb in ist mir heimlich sehr angst. 

Ob er sich nun gleych übel helt, 
35 In alle sttnd und laster feit 

Und all sein gut gleych wirt verthun. 

So ist er dennoch noch mein sun 

Auß meinen lenden, meinfleysch und blut. 

Dem ich von hertzen gün als gut. 
40 Hoff, Gott werdt in verlassen nit, 



23»; 

Werl ieh 4ea tedkii Ür ia. hiz. 

Sdasw'. WK irefat dort ein measelL daker 

Ia sjmstt'VtUser reber. 

Tiuwriz. er«itklr;.*h^z^- in L^rtzenUidt. 
& Wie ein hirdt m zeiTi»€Bi kiejäc. 

Holaoget, wettenarb und Laf». 

Dftnbaicket. ga&tz daer und mager. 

In der leng *vie der sone mein? 

Warlich. Tarlich, er wirt es sein. 
i'i 3fich jammert «ein. es thot sich refea 

Mein Tatter-bertz. ich wil entg^en 

Im laufen fflr das haaG anGhin, 

Vor frewden groG ambfahen in. 

D«r ratter lanUt, mnbfecht den aon, küat in, der aon feit anlT 
bejde knie, hebet sein hendt anff nnnd spricht: 

Vatter, ich hab gesundet schier 
In den hvmel nnd anch vor dir. 
Ich* bin fort nicht mehr werdt anff erdt. 
Das ich dein son genennet werdt. 
90 Dammb mach mich fort-bin allein 
Einen aoG den taglönern dein! 

Der vatter hebt in anff nnnd spricht : 

Es sol dir als verzigen sein, 

Hertz-aller-liebster sone mein! 
25 Knecht, geh ! das beste kleydt im bring ! 

Nimb ahn dein handt den finger-ring 

Und zench im schnch an seine füG ! 

Anff das er anch sein hnnger büG, 

Ho herejt im das aller-best 
80 Kalb, das anffs feistest ist gemest! 

LaG essen uns nnd frölich sein, 

Seit kämmen ist der sone mein! 

Welcher vorhin war gar verlorn, 

War todt, ist wider lebendt worn. 

Der knecht kumbt, leget im ein kleydt ahn unnd pantoffel an 

die füß. Der vatter spricht: 

Nun wollen wir hienein den sal, 
Halten ein frölich abendtmal. 



237 



Sie gehen alle ab. Der elter söhn kumbt, tregt ein rechen, 

steht und horcht und spricht: 

Was ist im hauß für ein geschöl, 
Als ob man hochzeyt halten wöl, 
5 Das sanst der brauch nit ist im haoß? 
Heintz, Heintz, knmb dochza mir heraaß! 

Heintz, der knecht, kumbt. Der elter son spricht: 

Sag mir .doch! wer ist drin im hanß, 
Das man also lebt in dem sauß? 
[K 3, 1,406] Sag mir! was bedeut diß gesang 

Und auch der harpffen süsser klang, 
Die ich in dem hauß hab vernummen? 

Der kneeht spricht: 

Dein bruder der ist wider kummen, 
15 Dem hat dein vatter ein gemest 
Kalb geschlachtet auffs aller-best, 
Das er in wider hat gesandt. 
Mit dem erfrewdt er sich ietzandt 

Der elter son speyhet auß unnd spricht: 

20 Pfuy, was sol man von wander sagen? 

Hat in der teuffei wider heim tragen? 

Ich meindt, im het vil baß gebürt. 

Ein rab het in im kropff hin gfürt, 

Den unnützen, stüdtfanlen lecker. 
25 Wolt Gott, das er leg in dem Necker! 

Es Wirt doch nichtssen guts auß im. 

Der vatter steht unter die haußthür und spricht : 

Hör ich nit meines sones stim 
Dauß vor dem hauß? sone mein, 
30 Ich bit dich: kumb zu uns herein 
Und sey doch auch frölich mit mir! 

Der elter son «pricht: 

[A3, 1,201] So lang hab ich gedienet dir 

Willig, gehorsam, mit verlangen, 
35 Hab dein gebot nie übergangen 



238 

■ 

Und da hast mir in all meimb leben 

Doch nie kcinböcklein gschcncktnoch geben. 

Das ich mit meinen frennden got 

Aach het gehabt ein gnten mnet. 
5 So aber der dein son ist kommen. 

Der sein erbtheil hat eingenommen. 

Der dir almal hielt wiederbart, 

Der non sein gat bübischer art 

Mit hum ond hoben ahn hat wom, 
10 Der ist der liebst ond aosserkom 

Und hast im gschlacht ein kalb gemest, 

Helts im ein gastong aoff das best. 

Daromb so wil ich nit hienein. 

Der vatter sprieht: 

15 Ach hör, do lieber söue mein! 

Do bist doch alzeyt bey mir. 

Als, was ich hab, gehöret dir. 

Do soltest aber frölich sein 

Mit mir ond diesem broder dein; 
20 Denn dieser dein broder war todt, 

Itzt lebt er gsondt ahn alle noht; 

Darzo war er aoch gar verlorn, 

Non ist er wider gfonden wom. 

Den hab ich aoffgnommen zo gnaden 
25 Und meine freondt darzo geladen. 

Ach lieber son, komb doch herein! 

Der elter Bon spricht: 

Ich wil mit onbekflmmert sein. 
Er sol mich nit zu frewdt bewegen, 
30 Wil mich ongessen nider legen. 
In das hauß so komb ich heindt nit 
Hab dir dein son! wir reych darmit! 

Der elter Bon gehet trutaig dahin. Der vatter spricht 

Nun wilt mir erst im altar dein 
35 Unghorsam, wiederspenig sein, 
Der du warst in der jogendt fromb, 

• 

32 K werd r. 34 K alter. 



239 

So ist dein brader gwesen dumb 
Erstlich in seinen jungen jaren ; 
Seit er aber nun hat erfarn 
Elendt, hartsei und armnt, 
[K 3, 1,407] Nun wirt er erst ghorsam und gut 
Und mir ein wolgeratner son, 
Dem ich auch alles guts wil thon, 
In nicht neyden von wegen dein, 
Sonder ich wii zu im hinein . 
10 Und mit im fro und frölich sein. 

Nach dem gehen sie all in der ordenung ab. Der ernholt kumbt, 

und beschleust: 

Nun hört weiter zum beschluß 

Die erkleruDg dieser gleichnuß! 
15 Gott vatter deut den vatter nun. 

Der mensch bedeut den jüngsten sun. 

Dem Gott den hymlischen erbteil 

In der tauff gibt der seel zu heil, 

Nemlich die kindtschafft und unschuldt. 
20 Denn lebt der mensch in Gottes huldt. 

Der heuchler uns bedeuten thut 

Den alten Adam, fleysch und blut, 

Der in auff alle übel reytzt, 

Wieder Gott zu handeln verbeitzt 
25 Mit Icibes wollust allerley, 

Sünden und lästern, wie das sey 

Mit hurn und hüben obgemelt: 

Deuten den Sathan und die weit. 

Zu dem er sich von Gott abkert, 
30 Sein geystlich gab schendtlich verzert. 

In Sünden verstockt und erblindt. 

Eigens verderben nicht entpfindt, 

Da ein sünd auß der andern fleust, 

Des geystes trost endtlich verleust. 
35 Der burger bedeut Gottes gsetz, 

Das in hart angreift an der letz, 

Nimbt im den glauben und hoffnung. 

Der hunger tringt zu, verzweyfflung, 

Das er inwendig wirt gebissen, 
40 Das in selb arteilt sein gewissen, 



240 

Er sey verdambt, in über windt, 
Er sey fort mehr keyn Gottes kindt. 
Als-denn die weit und der Satan 
Weicht von im, spotet sein daran. 

5 All irdischer trost von im fleucht. 
Als-denn in Gott erst zu im zeucht 
Durch kranckey t, armut, schandt oder schaden. 
Erst hungert in nach Gotes gnaden, 
Sein sünd demtttiglich bekendt. 

10 Durch rew und büß er zu imlendt. 
Als denn im Gott entgegen geht, 
Mit gnad umbfecht in an der stedt, 
Wann Gott wil nicht des Sünders todt, 
Sonder sich beker und lob Gott 

15 Durch Jesum Christum, seinen son, 
Der gnug hat für sein sünd gethon. 
Das ist das kleidt, der unschuldt tuch. 
Und legt dem Sünder an die schuch 
Des evangeli, das er handel 

20 Forthin in eim christlichem wandel, 
Gibt im auch wider an sein handt 
Das flngerlein, des geystes pfandt, 
Und speist in mit dem sacramendt. 
Das kelblein Christus ist genendt, 

25 Nimbt in wider auff zu eim son, 
Des sich denn hoch erfrewen thon 
All engel, wie denn sagt Christus: 
Wo auff erdt würckt ein Sünder büß, 
Mer denn ob hunderten geschieht, 

^^ Welche der büß bedürffen nicht. 
Der eltest son bedeuten thut 
Menschlich vernunfft auß fleysch und blut 
Dei* werckheyligeu, stoltzen häufen, 
Die mit verdienst wollen abkaufen 

35 Gott sein hymel, nur auff werck trachten. 
Den büssender sünder verachten, 
Den Christus gnedig hat erlöst 
Durch sein todt, in aufferweckt und tröst. 
[K 3, 1,408] Derhalb ein sünder nit verzag, 
40 Kehr wider^ das er gnad erjag, 
Das nach: dem ellendt im erwachs 



241 

Ein evvigs leben! wünscht Hans Sachs. 

Die pcrson inn die comedia: 

1. Ernholdt. 

2. Der vatter. 

5 3. Der elter son. 

4. Der verloren son. 

5. Wolff, der Schmarotzer. 

6. Dulceda, die schön fraw. 

7. Hilla, ir magdt. 
10 8. Der burger. 

9. Heintz, der knecht. 

Anno 1556 jar, am 18 tag Apriliis. 



242 



[A3, 1,203] Tragedia mit 9 personell, die anfferweckang 

Lasariy unnd hat 3 actns. 

Der ernholdt tridt ein, neigt sich unnd spricht: 

GnaJ unnd friedt Jesu Christy 
f) Sey mit euch allen, so alhy 

Versainlet sindt, frawen und man! 

Ein tröstlicli evangelian 

Wöl wir halten tragedi-weyß, 

Gott, dem Herren, zu lob und preyß 
10 Und uns zu trost, welcher der lieh 

Johannes am eilfften beschrieb, 

Wie kranck lag zu ßethania 

Lasarus, derhalben Marta 

Und Maria, sein Schwester beidt, 
15 Schickten in grossem hertzcn-leidt 

Zu Christo, das er körn zu in, 

Nemb Lasaro sein kranckheyt hin. 

Als Christus aber hört die klag, 

Blieb er noch an dem ort zwen tag. 
20 Dicweyl aber starb Lasarus. 

Solches vor saget doch Christus 

Sein Jüngern und zog darnoch dar, 

Als in dem grab gelegen war 

Lasarus, und war schon viertoglich. 
25 Sein Schwester aber theten kleglich, 

Glaubten nit, das Christus durch Gott 

lu kundt erwecken von dem todt, 
• Weil er schon stinckendt war und schmecket. 

ledoch Christus in aufferwecket 
90 Vom tode wider zu dem leben; 



?43 

Und wir doch theten wiederstreben 
Die Juden seiner wuudertliat, 
Wie sich das als verloffen hat, 
Das wert ir hören unde selion 
5 Mit werten und der that geschelien. 
Nun seit Stil, biß das endt thut neben ! 

Maria Magdalena tridt ein mit ihrer Schwester Marta und 

spricht : 

Ach Marta, mein hertz-liebe Schwester, 
10 Wie ist unser bruder seidt gester, 

Lasarus, so todt-kranck gewesen! 

Ich furcht, er kün gar nit genesen. 

Die ertzt haben an im verzaget 

Und haben in gwiß todt gesaget, 
15 All erlzney sey an im verlorn. 

Martha spricht: 

• 

Baldt unser bruder kranck ist worn, 
So gechlich mit grimmigem schmertz, 
(K 3, 1,409] Da entpfiel mir so baldt mein hertz 
20 Und wünscht Jesum, den Herren, her. 

Maria spricht: 

icli hofft, wenn er ietzt hie wer, 
Erwürdtden todt-krancken und schwachen 
Mit einein wort baldt gesundt machen. 
25 Er hat die göttling ertzeney. 

Marta spricht : 

wer weyß, wo er ietzundt sey! 
Er ist lang nit gwest in Judea. 

Maria spricht: 

30 Er durch- wandert Galilea, 
Thut das evangeli verkünden 
Dem volck, Vergebung aller Sünden ; 
Wann als er nechst bey uns thet predigen, 
Da stehen im nach, zu beschedigen, 



1 7 wie. 



16 



244 

Die hohenpriester and Phariseer, 
Die sclirifftglerten und Sadoceer. 
Die künden sein lehr nit mer leyden. 
Solchem mordt-hessigem neiden 
5 Er ist entwichen auß dem landt. 

Marta spricht: 

Ich glaah, wenn iemandt wttrt gesandt 
Von uns, ich glauh, das er noch körn, 
Heimlich sich unser noht annöm 
10 Zu uns her gen Bethania. 

Maria spricht: 

Dunckts dich geraten, mein Marta, 
So wöl wir iemandt zu im schicken, 
Das er kunih und tliu uns erquicken 
15 Lasarum von der kranckeyt sein. 

Marta spricht: 

Maria, liebe Schwester mein. 

Ich hoff ie, er nit aussen blieb. 

Er hat uns alle drey so lieb. 
20 So offk fürgeht der wege sein. 

Zeucht er alle mal zu uns ein 

Zu herberg; darumb wöl wir hin 

Schicken und lassen bitten in, 

Das er kumb und helff uns in noht, 
25 Eh unser bruder sterbe todt. 

Sie gehen beide ab. Abraham, der Phariseer, und rabi Mose 

kummen und Abraham spricht: 

Wo ist ietzunder der Jesus, 
Welclier sich nennet, er sey Clnistus, 
so Der Mesias und war heylandt. 

Der von Gott sey dem volck gesandt 
Israel nach sag der propheten? 

Babi spricht: 

Wenn wir im lenger zugsehen betten^ 
85 Er het das gantze volck verfürt, 
Wie man am gmeinen pöfel spürt, 



l 



245 
Der im nach loff and hieng im ahn. 

Abraham spricht: 

Er hat ans grossen schaden than 
Mit seiner newen falschen lehr. 
5 Unser auffsetz gelten nit mehr, 
Die vor viel jaren von den alten 
Sindt aufgesetzt und worden ghalten, 
Die hat er ans gar ambgestflrtzt. 

Habt spricht: 

10 Dardurch hat er uns auch abkürtz 
Unser reichtumb, gewalt und macht, 
Hat uns in groß Verachtung bracht. 
Vor hilt man uns in wirdt und ehr, 
[K 3, 1,410] Sahen allein aaff unser lehr 

15 Und unser sapei*stician, 

Aber ietzundt der gmeine man 
Uns sambt unser lehr gar veracht. 
Gar wenig opffer wem uns bracht. 
Derhalben hab wir uns vereinigt 

so Und weiten in haben versteinigt, 
Da er uns aber an den enden 
Den knechten entgieng auß den henden. 
Seit her hab wir in nit gesehen. 



-f 



o 



O^'' 



0> 



Jkt. 



/ •■ i-^ 



.^ 



/« 



f > 



Abraham, der Pharisäer, spricht: 

35 Er hat sich ein weil thun auß drehen 
Mit seinem evangelion 
Und sucht ein unverschalckten blon; 
Wann er fflrcht auch der seinen heut. 

Rabi spricht: 

[A3, 1,204] Abraham, es sagen die leut. 

Wie Lasarus sey tödtlich kranck, 
Zu dem Jesus auch hat sein ganck 
Und schlupffwinckel, her lang zeyt da, 
In dem flecken Bethania, 
35 Der im anhecbt and beyde Schwester. 



10 ? abkOnt. 



246 

Abraham spricht: 

Lasarus ist gestorben gester 
Und man hat in auch schon begraben. 
wie ein grosse klag sie haben! 
5 Und sindt auch vil Juden zu dem 
Nauß gangen von Jerusalem. 

Rabi spricht: 

Mein Abraham, und ist das war, 
Wolauif, so wollen wir auch dar 
10 Und trösten sie, \Yeil sie beysandt 

Uns sindt in freundtschafft hoch verwant, 
Lang zeyt gewesen wol bekandt. 

Sie gehen alle auß. 



Actus 2. 

Der Herr kumbt mit seinen jungem unnd spricht : 

Wolauif und last uns alle nider 
Baldt in Judeam ziehen wider! 
Lasarus, unser f renn dt, ist kranck. 
Zu dem so muß ich thun ein ganck, 
20 Wann sein kranckeyt ist nit zum todt, 
Sonder das werdt gepreyset Gott 
Und der son Gottes werdt erklert, 
Dardurch erkandt auff erden wert. 

Petrus spricht: 

25 Meyster, Jens mal wol weiten dich 
Die Juden versteinigen sich 
Und du wilt wiederumb zu inn. 

Jesus spricht: 

Ey Peter, waist du nit ? es sinn 
»0 Zwölif stunde in eim gantzen tag, 
Und wer des tages wandlen mag, 
Der selbige der stöst sich nicht, 
Weil er des licht des tages sieht; 



247 

'^er aber wandelt bey der nacht, 
Der stöst sich, and das selbig macht, 
Das gar kein lichte in im ist, 
Das im vor leuchtet. Nun, so wist! 
5 Lasarus» unser freunde, schleift; 
Ich aber geh in dem gescheut, 
Das ich in anffweck wiederumb, 
Wenn ich gen Bethania kumb. 

Thomas, der zwilling, spricht: 

10 Weil der kranck schleift in den bcsch werden, 
So wirt es besser mit im werden 
[K 3, 1,411] Und baldt wider sein frisch und gsundt. 

Jesus spricht: 

Nun wist! ich thu euch allen kundt: 
15 Unser freundt Lasarus ist todt, 

Ich aber bin fro und danck Gott, 

Umb ewrn willen frew ich mich. 

Das nicht da bin gewesen ich, 

Auff das ir secht, das ich es bin. 
20 Nun wöl wir zu im ziehen hin. 

Thomas spricht: 

Nun last uns all zihen mit dem 
Und mit im zu Jerusalem 
Sterben f es wirt nit anders dran, 
25 Wir werden mit zu boden gähn. 

Sie gehen aulf der pün hia unnd her.\ Marta kumbt , feit im 

zu fassen und spricht : 

Ach Herr, werst du gewesen hie. 
Mein bruder wer gestorben nie. 
30 Aber ich weyß gewiß iedoch, 
Was du ie von Gott betest noch, 
Das selbig wirdt von Gott dir geben. 

Jesus spricht: 
Dein bruder sol erstheu und leben. 

85 J£arta spricht: 



248 

Jesu, mein Herr, das wcyß ich wol, 
Das mein brader auifersthen sol 
In der urstendt am jüngsten tag. 

Jesus spricht: 

5 Weist nit? ich bin nach der schrifft sag 

Die anfferstehang und das leben, 

Wenn wer an mich gelaubet eben. 

Der Wirt leben, ob er gleych stürb, 

An einer kranckeyt er verdürb; 
10 Wer aber lebt und glaubt an mich. 

Der wirt nit sterben ewiglich. 

Sag, Marta, ob du glaubest das! 

Marta spricht: 

Ja, Herr, ich glaube es aller maß, 
15 Das du seist Christus, Gottes sun. 

Der in die weit ist kummen nun 

Der einige heylandt allein. 

Ich bit dich, Herr! ker zu uns ein, 

Das wir in unserm hertzen-leydt 
20 Von dir werden getröstet beydt! 

Jesus spricht: 

Gehin! zeyg ahn der Schwester dein, 
Ich wöl heindt bey euch keren ein! 

Marta gehet ab. Jesus, der heylandt, spricht: 

25 Last uns nein zu dem flecken gehn. 
Heimzusuchen Lasarum, den 
Todten, dardurch sich Gottes ehr 
Und sein wort sich außbreit und mehr! 

Der Herr gehet ab mit seinen jungem. Maria kummet mit 
den Juden, setzt sich und spricht kleglich: 

du mein bruder Lasare, 
Nun sie ich dich auch nimmerme, 
Seit du von der weit bist geschieden 
Und hast den bittern todt erlieden. 
35 Das dawret mich in meinem hertzen 
Mit unrüigem leidt und sclimertzen. 



249 
Das ich gar nit anßscblagen mag. 

Abraham, dör Phariseer, spricht: 

[K 3, 1,412] Maria, mach endt deiner klag! 

Dein bruder Lasarum war frumb. 
5 Darumb hat in Gott wiedernmb 
Genummen mit dem todt darvon, 
Das er im dort geb ewing lohn. 

Babi spricht: 

Maria, laß dein klag mit rw! 
10 RiClit deim bruder ein opffer zw, 
Der seiner seel zu einer stewer 
Ob sie noch wer in dem fegfewr ! 

Marta kumbt, redt ir heimlich zu unnd spricht 

Maria, kumb! der Herr iß da 
15 Vor dem flecken Bethania. 
Kumb! geh entgegen im allein, 
[A3, 1,205] Wann er wil zu uns keren ein, 
Zu trösten uns in unser noht 
Ob unsers lieben bruders todt. 

20 Maria spricht: 

Ja, wer der Herr vor da gewesen, 
Der kranckeyt wer er wol genesen. 
Nun aber ist all hoffnung auß. 

Martha spricht : 

25 Er begert dein baldt, kumb herauß! 
Wann er ist bey dem thor gar nach; 
Darumb kumb eilendt! in entpfach! 

Sie gehen beydt ab. Abraham spricht: 

Sie geht zu dem grabe allein, 
30 Das sie daselben klag und weyn, 
Weil ir hoffnung auf Jesu stundt. 
Warumb macht er in nit gcsundt, 
Eh das er starb, der gute man? 

Rabl pp rieht : 



250 

Hat er der blinden aagen auf tlian, 
Was kündt auch int verschaffen der, 
Das dieser nit gestorben wer, 
Weil in der het so lieb forhin. 
5 Derbalben halt ich nichts auff in. 
Im hecht allein der pöffel ahn, 
Der die gcscbrifft nit lesen kan. 
Knmb! wir wollen auch nach hin gähn. 

Sie gehen beidt auß. 



10 Actus 3. 

Der Herr gehet ein mit seinen Jüngern unnd spricht 

Nun sey wir bey Betania. 
Dort kumbt Maria and Marta, 
Beid Schwester, anff das sie denn einen 
15 Verstorbenen brnder beweinen. 

Maria feilet dem Herren 8u füß und spricht: 

Herr, werst du eh kummen her, 
Mein broder nit gestorben wer. 
Wie lang hab ich gewartet dein, 
20 Ich und Marta, die Schwester mein! 

Jesus \weinet\ unnd spricht: 

Ey zeyget mir! wo habt ir in 
Nach seinem todt geleget hin? 

Maria stehet auff und spricht : 

25 So kumb, mein Herr, und thu es schawen! 
Auff dich hab wir gsetzt unsern trawen. 
Wie hat der kranck auch mit begir 
So offt hertzlich geseufftzt nach dir, 
[K3, 1,413] Wenn du doch kumbst, uns gefragt! 

30 Biß er doch trostloß und verzagt, 

Weil du dich gsaumbt hast auf der Strassen 

Und in nöten in verlassen, 

Ist er gleych in den todt verschieden. 



251 

Jesus spricht: 

Maria, schweyg und sey zu frieden ! 
All ding müglieb sindt bey Gott. 
Zeyg mir nur ahn, wo ligt der todt! 

5 Marta sieygt unnd spricht: 

Schaw, lieber Herr! tia ist sein grab. \ 

Jesus weynet und spricht: 

Ey, so hebet den stein herab! 
Last mich in sehen, wo er sey! 

10 Marta spricht: 

Ach lieber Herr, trit nicht herbey 
Und laß das grabe zu gedecket, 
\ Wann dertodtgwißlich&tinclit und schmecket, \ 

Wäiin er iigf heudt den vierten tag! 

15 . Jesus spricht ; 

Marta, glaubst nicht meiner zusag? 
Wenn du gelaubtest diese zeyt, 
So würstu Gottes herrligkeyt 
Mit dein leiblichen äugen sehen, 
•20 Die an deim bruder wirt geschehen. 

Man hebet den steyn ab. Jesus schawet gen hymmel unnd 

spricht: 

mein vatter, dir dancke ich, 

Das du hie hast erhöret mich. 
25 Doch weyß ich, das du mich alzeyt 

Erhörest durch dein gtltigkeyt. 

Und solliches hab ich geredt 

Von wegen des volcks, das da steht. 

Das sie warhaift glauben all sandt, 
30 Das ich sey der weite heylandt. 

Jesus schreyet laut: 

Lasare, Lasare, thu auff sthen ! 
Nun löst in auff und last in gehn ! 



252 

■■■> 
IiftsaruB sitst auff im grab i, die jünger losen sein hendt aaff» 

spricht mit auffgehaben henden: 

Christe, dir sey lob, preyß und ehr 
Hie und dort ewig immorinchr, 
5 Das du mir, einiger heylandt, 
Hast aufgelöst des todtcs bandt, 
Mein seel wider zum leyb berafft, 
Die schon war in der helle grafft 
In dem ewigen todt begraben, 
10 Die niemandt möcbt erlöset haben, 
Den du mit deinem thewrem blat, 
Das allen geystern kumbt zu gut, 
Die all dort warten der hofißiung! 

Jesus spricht: 

ift Lasare, kumb! es ist genung. 
Ich wil in dein hauß keren ein. 
Auch mit den lieben jungem mein. 

m 

Der Herr gehet mit ihn allen auß. Abraham kummet mit dem 

rabi unnd spricht: 

20 Nun hab ich ye auff erdt dergleychen 

Gesehen nie kein wunderzeychen. 

Nun hat er auch vorhin durch Gott 

Der wittib son erweckt vom todt 
[K 3, 1,414] Und auch Jairus töchterlein, 
s5 Yil aussetzig gemachet rein, 

Auch redendt gemacht etlich stammen, 

Geradt gemacht die lamen, krummen. 

Auch hat er vil teuffei außtrieben. 

Diß von Messia ist geschrieben; 
30 Wie, wenn dieser Messias wer? 

Rabi spricht: 

Ach, das laß dir sein ein dant-melir! 
Wenn Messias her kumbt auff erden, 
So wirdt gar niemandt wissen werden, 
85 Von wann er sey und thu außgahn. 
Sein vatter ist ein zimmerman, 
Heist Joseph, den wir all wol kennen. 



253 

Er thut wol Gottes son sich nennen, 
Doch ist es mit im phantese3\ 
Sein zoychen gschehen durch zauberey. 
[A 3, 1, 206] Sein wunderthat du nit recht kenst. 
5 YjT geht nmb mit lauter gespenst. 
Darmit blendt er den gmeinen man. 
Der gierten hecht im keiner ahn 
Von anfang her biß zu den tagen. 

Abraham spricht: 

10 So wirt noht sein, das wirs ansagen 
Dem hohenpriester und vorsteeni, 
Den schrifftgelerteu und Phariseern. 
Solt dieser mensch also hin gohn, 
Weil er hat solche zeychen thon, 

15 So wirt alles volck an in glauben. 
Denn würden kummen und Jberauben 
Die Römer uns landt unde leut. 



-\ 



Babi spricht: 

Drumb muß maus unterkummen heut. 
20 Es ist vil besser, ein mensch sterb, 

Wenn denn das gantze volck verderb. 

Darumb solch anschleg sindt von nöten, 

Das man den menschen fach zu tödteo« 

Baldt auff das Osterfest er kumb, 
25 Das man in anzeyg umbadumb 

Den obersten, das man in fach. 

Abraham spricht: 

Ey, Mose, im wirt nicht so gach 

Auffs fest; iedoch muß wir gmach than, 

30 AjiflLdas nicht von dem gmeinen man s/ vt^> «^ ■ 
Ein anffrhirnveriät im gantzen landt, /> 
Das er in schütz und uns all sanft ^ ^' *^ -' 

Bring in gefehr. Kumb! es ist spadt. 
Wir wollen lauffen in die Stadt, 

85 Das anzeigen dem obern raht. 

7 Vgl. stt 10, 44, 9. 21 ? W. daa da«. • 



254 



Sie gehen beydt ab. Der ehrnholt kumbt unnd beschleust: 

Die evangelische histori 

Dient zu der Gottes ehr und glori 

Und ist uns ein tröstlicher spiege), 
5 Unser «rslendt ein wares siegol. 

Geistlich auch Lasarus bedeut 

Auff erdt ein armer sünder heut, 

Der frevenlichen wider Gott 

Gebrochen hat seine gebot 
10 Und in den Sünden ligt verdorben, 

Ahn Gottes guad geystlich gestorben, 

Verrucht, verstockt und unverschembt, 

Kein warnung, lehr noch straff auffnembt, 

San) stinckendt, schuödt vor iederroan, 
15 Gantz auffgeschlossen durch den pan, 

Gleich wie ein abgeschnitner reben, ^ - f 

Gantz allen lästern ist ergeben. .-■. *%, v • " 

Marta bedeut die christlich gmein, j ^1 

^ Welche des Sünders todt bfijivei.n ^..A' '. 

20 Und Christo mit irem gebet 

Für in anrüfft frü unde spet, 

Biß Christus durch sein geyste kumb 

In seinem evangelium 

Und rüffet dem Sünder einwertz 
[K 3, 1,415] Durch sein geystlich stimb in sein hertz, 

Erstlich in durch das gsetz erschrecket 

Und geystlich in vom todt erwercket, 

So er im huldt und gnadt verkündt, 

Vergebung aller seiner sündt 
so Umb sunst durch sein heyliges blut. 

Baldt das der sünder glauben Ihut, 

So lest im Christus, der heylandt, 

Auff seins geistlichen todes pandt. 

Lest in gehn nach seim worte eben 
85 In einem new christlichen leben, 

Wiewol der Phariseer schar 

Auch darob wirt entrüstet gar, 

Weil ire gsetz und menschen-fund 

Durchs evangeli fallen thund. 
40 Gern sie ^las wort auch zu verdrücken 



255 

Mit falschen, arglistigen ducken, 
Icdoch Gott sein wort selb erheldt 
Za trost sein Christen ausser weit. 
Das in trost und heyl darauß wachs 
5 Hie und dort ewig, wünscht Hans Sachs. 

Die person inn die trage dia: 

1. Jesus, der heyl an dt. 

2. Petrus, der apostel. 

3. Thomas, der zwiling. 

10 4. Lasarus, der yerstorben. 

5. Maria, sein Schwester. 

6. Marta, sein Schwester. 

7. Abraham, der Phariseer. 

8. Mosi, der rabi. 
15 0. Der ehmholdt. 

Anno 1551 jar, am 19 tag NoYcmbris. 



256 



Tragedia mit 31 personen, der gantz passio nach 

dem text der vier evangelisten , vor einer christlichen ver- 
samlnog zu spielen, nnnd hat 10 actns. 

Der ernholdt tridt ein, neigt sich unnd spricht: 

5 Heyl, friedt, genad unnd Gottes segen 

Wünschen wir heut und alle-wegen 

All den, so hie versammelt sein. 

Ir lieben Christen all gemein, 

Gott zu ewigem lob und ehren, 
10 Auch christliche andacht zu mehren, 

Weil wir heut zu gedechtnuß hon 

Des Herren Christi passion 

Nach bschreibung der evangelisteu, 

Da werdt ir andechtigen Christen 
13 Sehen und hören an der Stadt 

Beide mit werten und mit that, 

Sam in einer contrafactur 

Fürgebildet gantz dar und pur, 

Was Christus, unser heylandt werdt, 
20 Für uns erlitten hat auff erdt,' 

Darzu in Gott thet ausserweln. 

Das man das ornlich müg erzein, 

Hab wir auß teilt in zehen teil. 

Allen menschen zu nutz und heil, 
23 Das man dester klerlicher den 
[A3, 1,207] Passion künd und müg versthen. 

Im ersten theil wirt zeyget ahn, 

Wie Christus, unser heylandt fran, 
[K 3, 1,416] Saget den lieben jungem sein, 
80 Er muß leyden des todes pein, 



257 

Sein zeyt sey liummen und nach dem 
Schickt er Petrum und Joliannem, 
Auff das sie solten beydesam 
Zu bereiten das Osterlam, 
6 Auch wie raht hielt der priester rodt, 
Christum zu bringen in den todt, 
Auch wie Judas verkauffen thut 
Christum, das unschuldige blut. 
Nun seit fein stil und habet ru! 
10 Höret und sehet fleyssig zu 
Und habet kein gethümmel nit, 
Das kein person wert ir darmit! 
Ist unser aller fleyssig bit. 

Der ehrnholdt gehet ab. Jesus kummet mit sein Jüngern und 
15 spricht : 

Hört zu, ir lieben jungem mein ! 

Das fest der Ostern geht herein. 

Nach zwey tagen muß wir zu dem 

Nauff in Stadt Jerusalem, 
20 Da des menschen son muß auff erden 

Den heyden uberantwort werden, 

Da er muß von den schrifftgelerten, 

Hohenpriestern und den verkerten 

Verspot wirt werden und verhönet, 
25 Verspeit, gegeysselt und gekrönet, 

Gecreutzigt und sterben in klag, 

Vom todt ersthen am dritten tag. 

Petrus spricht: 

Ach lieber Herr, das sol nit sein. 
30 Bit, du wölst selber schonen dein. 

Jesus spricht : 

Ach du Sathan, weych hintersich! 
Wann du bist mir ietz ergerlich. 
Du meinst, das nit göttlich und gut, 
35 Sonder menschlich auß fleisch und blut. 
Warlich, warlich, ich sag euch allen, 
Es sey denn in die erden fallen 
Des weytzeukoren und Verderb 

Uiins Sachs. XI. 17 



258 

Mit einem tode streng find sterb, 
So bleibet es einig allein. 
Stirbet es aber für die gemein, 
So wirt es bringen fruchte viel, 
s Wie es Gott, mein vatter, habn wil. 
Doch ist mein seel betrübt ietzandt. 
vatter, hilf mir auß der stundt! 
ledocli, bin ich kummen darein, 
Vatter, verkler den sone dein! 

Petrus und Johannes trotten zum Herren. Johannes spricht: 

Herr, wo wilt du haben, das wir 
Das Osterlamb bereiten dir? 

Jesus spricht: 

Nun geltet hin ein in die Stadt! 
15 Ein mensch wirt euch begegnen spädt. 

Der tregt ein wasser-krug (versteht!), 

Dem volget nach, wo er hin geht! 

Denn saget dem haußherren schier: 

Der meyster der lest sagen dir: 
20 Wo sol er essen das Osterlamb 

Mit seinen Jüngern allensamb? 

Den wirt euch der zeygen zumal 

Ein schönen gepflasterten sah 

Da rieht das Osterlenilein zu. 
25 Das wirs daselb essen mit rw! 

Die zwen jünger gehen ab. Jesus folget mit den andern hie- 

nach. [E3, 1,417] Cayphas, Annas, rabi unnd Joseph, der raht- 

herr, gehen ein, setzen sich. Der rabi spricht: 

Ir sclirifftgelerten und Phariseer, 
30 Hopriester, eltsten und vorsteer 

über dem volck in dieser Stadt, 

Versamlet in dem grossen raht, 

Rathschlaget nun, was man doch thu 

Mit Jesu, der doch immerzu 
85 Thut solche grosse wunderzeychen. 

Das vor nit gschen sindt dergleichen 

In gantz israhelischem landt 

Durch ein menschen mit mund und haut, 



259 

Dem blindt geboriien sein gsidit geben. 
Der witlib son erweckt zum leben 
Und auch Jairus töcbterlein, 
Vil aussetzig gemacbet rein, 

5 Aucb redent genracbt etlich stummen, 
Gerad gemacht die lamen, krummen; 
Aucb bat er vil teuffei auß trieben 
Und. ietzundt aucb newlicii, ir lieben, 
Lasaruni, der im grab vier tag 

10 Gelegen ist nach des volckes sag, 
Hat er aucb aufferweckt vom todt 
Nit weyß ich, ob es gscbicbt auß Gott 
Oder auß lauter teuffels gspenst. 

Annas, der bischofif, spricht: 

15 Bist ein rabi und doch nit kenst, 

Das es ist lauter phantasey 

Mit. Jesu, der durch zauberey 

All seine wunderzeychen tbut? 

Das ist darbey zu mercken gut, 
20 Das dieser mensch nit ist auß Gott. 

Er helt sich zu der Sünder rot, 

Den zölnern, und veracht zu letz 

Den sabat und bricht Gottes gsetz. 

Auch unser auffsetz er veracht, 
25 So unser vetter haben gemacht. 

Drumb kan er ie auß Gott nit sein, 

Sünder hat ein tenffel unrein, 

Macht uns den gmein mann wiederspenig. 

Derhalb der schrifftglerten gar wenig 
30 Hiengen diesem verfttrcr ahn. 

Allein der pöffl und gmeine man, 

Welche die scbrifft nit ktinnen lessen, 

Folgen seim verfürischen wesen. 

Und lassen wir in also hin, 
35 So Werdens all glauben an in. 

So werden denn die Römer kummen 

Und Wirt uns landt und leut genummen. 

Derhalb ist es warlich von nöten, 

Das man diesen menschen thu tödten. 
4.> Derhalb so rahtot all darzu! 

17* 



260 



Joseph von Arimathia, ein erber er rattherr, einer der eltesten, 

spricht : 
» 
Ir lierrn, aber ich raten tlm: 

Ist auß Gott dieses menschen lehr, 

5 So werdet irs nit dempffcn mehr, 

Auff das ir nit werdet za spodt, 

Ais ob ir streitet wieder Gott. 

Ist sie aber von menschen allein, 

So kan sie nit bestendig sein, 

10 Wirt selb von ir unbstendig fallen. 

Darumb verzieht mit diesem allen, 

Wann Tiiewdos der het auch vorlang 

Ein sehr groß-mechtigen anhang 

Mender, der waren wol vierhundert, 

15 Sindt doch zcrstrewt worden ietzundert. 

Auch Judas auß Galilea 

[K 3, 1,418] Macht auch vil volcks abfellig da 

[A3, 1,208] Und sindt doch sie zerstrewet sehr 

Mit aller iren falschen lehr. 

20 Das selb will ietzundt auch geschehen. 

Ists nit auß Gott, das wert ir sehen. 

Drumb solt ir nit anlegen handt. 

Cayphas, der hohepriester, spricht: 

Ach, wie habt ir so klein verstandt! 
25 Ir wisset nichts, versteht auch nichs. 

Hab ich nit war, so wider-sprichs ! 

Ist nicht besser, das ein mensch sterb, 

Denn das das gantze volck verderb? 

Derhalb sol wir Jesum dermassen 
80 Nicht also, wie vorhin, gehn lassen, 

Sunder wollen in nach den tagen 

Fähen, vor Pilato verklagen. 

Das er zum todt in richten laß. 

ledoch sol nit geschehen das 
85 Auffs fest, das nit ein auffrur werdt 

Unter dem volck, das sein begerdt, 

Des denn her kumbt ein grosse zai 

Auff das Osterfest alle mal. 

Derhalben rattet alle zu, 



261 

Wie mans mit im angreuffen thu, 
Das man mit listen uberkumb 
Den grossen verfürer unfrumb! 
Hat selb die flacht geben ob dem, 
5 Kumbt nit vil gen Jerusalem, 
Seit unser knecht und krieges-knaben 
In nechst wolten versteinigt haben. 

Judas Iscariot, der verreter, geht ein unnd spricht: 

Ir schrifftgelerten, sagt mir eben, 
10 Was ir zu lohn mir wollet geben! 
So wil ich euch mit wort und tliaten 
Diesen menschen in todt verraten, 
Dieweil ir in doch sucht zu tödten. 

Cayphas, der hohepriester, spricht: 

15 Juda, das selb ist auch von nöten. 

Und wenn du wilt das selbig than, 

So wöl wir dir geben zu lahn 

Dreissig keyserisch silberling, 

Doch das du nach kumbst diesem ding, 
20 Jesum gehst uns in unser hendt. 

Judas, der verreter, spricht: 

Ich weiß fast alle ort und endt, 
Da er sich helt nacht unde tag. 
Derhalb, so baldt ich kan und mag 
25 Mit fug und rechter glegenbeyt, 
Thu ichs. Rüst euch in mitler zeyt. 
So bald und ich euch das ansag. 
Es sey gleych bey nacht oder tag, 
Das ir auff seit mit ewer schar! 

30 Annas, der bischoff, spricht: 

Rabi, zel im das gelt nur dar, 
Darmit die sach beschlossen sey! 
Juda, da bleib es gentzlich bey! 

Der rabi aalt im die silberling dar, Juda legt sie in beutel unnd 
35 spricht : 

Ja, da habet keyn zweyffel ahn! 



262 
Wil trewlich dem nach kummen than. 

Judas prehet ab. Cayphas, der hohepriester, spricht : 

Nun hat die sach einen anfang. 
[K3, 1,419J Hoff, er wers nit verziehen lang. 

5 Judas ist seiner zwölff jünger einer. 
Er bringts eh zwcgen, denn sünst keiner. 
Nun wöl wir von dem raht auffsthen 
Und wider heim zu hause gehn 
Und gut achtung haben auff den. 

10 Sie gehen alle ab. 

Actus 2. 

Der ernholdt gehet ein unnd spricht: 

Im andern stück folget in der zal, 

Wie der Herr helt sein letzt nachtraal, 
ir> Darinnen er vor seinem endt 

Auff setzet das fron sacrament, 

Darinn er hat sein leyb und blut. 

Nach dem ir füß in waschen thut 

Zu eim exerapel der demut, mer 
20 Gibt in auch viel tröstlicher lehr, 

Einander sollens liebe han, 

Zeigt auch seinen verreter ahn. 

Der steht auff, thut von in abgahn. 

Der ernholdt gehet ab. Petrus und Johannes gehen ein, be- 
25 reiten den tisch. Johannes spricht: 

Laß fürdern uns! es kumbt dort rein 
Der Herr mit den Jüngern sein. 

Der Herr gehet ein mit den Jüngern. Petrus spricht: 

Herr, du kumbst gleych zu rechter zeyt 
30 Das Osterlamb ist schon bereit. 

Jesus spricht: 

Nun setzet euch zu tisch alsamb. 
Zu essen dieses Osterlamb! 



T 



263 



Sie setzen sich all 8U tisch« I>er Herr spricht: 

Von hertzen hat verlanget mich, 
Das solchs mit euch sol essen ich, 
£h das ich an mein leyden geh. 
5 Wirt fort nit mit euch essen raeh 

Noch trinckn von dem weinstock dergleich, 
Biß ichs new trinck in meins vater reich. 

19'ach dem essen sie, so rimbt der Herr das brodt, dancket 

und briohts, gibt ins unnd spricht: 

10 Nembt hin! esset mein leibe eben, 
Wellicher wirt für euch gegeben! 
So offt ir das wert brechen sein, 
So thuts zu der gedechtnns mein! 

Sie nemen und essen alle nach einander. "Nwsh dem nimbt der 
Herr den kelch, sieht gen himel, danckt und reicht in den unnd 

spricht : 

Nembt hin und trinckt! das ist mein blut 
Des newen testaments gut.. 
Das wiit für vil vergossen eben, 
20 Dardurch die Sünde zu vergeben. 

Sie trincken alle nach einander. Der Herr spricht: 

Seht! unter euch so ist warlich 

Einer, der wirt verraten mich. 

Der zwölff einer, der zu tisch sitzt, 
[K 3, 1,420] Mit mir daucht in die Schüssel ietzt. 

Des menschen son zwar dahin geht, 
[A3, 1,209] Wie denn von im geschrieben steht; 

Weh aber dem menschen auff erdt. 

Durch den des menschen sone werdt 
ao Verraten wirt! Dem menschen verlorn 

Wer besser, er wer nie gebom. 

Die jünfi:er sehen an einander an, spricht ied^r : 
Herr, bin ichs? 

Judas spricht: 
3ä Herr, bin ichs, nach dem man hie sagt? 



I'. 



204 

Jesus spricht : 
Juda, ja, du hast es gesagt. 

Der Herr spricht : 

Simon, Simon, licr mit gefert 

5 Der Sathan hat ower begert, 
Zu reitern wie den weitz warlich. 
Ich aber hab betton für dich, 
Auff das nit auflf-hör dein gelanb 
Und dein hoffnung wert mat und daub. 

10 Wenn du ein mal bckerest dich, 
So sterck dein brüder auch trewlich, 
Das sie auch im glauben besthenl 

Petrus spricht: 

Ach Herr, ich wil doch mit dir gehn 
15 In die gfencknuß und in den todt, 
Wil bey dir stehn in aller noht. 

J esus spricht : 

Peter, Peter, ich sag dir: 
Eh wenn der han heindt kreet zwir, 
20 Wirst du drey mal verlaugnen mein, 
Sam kennest nicht den meyster dein. 

Jesus spricht woyter : 

So offt ich euch hab in dem landt 
Ohn beutel und ohn schuch gesandt, 
25 Habt ir etwan mangel geliden? 

Jacobus spricht: 

Nein, wir sindt gewest wol zu frieden, 

Wo wir predigten, dergeleichen 

In deim nam thetten wuuderzeychen. 

30 Jesus spricht: 

Wer aber nun ein beutel hat, 
Der behalt den ! wer aber glat 
Nichts hat, vcrkauff ein rock auflf erdt 
Und ){auff>ira darumb ein schwerdtl 



265 

Denn ich sag euch: Es muß auff erden 
Die schrifft an mir erfüllet werden, 
Das ich gar kurtzer zeyt muß sterben 
Mit den ubelthetern verderben. 

5 Petrus spricht: 

Herr, hie bab wir zwey schwerdt allein. 

Jesus spricht: 
Es ist genüg! lat es 'gut sein! 

Jesus steht auff vom tisch , zeucht sein öbern rock ab , umb- 
gürt sich mit eim tuoh, geust wasser in ein beck, fecht an, den 
Jüngern die füß zu waschen, kumbt zu Fetro, der wert sich, 

spricht : 

lieber Herr, das sol nit sein! 
Wolst mir waschen die füsse mein? 

15 Der Herr spricht: 

Was ich letzt thu, das weist du nicht; 
Hernach wirst aber das bericht. 

Petrus weret/dem Herren und spricht: 

[K 3, 1,421] Ach lieber Herr, nur von mir ker! 
20 Mein füß wirst waschen nimmermer. 

Jesus spricht: 

Wasch ich dein nicht faß in geleich, 
So hast kein theil in meinem reych. 

Petrus recket beide hendt auff unnd spricht : 

25 Herr, nit wasche mein faß allein. 
Sunder haubt und beyd hende mein! 

Der wescht iin die füß und spricht: 

Wer gwaschen ist und der ist rem, ' ; 
Darff nur; waschen sein füß allein* - 
30 Und ir seit rein, aber nit ajl, 

Wie soUichs sich Wirt finden ball. • • '■, .., 

• « « * 

* 

22 K ich nit dein füß.- ^ ' ' ' 



26G 



Nach dem fuß waschen legt der Herr sein rock ahn, aetat aioh 

wider su tisch, spricht: 

Wist ir, was ich ench hab gethan? 

Ir keist mich Herr, tliut wol daran, 
A Denn ich cwr herr and meyster bin 

Und hab euch nach einander hin 

Allen die faß gewaschen eben, 

Hab euch darmit ein beyspiel geben, 

Das ir tliQt, wie ich (fach hab than. 
10 Warlich sag ich eacb : Der knecht kan 

Nicht grösser, denn sein meyster, sein. 

Erfflit maß werden die schrifft rein. 

Darüber ist mein seel betrübet 

Und sich schwer ahn trawren abet 
15 Der mein brot ißt, trit mich mit fflssen. 

Der sündt wirt er nit kflnnen bflsen. 

Der wirt ewig verloren sein. 

Petrus winckt Johann em, der spricht: 

Ach lieber Herr und meyster mein, 
20 Laß mich auch dein verreter wissen! 

Der Herr daucht ein brodt inn die schüssel» gibt in Juda 

und spricht: 

Wem ich gieb den eindauchten bissen, 
Der wirt in todt verraten mich. 
25 Nun, Juda, geh nur hin für dich. 
Was du wilt thun, das thu nur baldt! 
Da hast der finsternaß gewaldt. 

Judas steht aulT und geht ab. Jesus sprioht : 

Nun ist des menschen son verklert. 
so Gott ist in im verklert auff erdt 

Und Gott wirt in auch ehren wem, 

In baldt heyligen und erklern. 

Wist, lieben kindtlein, ich wirt ein 

Gar kleine weil noch bey euch sein. 
85 Ich gieb euch nun ein new gebot: 

Liebet einander in Gott, 

Gleych wie ich euch geliebet hant 



267 

So wirt man euch erkennen dran, 

Und das ir seit die jünger mein. 

Vatter, laß dir befolhen sein 

Die, welche du mir hast gegeben, 
5 Weil in die weit thut wiederstreben! 

Bit aber nicht allein für sie, 

Sonder bit auch für alle die. 

So durch ir wort alhie auff erden 

Von hcrtzen an mich glauben werden. 
10 Ich bit auch, vatter, wo ich bin, 

Das alda auch mein diener sin. 

Das sie sehen mein berrligkeyt, 

Die ich bey dir het vor der zeyt. 

Wirt nicht vil mit euch reden mehr. 
15 Es kumbt der fürst, der weite herr. 
[K 3, 1,422] Er hat aber kein theil an mir. 
[A3, 1,210] Auflf das die weit erkenn an ir, 

Das ich den vatter lieben thu 

Nach seinem gebot spadt und fru, 
20 So sprecht den lobgesang als-denn! 

So thut mit mir vom tisch auffsthen! 

Last uns bienauß an Olberg gehn! 

Sie sprechen den lobgesang mit auffgehaben henden unnd 

gehen ab. 



25 Actus 3. 

Der ernholdt tridt ein unnd spricht: 

Im dritten theil ir sehen werdt, 

Wie der Herr trawrig und beschwerdt 

Mit den Jüngern an dem Olberck 

so Anfeclit unser erlösung werck 

Und schwitzt blutigen schweyß ob dem, 
Bit, das der vatter von im nem 
Den kelch, kün es müglich sein. 
Und wie in tröst der engel fein, 

35 Auch wie er findt sein jünger schlaffen, 
Die er ist fein senfftmütig straffen, 
Auch wie er darnach an der stedt 



268 

Seinen feinden entgegen geht, 
Judas verredt in mit dem kaü, 
Wie auch gefangen wirt Jesus, 
Gebunden und gefürt anß haß, 
5 "Wie in der jünger schar verlaß 
Und fliehen ein ieder sein straß. 

Der ernholdt gehet ab. Judas kummet mit der hohenprlester 
knecht mit faokel, schwort unnd Stangen und spricht: 

Nun seit ir all gerüstet vor. 
10 Geht mit an Olberg für das thor! 

Da ist Jesus in einem garten 

Und thut seines gcbettes warten 

Mit ander seiner jünger allen. 

Den thüt ungwamet überfallen 
15 Und vol-ziecht an im ewer gscliefft! 

Das ir aber den rechten trefft, 

Gib ich euch ein zeychcn zu stundt: 

Welchen ich küß an seinen mundt, 

Den greifft ahn und fürt gwarsam den! L 

20 Wo er euch darnach würt entgehn, 

Da wil ich sein unschuldig ahn, 

Wann er gar vil der künsten kan, 

Darmit auch offt entgangen ist, 

Wenn ir in greuffen wölt durch list 
25 Oder mit stein wolt werffen todt. 

Des fürt in gwarsam ! es thut noht. 

Malches, ein Judt, der hohenpriester knecht, und spricht: 

In sol nit helffen sein betrug! 
Wir haben strick und ketten gnug, 
30 Das wir in wollen binden und knüpffen, 
Das er sich schmügen muß und krüpffen. 
Für nur baldt hin unsern hauffen, 
Eh er mit sein Jüngern thu entlanffen ! ^ 

Judas, der verreter, spricht: 

95 Nun geht nur stil ahn als brümmel! 
Macht vor dem garten kein getümmel, 

* 

27 und] fehlt K. 



269 

Das ir in greuffet mit gefert, 
Ell das er ewer innen wert! 

Judas geht ab mit den knechten der hohenpriester. Der Herr 
kummet mit Fetro, Johanni und Jacobo unnd spricht: 

[K 3, 1,423] Auff diese nacht so werdet ir 
Warlich all geerget an mir, 
Die weil die schrifft von mir thut sagen: 
Ich werde meinen hirten schlagen 
Und die herdt schaff die wirt zerstreit. 
10 Wenn ich aber ersthe mit frewt, 
So wirt ich euch allen forgahn 
In dem lande Gallilean. 
Nun bleibet hie, biß das ich spet 
Zu Gott dort thu diß mein gepet! 
15 Wachet mit mir in dieser noht! 
Mein seel ist betrübt biß in todt. 

Die jünger sitzen nider, der Herr geht von in, kniet nider mit 
auffgehaben henden, schaut gen himel, spricht: 

Mein vatter, ist es müglich dir, 
20 So ghe dieser kelch von mirl 
Doch geschech nit der wille mein. 
Sunder es geschech der willc dein! 

Jesus steht auff, gehet zu den jungem, findt sie schlaffen unnd 

spricht : 

25 Petre, ey warumb schlafet ir? 

Kündt ir kein stnndt wachen mit mir? 

Wachet und betet, das ir nit 

In anfechtung fallet darmit! 

Der geyst ist willig zu der schmach, 
so Das fieysch aber ist madt und schwach. 

Die Jüngern rünstern sich auff, schweigen. Der Herr gehet 

wider von ihn und bätt: 

Mein vatter, ist gefeilig dir, 
Das der kelich nit geh von mir, 

* 

31 Ds8 wort aufrUnstem fehlt bei Grimm im Wörterbuch 1, 716. Aach 
Schmeller 3, 112 giebt keinen aufschluss. 



270 

Ich trinck in denn mit herber pein, 
Vatter, so gescbech der wille dein! 

Jesus gehet, findt die jünger wider sohlalTendt, spricht niohts, 
gehet wider an sein gebätt unnd spricht: 

5 Mein vatter, scbaw, wie dein son ietzt 
Vor angst blutigen schweysc schwitz! 
Der gantzen weit sflndt ligt aaff mir. 
Für die so wil ich opffern dir 
Mein leben und unschnldichs blnt 
10 Menschlichem gschleclit za heil und gat, 
Auff das versfinet wQrdt dein zom 
Und menschlich gschlecht nit wert yerlom. 

Der engel kumbt, bringt den kelch unnd spricht: 

Ach, sey getrost, du theürer helt! 
15 Von Gott so bist du ausserwelt, 

Zu sterben für gautz menschlich gschlecht, 

Auff das er knmb auG fiuches echt. 

Wann welcher mensch sein sQnd bekendt 

Und sich im glauben zu dir wendt 
20 Und best in deinem bittern todt, 

Der hat ein genedigen Gott 

Und hat ewig sein gunst und hnldt. 

Derhalben so trinck mit gedult 

Den kelch, den dir dein vatter geit, 
«5 Wie bschlossen ist in ewigkeyt! 

Der engel gehet mit dem kelch ab. [A3, 1, 211] Der Herr stehet 
auff, gehet, findt seine jüngtr aber schlaffendt und spricht: 

Wült ir nur schlaffen und ruen 3'e? 
[K 3, 1,424] Nembt war! die stundt ist warlich hie, 
so Das des menschen son an dem endt 
Werdt geben in der Sünder hendt. 
Steht auff und in entgegen geht! 
Seclit! da kumbt der, der mich verreht. 

Sie wischen die äugen, stehen auf. Der Juden hauff geht da- 
her. Der Herr gehet in entgegen und spricht: 

Wen suchet ir an dieser stedt? 



271 

Der prieater kneeht einer spricht : 
Wir suchen Jesum von Nasaret. 

Jesus spricht: 
Ich bins. 

Hin fallen die Juden all zu rück, sie stehen wider auff. Jesus 

spricht : 

Nun saget ahn! wen suchet ir? 

Ein ander Jud spricht: 
Jesum von Nasaret such wir. 

10 Der Herr spricht : 

Ich habs gesagt: der selb bin ich. 
Und dieweil ir denn suchet mich, 
So lasset diese alle gchn, 
Das in kein gewalt thu zusthen! 

Judas kummet und küsset den Herrn und spricht: 
Nun sey gegrüsset, mein rabi! 

Der Herr spricht : 

Mein freundt, warzu bist kninmen hy? 
Wilt du den ietz verraten thun 
20 Mit einem kuß des menschen sun? 

Die Juden fallen den Herren an. Petrus zugt sein schwerdt, 

spricht : 

Herr, wilt, so wöl wir schlagen drein 
Mit dem schwerdt und dein helffer sein. 

Petrus haut Malche ein ohr ab. Der Herr spricht: 

Peter, steck baldt ein dein schwerdt! 
Wenn wer das schwerdt hie nirabt auf erdt, 
Der selb wirt mit dem scliwerdt verderben. 
Ich kündt wol vom vatter erwerben, 
80 Der schicket mir zwölff legion 
Engel zu hilff, mir bey zu ston. 
Wie wirt abr erfült die schrifft kjar? 



212 
Drum muß es also gehn fürwar. 

Jesus setat Malche das ohr an und spricht: 

Ir seit mit schwerten, spieß und Stangen 

Gleyck wie zu eim mörder außgangen, 
6 Mit solchem gwalt zu faben mich. 

Bin doch gewest bey euch teglich 

Im tempel, hab gelert darin, 

Von euch doch nit angriffen bin! 

letz aber so ist ewer stundt, 
10 Der gwalt der finsteruuß abgrundt. 

Sin ander knecht der hohenpriester spricht: 

Nun falt in ahn, nit lenger wart! 
Bindt in mit strick und ketten hart, 
Das im erschwartzen seine hcndt, 
15 Auff das er uns nicht an dem endt 
Durch seine zauberey entrin, 
Wie er hat offt gethan vorhin, 
Und falt auch seine jünger ahn ! 

[K 3, 1,425] In dem lauffen die jüä^er all dar von. Sin ander 
20 Judt spricht : 

Ja wo], sie lauffen all darvon, 
Einr hierauß, dör ander dorthin. 
Lassen ir mentel hinter in 
Und lassen ireh meyster allein 
25 Unter uns hie gefangen sein. 
Haben sich all von im zerstreut, 
Wann sie fürchten auch irer heut. 
Wo wöl wir ei^stlich mit im hin? 

jBin ander knecht spricht: 

30 Wir wollen erstlich bringen in 

Zu Annas, welcher das nechst jar 

Bey uns der hohe priester war 

Und ist ein schweb er Cayphas. 

Dem wirt gar wol gefallen das, 
af) Das wir in habn zu wegen bracht, 

Wann er wart auff uns diese nacht 

Mit den schrifftgelerten, Phariseern, 



273 

Den eltisten und den vorsteern, 
Äuff das er in examinir, 
Mit den sckrifftgelerten degradir, 
Auff das sein leben er verlier. 

Sie füren den Herren mit ungeatümb unnd grossen gesehrey ab. 



Actus 4. 

Der ernholdt gehet ein unnd spricht: 

Zumb vierdten wert ir sehen, was 

Mit im handelt bischoff Annas, 
10 Wie er in fragt so trotzenhafft, 

Auch das er im geb rechenschafft 

Vor den schrifftgelerten seiner lehr 

Und in auch fraget weiter mehr, 

Von sein jungem im zu sagen, 
15 Wie er auch wirt ins angsicht gschlagcn 

Und von der hohen priester knecht 

Die gantz nacht wirt gschendt unnd geschmecht 

Mit verpunden augn, biß es wil tagen, 

Yerspodt, gerauffet und geschlagen 
20 Und heissen in in spodt weyß-sagen. 

Der ernholdt gehet ab. Annas, der rabi, unnd Phariseer gehen 

ein. Bisohoff Annas spricht : 

Hoff, heindt die sach von stadt wert gehn. 

Man sol ie warhafft bringen den 
25 Verfttrer; all ding sindt bestelt, 

Unser knecht sindt darzu erweit. 

Die sollen in heimlich verwarten 

Daussen in des olberges garten. 

Da sol er heindt gewißlich sein. 
30 Da wirt sie zu im füren ein 

Seiner jünger einer, wirt in eben 

In ire hendt frey übergeben. 

Dem geb wir dreyssg silberling zu lahn. 

Der Phariseer spricht: 
85 Das gelt ist wol geleget ahn, 

Hans Sachs. X(. 1^ 



274 

Wenn sie nur den verfOrer bringen, 
[A3, 1,212] I>(T uns doch schier in allen dingen 
Teglich hat wiederbart gehalten 
Und hat das gmein volck abgespalten 

A Von uns geystlichen Phariseern, 
Den schrifftgelerten und vorsteern! 
Wiewol er leret alle zeyt 
Das volck die recht gründtlich warheit 
Auß dem gesotz und die propheten, 

10 Was die vor lang beschrieben tbeten. 
Billich und gut wer wo! sein lehr. 
|K 3, 1,426] Weil er uns aber daraiit sehr 
Unuberwindtling schaden thut. 
Beide an ehren und au gut, 

15 Der gmein mann uns verachten thu, 
Schleust für uns hendt und beutel zu, 
So ist uns der zu leyden nit. 

Kabi spricht: 

Eya, darumb müssen wir mit 

20 Im listig faren au den orten, 
Das wir in fahen in den Worten, 
Dergleych falsche zeugen bestellen, 
Wann wir in dardurch müssen feilen 
Und an halß werffen im die schlingen, 

25 Auff das wir in zum todte bringen. 

Annas, der bischoff, spricht: 

In dem allen nichts mangeln sol. 
Falsch zeugen sindt bestellet wol. 
Sie bringen, hör ich, änderst reciit. 
30 Im hoff hör ich ye unser knecht 
Mit einem gerausch und getümmel 
Und gar lautreysigem gebrümmel. 
Nun ich wil im zwo frag fürstein. 
Darmit so hoff ich in zu feien. 

Sie bringen den Herren. Malohus spricht 

Herr Annas und ir Phariseer, 
Schrifftgelerten und des volcks vorstecr, 
Hie bringen wir euch den verfürer, 



275 

Den falschen lerer und auffrürer, 
Wie ir uns habt befolhen das, 
Wiewol wir solten gleycher maß 
Auch habn gfangen die jungem sein. 
5 Weil aber wir diesen allein 
Fingen und bunden in geschwindt, 
Sein jünger all entrunnen sindt. 

Annas, der bischoffy spricht: 

Hör, mensch! wer hat dir geben gwalt, 
10 Das du solt leren jung und alt. 
Die du mit deinr 1er hast verfürt 
Wider das gsetz, das nit gebürt? 
Gieb antwort! was hast du gelert, 
Darmit das gmein volck hast verkert! 

15 Der Herr spricht: 

Ich hab mit werten und exempel 
Teglich geleret in dem tempel, 
Da all Juden zusammen kummen. 
Was fragst du mich? frag die darummen, 
20 Die solche 1er gehöret han! 
Die werden dir wol zeygen ahn, 
Was ich sie leret an der stedt. 
Im winckel hab ich nichts geredt. 

Des bischoffs knecht gibet im ein backenstreich und spricht : 

25 Solst du also in seinem hoff 
Antworten dem alten bischoff? 

Der Herr spricht: 

Hab ich übel geredt darbey. 
So beweyß, das es unrecht sey! 
so Hab aber wol geredet ich. 

Sag an! warumb schlegst du denn mich? 

Annas, der bischofP, spricht: 

Hör, mensch! wo sindt die jünger dein, 
Die mit dir rumb gezogen sein? 
35 Habt falsche wnnderzeychen than, 
Darmit betrogen den gmeinen man, 

18* 



276 

Hast den aaff aus geystlich gehetzt, 
Hest gern ein auffrhnr gmacht za letzt. 

Der Herr sohweygt. [E 3, 1, 427] Annas, der bischofP, spricht : 

Wie schweigst? kanst da nit antwort geben 
5 Von deiner jünger schendtlich leben? 

Nun hütet sein wol diese nacht 

Anff dem sal! munter bcy im wacht, 

Das euch der zaubrer nit entrin ! 

Morgen frü aber fürt in hin 
10 Zu Caypho! heindt ist es zu spadt. 

Der wirdt versamlen einen raht. 

Da wirt man berahtschlagen van, 

Was man weiter mit im sol than. 

Der Juden kneoht spricht einrt 

15 So wir die nacht hie bey im wachen, 
So thut ein kolfewer ahn machen. 
Das man darbey sich wermen sol! ^ 
Wann es ist kalt, das brttfft ir wol. 

Ein knecht bringet ein glut inn eyner pfannen , sie warmen 
sich. Petrus tridt ein, wermet sich. Ein magdt spricht: 

Sag, ob du nit ein jünger bist 
Des menschen, der gefangen ist! 
Ich hab grosse erbarmung mit. 

Petrus spricht : 

25 weyb, ich bin sein warlich nit. 
Den menschen hab ich nie gesehen. 

Ein knecht spricht: 

Ey, wie magst du das selbig jehen? 
Wann dein sprach die verret dich da, 
30 Das du bist auß Gallilea. 

Derhalb bist seiner jünger einer. 

Petrus spricht: 

mensch, ich bin der selben keiner, 
Wann ich kenn diesen menschen nicht 
85 Du bist der sach nit recht bericht. 



277 



Die knechte der hohenpriester richten dieweyl ein stul zu, 
verbinden dem Herrn die äugen und setzn drauff. Einer schlecht 

in, spricht : 

Bist du Christus, thu uns weissagen! 
ö Wer ist der dich ietzt hat geschlagen? 
Dieweil du ie bist ein prophet, 
Der vor dem volck vil zeychen thet. 
Sagst auch, du werest Gottes son. 
Sag! wer hat dich ietzt rauffen than? 

Ein ander knecht der speyet in an unnd spricht: 

Pfuy dich! nimbst dich der gottheyt ahn 
Und ist dein vattr ein zieramerman, 
Dem du die zimmerspen halffst klauben! 
Pfuy! wer wolt denn an dich gelauben? 

Ein ander knecht schlecht in unnd spricht: 

Wie schweigst? ist dir dein sprach verlegen? 
Kunst du doch vil geschwetz alwegen, 
Darmit die schrifft gierten stumpffirst. 
letzundt von uns du zalet wirst. 

[A3, 1,213] Aber ein ander Jud spricht: 

Pindt im wider sein äugen auff! 
So wollen wir in füren nauff 
Zu Caypha, wann es wil gleych tagen, 
Da wir in auflf ein news verklagen 
25 Vor dem gantzen obersten raht, 
Das man straff seine ubelthat. 
Die straff er lengst verschuldet hat. 

[K 3, 1,428] Sie pinden im seine äugen auff und füren in mit 
geschrey ab unnd gehen auch alle ab. 



80 Actus 5. 

Der ehrnholt tridt ein unnd spricht: 

Das fttnfft theyl zeigt, wie man in bring 
In Cayphas hauß, dadurch vil ding 



278 

Vil falscher zengen in verklagen, 

Da in der hoclipnester tlmt fragen, 

Ob er sey Christas, Gottes sun, 

Wie Christas das bekennet nan, 
5 Darob Cayphas sein kleidt zerreist, 

Mit den schrifftglcr!en da beweist. 

Er hab den todt verschaldet sehr. 

Man darff nun keiner zeagnaß mehr. 

Petras zum dritten vcrlaagnet sein, 
10 Gehet auß, that bitterlichen wein. 

Jada thut sein gewissen krencken, 

Würffts gelt hin mit kurtzem bedencken, 

Verzweyffelt, lauflft and that sich hencken. 

Der ernholt gehet ab. Cayphas , der hochpriester , gehet ein 
15 mit den Fhariseern unnd spricht: 

Nun der verfürer ist gefangen. 

Nach dem wir betten groß verlangen. 

Den hab wir letzt in unsern banden. 

Den wirt man letzt in gfencknaß banden 
20 Her bringen für den gcystling raht 

Und anzeygen sein abel that 

Durch zeugen, die wir haben bestelt 

Von den unsern darzu erweit. 

Als-denn wöl wir in allesamen 
25 Mit gmein raht zu dem todt verdammen, 

Dieweil uns hat der schendtlich man 

So großmechtigen schaden than 

Mit seiner evangelischen leer, 

Das unser ding schier gilt nichts mehr. 
30 Die opffer die sindt worden schmal 

Und auch die gotts-gab uberal, 

Das vor wol in die kuchen trug, 

Das wir hetten gnug über gnug, 

Und solt erleben noch in kürtzen, 
35 Er würt unsern gottsdienst gar sttirtzen. 

Drumb ist besser, das ein mensch sterb. 

Denn das der geystlich stamb verderb, 

Wie ich nechst auch gesaget hab. 

Darumb wöl wir nit lassen ab. 
40 Hört auff die klag, und was er sagt. 



279 

Das er in Worten wert erzwa"gt, 
Das Wim denn überzeugen than, 
Und zeigens dem landtpfleger ahn, 
Pilato, welcher zu der frist 
5 Unser weltlich obrigkeyt ist 
Von Römern, das der mensch mit gfert 
Verurteilt und gecreutzigt wert. 

Der Fhariseer spricht: 

Herr bischoff, wer wolt hie fleyß sparn, 
10 Dieweil wir bey vierthalben jarn 

In heimlich haben gstellet nach, 

An im zu üben unser räch? 

Drumb wöl wir helflfen an einander 

Mit höchstem fleyß hie al lesander, 
15 Das uns der aller-schedlichst mau 

In keinem weg kum darvan. 

Doch mtissen wir an diesen enden 

Mit schmeichel -Worten listig blenden 

Den pöffel und gemeinen mai), 
20 Wann der hecht im gentzlichen ahn. 
[K 3, 1,429] Drümb müssen wir fürsichtig sein 

Und machen ein grossen schein, 

Sam im geschech gantz eben recht, 

Sonst man sie leicht in hämisch brecht, 
25 Das sie uns machen ein au£frhur. 

Habt spricht: 

Drümb muß wir fleyssig handeln nur. 

Nun setzet euch, ir lieben vätter! 

Itzt bringt man gleych den ubeltheter. 
30 Nun habt acht, ir geystling prelaten, 

Beide anff seine wort und thaten, 

Und braucht all ewr renck und list. 

Wann es alhie von nöten ist, 

Den man in sein werten zu fangen, 
35 Der uns gar vor offt ist entgangen. 

Sie bringen den Herren mit grossem geschrey gefangen. Der 

erst Jud sagt also: 

Cayphe, du hoherpriester, 



280 

Hie bringen wir gefencklich her 
Far dich und auch den gantzen raht, 
Der sich za dir versamlet hat, 
Bischoff, priester und Phariseer, 
f> Schrifftglert, die eltsten and vorsteer, 
Jesam, den wir an diesem endt 
Übergeben in ewer hendt. 

Cayphas, der hoheprieater, spricht: 

Was klag habt ir wider den man? 
10 Zeigt das fein ordenlichen ahn! 
Zeigt, was nnrechts er hat getrieben, 
Auff das es alles wert beschrieben! 

Der erst falsch zeug tridt herfür unnd spricht: 

Ir prelaten, der geystlich raht! 
15 Jesns, der gfangen, der selb hat 

Gebraucht sehr grosse zauberey. 

Er hat ahn alle artzeney 

Geheilt die lamen und die blinden 

Ahn alle salben und verbinden, 
20 Macht auch die aussetzigen rein. 

Das kan ie nit natürlich sein. 

Der ander falsch zeug spricht: 

Dieser mensch auch gebrochen hat 
Yilveltiglichen den sabat. 
25 Wer den bricht, wie Mose gebot, 
Den sol man steinigen zu todt. 
Weil er den sabat hat gebrochen. 
Muß er mit dem todt werden ghrochen. 

Der drit falsch zeug spricht : 

30 Auch so ist dieser mensch ein frecher 

Gesel, der hurer und ehbrecher, 

Halff der ehbrecberin darvon, 

War am ehbruch ergriffen schon, 

Das man nach dem gsetz solt versteinen; 
35 Noch zeit er ledig die unreinen. 

Der vierdt falsch zeug spricht : 



281 

Auch ist er heimlich herumb gangen, 
Hat erber weyber an sich ghangen 
Und hat sie nmb ir gut betrogen. 
Sindt mit im von im mennern zogen. 
5 Hat die mit seiner lehr verfttrt, 
[A3, 1,214] Das ie zu straffen wol gebürt. 

Der fünfft falsch zeng spricht: 

Auch ist er ein Samarithan 
Und ist gewiß, den teuffei han, 
[K 3, 1,430] Ein lügner und falscher prophet, 
Der das gmein volck verfüren thet. 
Hat sich auch genendt Gottes son. 
Hat auch öffentlich sagen thon, 
Er sey eh gwest denn Abraham. 
15 Darzu hat er ahn alle schäm 
Verhönet das göttlich gesetz, 
Auch der vätter auffsetz zu letz. 
Derhalb er billich sterben sol. 

Der sechst falsch zeug spricht: 

so Ich hab von im gehöret wol, 

Das er vor allem volck thet sprechen, 
Er wolt den Gottes tempel hrechen. 
Daran man sechß und viertzig jar 
Vorzeyten hat gebaut fOrwar, 

25 Und wolt den wiederumb auffbawen 
In drey tagen, sagt er auff trawen. 

Cayphas, der hochpriester, spricht: 

Nun, hörst du, wie sie dich verklagen? 
Nun thu hierauff dein antwort sagen! 

30 Der Herr schweigt. Cayphaa spricht: 

Ich beschwer dich beim lebending Gott, 
Das du mir sagst ahn allen spodt, 
Ob du seist Christus, Gottes son. 
Der in die weit sol kunimen thon. 

35 Jesus spricht: 

Sag ich euch das, ir glaubt mir nit, 



282 

Und ob ich euch auch frag darmit, 
So aotwort ir mir nit darneben 
Und thut mich auch nit ledig geben. 
Dai*umb so wirt es baldt gesdiehen, 
5 Das ir des menschen son wert sehen 
Sitzen zu der rechten handt warhafft 
Der mayestadt göttlicher krafft 
Ins hymels wolcken kämmen nun. 

Cayphaa spricht: 
10 So bist da auch der Gottes san? 

Jesus spricht: 
Du sagst es und der selb ich bin. 

Cayphas zerreist sein kleidt unnd spricht: 

15 Was dör£f wir mer zeugnoß auff inV 
Ir habt gehört alt unde jung 
Von im die gottes-lesterung. 
Was ist uns nun mit im zu than? 

Der rabi hat bißher die zeugnuß an ein zettel geschrieben 
20 und spricht: 

Der galgen des creutz ist sein lan. 
Des schmehen todts muß er sterben, 
Als ein gottes-lesterer verderben. 

Der Fhariseer spricht: 

25 Ja, ja, darzu wir allesamen 

In als ein gottslestrer verdammen. 

Cayphas spricht: 

Nun, so füret in hin also 
Zu dem landtpüeger Pilato! 
30 So wollen wir kummen hienach, 
Im anzeygen die gottes-schmach. 

Da legen sie dem Herren ein eysen halßbandt mit einer ketten 
an halß. Mitler zeyt ersieht ein knecht der hohenpriester Pe- 

trxim unnd spricht: 

95 Pn bi^t auch seiner jünger einer. 



.283 



[K 3, 1 , 431 J Petrus spricht : 

Mein freundt, ich bin ie warlich keiner. 

Der knecht antwort: 

Ey lieber, wie kanst du das jehen? 
5 Ich hab dich mit im garten gsehen. 
Darumb schweig! du kanst das nit laugen. 

Petrus spricht: 

Ich hab den menschen nie mit äugen 
Gesehen, denn den heuting tag. 
10 I(S nit war, Gott mich schendt und blag! 

Der hau fehet an zu kreen. Petrus gehet zu der thür und 

spricht kleglich : 

Jesu, liebster herre mein, 

Erst fallen deine wort mir ein, 
15 Da du sagst, eh wann krcet der han. 

Wer ich drey mal verlaugnen than. 

Derhalb ich leider, Herre mein, 

Dreymal nun hab verlaugnet dein. 

Das ich nun bitterlich bewein. 
20 Wil mich in einem holen stein 

Verbergen, biß der Herr ersthedt. 

Ob er mein sünd verzeihen thedt. 

Man füret den Herren dahin , der sieht Petrum an , der geht 
weynet auch mit ab. Judas, der verreter, kummet mit seinem 
25 beutel unnd spricht zu Cayphas: 

0, ich hab groß unrecht gethan. 
Das ich euch hie verraten han 
Jesum, das unschuldige blut. 
Drumb mich mein gwissen nagen thut. 

30 Cayphas spricht: 

Juda, was geht das selb uns ahn? 
Da wii'st du urob auff schawen than. 
Des Unrechts schuldt wirst du selb tragen. 
Du darffts uns deine sttnd nit klagen. 



284 



Judas würfit das g^elt von im, schlecht sein hendt ob dem kopff 

zusammen unnd spricht: 

Weh mir, and das ich bin geborn! 
Ich bin mit leyb und seel verlorn. 
b 0, ich fOrcht Gottes arteil streng. 
Die weit mir werden wil zn eng. 
Die verzweyfflung die wil mich krencken. 
Ich wil gehn an ein paum mich bencken. 

Judas laufft auß mit gesohrey. Der^rabi klaubet das gelt aulf 
10 und spricht: 

Das gelt ziemet sich am basten 
Za legen in den gottes-kasten, 
Dieweyl und es ist ein blatgelt. 

Cayphas, der hoohpriester, spricht: 

15 Wir wollen kanffen ein ackerfeldt 
Darnmb von eim haffner allein, 
Das man die bilgram grab darein. 
Enmbt! steht anff! last ans gehn bienauß 
[A3, 1,215] Za Pilato für das richthanß, 

20 Aaff das er Jesam nit laß aaß ! 

Sie gehen alle ab. 



[K3, 1,432] Actus 6. 

Der ehmholt tridt ein unnd spricht 

Im sechsten theil werdt ir Jesam 

25 Sehen füren für Pilatam, 

Der erkennet die anschaldt sein, 
Aach den neidt der Jaden anrein. 
Yermercktt anch ir falsche klag 
Und ir gar angleiche zasag! 

so Derhalb ersacht er viel arsach, 
Auff das er Jesam ledig mach. 
That in za köng Herodi senden, 
Ob der noch sein gefencknuß wenden, 
Darmit in brecht aaß iren henden. 



285 



Der ernholt gehet ab. Pilatus, der landtpileger, gehet ein mit 
sein vier knechten, setzt sich unnd spricht: 

Romane, hast du Herodem 
Gesellen zu Jerusalem? 
5 Wil die Juden sehen Ostern halten 
Nach ir gwonheyt mit jung und alten. 

Bomanua, der 6in knecht Filati, spricht: 

Herr landtpflegcr, die nacht vergangen 

Haben die Juden ein man gefangen. 
10 Der selbig ist Jesus genandt, 

Dem gmeinen volck gar wol bekandt, 

Welcher doch hat viel guts gethan, 

Trewlich geholffen iederman, 

Ire krancken macht er gesundt, 
15 Wunderwerck thon zu aller stundt, 

Den weg der warheyt sie gelert. 

Pilatus spricht: 

Das jüdisch volck ist ein verkert, 
Ein neydig und hartneckig art. 
20 Wiewol ich ob in streng und hart 
Halt durch den römischen gewalt, 
Doch ichs kaumb in dem zäum erhalt. 
Sie \Yöllen immer oben auß. 

Romanus, der knecht Filati, spricht: 

25 Dort bringens her zu dem richthauß 

Jesum, den unschuldigen man, 

Von dem ich erst gesaget han, 

Dem gar lang haben nach gestelt 

Die Phariseer oberzelt, 
30 Der in doch hat gethan kein leydt. 

Pilatus spricht: 

Weil sie brauchen haß unde neydt, 
Derhalb ich mit der sach nit eyl. 
Wil wol verhören beyde theyl. 
35 Als-denn ich in ein urteil gieb, 
Niemandt zu leydt oder zu lieb, 



286 

Nach der strengen gerechtigkeyt, 
Nach römischer gcwonheit alzeyt. 

Sie bringen Jesiun, mit stricken und ketten gebunden^ ein eis- 
sem halßbandt, für das ricfathauß. Der rabi spricht: 

5 Nun verzieht hie vor dem lichthaaß! 

Wir wollen lassen fordern raaß 

Pilatom. DrOm geh keiner nein, 

Das er nicht werdt darinn unreia 

Aufi das kttnfftige Ostei*fest, 
10 Das ir das Osterlemicin est! 

[K 3,1,433] Malchus g:ehet zu Filato, neigt sich unnd spricht: 

Herr landtpfleger, kummet heraaß 
Zu anserm volck fttr das richthauß! 

Pilatus gehet herauß. Babi spricht: 

15 Herr landtpfleger, da bringen wir 
Ein ubeltheter, den wir dir 
überantworten nach deinr pflicht, 
Das er werdt zu dem todt gericht. 

Pilatus spricht: 

20 Was bringet ir auff diesen tag 
Auff diesen menschen für anklag? 

Rabi spricht: 

Wer dieser nit ein ubeltheter, 
Die hohenpriester und die vetter 
25 Hetten in nit uberanlwort dir. 

Pilatus spricht: 

So nemet hin und lichtet ir 
Diesen menschen nach irem gsetz! 
So dürift ir mein gar nit zu letz. 
80 Unverhört ich niemandt vertam. 
Das merckt, ir Juden allesam! 

Babi spricht: 

Wir dürflPen aber niemandt tödten. 
Du rieht, wann es ist hoch von nöten! 



287 

Er hat verwürcket wol sein leben, 
Verbot, dem keyser ziiist zu geben, 
Sich selbert auch ein könig nendt 
Und dem keyser das volck abspendt. 

5 Pilatus spricht : 

Die ding wil ich erfaren wol, 
Wenn beide theil man hören sol. 

Pilatus fürt Jesum mit im in das richthauß, setzt sich unnd 

spricht : 

10 Jesu, sag mir ahn arge list, 
Ob du der Juden könig bist! 

Jesus spricht: 

Redstu solliches selb von dir, 
Oder hat man das gsagt von mir? 

15 Pilatus, der landtpfleger, spricht : 

ßin ich denn ein Jud ? laß das sein ! 
Das volck und hohenpriester dein 
Haben dich uberantwort schon. 
Sag mir! was hast du in gethon? 

20 Jesus spricht: 

Mein reych ist nit von dieser weit, 
Sonst würden mein diener gemeldt 
Für mich kempfifen, wie sich gebtirt. 
Das ich nit uberantwort würt 
2'» Den Juden in ir gwalt und hendt. 
So wirt es aber nit vollendt, 
Dieweil mein reych nit irdisch ist. 

Pilatus spricht : 
So merck ich : du ein könig bist. 

30 Jesus spricht: 

Du sagsts, ich bin ein könig geborn 
In diese weit, darzu erkorn. 
Das ich die warheyt sagen sol! 
Und wer ist auß der warheyt wol, 



288 

Der höret mein stim alle zeyt. 

[A 3, 1, 216. E 3, 1, 434] Pilatus spricht: 

Nun sag mir ! was ist die warheyt? 

Pilatus stehet auff, lest Jesum steheu, geht zun Juden herauß 
5 unnd spricht: 

Ich findt kein schuldt an diesem man, 
Das er des todts wert het gethan. 
Wil derhalb ledig lassen in. 

Babi spricht: 

10 Mit nichte laß in ledig hin ! 

Er hat ein falsche lehr gelert, 

Darmit erreget und verkert 

In Jadea schier iederman 

Und hat sollechs gefangen ahn 
15 In dem galileischen landt. 

Pilatus spricht: 

Dieweyl er nun mit mundt und handt 

In Galilea hat gehandelt 

Und erstlichen darinn gewandelt, 
2) So schick ich in zu Herody, 

Wellicher ietzt ist eben hy, 

Der in galileischem landt 

Mit seim könglichen hoffhalten wandt! 

Fürt in hin, was er auff ewr klag 
25 Zu diesem menschen Jesu sag. 

Den er leicht baß kennet denn ich, 

Weil er da hat gehalten sich! 

Die riegßknechtPilati füren Jesum hin, die Juden aber folgen 
nach. Pilatus redt mit im selber unnd spricht: 

30 Ich meick der Juden bittern neydt. 

Drumb ist mir umb den menschen leydt. 

Schick in dem köng, ob das gcschech 

Das er in etwan ledig Sprech 

Oder in den Juden mit gwalt nem. 
85 Wolt ie von hertzen gtinnen dem, 

Das er mit dem leben darvon kem. 



289 



Pilatus gehet auch ab. 



Actus 7. 

Der emholdt gehet ein unnd spricht: 

Im siebenden theil werdt ir den 
5 Herrn sehen vor Herodi sthen, 

Das in auß fttrwitz fraget viel, 

Darza der Herr doch schweyget stil, 

Dergleych auff der Jaden anklagen 

Und als, was Herodes thnt fragen, 
10 Der geren wolt ein zeychen sehen. 

Wie Christus wolt gar nichtsen jehen, 

Verspot könig Herodes in 

Mit alle seinem hoffgesin, 

Für einen thoren in erkendt 
15 Und Pilato in wiedersendt 

Spodtweyß in einem weysen kleydt. 

Darob werden sie freundt albcydt, 

Die vorhin trugen has und neydt. 

Der emholdt gehet ab. König Herodes geht ein mit dem ern- 
holdt und seim hoffgesindt, setzt sich, spricht : 

Pilatus, der römisch landtpfleger, 

Der hat mir zu entbotten weger, 

Er wöl mir ietz an diesen enden 

Zu einer reverentz her senden 
25 Den mann Jesum von Nazaret, 
[K 3, 1,435] Den ich lengst geren gsehen het, 

Wann ich hab viel gehört von im 

Und von den leuten auch vernim, 

Wie er thu grosse wunderzeychen. 
30 Das wil ich Pilato dergleichen 

Und wiederumb verehren das, 

Dem ich doch etwan abholt was. 

Sie bringen Jesum gebunden mit grossem gerausoh , der rabi 

spricht : 

35 Pilatus übersendet hat 

Hans Sachs. Xf, 19 



290 

Dcinr königlichen maycstat 

Diesen .lesum von Nazarot, 

Der alles volck verkeren thet 

Schir in dem gantzen Judca. * 

5 Hat angfangen in Galilea, 

In deinr könglichen horrschaift landt. 

Auch so hat er mit seiner handt 

Durch schwärt ze knnst der zauberey 

Der zeichen than gar mancherley. 
10 Derhalben den falschen verfürer 

Und diesen schendtlichen auffrürer, 

Der in dem reych hat gfangen ahn, 

Solt heliTen urteilen und abthan. 

Der Herr sehweyget etil. König Herodes spricht : 

15 Hörst nit, wie schwer sie dich verklagen? 
Nun thu dein antwort darauif sagen! 

Der Herr schweigt. König Herodes spricht: 

Wie schweigst? bist du deim leben feindt, 

Das du wol möchst erretten heindt? 
20 Nun zeig uns an dein unschuldt her 

Und das selbig vor mir bewer 

Mit einem wunderzeychen werdt 

Im hymel oder auff der erdt 

Und zeig darmit dein unschuldt ahn! 
25 So wil ich helflfen dir darvan, 

Dardurch den Juden du entgehst, 

In welcher banden du ielz stehst. 

Der Herr schweygt. König Herodes spricht : 

Bist du der Jesus (sag mir her!), 
30 Welchen Herodes, mein vatter. 

Als er war zu Jerusalem 

Lies in den grentzen Behtlehem 

Suchen und so viel kinder tödten, 

Sein schwerdt in irem blute röten? 
35 Verroeindt, darunter treffen dich. 

Bist du derselbig (bescheide mich !), 

Der doch in Egypten entpfloch, 

Nach meins vatters todt wieder zoch 



291 

Gen Nazaret, da du voran 
Hernach hast wunderzeychen tlmn, 
Aaß Wasser gemacht guten wein, 
Auch ander zeychen in gemein? 
5 Ist solches vor von dir geschehen, 
So laß mich auch dergleichen sehen! 

Der Herr schwey^t. Herodes spricht: 

Wie schweigst? wilt reden nicht mit mir? 
Darbey so merck ich wol an dir, 
10 Das ich bey dir bin gar veracht. 
Derhalb wirst auch von mir verlacht 
Und verspodt, nit von mir allein. 
Sonder vom gantzen hoiTgsindt mein. 
Geht hin und legt im ahn zu ieidt 
15 Als eim narren ein weysses kleydt 
Und fürt in hin zu hon und spodt 
über stock und stein, dreck und koht 
[K3, 1,436] Zu Pilato gleich einem thoren, 
[A3, 1,217] Weil er ist zu eim stummen woren, 
20 Den ich zu kttrtzweyl het erkoren! 

Man legt Jesu ein lang weiß kielt an unnd gehn also all mit 
im ab mit grossem gespodt und geschrey. 



Actus 8. 

Der ernholdt tridt ein, neigt sich unnd spricht: 

25 Im achten theil wert ir Jesum 

Sehen, wie er wirt wiederum 

Zu dem richter Pilato bracht 

Und wie der selbig hat fleyssig acht, 

Durch vil sach in ledig zu lasen 
30 Ir gwonheyt nach, zeygt in dermassen, 

Wie er an Jesu findt kein schuldt. 

Die Juden abr mit ungeduldt 

Schrien: Laß uns loß Barrabam! 

Henck Jesum an das creutzes stam! 
35 Nach dem, wie geyselt und gekrönt 

Jesus verspodt wirdt und gehont, 

19* 



292 

Hofft, in erhalten bey dem leben, 
Wie Juden troen im darneben 
Des keysers feindtschafft an dem endt. 
Da waschet Pilatus sein hendt, 
5 Wil an seim blut unschuldig sein. 
Da warnet in sein weyb allein: 
Thut doch Barrabam ledig sagen! 
Gibt Jesum in auff ir anklagen, 
Das man in an ein creutz sol schlagen! 

Der ernholdt gehet ab. Pilatus gehet ein, redt mit im selb 

und spricht: 

Jesum sie dort herwider bringen. 
Wil fleyssen mich vor allen dingen, 
Das ich erret im sein leben, 
15 Weil sie auß noidt in übergeben. 

Sie bringen Jesum in dem weyssen kleydt, der landtpfleger 

spricht : 

Ir hohenpriester und Phariseer, 

Ir schrifftgelerten und vorsteer, 
20 Ir habt den menschen mir herbracht, 

Fttr ein verfürer in geacht. 

Nun hab ich verhört sein urgicht, 

Findt der sach an im keine nicht, ; 

Darinn ir in beschuldigt handt ' 

25 Hab in könig Herodi gesandt, 

Da man auch nichts hat außbracht bey. 

Das zu dem todt genugsam sey. 

Weil ir Juden habt in gwonheyt. 

Das man zu österlicher zeyt 
30 Einen gefangen loß sol geben. 

So gieb ich euch den Jesum eben, 

Welcher sunst Christus wirt .genendt, 

Wider frey, loß auß seiner hendt. 

Der rabi spricht zu den Juden: 

35 Ir Juden, schreyet allesara. 

Das man euch loß geh Barrabam, 
Der vor kurtzen tagen vergangen 
War von eins mordts wegen gefangen! 



293 



Die Juden schreyen all: 

Hinweg, hinweg mit dem Jesu! 
Barrabam gieb uns ledig du! 

Pilatus spricht: 

5 Ich wil euch Jesum ledig geben, 
[K 3, 1,437] Barrabam nemen sein arg leben, 
Weil ein mörder war BaiTabas. 
Jesum ich darfür ledig laß. 

Die Juden schreyen all: 
10 Nein, Barrabam den wöl wir han. 

Pilatus spricht: 

Was sol ich denn mit Jesu than? 
Findt des todts an im kein ursach. 
Was wolt ir, das ich mit im mach? 

Die Juden machen ein creutz mit den henden und fingern und 

schreyen : 

Nur hin mit Jesu immer hin! 
Creutzige in! creutzige in! 

.Pilatus spricht: 
20 Was hat er denn ubels gethan? 

Sie schreyen all: 
Creutzig, creutzig Jesum, den man! 

Pilatus spricht: 

Nun so sey ledig Barrabas! 
26 Und Jesum ich züchtigen laß, 
Wil in darnach auch ledig geben, 
Das er darvon kum mit dem leben. 
Nun tret her, ir römischen knecht! 
Züchtigt in nach römischen recht! 

Die knecht Pilati ziehen Jesum seine kleider ab, binden in an 

die Beulen. Der ein knecht spricht : 

Nun bring gaisel und ruten her, 



294 
Das Jesas gezüchtiget wer! 

Ein knecht bringt geysel unnd ruten in rotte färb eingetaucht 
Sie ha wen in sein leyb , wirt blutig, Pilatus trit hinau unnd 

spricht : 

6 Hört anff und thüt im nit za vil 
Und ubertrettet nicht das zil! 
Kröndt in auch mit einr krön von dorn, 
Das gesenfft werdt der Juden zorn! 

Die vier knecht Filati losen in ab, geben im ein purpur-man- 

tel umb , setzen in auff ein stul , krönen in mit einer dornen 

krön , geben im ein rhor für ein cepter , sehlagen im darmit 

sein haubt. Ein knecht Filati spricht: 

Du Judeu-könig, gegrüssest seist! 

Mit deiner krön du wol beweist: 

15 Du bist ein köng an lant und leudt. 

Der ander knecht spricht: 

Dein cepter auch gwißlich bedeut, 
Welliches ist ein holes rhor, 
Das du bist gar ein toller thor. 

• 

Sie trückn im die krön ans haubt mit einem schwemleln inn 
rote färb eingeduncket, das imbs blut ubers angesioht abfleüst 

Pilatus kummet und spricht: 

Nun wil ich in füren hicnauß 
Zu seinem volck für das richthauß, 
25 Also züchtigt, gekröndt und blutig, 
[A3, 1,218] Trostloß, trawrig, cllendt, unmutig, 
Ob sich doch des verlassen armen 
Sein eigens volck wolt erbarmen 
[K 3, 1,438] Und wolt in lassen bey dem leben, 
30 Das ich in darnach loß möcht geben. 

Pilatus nimmet Jesum beim purpur-mantel , füret in berauß 

zu dem volck unnd spricht: 

Nembt war! ich fürn zu euch herauß, 
Das ir erkennet gar durch-auß, 
35 Das ich an im findt gar kein schuldt. 
Secht, wie steht der mensch mit geduldt! 



295 

Die Juden schreien all: 
Creutzige in! creutzige in! 

Pilatus spricht: 

So Demet ir in selber hin 
5 Und creutzigt in nach ewrem grim, 
Wann ich findt gar kein an schuldt im ! 

Die Juden schreyen wider: 

Nur hin mit im! nur mit im hin! 
Creutzige in! creutzige in! 

10 Pilatus spricht: 

Was hat er doch ubels gethan? 

Babi spricht: 

Nach unserm gsetze, das wir han, 
So muß er sterben gar veracht. 
15 Er hat sich Gottes son gemacht. 

Pilatus fürt Jesum wider hienein, setzt sich unnd spricht 

Sag mir ahn, Jesu, wann du bist, 
Weil dich dein volck verklagen ist! 
Hast Gottes son gemacht auß dir? 

20 Jesus schweigt. Pilatus spricht weiter: 

Wie wilt du reden nicht mit mir? 
Weist nit? ich mag nemen dein leben 
Und hab auch gwalt, dich loß zu geben. 

Jesus spricht: 

25 Du best kein gewalt über mir, 

Er were denn von oben dir 

Über mich vor herab gegeben. 

Derhalben so sag ich dir eben: 

Der mich dir übergab darzu, 
80 Der hat vil grösser sünd, wann du. 

Pilatus gehet wider herauß zu den Juden unnd spricht: 
Ich wil euch den menschen loß geben. 



296 

Kan mit recht nemen nit sein leben. 
Ich findt kein schaldt des todts an im. 

Babi spricht: 

Pilate, landtpfleger, vernim! 
5 Und wo da loß lest diesen heindt, 
So bist da nit des keysers freandt. 
Wer sich ein könig nendt (das wist!), 
Der selb wider den keyser ist. 
Daramb nnr gar baldt mit im hin ! 

10 Die Juden aber achreyen all: 

Creatzig, creatzig, creatzige in! 

PilatOB kert sich umb, redt mit im selb unnd Bprleht : 

Ich merk: weder boy jang noch alten 
Kan ich dnrch keinen weg erhalten 
15 Dem anschalding menschen sein leben. 
Ich maß in dem volck abergeben, 
Sonst kem ich ins keysers nngnaden. 
Die wil ich gar nit aaiT mich laden. 

[K3, 1, 439] Pilatus setzet sich auff den richtstul, so knxnbt 
so manus, sein kneeht, und spricht: 

Herr landtpfleger, each last ansagen 
Ewr weyb, das ir in diesen tagen 
Nichts habt mit dem ghrechten zn schaffen, 
Den die Jaden begem zn straffen, 
25 Wann sie liab heindt in dieser nacht 
Ir zeyt mit viel vnrnh verbracht 
Und hab in tranmes gsicht daniden 
Gar viel sein et halben erlieden. 

Pilatus spricht: ^ 

80 Romane, bring mir her za dem handel 
Mit kaltem wasser her ein kandel! 

Der knecht bringt ein schenckandel mit wasser, ein handt- 
beck und handtsweheL Pilatus wescht seine hendt nnnd ^prieht : 

Ir schrifftglerten, schawt an dem endt, 
S5 Das ich da wasch die meinen hendt. 



^. 



297 

Das ich unschuldig bin am blnt 
Dieses gerechten menschen gutl 
Derhalben sehet ir selb zu, 
Wo man dem gwalt und unrecht thu! 

5 Die Juden sohreyen: 

Sein blut kumb nbr uns nit dest minder, 
Auch dergleich über unser kinder! 
Darumb nur auffs erst mit im hin! 
Creutzige in ! creutzige in ! 

10 Pilatus spricht: 

Sol ich ewren könig creutzigen? 

Die Juden schreyen: 

Wir haben keinen könig, denn den 
Keyser; darumb so gieb in her 
15 Mit urteil, das er creutzigt wer! 

Pilatus spricht: 

Nun so nemet den Jesum hin 
Nach ewr beger und creutzigt in! 

Pilatus bricht den stab. Rabi spricht: 

20 Nun fürt in vom richthauß hienab! 
Zieht im den purpur wider ab! 
Legt seinen rock im wider ahn, 
Auff das in kenne iederman, 
Wenn er ist zu dem todt außgahn! 

Sie ziehen im das purpur ab, legen im seinen rock an, füren 
in von der pün ab, gehn alle mit im ab. 



Actus 9, 

Der ehrnholt tridt ein unnd spricht: 

Zum neundten wirdt euch figurirt, 
30 Wie der Herr außgefftret wirt 
Mit den schechern und thut zumal 
Mit dem creutz manchen harten fal, 



298 

Biß es Cirene wirt angleget, 

Der es dem Herren dennach treget, 

Wie er auch zu den frawen spricht, 
[A3, 1,219] über in sollens wainen nicht, 

5 Nach dem, wie man in henckt daran 

Und wie er auch groß spot und han 

An dem creutz von in dulden muß, 

Wie auch am creutz der Herr Christus 

Redet die letzten sieben wort, 
[K3, 1,440] Wie er auch befilcht an dem ort 

Seinen geyst in des vatters hendt, 

Auch wie der haubtman frey bekendt, 

Er sey gewest der Gottes sun. 

Weil er auch solche zeychen nun 
15 Sambt allem volck gesehen hat, 

Klopffens an ir brüst, keren spadt 

Hinein Jerusalem, die Stadt. 

Der ernholdt gehet ab. Maria, die mutter Jesu, Maria Mag- 
xialena, Maria Salome unnd ander Maria kummen mit Johanni, 
20 und Maria, die mutter, spricht: 

Johannes, lieber freunde mein, 
Man sagt, es sol gefangen sein 
Jesus, mein einig lieber son, 
Der doch hat nie kein übel thun. 

25 Johannes spricht: 

Ja, fraw mutter, ich muß dir klagen: 

Er ist mit geysel und rutn gschlagen. 

Dein son, verurteilt zu dem todt. 

In fürt ietz auß der Juden rodt 
30 Und muß sein creutz im selbert tragen, 

Daran sie in letzt werden schlagen. 

Hab in gsehen vor dem richthauß, 

So blutig, verspeit gehn herauß, 

So jemmerlich, trostloß, ellendt, 
35 Das ich in schier nit het gekendt. 

Er geht hin, muß unschuldig sterben, 

Mit zwen ubelthetern verderben. 

Maria spricht: 



V 

I 



299 

Erst that mein seel das schwert durchgohn, 
Wie mir weysaget Simeon. 
Ach weh, wie sol mir nun geschehen? 
Ach weh! möcht ich mein son nocli sehen, 
5 Ell er leidt sein unschuldig todt! 
das es muß erbarmen Gott! 

Johannes spricht: 

Hie bleib bey dem thor stil stahn! 

Wann er muß gleich alda fürgalm. 
10 Wain nit! es geht nach Gottes raht, 

Der in darzu verordcnt hat, 

Das er des schmehen todts sol sterben 

Und gantz menschlichem gschlccht erwerben 

Von Adams fall genad und huld. 
15 Drümb, fraw mutter, trag mit geduldt 

Den todt des lieben sones dein. 

Weil es ie mag nit änderst sein! 

Man füret Jesum daher. Der thut ein fal mit dem creutzt, sie« 
zucken in auff. Da kumbt Simon Cirones. Ein knecht der 
20 spricht : 

Hieher und im das creutz nach trag, 
Das er nit auflF dem weg verzag 
Und er uns sterb unter der hendt, 
Eh wir in bringen an das endt 
25 Hin an den berg Calvarie! 
Darauff er sterb in todtes weh! 

Simon nimmet das creutz, hilfft im tragen. Der Herr keret 

sich zu den frawen unnd spricht : 

Ir töchter von Jerusalem, 
30 Weinet nicht über mich nach dem, 
Sonder weiuet über ewer kinder 
Und ubr euch selb auch nit destminder! 
Wann es gschicht noch in kurtzen tagen, 
[K 3, 1,441] Das man warhafftiglich wirdt sagen: 
35 Selig sindt die unfruchtbarn weyber. 
So haben unfruchtbare leiber, 
Die nie haben kinder gezeuget. 
Und brüst, die nie haben geseuget! 



300 

Werdt den sagen zun bergen allen: 
Kumbt and thnt über uns fallen! 
Gschicht das am grünen boltz aufif erden, 
Was Wirts denn mit dem darren werden? 

Sie füren ihn auff die pün, richten das creuta 8U, siehen in ab, 
Bchlahen in an das creutz , richten in auff sambt den zweyen 

scheohern. Jesus spricht am creuta: 

Hymlischer vatter, vergib in nun! 
Wann sie wissen nit, was sie thun. 

Die vier kriegßknecht Filati theylen seine kleyder, unnd umb 
den rock spielen sie. Bomanus spricht: 

Das loß werlTen wir aber dem 
Gestrickten rock, welcher in nem. 

Er würffet mit zwen würffein ein wurff unnd spricht: 

15 Ich bab drey eß, ich bin darvon; 
Er wirdt an mich nit langen thon. 

Der ander knecht würfft und spricht: 

Ich hab drey dauß, gwin auch nit vil; 
Mit dir ich darnach gleychen wil. 

20 Der drit knecht würfft unnd spricht: 

Nun secht zu! ich hab quater drey. 
Ich hoff, ich sey auch noch darbey. 

Der vierdt knecht würfft und spricht: 

Glück waltz, der würffei tregt seß dauß. 
25 Der rock ist mein, das spiel ist auß. 

Er nimmet den rock, die vier knecht stehen su irem haubt- 
man Centuria. Pilatus kumbt, gibet in die hantschrifft und 

spricht: 

Die schrifft mach am creutz oben ahn, 
so Das man leß, was er hab gethan! 

Ein knecht macht den zettel auff, der rabi lisset den und 

spricht : 

Der Juden könig solt schreiben nicht! 






301 

Sonder mit deiner schrifft bericht, 
Wie sich Jesus von Nazaret 
Der Juden könig nennen tliet! 

Pilatus spricht : 

[A3, 1,220] Was ich gschrieba hab, ich gschrieben hab; 
Ich thu es warlich nit mer ab. 

Pilatus gehet ab. Der hohenpriester knecht einer knabt mit 

dem kop£f, speiet auß unnd spricht: 

Pfwy, wie henckst du zu eim exempel! 
10 Wie fein brichst du den Gottes tempel! 
Wolst in drey tagen bawen wider! 
Steig ietzundt von dem creutz hernider. 
Wo du bist änderst Gottes son, 
[K 3, 1,442] Wie du hast selber sagen thon! 

15 Ber Phariseer spricht: 

Er hat geholfifen iederman. 
Im selb er letzt nit helifen kan. 
Bist du der könig in Israhel, 
So steig ab von des creutzes quel! 
20 So wollen wir glauben an dicli. 
Das dein wort sindt warhaiftiglicli. 

Babi spricht: 

Secht zu! er hat vertrawet Gott. 
Der helff im nun auß aller nolit, 
25 Wo er änderst hat zu im lust! 
Ja wol, all hoffnung ist umb sunst. 

Der schecher zur lincken selten spricht: 

Bist Gottes son, hilff uns und dir! 
So wollen an dich glauben wir. 

Der schecher zur rechten selten spricht: 

Und du fürchtest dich nit vor Gott, 
Der du verdammest bist zum todt? 
Gar billig wir das leyden than 
Und nemen wol verdinten lahn. 
35 Dieser leidt unverschuldte pein. 



302 

Ich bit dich, Herr, gedcncke mein, 
Wenn du kommest, Herr, in dein reych! 

Jesus spricht: 

Ich sage dir: warlich, warleich, 
5 Heat wirst du nach frewdreicher weyß 
ßey mir sein in dem paradeyß. 

Die mutier Jesu stehet mit den andern frawen beim oranti 

über. Jesus spricht: 

Weil ich ietz mr abscheyden nun, 
10 Weyb, nimb war! dieser ist dein son. 
Johannes, sich die mutter dein! 
Die lalS dir nun befolhen sein! 

Johannes nimmet Maria zu sich. Centurio, der hauptman, 

spricht 8U den knechten Pilati: 

m Schawt zu! es kumbt ein finsternuG, 
Das warlich etwas deuten muß. 
Es thut auch ein erdtbidem werden, 
Sam wöl zu gehn hymel und erden. 

Der Herr sehr eye t am creutz : 

20 Eli, Eli, mein Gott, mein Gott! 
Warurab verlest mich in der not? 

Der Fhariseer spricht : 

Hört, hört! er rüffet Elie. 
Secht, ob er im auß todtes weh 
25 Werdt helflfen von dem creutz herab, 

Dieweil er im gerüffet hab! ^ 

Der Herr spricht: 

Mich dürst, nach aller menschen heyl, 
Die an meinem todt haben deil. 



30 Rabi spricht: 

Füllet mit essig einen schwam! 
Legt in umb ein isop mit nam, 



9 K werdt. 



303 

Aaflf das der hinsterbendt vor trinck, 
Eh im sein hertz vor tlmrst versinck! 

Sie nemen ein schwammen auf ein rhor , i'eychen den Jesum 
für den mundt. [E 3, 1, 443] Der Herr schreidt: 

5 Alle ding nun verbracht sindt worn, 
Darzu ich wardt auiT erdt geborn. 

Maria Salome sieht auff zum Herren ans creutz unnd spricht: 

Ach schaw, wie sich sein angsicht ietz 
Erbleichen thu und sich anspitz! 
10 Sein leyb bidmet vor grosser noht. 
Es ringt mit im der bitter todt. 

Maria Jacobi spricht: 

Schaw zu! wie zagt das hertze sein! 
Sein atem geht kurtz auG und ein. 
15 Sein äugen sindt im schon gebrochen. 
Wie thut der todt an sein hertz pochen! 

Der Herr schreyet mit lauter stimb : 

Vatter, ich befelch auß ellendt 
Den meinen geyst in deine hendt. 

Jesus neyget sein haubt unnd verschiedt. Centurio, der haubt- 

man, spricht: 

Warlich dieser war Gottes sun, 

Weyl solche wunder geschehen thnn. 

Drey stundt hat finsternuß gewerdt 
25 Über den gantzen kreyß der erdt, 

Auch hat erbidtmet das erdtrich 

Und die felsen zerspalten sich. 

Auch zuriß der fürhanj; durch-auß 

In dem tempel des Herren hauß. 
30 Auch haben vil greber sich auffthan 

Und die todten herauser gähn. 

Weyl er sein endt genummen hat, 

Wöl wir wider hienein die Stadt, 

Verkünden diese wunderthat. 

4 K spricht. 20 K versoheidt. 



304 



Der haubtman sambt den vier knechten klopffen an ir brüst 
sambt allem volck, gehn all ab biß Johanne mit den firawen, 

die bleiben beim oreuta stehen. 



Actus 10. 

6 Der ehrnholt tridt ein unnd spricht: 

Der zehendt tlieil zeyget allein, 

Wie man den schecbern brech die bein 

Und öffne die seilen Jesu 

Und wie Joseph auch kumb herzu, 
10 Mit im Nicodemus als-den, 

Bringen mirren und aloen 

Und schöne leinwadt auß der Stadt, 

Hemer, zangen, dergleych voraht, 
[A3, 1,221] Nemen Jesnm vom creutz herab 
15 Und bereiten den leyb zum grab, 

Auch wie Maria wein und klag, 

Johannes ir viel trostes sag, 

Darnach Jesu zum grabe trag. 

Der ernholdt gehet ab. Die vier knecht Pilati kummen mit 
20 irem zeug. Romanus spricht: 

Die hohenpriester die sindt gangen 

Zu Pilato, theten anlangen, 

Das man die von dem creutz abnem, 

Eh das der grosse sabat kem, 
25 Das sie nit am creutz blieben hangen. 

Solchs aber habens thun erlangen. 
[K3, 1,444] Derhalb thet der landtpfleger sprechen: 

Wir selten ir gebein zubrechen, 

AuiT das sie dest eh sterben theten, 
25 Das maus zu der erdt thet bestetten. 

Also steiget einer hienauff, schlecht den aweyen soheohem 
arm unnd pein ab mit einem leinen kolben, auch in rote färb 
eingeduncket. Als sie 8u dem Herrn sehen, sprichet ein knecht : 

Dieser Jesus ist schon todt, 
85 Derhalben so wer es ohn noht. 



305 

Das wir im breclien sein gepein. 
Du aber magst im wol allein 
Sein Seiten öffnen mit eim spieß, 
Das wir sindt seines todts gewieß. 

Ein krieg^ßknecht öffnet ihm seine Seiten, so fleust blut unnd 

Wasser herauß, unnd er spricht: 

Schaudt wunder zu, wie der todt thut 
Geben so schönes frisches blut! 

Nach dem gehen die knechte Filati ab. In dem kummet Jo- 
seph von Arimathia und Nicodemuß mit zweyen knechten, brin- 
gen mirren und aloen inn einer buchssen, hamer und zangen. 

Joseph spricht: 

Maria, du mutter Jesu, 

Gehab dich wol! da kummen wir zu 
15 Dir, dein lieben son zu begraben. 

Vergunst wir von Pilato haben. 

Den verwundert sehr größlich, das 

Er also baldt verschieden was. 

Gab willig uns den leyb Jesu. 
20 Ich hab ein newes grab darzu 

Gehawen in ein felß, ein harten. 

Zu nechst in einen schönen garten. 

Ir knecht steiget hienauff, nembt ab. 

Das man den leyb bstet zu dem grab! 

Die knecht steigen hienauff, machen ein arm nach dem andern 
ledig , entpfahen den leib , legen ihn Maria auff ir schoß, die 

küst sein mundt und w^unden: 

Gott, wer gibet dem haubt mein 

Zeher, das ich heindt müg bewein 
30 Dich, schöpffer aller creatur! 

Wie hast so ein ellendt figuri 

Wie ist die sunn der grechtigkeyt 

Erblichen itz zu dieser zeyt! 

Der mundt der warheyt ist verschwiegen! 
35 Wie ist der barmung brun versiegen! 

Wie ist alle hoffnung verschwunden! 



27 K Wunden, spricht. 
Hans Sachs. XI. 20 



306 

Wie hat das hevl so viel der wundent! 
Der köng der elirii so gar verhönet, 
Gogeiselt und mit dornen krönet! 
Der fürst des friedes ist gehencket, 

5 Mit essig und gallen getrencket. 
Wie bat so mit grosser geduldt 
Gelieden die heylig unsclinldt! 
Wie hat das leben aller leben 
Sein geyst so gar tödtlicb auffgeben! 

10 Wolt Gott, ich wer mit im verschieden, 
Het auch den bittern todt erlieden! 

Johannes spricht: 

Ach mein fraw mutter, sey getrost! 
Durch seinen todt so wirt erlöst 
|K 3, 1,445] Das gantze menschliche geschlecht, 
Kummet durch in wider zu recht 
Auß dem fluch und ewigen todt, 
Ist nun versandt wider mit Gott; 
Und wer hertzlich gclaubet daran, 

20 Der wirdt das ewig leben han, 
Mit allen engein frcwdt und wunn 
Auch mit Christus, dein lieber sun, 
Am dritten tag wieder ersthen. 
In Galilea uns vorgehn. 

25 Da werdt wir in denn lebendt sehen, 
Wie er uns selbcrt hat verjehen. 
Derhalben, mutter, gieb dich drein! 
Wann es hat also müsen sein 
Nach sag der heyligen propheten, ^ 

so Die das vorlengest weyssagen thcten. 
Nun hat ers alles überwunden. 
Nun wollen wir zu diesen stunden 
Sein leyb bestetten zu dem grab. 
Das er sein ruh darinnen hab. 

35 Nicodemus spricht : 

Ja, Maria, es geht daher 

Der abendt; laß dir nit sein schwer, 

l K wunden. 22 K wird. 






307 

Das wir den heyligen leycliriam 

In das grab besteten ersam, 

Das nit der argen Juden rot 

Kummen zu lauter hon und spodt, 
5 Dem leyb schmach und unehr beweysen! 

Des laß dich nun die hoffnung speyscn, 

Das er wider am dritten tag 

Vom todt ersteht nach seiner sag! 

Das laß uns ietz den leybe sein, 
10 Das wir in alda winden ein 

In leinwat mit der specerey 

Und zu dem grab bestetten frey! 

Johannes thut ihm die kröne ab. Maria küsset ihm sein ange- 

sicht unnd w^unden, sie w^icklen den Herren inn leinw^adt und 

speoerey. Magdalena kumbt zu sein füssen unnd spricht: 

Ach lieber Herr und meyster mein, 

Sol ich nun auch entberen dein, 

Der du so gnedig mit mir handelst^ 

Weyl du noch hie auff erden wandelst, 
20 Da ich dir wusch die füsse dein 

Mit den heyssen zehern mein 

Und drücknet sie mit meinem har. 

Da du vergabst mein sünde gar? 

Sieben teuffei von mir außtriebest, 
.25 Zu herberg du offt bey mir bliebest 

In dem flecken Bethania, 

Bey mir und meiner schwester Marta, 
[A3, 1,222] Hast unsern bruder Lasarum 

Vom todt erwecket wiederum. 
30 Hab dir auch gesalbet dein haubt 

Mit Nardi wasser, eh du beraubt 

Bist worden dein unschuldig leben. 

Hab dich darmit bereitet eben 

Zu der begrebnuß auff die stundt, 
35 Wie saget dein warhafftig mundt. 

Nun ist der leyb Jhesu eingewunden, legen ihn auflP die bar. 

Salome spricht : 

Zum grab wöl wir auch folgen da. 

Die weil wir von Galilea 

20* 



308 

Im naclifolffteii, hörten sein wort, 
So wöl wir auch an diesem ort 
Schawcn, wo man in leget hin. 

[K3, 1, 44Cj Maria Jacobi spiioht: | 

5 Ja, darnach so wöl wir gehn hin 

Und bereiten die specerey, 

Das wir denn kämmen alle drey 

Nach dem sabat zu im herab 

Und sein leyb salben in dem grab 
10 Nach gwonheyt der jüdischen weyb, 

Das darin n unverweßlich bleyb 

Sein fron heyliger todter leyb. 

Sie tragen den Herren ab mit der prooession zum fi^rab. Der 

ernboldt kumbt unnd besohleuBt: 

15 Ir Christen, in Gott ausserwclt, 

Weyl wir euch haben fürgestelt 

Mit wort and that den passion 

Jesu Christi, des Herren fron, 

Auß dem so sollen wir bedencken 
20 Zwey stück in unser hortze sencken; 

Erstlich des Herren Christi lieb, 

Die in herab von hymel trieb 

Zu dem gantzen menschlichen gschlecht, 

Darniit es wider kemb zu recht 
25 Auß dem fluch und ewigen todt, 

Darein uns schwerlicii gegen Gott 

Bracht hat durch sein ungehorsam 

Unser erster vatter Adam, 

Welches denn auff uns hat geerbet, 
30 Durch eigne lieb hat uns verderbet. 

Das fleysch und blut gantz ist ergeben, 

Geneigt zu eim sündigen leben 

Wider Gotts gsetz und gebot. 

Derhalb wir lagen geystlich todt 
35 In Gottes ungenad und zorcn, 

Verdambt und ewiglich verlorn. 

Da ist Christus, der heylandt, kummen. 

Hat unser sündt auff sich genummen, 

Hat die getragen mit gedult 



\ 



309 

Und hat bezalt all unser sclmldt 
Mit seinem unschuldigen todt, 
Dardurch versünet uns mit Gott, 
Das er uns wil genedig sein 
* 5 Durch das unschuldig lemlein, 
Wie Esaias, der prophet, 
Am drey-und-fünfftzigsten redt 
Von Christo und saget: Mein knecht 
Der wirdt ir machen viel gerecht. 

10 Ftirwar er trug unser kranckheyt, 
Und umb unser gerechtigkeyt 
So wurdt er da von Gott geschlagen. 
All unser sünde auff im lagen. 
Umb unser sünd wurdt er verwundt. 

15 In sein wunden wurdt wir gesundt, 
Auff das wir friedt betten mit Gott. 
Ewigs leben bracht uns sein todt. 
Da sol wir Christen all geraein 
Christo alle zeyt danckbar sein. 

20 Der seinen hohen lieb und trewen 
Sollen wir uns trösten und frewen 
Als des einigen heylandts gut, 
Der uns erlöset durch sein blut, 
Und in sein todt hoffen und glauben 

25 Und uns mit nicht lassen berauben 
Des höchsten schätz in diesen tagen 
Und im ewig darumb dancksagen. 
Zum andern sol wir vergessen nicht 
Das göttlich scharpff und streng gericht, 

80 Das in des Herren todt erscheindt, 
Das Gott sey also hefftijg feindt 
Der sünd, das niemandt gnug kundt thon, 
Denn sein einiger lieber son 
Durch seinen herben, bittern todt. 

85 Weil nun der allmechtige Gott 
Seins lieben sons nit hat verschanet, 
[K3, 1,447] Sol wir Christen auch sein vermauet 
Und der schnöden sünde absterben. 
Das wir nit ewig mit verderben, 

40 Sol wir kein gemeinschafft mit ir haben. 
Sonder sollen werden begraben 



310 

In to<lt (.'hristi, sollen derwegen 

Ueii alten sawerteig an 1> fegen, 

Forthin allen sQnden feindt werden. 

Fliehen mit wort, werck und geberden 
!> Und uns gentzlich dahin begeben 

In ein bußfertig, rlristlich leben 

Als rechte, wäre Gottes kindt. 

Dieweil und wir erlöset sindt 

Von Christo auü ewigem schaden, 
ii> Durch sein blut kummen zu genaden. 

So! wir uiiscrn nechsten auch lieb bau 

Und im auch alles gutes tban, 

Wie Christus uns vor seinem todt 

Gab das new und einig gebot, 
ir> In zu ehren und danckbarkevt. 

» 

So wil er uns nach dieser zevt 

» 

Nach dem leiblichen todt dort geben 
Ein ewig und seliges leben, 
Da ewig frewdt uns aufferwachs. 
20 Das wünschet uns allen üans Sachs. 

Diepcrson inu der tragedia d es passion zu reden haben, 

als volget: 

1. Der ehrnholdt. 

2. Jesus, der heylandt ■ 
2'> 3. Der engel. 

4. Petrus, ein jünger des Herrn Jesu. 

5. Johannes, ein jünger des Herrn. 

6. Jacobus, ein jünger des Herrn. 

7. Maria, die mutier Jesu. 
^<' 8. Maria Magdalena. 

9. Maria Salome. 

10. Maria Jacobi. 

11. Joseph von Ariniathia. 

12. Nicodemus, der heimlich jüuger. 
^•'' 13. Judas, der verreter. 

14. Annas, der bisehoff. 

15. Cayphas, der hohepriester. 

16. Der Phariseer. 

17. Der rabi. 
40 !8. König Herodes. 

19. Pilatus, der römisch landtpflegcr. 

20. Centurio, der haubtman. 



311 

21. Romanus, ein kriegßknecht Pilati. 

22. Der ander kriegßknecht Pilati. 

23. Drit kriegßknecht Pilati. 

24. Der vierdt kriegßknecht Pilati. 
[A3, 1,223] 25. Malchus, ein knecht der hoheprieater. 

26. Der ander hohepriesters knecht. 

27. Der drit hohepriesters knecht. 

28. Der vierdt des hohenpriesters knecht. 

29. Der füofi't des hohenpriesters knecht. 
10 30. Der sechst des hohenpriester knecht. 

31. Des hohenpriesters magdt. 

> Anno 1558 jar, am 12 tag Aprillis. 



312 



Tragedia mit 17 personen , die zerstörnng zu Je- 
rusalem zu agiren, nnnd hat 6 actus. 

Der ernholdt sollet ein unnd spricht: 

[K 3, 1,448] Heil, gnad und fried von Gott, dem vatter, 
5 Und Christo, dem höchsten woldater, 

Sey dieser vcrsamlung allen, 

Der zu ehren und >vol gefallen 

Sindt wir gebeten hieher kummen, 

Ein tragedi uns fürgenuramen, 
10 Sehr einer kleglichen histori. 

Doch nutz, zu bhalten in memori. 

Der Inhalt ist kttrtzlich in dem 

Die Zerstörung Jerusalem, 

Wie die beschreiber Josephus 
15 Und der geleich Egesippus, 

Welcher krieg hat sein Ursprung, 

Als Cestius Florus hart trung, 

Der landtpfleger, die Juden frey 

Mit geitz und grosser tyranney, 
20 Dar von das volck unghorsam wur 

Den Römern, macht auch ein auffrhur. 

Der pöffl, so lust zu kriegen het, 

Sich die Zeloter nennen thet. 

Trieben groß frevel, ubermuht 
25 Und namen den reichen ir gut. 

Wer zum frledt riedt, der wurdt veracht. 

Manch frummer mann wurdt da umbbracht 

Als nu bein Römern thet erschallen, 

« 

6 E Sey hie d. ? Sey in d. 14 E beschreibet. 



313 

Das die Juden warn abgefallen 

Und in kein zienst mehr weiten geben, 

Da schicket keyser Nero eben 

Sein hanbtman Vespasiannm, 
5 Gerüst mit grosser heeres sum. 

Der füret mit den Juden krieg 

Und erlangt manch hen'lichen sieg, 

Bezwang sie im landt umbadumb. 

Nach dem schickt er sein son Thitum, 
10 Der. blegert erst Jerusalem, 

Als gleych in der Stadt war bey dem 
. Osterfest sehr ein grosse zal 

Juden auß dem landt nberal, 

Das auif die zeyt in der Stadt hauset 
15 Sieben und dreysg mal hundeit tausendt. 

Bey den ein hunger groß anfieng, 

Dergleych ein schröcklich sterb angieng, 

Das also regiert in ir grentz 

Schwert, hunger und die pestilentz. 
20 Noch woltens nit auffgeben die Stadt, 

Biß sie Thitus erobert hat, 

Der sie schleyffet und ließ zerstörn, 

Das volck fahen, ir viel ermörn. 

Nun schweigt ! so wert irs sehen und hörn. 

Cestius Florus gehet ein mit den zweyen trabanten und spricht : 

Ir trabanten, habt ir verbracht. 

Was ich euch befalch nechten znacht? 

Heut vor tages auff sein alda, 

Zu raisen gen Cesarea, 
30 Das wir in den tagen nach dem 

Herbringen gen Jerusalem 

Der kriegßleut ein rott oder zwu, 

Auff das sie mir helffen darzu, 

Das ich die Juden baß mag ducken, 
st Demütigen und nider drücken, 

Die wollen etwas zu stoltz wern. 

Ich muß ir joch herter beschwern. 

Das ich vil gelts von in müg schetzen ' 

Mit frönen, stewr und auffsetzen, 
40 Weil keyserliche mayestat 



314 

Mir gnedig vergünstiget hat, 
Die Juden wol unterm zäum zu ballen, 
Auff das sie sich nit thun abspalten 
^ Von Römern, weyl sie geneigt seien 

Ä Zur freyheyt, darnach sie stets scbreyen. 

[K 3, 1,449] FlacuB, der erst trabandt, spricht: 

Flore, du tbewrer landtpfleger, 
Solch strenge ist von nöten weger, 
Auff das du bleibst ins keyser gnaden, 
10 Ob gleych die Jnden wern beladen. . 
Schat nit, es ist ein stoltz geschleclit. 

FabiuB, der ander trabandt» spricht: 

Ja, in geschieht nit gar unrecht. 

Wo du nit brauchst dein ernstlich macht, 
15 So würdest du bey in veracht. 

Darnmb halt ob in hart und vest. 

Mit strenger herrschafft, ist das best! 

Und greüff in dapffer auff das maul! 

Es ist gesatelt schon der gaul 
20 Und auch bereit der reissig hauff. 

Wenn du wilt, magst du sitzen auff. 

Sie gehen all drey ab. Eleazams gehet ein mit Simoni iinnd 

spricht : 

Mein ausserwelter freundt Simon, 
25 Raht du, was uns doch sey zu thon, 

Weil Cestius, unser landtpfleger, 

Bey uns treibt groß tyranney weger. 

Mit grosser stewr uns stetz schätzt! 

Wo er kan, er uns trutzt und trotzt 
30 Und hat auch vor wenigen tagen 

Sein krieges-leut lassen erschlagen. 

Sechshundert, darzu dreyssig man. 

Die im doch kein leidt betten than. 

Hat auch vil vom adel gefangen, 
35 Geiselt und an die creutz gehangen, 

Allein auß bitrem neydt und has. 

Simon spricht: 



315 

Und ist gar nit zu leiden, das 

Uns der landtpfleger also sol blagen, 

Za steum und scbinden in den tagen, 

Wie er denn lang zeyt hat gethan, 
5 Ohn schuldt auch manchen redling man 

Sein gut nam und ließ in ermörn. 

Dem landtpfleger ist zu gehörn, 

Das er uns halt in trewem schütz 

Und handthab uns gemeinen nutz. 
10 Darzu ist er vom keyser bstelt, 

Allein zu gut seim volck er weit. 

Also abr wer uns sterben weger, 

Denn leben unter dem landlpfleger, 

Dem geitzig, mördisch tyrannen. 

[A 3, 1, 224] Eleazarus spricht : 

Wie meinst, wenn wir der freyheit fannen 
In der stat wider köndtn auffrichtcii, 
Das wir den Römern gar mit nichten 
Weren zinßbar und unterbau? 

20 Simeon spricht: 

Ich hab auch lengst gedacht daran. 
Köndt wir vom hals bringen das joch. 
Ich hoif, uns wern behülflich noch 
Manch tausent mann in diser Stadt, 
25 Der ioder auch verlangen hat 
Nach alter vätterlicher freyheit. 

Meazarus spricht: 

Jn, ich wolt auch zu diser zeit 
Mein leben gern wagn zu letz 
30 Für unser vätterlich gesetz 
Auß rechtem eiver on beschwer. 
Schaw! dort geht unser bischoflf her, 
Ananus, mit etlichen alten. 
Wir wöUn die sach im auch fürhalten. 

[K 3, 1, 450] Ananus , der bischoff, und Jesus, der priester , und 
Qorgion Niger kommen. Der bischoff spricht : 

Ach, was beratschlagt ir all beidt 



316 

In unserm grossen hertzenleidt ? 

Eleazarus spricht: 

Wir sagen und ratschlagen eben, 

Dem keyser kein zienst mehr zu geben, 
5 Auch kein opfer für in za than, 

Weil so mannich redlicher mann 

Kombt umb leib und leben all tag 

Von dem landtpfleger; drumb ich sag, 

WöU wir in zu der stat anßtreiben, 
10 Wie vor bey unser freyheit bleiben. 

So nimbt endt manch unschuldig mort. 

Ananus, der bischoff, legt sein hendt zusammen unnd spricht: 

lieben söhn, schweigt diser wort! 

Der schadt gebär ein andern schaden. 
15 Wir kemen in der Römer Ungnaden, 

Welche an volck, kriegszeug und gellt 

Die mechtigsten sindt in der weit. 

Haben schier zwungen alle landt, 

Die ktirtz halb bleiben ungenandt, 
20 Von hinnen biß in Orient 

Und herwider in Occident. 

Wie möchten wir in denn vorstehn? 

Wir müsten drob zu trtimern gehn, 

Die gantz stat und der heilig tempel. 
25 Nembt ander völcker zum exempel, 

Die durch sie überwunden sendt! 

Ob Cestius Florus vil endt 

Gleich tyrannisch gehandelt hat 

Mit mancher unehrlicher that, 
30 So traget sollichs mit geduldt! 

Die Römer habens gar kein schuldt. 

Sie wissen umb sein übel nicht. 

Wo sies warhaift wurden bericht, 

Würdt der pfleger baldt abgestelt 
35 Und ein ander für in erweit; 

Denn würdt der sach geholffen baß. 

Derhalb sich keiner hören laß 

Von dem abfal wie ein auffrürer! 



317 

Simeon spricht: 

Ich merck wol: du bist ein verfürer. 
Deß volcks unfal thut dich nit gremen, 
, Biß wir all umb unser hels kernen. 

5 Wir gedencken nit mehr zu leiden 
Von Römern, den blutdurstign beiden. 
Wir wöUn irs morts ein ende machen. 

Jesus, der fromm priester, spricht : 

Ach lieben brüder, mit disen Sachen 
10 Wurdt ir den mort erst recht anfangen. 

Derhalb last euch nach friedt. belangen! 

Derhalb seit still! das bitt wir euch. 

Halt wir vor ewer opfer und und bireuch 

Und gebt dem keyser zienst und zol! 
15 Got Wirt euch gnedig helffen wol 

Auß diser not, doch mit der zeit. 

Eleazarus spricht: 

Ich glaub, und das ir weiber seit. 
Geht nur von uns ! an disen orten 
20 Gehorchen wir nit ewern werten. 
Mit ewer geschmirten heuchlerey 
Wir wölln sein ungestrafft und frey. 

Gorgius Niger, der rätherr, spricht: 

Nun, ich furcht warhaft bey mein trewen, 
[K3, 1,451] Ewr böser fürschlag werdt euch rewen. 
Derhalb wir und manch fromer mann 
Wollen euch gar nit hangen an. 

Ananus, Jesus und Gorgion gehen ab. Simon, der aulTrürer, 

spricht : 

30 Eleazar, wie, wenn wir zwen 

Theten unter das voick hin gelin 

Und theten uns ein anhang machen 

Mit unsern fürgenommen sachen? 

Wo aber die mechtigen reichen 
85 Mit uns sich weiten nit vergleichen 

Und träten zum römischen bauifen, 



318 

Den wolt wir durch die hewser lanffen 
Und in als nemen. was sie betten, 
Das ander sich dran stossen tbetcn, 
Darmit die sach ein anfang gwinn. 

5 Eleasarus spricht: 

Simon, das wirt ein gater sinn. 
Deß wöU wir zusam schwern ein bandt. 
Das wir letzt und zu aller standt 
Bey einander bestehn all beidt 

10 In diser sach in lieb and leidt. 
Dergleich müssen bey eidt und ehm 
Alle bundgnossen zu uns schwern. 
Unser veldtzeichen sol allein 
Ein binden von roter seiden sein, 

15 Darbey wir an einander kennen, 
Und wollen uns Zelotter nennen 
Zum zeichen, das wir unser blut 
Wagen auß gar eiverigem mut 
Für unser gesetz und freyheit. 

20 Der haudel mich im hertzen freut. 
Nun komb! glück sey auff unser seit! 

Sie gehen beid ab. 



Actus ^. 

Johannes Gißgalenus, der Verräter, spricht : 

25 Simon und der hat mich bestellt 
Zum eim kundtschaffter außerweit, 
Ich sol zum bischoff machen mich 
Und zu den alten gar heimlich 
Und sol mercken auff ir ratschlagen. 

30 Dasselb sol ich denn als zutragen 
Den Zelottern und irem hauffen. 
Bey den hab ich zu fießn und sauffen 
Und füll auch mein peutel darbey 
[A3, 1,225] Durch sollich mein verräterey. 

36 Darzu bin ich ein rechter mann. 
Den schalck ich gar wol bergen kan. 



319 

Ich mag dardurch zu ehren kommen, 
Zu eim haubtman werdn aufgenomen. 
Ich will ietzt gehn zum bischoif nein, 
Da die alten beysamen sein. 

Der kundtschafiPter geht ab. Gorgion Niger, der ratherr, kombt, 

tregt ein sack mit gellt und spricht: 

Ach Gott, wo sol ich fliehen hin? 

In meim hauß ich nit sicher bin 

Vor der Zelotter mördischen hauffen, 
10 Welche uns durch die hewser lauffeii, 

Den, die nit wölln auffrürisch sein, 

Blündern und legn uns gfengklich ein 

Und würgen uns als ubeltheter, 

Als sindt wir der Römer Verräter. 
15 Dort kombt gleich die auffrürisch rott. 

Ich bevilch mich dir, du mein Got! 

[^E 3, 1,452] Die Zelotter oder auffrürischen kernen mit roten 
binden, Eleazar feit Gorgion an und spricht: 

Dein gut hast als verfallen du, 
20 Uns und dein leben auch darzu. 
Weil du mit hülff dem vatterlandt 
Sambt uns nit thon wilt widerstandt 
Gegen dem römischen tyrannen 
Und schweren unter unsern fannen. 

Sie nemen im das gellt, füren in hin. Ananus, der bischoff, 

kombt mit Jesu, Johanne, dem Verräter, Gorgion unnd Ga- 

maliel, den 2 ratherrn. Ananus spricht: 

ir burger, thut euch erbarmen 

Unser Juden, reichen und armen, 
30 Welche der auffrürische hauffen 

Bey tag und nacht thut uber-lauffen 

Und thun ermörn und berauben 

Ehrlich männer, so halten glauben 

Dem keyser, wie wir habn geschworn ! 
85 Täglich sie in der statt rumorn. 

Die jungkfrawen und weiber schendn, 

Doch groß gotseligkeit fürwendn, 

Als haltens vest ob Gottes gsetzen, 



320 

Weil sie doch Gott mit sttndt verletzen 
Und haben den bawern veracht, 
Phanes, zu einem biscboff gmacht 
Und treiben grandt-böse exempel. 
5 Sie haben eingnommen den tempel, 
Machen darauß ein mörders graben. 
Und disen aufFrürischen haben 
LaafFen noch za mit haaffen heat 
Eytel böß, loß and heyloß leat, 

10 Berüchtigt mit schandt and geltschalden. 
Und wo wir die lenger gedaldten, 
So Verderbens ans sampt der statt. 
Die sach ein SQhröcklichn anfang hat. 
Derhalb bitt ich each all gemein, 

16 Das ir wölt frey bestendig sein 
Und dem keyser gehorsam bleiben 
Und thut die aaffrtirer aaßtreiben, 
Eh sie ans in als anglück bringen! 

Jesus, der priester, spricht: 

20 Ja, ich rat aach zu disen dingen, 
Das man die sach nit lang verschlaff, 
Weil sie verachten lehr und straff. 
Weil könig Agrippa, der gütig, 
Sic hat gebetten gar senfftmütig, 

25 Der auffrur sollens müssig gan. 
Den Römern gar nit widerstan, 
Das die auffrürer thetn verneinen. 
Etlich warffen zu im mit steinen 
Und auß der stat den könig trieben. 

so Derhalbeu bedencket, ir lieben, 
Wo das die Römer wurdn gewar, 
Den abfal der aufrürer schar, 
Als denn sie uns selb Überzügen 
Mit heeres krafft und uns erschlügen, 

35 Beide schuldig und auch unschuldig. 
Derhalb sol man uit so gedultig 
Leiden solch auffrürische sach. 
Sonder straffen mit grimmer räch, 
Weil wir noch zeit haben darzu. 



321 



Gamaliel, der ratherr, spricht : 

Ja, wir wollen haben kein rhu, 
Sonder eim rat das zeigen an, 
Auffs ftirderlichst darzu zu than, 
[E 3, 1,453] Das man solche auffrürer demb, 

5 Sie ernstlich straff, bendig und zemb, 
Weil sie vil tyrannischer leben, 
Denn der landpfleger, welcher doch eben 
Uns dennoch vil leidlicher wer 
Mit seiner tyranney, weil er 
10 Vom keyser wtirdt in kurtzen tagen- 
Abgesetzt, wenn wir in verklagen. 
Deß wollen wir gar baldt abkommen. 

Gorgion Kiger, der ratherr, spricht: 

Die auffrürer habn mir genommen 
15 Mein gut wider Got, ehr und recht, 
Fürten mich auch gfengklich geschmecht 
In kercker, mich darinn zu tödten. 
Ich aber in den grossen nöten 
Bin in entrunnen durch ein loch, 
20 Rab gfallen wol füuff klaffter hoch. 
Darmit bin ich dem todt entrunnen. 
Derhalb nit lang darob besunnen, 
Sonder auffs bäldest thun darzu! 

Ananus, der bischofT, spricht: 

25 Nun so wöl wir auff morgen fru 
Die auffrürer mit den burgern allen 
Im tempel Gottes überfallen 
Und sie all zu der statt auß jagen. 
Was sich wehrt, wollen wir erschlagen, 

30 Auff das zu friedt bleib unser stat. 

Johannes, der Verräter, spricht: 

Ja, dasselb ist auch gleich mein rat. 
Nur baldt an sie! ich hilff darzu, 
Das die stat von in komb zu rhu. 
35 Ich lob euch all, als die hort-frommen, 
Weil ir wölt trewlich unterkommen 

Hans Sachs. XI. 21 



322 

Jcrnsaloni, der heilign stat, 
Solcli ir verderblichen unrat. 

Ananus, der bischofF, spricht: 

Ja, scliweig still! sag niemandt darvon! 
5 Wir wollen in das rathauß gon 
Und den burgern die ding ansagen, 
Das sie sich rüstn, eh es thn tagen. 

Ananus, Jesus, Qorgion, Gamaliel gehen ab. Johannes, der 

Verräter, spricht: 

10 Ich will gehn die Zelotter warnen 
Vor deß bischoifs heimlichen garneii, 
Daß sie sich wol vor im vorsehen. 
Da thon gleich die iiaubtleut sich neben. 

Die Zelotter oder aufftürischen kommen. Johannes spricht: 

tn Eleazar und du Simon, 

Wist, das ich gwise kundtschafft hon, 
[A3, 1,22GJ Das ir mit den Zelottern allen 

Morgen vor tags werdt überfallen 
Vom bisclioff und der burgerschaift, 
20 Das ewer handlung wert gestrafft. 
Auch so hat der bischoff mit nam 
Ein botschaft umb hülf gschickt gen Rom, 
Das euch die Römer lielffen straffen. 
Drumb warrt, was ir all habt zu schaffen! 

25 EleazaruB spricht: 

Ist das war, so wol wir dermassen 
Die Idumeer heint einlassen 
Biß in die 20 tausent starck, 
Die helffen iren anschlag argk 
80 Mit gwalt dapfer und künlich brechen, 
[K 3, 1,454] Sie wie das viech darnider stechen. 

Kombt! last bestellen uns die frechen! 

Sie gehen alle auß. 



Actus 3. 



323 



Ananus, der bischoff, geh.t ein mit Jesu, dem priester, unnd 

spricht : 

0, mir ist gwiß gesaget vor: 
Heint babn geöffnet das stat-thor 
6 Die auffrürischen, von der Strassen 
Die Idameer eingelassen. 
Weh, weh, erst wirt es übel gebn, 
Wenn sie den auffrürern beystehn. 

Jesus, der priester, spricht: 

10 Ach Gott, das sindt erst böse mär. 

Weil on das die Idumeer 

Ist ein volck sehr rüdisch und grob, 

Unbarmhertzig, das wüt und tob. 

vatter, wie hör wir herbey 
15 Kommen so ein laut mort-geschrey ! 

Es solin wol die anffrürer sein. 

Sie lauffen gwiß auff uns herein. 

vatter, wo soll wir fliehen hin. 

Das wir int hendt nit kommen in? 

Die Zeloter und Idumeer kommen. Simon spricht : 

Wölt ir uns schlagen auß der stat, 
Wir ir nechten beschlust im rat? 
Nein, nein, es sol an euch außgelm. 
Schlacht sie zu todt, vorauß die zwen! 

Sie schlagen sie beidt nider, Eleazarus spricht : 

Last ligen die zwcn unbegraben, 
Dieweil sie uns getrowet haben, 
Auff heut uns auß der stat zu treiben! 
Drumb sollcns unbegraben bleiben, 
30 Zu schrecken dem gemeinen mann, 
An uns nit handt zu legen an. 
Doch tragt hinab die römischn bubeu 
Und werfft sie in die schelmen-gruben ! 

Man tregt die todten ab und sie gehen auch alle ab. Gamaliel 
unnd Gorgion kommen. Gftmaliel redt kläglich: 

Got von himel, ach und wehl 

21* 



324 

Erst steht es vil übler denn eh. 
Nun hat bürgerlich policey 
Gericht und ghrechtigkeit, darbey 
Gotsdienst und opfer gar ein endt 

5 Sambt bischoflichem regiment. 
Unser frommer bischoflf ist todt. 
Jesus ligt auch im blute rot 
Von Idumeern, vor den mir grauset. 
Die habn erschlagn neunthalb tauset, 

10 Beide frawen und auch man, 
Als maus zu nacht hat ein gelang 
Auch habens in den nechsten tagen 
Zwölf tausent vom adel erschlagen. 
So ist manch redlich mann gestorben, 

15 Von den auffrürischen verdorben 
Und ist nit gnug ir tyranney, 
Sonder haben verholten frey, 
Das man sie nit begraben sol. 
Niemandt darff umb sie trawem wol. 

20 So nimbt in unserm vatterlandt 
Alle grawsamkeit uberhandt, 
Das mich vertreust, darinn zu leben. 

[K 3, 1, 455] Gorgion Niger, der ratherr, spricht : 

Noch ärger mär sagt man darneben, 

25 Vespasianus, der römisch haubtman, 
Mit Thito, seim söhn, ziech auch an, 
Auch Cestius Florus, allsandt 
Greifen sie an das judisch landt, 
Cesarea und Gamala 

30 Damasco, Alexandria, 
Sidopoli und Gadara, 
Ascalon und auch Aphaca. 
In disen stetten hin und wider 
Sindt von Römern gelegen nider 

35 Der Juden gar in kurtzen tagen 
Sechs und fünfftzig tausent erschlagen, 
Die flecken auch eins theils verbrendt. 
Auch böse mär uns kommen sendt, 
Josephus sey gefangen schon, 

40 Unser fürnemester haubtman. 



325 

Zu Itapara, doch darbey 
So hat er geweissaget frey 
Vespasiano, wie das er 
In kürtz selb keyser werden wer. 
6 Drumb in der haubtman frey hat glassen 
Und bleibet bey im aller massen. 
Da förcht ich, er werdt mit der zeit 
Den Römern alle heimligkeit 
Offenbarn, wie es mit uns steh. 

10 Gamaliel, der ratherr, spricht: 

Gorgion, der sorg müssig geh! 
Josephus ist ein redlich mann. 
Er Wirt nit also übel than 
An seinem lieben vatterlandt, 
15 Sonder wirt raten mit verstandt, 
Das die stat werdt vom krieg erlöst. 
Seiner frümbkeit ich mich wol tröst, 
Er werdt die statt bringen zu rhu. 

Gorgion "Niger spricht: 

20 Ja wol, Thitus zeucht strax herzu 
Auf unser statt Jerusalem, 
Hats weißlich beratschlagt in dem, 
Weil die statt selb auffrürisch sey 
Und gespalten in zwo parthey. 

25 Derhalben hat gut kriegen er. 

Gamaliel, der ratherr, spricht: 

Ich hab gehört: die Zelotter 
Sindt mit den Idumeern in zom. 
Auch todt-feindt an einander worn. 

80 Derhalb die statt gespalten sey 
letzunder wol in drey parthey, 
Das wir haben all stundt und zeit 
In der statt zwischen uns selb streit. 
Ein lerman ubern andern wirt. 

85 Als übel letzt bey uns regiert. 

Daß wir nichts gwissers habn denn sterben 
Und der statt endtliches verderben. 
Die zeichen werden uns nit fUn. 



326 



Gorgion ÜSTiger spricht: 

Ja, Gott thet uns ie nit verbein 

Sein straff, weil an dem himel klar 

Ein schwerdt erschein ein gantzes jar, 
[A3, 1,227] Welches erschröcklich trowet hat 

Groß blntvergiesscn unser stat. 

Auch sah man in den wolcken mehr 

Oben streitten zwey grosse beer 

Zu eim erschröcklichen exempel. 
10 Auch die glockenspeiß-pfort am tempel 

Hat sich eins nachts selb auff gethan. 

Daran sonst öffnen 20 mann, 

Dieweil sie etlich zentner wag. . 

Auch in der nacht vor dem pfingstag, 
15 Als die priester in tempel kamen, 
[K 3, 1,456] Hörten sie in dem chor allsamen 

Ein kläglich stim, die rüfft darinn: 

Wolauff und last uns ziehen hin! 

Glaub wol, das dieselbig gothöit 
2) Vom heijigtumb sey gwichen weit, 

Hab den tempel und statt verlassen 

Inn angst und trübsal solcher massen. 

Johannes, Anani son, ein bawer, kombt, hebt sein armb über 

den kopfT auff und schreit: 

25 We, we, stim von Orient! 
We, we, stimb von occident! 
we, we allem volck in dem! 
We, we dir statt Jerusalem! 
We, we den priest ern und dem tempel! 

Er geht wider trawrig ab. Gamaliel spricht: 

Hör! das gschrey ist auch ein exempel 
Verderbung deß volcks und der statt. 
Weil diser mensch geschrien hat 
Fünff monat und 4 gantze jar 
85 We, wo und doch nie haiser war 
Und redet auch kein ander wort 
Denn nur we, we an allem ort. 
Man hielt in für ein narrn allein 






327 

Und warff in offt mit kot und stein. 
Wer im ubels thet, schalt er nicht. 
Das ist ein wunderlich geschieht. 
Meinst nit, sein gschrey sey auch ein zeichn, 
Zu unserm verderben zu reichn 
Von wegen der sündt mancherley? 
Komb, lauff! was hör ich für geschrey, 
Als ob ein grosser lerman sey? 

Sie gehen beid ab. 



10 Actus 4. 

Die Zelotter oder auffrürischen kommen gerüst, Eleazar spricht: 

Baldt schickt euch in die gegenwehr! 
Wann Thitus mit der Römer beer 
Zeucht an und wil sein läger schlagen, 
15 Wann heut frü, und eh es wolt tagen, 
Ist ein gschwader reutter ankommen, 
Hat den ort Scopus ein genommen. 
Rat zul wie wollen wir im than? 

Simon, der auffrürer, spricht: 

20 Wir wollen auff 2000 mann. 
Die thewersten der Zelotter allen, 
Nemen und auß der stat nauß fallen, 
Ob wir sie möchten schreckn und jagen, 
Eh wann und sie ir läger schlagen 

25 Und sich verschantzen und vergraben, 
Darzu sie haben angehaben, 
Auch eh mehr hauffen nach her kommen. 

Johannes, der Verräter, spricht: 

Ich hab auff eim thuren vernommen, 
30 Wie die* Römer die stett berennen, 

Die dörffer und weiler ab brennen 

Und alle paum darnider feilen, 

Darmit sie befestigen wollen 

Ir läger, wie man scheinlich sieht. 
85 Derhalben ist zu feyren nicht. 



328 



Eleazarus spricht: 

Johannes, geh! heiß auif trommeten, 
Die stat Jerusalem zu retten, 
Das baldt gerüst sey iederman! 
[K 3, 1,457] Wir wollen einen außfal than. 

Da lauffen sie ab mit den veldtzeiehen und schlagen mit den 
Bomern. Sabina, ein edle fraw, kombt mit ihrem kindt unnd 

schreyet kläglich: 

jamer, angst ob aller not! 
10 Wo bist so lang, du grimmer todt? 

Komb! mach meiner hartsel ein endt! 

Ich bin vil ärmer, wann ellendt. 

Reich und edel kam ich allda 

Rein vom stettlin Bathesoba 
15 In diso statt Jerusalem, 

Im krieg sicher zu sein in dem, 

Bracht herein groß reichtumb und gut, 

Leb nun in höchster armut. . 

Die aufiPrürischen außgesündert 
20 Haben mir lengst mein hauß geblündert 

Hin ist mein schätz, kleinat und golt. 

Ir keiner mich doch würgen wolt, 

Wie übel ich sie schalt und flucht. 

Deß leb ich gleich entrüst, verrucht. 
25 Wolt Gott, es wer meins endes zeit! 

Salome, ein alte Jüdin, kombt geschlichen und spricht : 
Wer ist, der also hewlt und jschreit? 

Sabina, die edel fraw, spricht: 

Es ist die ärmest aller armen, 
30 Der sich gar niemandt will erbarmen, 
Das er mir nemb das leben mein. 

Salome, die alt Jüdin, spricht: 

Sabina, du bist nit allein 
Hartselig hie in angst und not, 
35 Die ir ietzt selber wünscht den todt. 
Ich denck ietzt an ein frommen mann, 



329 

Den man vor 40 järn hat abthan. 

Der hieß mit seinem nam Jesus. 

Etlich sagten, er wer Christels. 

Als man in zu creutzign fürt aaß, 
5 Weinten vil frawen vor dem richthauß. 

Da keret er zu inen sich 

Und sprach : Weinet nit über mich, 

Sonder über euch und ewer kinder! 

Die zeit wirt komen nach mir schwinder, 
10 Das ir den leib werdt selig sagen. 

Welcher nit kinder hat getragen. 

Selig werden die brüst gezeuget, 

Die nie kein kindt haben geseuget. 

Werdt sagen: Ir berg, euch bewegt! 
15 Falt über uns und uns bedeckt! 

Diser Jesus starb mit geduldt. 

Ich glaub: an im hab wir verschuldt, 

Und das sein erschröcklich weissag 

Uns sey erfült auff disen tag. 
20 Darinn ist aller mutter hertz 

Uberschütt mit angst, weh und schmertz. 

Mit kümmernuß, leidt und trtibsal 

In der gantzen stat uberal. 

Mir selb erschlagen ist mein man. 
25 Vor mein äugen ich gsehen han. 

Das mir ein bruder erstochen wur 
[A3, 1,228] In der Idumeer auffrur. 

Fünff kinder sindt mir hungers gstorben, 

Bin gleich an leib und gut verdorben. 
30 Bin gleich also erstarrt darinn, 

Als leb ich on vernunfft und sinn. 

Mag gleich nit mehr weinen und klagen 

Vor jamer und erschröcklichn plagen, 

Warrt auch auf nichts, denn auf den todt, 
35 Der mich erlöß auß angst und not. 

weh, weh mir! ich muß hinauß. 

Es brint mir laider dort mein hauß. 

\K 3, 1, 458] Salome laufit eylendt ab. Sabina küst ir kindt und 

spricht : 

40 Hertz-lieber söhn, dich gebar ich. 



SSO 

Hab auch mit fleiß erneret dich. 

Wem sol ich dich behalten nur 

In hunger, sterben und aufiPnir? 

Hab dir nichts mehr zu sewgen geben. 
& Icli bin gleich eim dürren weinreben, 

An meinem gantzcn leib verschmorret, 

Wie ein grieb versch macht und verdorret, 

Von dem bittern hunger umbgeben. 

Ob ich dich gleich erhielt beim leben, 
10 So würst du doch dir zu Unheil 

Unsern grimmen feinden zu theil, 

Den Römern, und das gantz leben dein 

Müst gfangen und leibeigen sein. 

Drumb ist dir nützer auch für mich, 
15 Wie ich speiset und seuget dich, 

Du sterbst und speist mich auch allein 

In disem grossen hunger mein, 

Das mein leib ^Yider werdt dein grab. 

So kombst du deiner hart sei ab. 

Sie küst das kindt, schneidt ihm darnach die kalen ab mit 
umbgewentem angesicht. Die au&ürer kommen. Johannes 

spricht: 

Thu herfür! was hast du zu essen? 
Weil wir mit hunger sindt besessen, 
25 Wir schmecken etwas in deim hauß. 

Simeon spricht:* 

Was hast du guts? gibs baldt herauß! 
Oder wir schlagen dich zu todt. 

Sabina zeigt das blutig kindt unnd spricht: 

80 Ja, da eßt mit! es hat kein not. 
Das ist mein son, den ich gebar, 
Den ich auch essen wil fürwar. 

Die aufftürischen Zelotter gehen hintersich, gleich entaetat. ^ 

Sabina spiicht: 

85 Wie fliecht ir vor deß kindes leib? 
Ir seit verzagter, dann ein weih. 
Ich hab getödt mein fleisch und blnt, 



331 

Deß mich der hunger nöten thut, 
Der weit zu einer gedechtnuß, 
Darvoji man ewig^ sagen muß. 

Die auffr arischen gehn ab. Sabina steht auff, redt mit ir selb 
5 unnd spricht: 

Nun so m\ ich gehn kochen dich, 
Das du zu letzt vor speisest mich. 
Darnach wil ich auch hungers sterben 
Und mit dem andern volck verderben, 
10 Weil kein trost mehr ist zu erwerben. 

Sabina geht ab mitt dem kindt. 



Actus 5. 

Die aufPrürischen kommen. Eleazarus spricht: 

Secht, secht! das heer stelt sich in furm, 
15 Samb es anlauffen wöll ein stürm. 
schickt euch in die Ordnung baldt! 
Das gantz heer laufft an mit gewalt 
Mit sturm-Iaittern und gwerter handt. 
Steht vest und thut dapfern beystandt! 
[K3, 1,459] Sie komen; lerman, lerman, her, her! 

Stecht todt 1 Schlacht todt! schont keiner der! 

Flor US unnd zwen trabandten kommen mit eim adlerfannen, 

sie schlagen einander, die Römer fliehen, verlassen den fannen. 

Eleazar nimbt den fannen und spricht: 

25 Ir Zelotter, seit kün und keck! 
Wir haben diß mal trieben wegk 
Die Römer, ritterlich geschlagen. 
Johannes thu ir panier tragen, 
Stecks auff den thurn Phaselum. 



30 Uns zu eins Sieges ehr und rühm, 

Auff das, wenns die feindt sehen stecken, 

Das sie haben darob ein schrecken, 

Sehen, das wir auch kriegsleut sein 

Und dörffens dapfer setzen nein! 
35 Nun wollen wir ratschlagn darvon, 



332 

Was uns nun weitter sey zn thoD. 

Die auArüriflchen Zelotter gehen ab. Thitus, der Boxner oberster, 
mit sein trabanten und Josephe, der Judn gfan^^n haiibtmmxi, 

kombt iinnd spricht: 

5 Josephe, es tawret mich 

Dcins jadischen volcks hertzigklich, 

Wiewol es uns auch thut groß schaden. 

Doch sinds in der statt uherladn 

Selber mit sehr schwerer anfirnr 
10 Und sonst mit mancherlei unfur. 

Die Zelotter haben am endt 

Vorrat und traidt selber verbrendt. 

Nun thut in aller speiß zerrinnen 

Und ist sehr grosser hunger drinnen, 
15 Das sie von den tartschen das leder 

Und von armbrösten das geäder 

Sieden und essens zu der frist, 

Faul hew, graß, wurtzel und kümist. 

Sindt so mit grimmen hunger bsessen, 
20 Das die mütter ir kinder essen. 

Auß dem mangel und hungers not 

Herrscht auch bey in der gehe todt 

Und auch die grawsam pestilentz 

Und ist irs jamers keines endts. 
25 Derhalben so thun mich die armen 

Im grundt meines hertzen erbarmen, 

Wann ich wolt ie geren erhalten 

Tempel, statt, jung sambt den alten. 

Derhalb, mein Josephus, geh du! 
80 Nech dich irer stattmawer zu! 

Sag deim volck, daß die statt aufgeben 

Und erretten darmit ir leben! 

Ich wolts zu gnaden nemen an. 

Josephus, der judisch gefangen haubtman, antwort und spricht: 

85 Thite, du thewrer hauptman, 
Hab danck der trew und alles guts! 
Es ist ie vil unschuldigs bluts 
Yon weih und Idndt und mannen eben. 
Die die statt betten lengst auffgeben, 



333 

Auch nie gewesen widerspenig, 
Den Römern allmal nnterthenig. 
Allein die auffrürische rott 
[A3, 1,229] Die rieht an dise angst und not. 

5 Nun ich wil zu der stattmawer gehn 
Und auffs freundlichst zureden den. 
Oh weich wurdt ir trutziger sinn. 
Das dardurch wurdt geholffen ihn. 

Sie gehen alle ab. [E 3, 1, 460] Die drey auffrürischen Zelotter 
10 gehn ein. Eleazarus spricht: 

Ir hauhtleut, die sach steht in trawern. 
Uns sindt erohert die zwo mawern 
Und mit dem bock gefeilt zu^grundt. 
Nun muß wir warten alle stundt, 
15 Wenn die dritt mawer gstürmet werdt. 
Die statt steht in grosser geferdt. 

Johannes, der verrätter, spricht: 

Ey, laß uns nur sein unverzagt! 
Es muß vollendt frisch sein gewagt, 
20 Ob uns geleich die Römer sträln. 
Hin wider wir ir auch nit fäln. 
Sie haben als weich beuch als wir. 

Simon, der zelottisoh auffrürer, spricht : 

Ir haubtleut, sagt an! kennet ir 
25 Den, der von der schantz zuher geht, 
Dort auff dem hohen bübel steht! 

Eleazarus spricht: 

Josephus, der gfangen haubtman, 
Ists, der thut vor der mawer stan, 
so Winckt mit der handt uns, still zu sein; 
Er hab ein redt zu uns gemein. 

Josephus, der Juden gfangen haubtman, spricht: 

Hört zu, ir brüder, lieben mender! 
Thitus, der oberst und außlender, 
35 Der lest euch also sagen an : 
Ir sollet im die stat auffthan 



334 

Und euch all in sein gnadt ergeben, 
So wöl er euch retten das leben. 
Derhalb bitt ich: legt ewer wehr 
Von euch! last ein das römisch beer! 

5 Johannes schreit herab : 

Sich, Josephns, du nbelthäter, 
Wilt du sein discr stat Verräter? 
Hast dich zu den Römern geschlagn? 
Uns ficht uit an dein falsches sagn 
10 Über dein eigen vatterlandt, 
Das es kern in der Römer handt. 
Tritt ab! es hat dein untrew rat 
Bey uns gar. wenig fug noch stat. 

Josephus spricht: 

15 Ir liebn brtider, Got weiß, das ich 

Es trewlicli mein und hertzigklich 

Meim hoch geliebtem vatterlandt, 

Dieweil und ir mit streitbar handt 

Den Römern gar nit mögt vorstehn. 
20 Ir müst darob zu tr (Immer n gehn. 

Dieweil hin ist in ewer stat 

Die speiß, darzu aller verrat. 

Die pestilentz bey euch regiert. 

Derhalb gscliwecht ewr mannschaft wirt, 
25 So nimbt der Römer mannschafft zu, 

Haben genug, leben mit rhu. 

Gefeilet sindt auch schon zwo raawern. 

Ir thut mich in meim hertzen tawern. 

Deß thu ich euch trewlich vermonen, 
30 Ir wölt ewers lebens selb verschonen. 

Der weiber und der kleinen kinder, 

So noch leben, auch nit destminder 

Deß tempels und der gantzen stat. 

Wo ir aber nit volgt meim rat, 
85 Das man die statt mit gwalt sol gwinnen, 

So wert ir kein genadt mehr finnen. 

Tempel und stat wirt als zerstört 

Und ir gfangen oder ermört. 

Gebt die statt auff! das bitt ich euch. 



/ 



335 



[K3, l,461J Johannes spricht: 

Josephe, mit dem sieg verzeuch! 
Auß falschem hertzen geht dein rat. 
Wir hahen inn die Gottes stat 
5 Und den heyligen Gottes tempel. 
Got wirt uns heystehn. Nimb exempel, 
Wie er könig Senacherib 
Flüchtig von diser stat abtrieb ! 
So wirt Got auch den Römern thon. 

Josephus, der Juden gfangen haubtman, spricht: 

0, ir habt Gott, den Herren fron, 

Erzürnt mit unmenschlicher sündt, 

Sein grimmen zorn angezündt. 

Der ietzundt scliwebt ob ewer grentz 
15 Mit schwerdt, hunger und pestilentz. 
# Wült Got, das ir bedencken thet. 

Wie gfärlich die stat ietzundt steht. 

Ir veracht und brecht Gottes gsetz 

Gröber, denn die heyden zu letz, 
20 Die ewers hayligtumbs verschonen. 

In trewen thu ich euch vermonen 

Und gebt die stat den Römern ein! 

Got wirt euch sonst kein helffer sein. 

Eleazarus spricht: 

25 Was redst? ich main, du seist nit klug. 

Wir haben krieges-volck genug, 

Die uns die stat helffen erhalten, 

Das uns die Römer nit vergwalten, 

Wann es hat der Zelotter rott 
30 Gar kein abschewen vor dem todt. 

Uns gilt der todt gleich wie das leben. 

Kurtz ab, der stat wir nit auffgeben. 

Tritt ab mit deinen schmeichelworten, 

Eh das wir dir von der stattpforten 
35 Ein stein rab setzen auff dein haubt, 

Das du deins lebens werst beraubt! 

Josephus, der haubtman, tritt ab. Simon, der zelottisch auff- 

rürer, spricht: 



336 

Die statt taag nss nit aoff-zogeben. 
Ks kostet ODS «IreTen das leben. 
Die wir die aoffror nngen an. 
Wfirdt gleich begoadt der gmeine mann, 
i Was bölff uns das? Wirwölln das schweit 
Braacben, weil leib und leben werdt. 
Es dapfer ^-etzen in die schantz. 
Den scbopf gleich lassen bey dem schwantz 
Ligen oder obsigen gantz. 

10 Sie gehen alle ab. 



Actus 6. 

Thitus , der Romer oberster , geht ein mit aweyen trabanten, 
Terentio Boffo und Gestio Floro, und spricht: 

Ir hanbtleut, wie wöl wirs greiffen an? 
16 Die Jnden kercn sich nit dran, 

Wie trewlich man in das thnt meinen. 
Das müssen sie entlich beweinen. 
Ich hab der statt verschonen wölln, 
Das sie anff gnadt sie geben söUn, 
20 Josepbam, irn gfangen haabtman, 
[A3, 1,230] Selb ein redt zu in lassen than. 
So treiben sie den spot darauß. 
Rat! wie soll wir nun halten hauß? 

[K 3,1,462] Terentius Buffus, unterhaubtman, spricht: 

25 Herr oberster, es wer mein rath, 

Fort nit mehr zu schonen der stat, 

Weil die Juden sindt also trutzig, 

Hartmewiig, halsstarrig und stutzig. 

An in mit gut hilflft kein vermonen. 
80 Warumb solt wir denn ir verschonen, 

Die uns groß schaden haben than? 

Drumb wöl wirs mit ernst greiffen an, 

Sie überwinden, wie wir mügen. 

Cestius Florus» der landtpfleger, spricht: 
36 Das könn wir aber gar leicht fügen, 



337 

Weil wir zwo raawer erobert haben. 
Die dritt mawer wöl wir untergraben, 
^ Darnach die ober stat auch innen 

Mit einem starcken stürm gewinnen. 
. 5 Dieweil auch die kriegsleut darinn 
Selb unter einander uneins sinn 
Und wol in drey parthey gespalten, 
Eönn wir den stürm gar leicht erhalten, 
Das wir erobern dise stat. 

10 Therentius Buffus spricht: 

Auch ist von hunger schwach und mat 
Das krieges-volck iti der stat innen. 
Das ir vil rauß zu uns entrinnen. 
Die sich zu todt denn bey uns essen, 

15 So gar hat sie der hunger bsessen. 
Derhalb wir sehr gut stürmen haben. 
Wir wollen lassen untergraben, 
Die dritten mawer zu zertrennen 
Mit dem bock, und wollen verbrennen 

20 Ir vorwehr, darauß sie thon schaden. 
Mit werffh und schiessen überladen 
Die Römer, so an dem wähl schütten. 
Auch so muß wir sie starck verhüten 
Mit einem zusatz in dem thal 

25 Vor der trutzigen Judn außfal, 
Welche den todt vetwegn verachten. 
Allein zu bschedign sie uns trachten. 
Sie sindt gar verstockt und verwegn. 

Cestius Florus, der landtpfleger, spricht: 

30 Umb iren stoltz mag man mich fregen, 
Wann ich hab gnug erfaren das. 
Weil ich noch ir landtpfleger was. 
Zu trutz und auffrur habens lust. 
Das ich in selb entreiten must. 

Thitus, der oberst, spricht zum trabanten : 

Geh! schaff, das man eylendt hinab 

Die inner mawer untergrab! 

Doch vor ein schfitt darnmb thu schütten, 

Hans Sachs. XI. 22 



338 

Das man darauff das volck mög bhüten 
Und die ieijidt abtreib von der wehr, 
So bescliedigen unser beer! 

Terentius Buflfus spricht: i 

ft Gut wer, das wir auffrichtn nacli dem 
Ein mawer umb Jerusalem 
Und die stat zirckelweiß umbfieng, 
Auff das kein lietrung in zu gieng 
Und wui'dn verstellt ir heimlich außgcng, 
10 Das uns auch von der Juden meng 
Keiner Idn mit der flucht entrünn, 
W(Min man die stat mit gwalt gewünn. 

Thitus, der oberste spricht: 

Ja, Terenti, das schaff auch an! 
ir> Laß fünff i'Ott an die arbeit gan! 

[E 3, 1, 463] Sie gehen alle auß. Johannes Annanus, der bawer, 
kombt, schreit mit auffgehaben arbmen : 

We, we der statt Jerusalem! 
• We, we auch allem volck in dem! 

2ü We, we dem templ und seiner zier! 
We, we euch allen und we mir! 

Er wirt geschossen und feilt darnider. Die auffjrürischen Ze- 

lotter gehen ein und Simon spricht: 

Die Römer fahen an zu graben. 
25 Darzu habens auch an gehaben. 

Ein Schutt zu machen mit den bawcrn, 

Darmit sie mögen die statmawern 

überhöhen mit dem gcschoß, 

Mit dem werffzeug und schlingen groß. 
30 Last uns in ir schantz werffen fewer! 

Johannes spricht: 

ir Zelotter küii und thewer, 
Wehrt dapfer! es thet nie so not. 

Eleazarus spricht: 
S5 Ich will mit mir ncmen vier rott, 



339 

Nauß falln und die Römer abtreiben, 
Das keiner in der necli sol bleiben. 
Hörl zu, \Vie ein prastlen und knallen! 
secht! es ist die mawer gfallen. 
5 die feindt mit gewalt eintringen. 
Lerman, lerman! vor allen dingen 
Macht die Ordnung! wir stehn in gfer. 
Lerman, lerman! her, her, her, her! 

Die Kömer kommen mit einem fannem, beidt parthey schlagen 
einander , biß die Zelotter fliehen , lassen den fannen falln, 
TituB steckt den fannen auff und spricht : 

Nun lasset ab von dem nachjagen 
Und thut auch niemand mehr erschlagen. 
Denn wer sich gegn euch stellt zu wehr! 
15 Sonder so fahet sie vil mehr 

Und bringt zusam der gfangen zal! 
Bltindert die hewser uberal! 
Darnach zündt an und sie verbrendt! 
Gottes tempel verschont am endt! 

Cestius Florus, der landtpfleger, spricht : 

Ja wol, Gottes tempel schon brindt. 
Das kriegsvolck hat in angezündt. ^ 
Sie halff kein trowen noch vermonen. 

Titus, der oberst haubtman, spricht : 

25 Ey, man solt haben thon verschonen 
Deß lempels und dem heiligthum, 
Der in aller weit hat den rhom. 

'' Titus schaut auff, hin und wider unnd spricht : 

Ach Got, wie ein groß starck gebew 
30 Und vest! ich bekenn auff mein trew, 
Das Got mit uns an diser stat 
Wider sein volck gestritten hat. 
Unmenschlich ists menschlichen sinnen, 
Die stat mit menschen band zu gwinnen. 
[A3, 1,231] Nun legt umb die stat hin und wider 
Die thürn und statmawern nider! 
Allein den thurn Phaselum, 

22* 



[Ri] Maraimie und Mp^fefint ' 

Dia LissL't Stella ku einem wunder! 
Drein legen wir ein liut liesunder. 

bauten g-elien ab. Joaephus konibt, aohlecht h 
r> Buaammen unnd spricht: 

mein liertz-lieliea valterlandt, 

Wie liegst du id aschcii und brandtl 

Deiu ti:inpel niid maiicli sctiöner sal, 

Die liuwsev der Etat uberal, 
10 Gemewer und vesten sindt zerstört, 

Das volek olleudt vom scliwerdt ermört. 

Von liiinger und der jiestilentz, 

I.igt vol weib und kirder dein grenlz. 

Du bist auch worden gar durcbab 
ir, Dciiiii eigen volcks ein todten-grab. 

Dein lebendige an dem endt 

Fürt itian gfengklicb in das eilend). 

Solcli jamer, trübsal, angst und not 

Hat über dicL verbeuget Got. 
M Von negen deiner grossen sflndt 

Hat sicli sein noren ungezDndt, 

Der du vor warst ein lust zu acbawen. 

Dist worden ein aclirecken und grawen. 

Mit ^dimertzen muß ich dich verlan. 
•■-, kh iiMiß auch als ein gfangen man 

Fortliiii zu Rom beim keyser bleiben. 

Alda ich will nach leng beschreiben 

Hiß dein verderben und dein krieg 

L'iid der Römer berrlicben sieg, 
3u lli'j den ich nun meios lebeus zeit 

Yrrlreih umb dich mit traffrigkeit. 

Ijiiiitcji l)ringen Simon. Terentius Ruffus, unterhaubt- 
man, spricht: 

U{-n- oherster, diser auffriSrer, 
.1-, Aller nnffrur ein rädlin-förer, 
D:!" die Jaden sindt abgefallen, 
Sich haben widersetzt uns allen, 



341 

Der ist verzweivelt und verwegen 
Verborgen in eim dolm gelegen. 

Thitus, der oberst, spricht : 

Behalt gfengklich bey ewer pflicht 
5 Disen auffrürischen bößwicht! 

Dem wirt zu Rom ein straff gebürn. 

Da muß man im triumph herfürn, 

So wir von dem judischen krieg 

Im triumph eiufaren mit sieg. 
10 Nun wöl wir hie ein opfer than 

Dem Got, der uns hie boy thet stan, 

Nach dem etlich zu ritter schlagen 

Der kriegsleut, die sich in den tagen 

Haben so ehrlich wol gehalten 
15 Im krieg, gleich nach dem brauch der altn. 

Als-denn wöl wir mit rhum und ehrn 

Widerumb heim gen Roma kern, 

Mit Sieges freud die zeit verzehrn. 

Sie gehn in Ordnung ab. Der ehrnholdt beschleust: 

20 So habt ir die tragedi ghört, 
Wie Jerusalem wardt zerstört, 
Welcher Juden krieg werdt fürwar 
Sambt der auffrur biß ins viert jar. 
Die belegrung wert vom anfang 

25 Biß zu endt auff 6 monat lang. 
Der zeit sindt in der stat eilends 
An hunger, schwerdt und pestilentz 
Zehen mal hundert tausent gstorben, 
On was sonst ist im landt verdorben. 

30 In der stat lagn all gassen vol, 
Das maus nit kundt begraben wol. 
[K 3, 1,465] Man wol 2000 mann im grundt 

Der stinckenden sprachhewser fundt, 
Die sich selb betten drein gestürtzt, 

35 Ir lehn in selb betten abkürtzt. * 
Vil Juden betten zu den stunden 
Ir gelt zsam bogen und verschlunden. 
Als deß inn wart der kriegsleut hauff. 
Da schnitten sie die todteu auf, 



342 

• 

Sucliten das gellt in irm ingweidt. 

Auch v^urdcn ir in hertzcnleidt 

Gefangen sibn und nenntzig tauset, 

Mit den man auch gar schröcklich hauset. 
5 Ir dreissig gab man umb ein pfennig. 

Solch straff erlitt der Juden menig, 

Weil sie nit auff namen Cliristum 

Mit seinem evangelium, 

Sonder blieben gotloß unrein. 
10 Laß dirs, Teutschlandt, ein Spiegel sein! 

Weil du auch bleibst in sündt verrucht, 

Doch Got dich mit deim wort heimsucht. 

wach auflf von der Sünden schlaff, 

Eh dich auch treff die gütlich straff 
15 Mit schwerdt, hunger und pestilentz 

Und dich außrott auß deiner grentz! 

Thu frucht der büß! die zeit ist kurtz. 

Die axt ligt an deß bäumen wurtz. 

Fürkomb die rutn als ungemachs, 
i'O Das götlich gnadt und friedt dir wachs 

Durch Jesum Christum, wünscht Hans Sachs. 1 

Die person in die tragedi: 

1. Der ehrnholdt. 

2. Cestius Florus, der landtpfleger. 
25 3. Ananus, der bischoff. 

4. Jesus, der priester. 

5. Gorgion Niger, 

6. Gamaliel, zwen ratherren. 

7. Simon Garaseniis, 
30 8. Eleazarus, 

9. Johannes Gißgalenus, 3 auffrürisch Zelotter. 

10. Sabina, die aW ir kindt. 

11. Salome, ein alte Jüdin. 

12. Johannes Ananus, der bawer. 
35 18. Josephus, der Juden gfangner hauptman. 

14. Thitus, der Römer oberster haubtman. 

15. Terentius Ruffus, unterhau htm an. 

16. Flaccus, 

17. Fabius, zwen trabandten. 

40 Anno salutis 1555, am 21 tag Octobiis. 



843 



Tragedia mit 8 personen, die jungkfraw Pnra nnnd 

ritter Gotfrid, und hat drey actus. 

Der ernholdt tridt ein, neigt sich unnd spricht: 

Heil, gnadt und fridt Jesu Christi 
5 Wünsch wir allen von hertzen hie. 

Zu euch sindt wir gutwillig kommen, 

Uns ein histori fürgenommen 

Tragedi-weiß bey euch zu halten 

Zu nutz den jungen sambt den alten, 
10 Welch gscbicht von sanct Ambrosio, 

Dem bischoff, bschriben wirt also: 

Als nach Christi geburt fürwar 
[A 3, 1, 232] Drey hundert acht und sibentzig jar. 

Als keyser Valens in orient 
15 Regiert und wurdt gar hart verblendt 
[K 3, 1,466] Mit arrianischer 4?etzerey, 

Dardurch stifft Unglücks mancherley 

Den rechten gotsfürchtigen Christen, 

Auß gotlosen mördischen listen 
20 Ir vil straffet, martert und plagt, 

Der ämpter entsetzt, deß lands verjagt. 

Die der ketzerey nit woltn anhangen, 

Nun die histori thut belangen 

Ein christliche jungkfraw Pura 
25 Und ein ritter, so wolten da 

Auch nit mit im anhangen sehr, 

Verachten die ketzerisch lehr, 

* 

1 Dieselbe legende hat H. Sachs als eriählung behandelt 3 Nov. 1555. 
S. b. 1, 391 ff. 



344 

Ließ er dem ritter und jungkfrawen 
Beyden ire heubter abliawen, 
Das sie willig und geren litten 
Und umb Christi willen verschieden. 
5 Erlangten der martyrcr krön; 
Solchs wöl wir mit kürtz zeigen an. 
Darumb seit still und habejb rhu 
Und hört und sccht mit andacht zu, 
Wie man die gschiclit fürtragen thu! 

Valens, der keyser, geht ein mit seinem hofcresindt und spriolit : 

Ir liebn getrewen, ein mandat 

Hab ich mit wolbedachtem rat 

In Orient frey publicirt, 

Darinn ernstlich begriffen wirt, 
15 Das alle Christen fraw und mann 

Sollen unser religion, 

Welche Arrius lehren thut, 

Anbangen mit hertz, sinn und mnt. 

Nun ist uns kundt, das vil leut fliehen 
20 Unser religion und ziehen 

In Egipten, werden allsandt 

Einsidel in demselben landt, 

In der grossen wüstney zumal, 

Welcher nun ist ein grosse zal, 
25 Welchen ich auch geschriben han, 

Sie sollen irs glaubens abstan 

Und an unsern hof kommen frey 

Und fürbaß treiben reutterey. 

Ich hab aber noch kein vernommen, 
30 Der her an unsern hof wer kommen 

In Antiochia, die stat, 

Gehorsamlich nach meim mandat. 

Leo, der rat, spricht: 

keiser, dise christlich sect 
35 Gar vol eigensinnigkeit steckt. 
Vermein, sie müssen Got allein 
Vil mehr denn dir gehorsam sein. 
Bleiben bey ir religion 
Und nemen Arrium nit an, 



345 

Verachten das gebotte dein. 

Valens, der keyser, spricht: 

Weil sie denn das mandate mein 

Verachtn, halten Christum für Got, 
5 So wil ich sie alle za todt 

Schlagen und badn in irera blut. 

Wer Arriura verachten thut 

Und nit annemen will sein lehr, 

Wil ich nemen sein gut und ehr 
10 Und in vertreiben auß dem landt, 

Hab hohen oder nidern standt. 

Mag sich so frävel haltn darneben. 

Ich straff in auch an seinem leben. 

Darzu so werdt ir all gemein 
15 Mir hülflich und beystendig sein, 

Solch ungehorsame zeigen an. 

Leo, der rath, spricht : 

Hör kaiser, ja, das wöl wir than. 

Du hast biß her gar wol geplagt, 
20 Yil deß glaubens halben verjagt 

In Antiochia, der stat, 
[K 3, 1,467] Die noch vil heimlich Christen hat, 

Welliche noch verachten sehr 

Den Arrium mit seiner lehr, 
25 Als scis ein grobe ketzerey. 

Valens, der keyser, spricht: 

Zeig mir an, wo ein solcher sey, 
Der Arrium verachten thu 
Mit seiner lehr und mich darzu! 
30 Den wil ich wol zum paren bringen 
Zu unser» religipn zwingen, 
Die so vil bischoff sambt den alten 
Vast in gantzem Orient halten. 
Zeig mir ein unghorsamen an! 

35 Leo, der rath, spricht: 

18 K Hen. 



346 

Großmeehtigor kaiser, das wil ich than. 
Ein juiigkfniNY heist Pura mit iiam, 
Ist auch von gutem edlen stam, 
Die ein Iicimliche Christin ist, 
f) Wclliehe widerspricht all frist, 
Die arrionisch lehr veracht. 

Valens, der keyser, sprioht: 

Ir trabanten, geht hin und facht! 
Bringt mir die jungkfraw unter augon! 
10 Sie muß iren glauben verlaugen 
Und Arrio auch hangen an, 
Darzu ich sie baldt bringen kan, 
Wo nit, verliern ir gut und ehr. 

Die trabanten gehen ab. Leo» der rat» spricht : 

15 Sie kondt ir an geben wol mehr, 

Wann ich hab warhaiftig vernommen, 

Wie sie bey der nacht zsamen kommen, 

Trösten einander in der not, 

Christus sey warhafft mensch und Got; 
20 Durch sein verdienst so werdt in geben 

Nach dem ellendt das ewig lebeiv 

Man bringt Fura , die jungkfrawen , gefangen ; der kaiser 

spricht : 

Pura, du bist bey uns verklagt 
25 Und für ein Christin angesagt, 
So nit anhang Arrii lehr. 

Pura, die jungkfraw, spricht : 

Ich glaube dem wort Christi mehr, 

Dem söhn Gottes, unserm hailandt, 
30 Den Got hat in die weit gesandtf 

Uns Gottes willen zu verkünden 

Und büß zu than von unsern Sünden, 

Welcher auch für uns ist gestorben 

Am creutz, genadt und huld erworben 
35 Dem gantzen menschlichen geschlecht. 

6 K Arrianisoh. 



347 

Dem glaub ich von hertzen auffrech t. 
Ich iicht nit deß Arrii lehr, 
Der Christo raubt sein götlich elir, 
Samb sev er nit deß vatters substautz, 
5 Sonder der gotheit minder gantz. 

Valens, der kayser, spricht: 

Pura, was zeichst du dich? 
Weist du denn nit, das solHchs ich 
In gantzcm Orient gebot 
»0 Zu glauben? Derhalb ist dir not, 
Dem Arrio auch zu gelauben. 
Wo nit, so laß ich dich berauben 
Deins reichtumb, adels, gwalt und ehr. 

[A 3, 1, 233] Die jungkfraw Pura spricht : 

15 kaiser, ich nimb an nit mehr 
Kein andern glauben, denn ich hab, 
Den mir das rein wort Gottes gab ^ 
Von Jesu Christo, meim hailandt, 
Gottes söhn, wie ich hab bekandt. 
[K3, 1,4(>8] Wolt eh leib, ehr und gut verlan. 
Eh ich die irrig lehr nemb an. 

Valens, der kayser, spricht: 

Weil du dich also trutzig machst 

Und die religion verachst, 
25 So ist in gantzem Orient, 

So solst du werden auch geschendt. 

Ir trabanten, fürt sie hinauß 

In das heimlich gemein schandthauß ! 

Darinnen sie verlier ir ehr 
30 Und ir leben darinn vcrzer! 

Und verhütet sie auch darinn, 

Auff das sie nit darauß entrinn! 

Fura feilt im zv. fussen und spricht: 

keyser, ich bitt dich durch Got: 
35 Laß mich eh richten zu dem todt. 
Das ich behalt jungkfrewlich ehr! 
Mein todt der rewt mich nit so sehr. 



348 

Valens, der ksyser, spricht: 

Baldt fürt sie hin mit gwaltign banden, 
Das sie aucli wert gemacht zu schänden 
Vor iederman, zu schmach und spot, 
5 Weil sie verachtet mein gebot! 

Man fürt sie hin. Xjbo, der rath, spxioht 

Schawt, berr kaiser! wie trutzig sendt 
Die Christenlcut, also verblendt! 
Verachten alle obrigkeit 

10 Und bangen bloß zu alier zeit 

An Gottes wort, samb doli und winnig, ' 
Verstocket und gantz eigensinnig. 
Derhalb kay serlich mayestat 
Sie billich wol zu straffen hat, 

15 Auif das die Christen mit unfur 
Nicht etwan machten ein auflfi'ur, 
Die weil sie so bartneckig sendt. 

Valens, der kayser, spricht: 

Wenn sie ist an dem leib geschendt, 
20 Wils von irm glauben noch nit lassen, 
Wil ich ir trowen allermassen, 
Zu tödten sie. Mit disen dingen 
Wil ichs auf unsern weg wol bringen, 
Wie ich vor manchem hab gethan, 
25 Der Arrio thet widerstan. 

Nun last uns zu dem uachtmal gan! 

Sie gehen alle ab. 



Actus 2. 

Gottfridt, der ritter, gehet ein, redt mit ihm selbs unnd spricht: 

80 Ach Got, wie rewet mich so sehr 
Pura, der rein jungkfrawen, ehr, 
Die sie verlieren sol darumb, 
Das sie unsern baylandt Christum 
Glaubt sein der wäre Gottes son! 



349 

Wils wagen und ir helfen thon, 
Das sie von diser tyranney 
Deß kaysers wert quit, loß und frey, 
(Es geh mir darob, wie Gott wtill!), 
5 Weil ie ein Christ dem andern soll 
Beystendig sein biß in den todt. 
In dein schütz bevilch ich mich, Gotl 

Ritter Gotfrid geht ab. [K 3, 1, 469] Die jungkfraw Pura geht 
traurig ein» kniet nider mit auJBfgehabenen h enden unnd spricht: 

10 Herr Got, himlischer vatte^, ich bit 
. Durch Jesum Christum, du wölst nit 

Lassen mit Sünden an den enden 

Den tempel meines leibes sehenden, 

Darein du, Herr, gabst allermeist 
15 Durch den glauben dein heilign geist. 

Weil du hast auß glaubens vertrawen 

Verliehen etlichen jungkfrawen, 

Daß sie zembten die wilden thier, 

Verleich, das ich die böß begier 
20 Zem der, so unzimlich begern, 

Mein leib mit Sünden zu beschwern. 

Daß dein -tempel meins leibs bleib rein. 

Wo aber dasselb mag nit sein, 

So nimb die seel von meinem leib, 
25 Auff das ich ungeschendet bleib, 

Auü das kein unehr an dem ort 

Geschech deinem heiligen wort! 

Ritter Gotfrid gehet ein. Pura, die jungkfraw, spricht weinendt : 

ritt er Gotfrid, ich bitt dich 
30 Durch Gott, wölst nit berauben mich 

Der meinen jungkfrewlichen ehr, 

Weil dir zimbt rum und preises mehr. 

Weil du ein weltlich ritter bist, 

Das du beschützt zu aller frist 
35 Die frembdling, witwen und die waisen 

Mit trewer handt in krieg und raisen. 

Yil mehr wirst du auch schuldig sein 

Auch gentzlich zu verschonen mein, 

Weil du weist, das ich zwungen bin 



350 

Mit gwalt wider liertz, mut und sinn, 

Za woncn in disem schandthauG 

Von dem keyser durcli zornes granß, 

Weil ich iAi nit hab unter äugen 
5 Mein christlichn glaubn wölln verlangen. 

Bitt auch, du wölst verschonen mein 

Von Avegn der ehrlich n mntter dein 

Und sonst aller reinen jungkfrawen. 

Das bitt ich hertzlich auß verti*awen, 
10 Weil ich sonst steh in grosser gfer 

Gegn dem kaiser, und auch beger, 

Willig auch mein christliches leben 

Von Christi wegen auff-zageben. 

Bitter Gotfrid spricht: 

IT) Jungkfrnw Pura, nit wein noch klag! 

Ich bin nit kommen auff den tag, 

Zu schwechen dein jungkfrewlich ehr, 

Sonder ich bin kommen vil mehr, 

Das ich von schandt erlöse dich. 
20 Wann wiß, das ich warhafftigklich 

Zu hof bin ein heimlicher Christ, 

Das ich auch werdt in kurtzer fiist 

Ein rechter ritter Christi gut, 

Zu zeugnuß auch vergeuß mein blut! 
25 So zeuch du meine kleider an 

Und geh auß dem schandhauß darvon, 

Darmit errettet werdt dein ehr! 

Doch das man das nit mcrcke sehr. 

So wil ich anlegen dein wat 
30 Und hie bleiben an deiner stat. 

Sie verwechseln die kleider. Fura hebt ihr hendt auff und 

spricht : 

[A3, 1,23^1 Ach Got, wie hast du an dem ort 

Mein bitt so gnedigklich erhört! 
85 Erst merck ich: wer hoffet auff dich, 

Wirt nit verlassen ewigklich. 

Du kanst gar wunderbariich helffen, 1 

Wer zu dir thut schreyen und gelffen. ' ■ 

[K 3, 1,470] Wer wolt denn nit in disen tagen 



351 

Sein leib und leben darob wagen 
Und willig geben in den todt. 
Denn das er dich, du trewer Got, 
Wolt durch solch gotloß ketzercy 
5 Verlaugnen helffen.schmehen frey, 
Durch solch ketzerischen Unglauben 
Deinr gnadt und hulde sich berauben? 
Nun bist du mein ewiger trost, 
Dieweil du mich hie hast erlost, 
10 Das ich ietz auß disem schandhauß 
Frey ledig ungeschendt gelwauß 
Durch Gütfriden, den diener dein. 
Christus wöl dein beloner sein! 

Qottfridt, der ritter, spricht: 

ifi Mein Pura, nun geh eylendt auß 

In meim gewandt auß dem schandhauß I 

Wann es ist warlich grosse zeit, 

Eh dir der weg werdt widerstreit 

Von den trabanten, die dein hüten, 
20 Die auch nach deiner liebe wüten. 

Got bewar dir dein glauben rein 

Sambt jungkfrewlicher ehre dein ! 

Pura, die jungkfraw, gehet ab. Der ritter setzt sich in ihr 
husecken und piret trawrig nider und spricht: 

25 Herr Got, mit hertz, sinn unnd gemüt 
Hab ichs ge waget auff dein gut 
Und der christlichen jungkfraw rein 
Geholflfen auß dem schandthauß allein, 
Die der tyrannisch keyser spat 

30 Schendtlich darein verurteilt hat, 
Dir, Christo, zu besonder schmach 
Auß grimmig blutgieriger räch. 
Darmit hab ich gsucht, Herr, dein ehr. 
Bitt nun: mit hülff dich zu mir ker, 

35 Wo ich vom keyser angriffen werdt. 
Das du mir, Herr, in der geferdt 
Wölst geben ki-afft, sterck und geduldt 
Durch dein milt, genad, gunst und huldt, 
Das ich bsteh bey deß glaubens fanneu 



352 

Vor disem wütigen tyrannen! 

Er verhült zum theil sein angesioht. Der ein trabandt kombt 

und spricht : 

Pnra, du schön holdseligs bildt, 
5 Wo du mich auch lieb haben wilt, 
Wil ich ein crona schencken dir. 
Wie stelst dich so unfrenndtlich mir? 

Der trabandt zeucht im die hand mit der husecken vom an- 
gsieht unnd spricht: 

10 Sich, ritter Gotfridt! sag! wer hat 

Dich gesetzt an der jungkfraw stat, 

Die keyserlich mayestat rein setzt, 

Das sie an ehren würdt geletzt, 

Und du hilflFst ir durch list darvon? 
15 Sag! auß was ursach hast dus thon? 

Gotfridt, der ritter, spricht: 

Mein trew und war christliche lieb 
Hat mich bracht, das ich mich ergieb 
Umb Christi willen in gefär, 
20 Auff das man scheinlich innen wer, 
Das ich auch heimlich sey ein Christ, 
Dem das wort Gottes lieber ist, 
Denn was Arrius hat gemacht. 
Für irrtumb in die kirchen bracht. 

25 Der trabandt spricht: 

Ey, bist du denn ein Christen mann. 
So muß ich gfengklich nemen an 
Dich und hin für den keyser fürn, 
[K 3, 1,471] Wie meiner pflicht nach thut gebüm. 

30 Falecius, der trabandt, spricht : 

Komb, Selex! hilff in greiffen an! 
Er ist ein heimlich Christen mann 
Und hat Pura geholffen auß 
Und sitzt für sie in dem schandthauß. 

Bitter Gotfridt spricht: 



353 

Ja, ich will gern mit euch gan, 
All diser that und wort bestan, 
Die sich alhie verlofifen han. 

Sie gehen all ab. 



5 Actus 3. 

Valens, der ieyser, geht ein, setzt sich und spricht : 

Gestert ist uns ein postbot kommen; 

Zeigt an, das schaden haben gnommen 

Von meinen reisigen -knechten 
10 Gedultig on als widerfechten 

Christlicher einsidel fünfif hundert, 

Welche sich hetten außgesundert 

In egyptischer wüsteney, 

Welche sich widersetzten frey 
15 Meinem mandat, wolten dermassen 

Den Christen-glauben nit verlassen 

Und anhangen Arrii lehr, 

Sonder hielten irthumb vil mehr, 

Woltn auch nit auß der wüsteney 
20 Und an nemen die reuterey, • 

Mir dienen wie ander kriegsleut. 

Leo, der rat, spricht: 

Dise new zeitung mich erfrewt, 

Das abgethan sindt so viel Christen, 
25 Die allenthalben ein thou nisten. 

Die unser arrionisch lehr 

Verachten und vernichten sehr 

Als irthum, falsch und ketzerey. 

Lob und ehr deiner raayestat sey, 
30 Das sie ob uns helt trewe handt 

In gantz orientischem landt, 

Das doch der keyser nit voran 

Valentinianus hat than, 

Derhalb nit groß lob darvon bracht, 
.85 Von der geistligkeit wart veracht! 

Hang Sachs. XI. 23 



354 



Die trabandten bringen ritter Gotfridt. Faleoius spricht: 

Groümechtigcr herr, ich bin drauG 
Gangen in das gemeine bauß; 
Vermeint, Pura darinn zu finnen. 
5 Da fandt ich ritter Gotfriedt drinnen. 
Der het der Cliristin kleider an. 
Het ir in seim geholffn darvon. 

Valens, der keyser, spricht: 

Mein Gotfridt, was zeichst du nur dich? 
10 Du weist, das bab gestraffet ich 
Pura, die Christin, ii;s gmein hauß 
Und du hast ir geholffcu drauß. 
Sag, was ursach das gschehen ist! 

Bitter Gotfrid spricht: 

15 Keyser, wiß! ich bin auch ein Christ. 
Hab auß christlicher lieb das than, 
Auß dem schandthauß ir gholffen han. 
Ir ellendt mich erbarmet hat. 

[A 3, 1, 235] Valens, der keyser, spricht : 

20 So must du stehn an irer stat, 

Weil sie darvon entrunnen ist, 
[K 3, 1,472] Und bist auch ein heimlicher Christ, 

Der unser religion yeraciit. 

Und hast die frävel that verbracht, 
25 Hast du verfallen mit deim leben. 

Gottfridt, der ritter, spricht : 

Ich liab mich schon darein ergeben. 
Will gern umb Christi willen sterben, 
Wil ob dem todt mich nit eutferben, 
30 Der mir wirt für mein zeitlich leben 
Dort ein ewiges seligs geben. 

Valens, der keyser, spricht: 

Nachrichter, bindt und führ hinab! 
Schlag dem ritter sein haubet ab! 



355 



M9.li bindt und führt in ab. Sie gehen alle ab. Fura, die 
jungkfraw, kombt, legt ir hendt zusammen unnd spricht: 

Ey, cy, G-otfriedt, der christlich ikiann, 

Der mir so trewlich hal£f darvon 
5 Auß dem schandthanß und all6r not, 

Der ist verurtheilt in den todt. 

Den fürt man ietzt zu der richtstat, 

Sein haubt im ab-zuschlagen spat. 

Wil eilends auff die haubtstat hin, 
10 Mich lassen enthaubten für in, 

Weil er von mein wegen ist kommen 

In die gfar, gfengklich an ist gnommen, 

Und wil im mit meim todt allein 

Erretten auch das leben sein. 

Fura geht eylendt ab. Die naehriehter fürt in ein unnd spricht * 

Gotfridt, wilt du noch nemen an 
Der Arrii religion 
Und von deinem glauben abkern, 
So wil der keyser dich verehrn, 
20 Dir schencken dein verurtheilt leben, 
Darzu ein fürstlich« schenck auch geben. 

Gotfridt, der ritter, spricht: 

Ich ger nit deß keysers gnad noch schenck, 

Sonder meiner seel heil gedenck. 
25 Ger fort auch nit zu leben meiir, 

Sonder ich wil Christo zu ehr 

Sterben, welcher auch für mich starb, 

Gantz menschlichem gschlecht heil erwarb. 

Wo ich den todt het förchten wolln, 
so Ich het mich änderst können stclln, 

Arrianisch mich können nennen. 

Ich aber thu Christum bekennen 

Als meinen heylandt, herm und got, 

Es gelt gleich leben oder todt. . 

Gotfrid kniet nider, reckt sein halß aulT. Fura, die jungkfraw, 

35 kombt und spricht: 

• 

Naehriehter, verzeuch! bitt ich dich. 

23* 



366 

Laß ledig iu and richte mich, 
Dieweil er dock von wegen mein 
Ist gfengklich worden zogen ein! 
Dieweil mid er mir halff darvon, 
5 So will ich an sein stat letzt ston 
Und willigkliclien für in sterben, 
Sein leben im mit zu erwerben, 
Und retten sein unschuldig leben 
Und mich für in in todt ergeben. 

10 Gottfridt, der ritter, spricht: 

Pura, weich! das bitt ich dich. 

Du solt gar nit sterben für mich. 
[K 3, 1,473] Ich danck dir deiner christlichen trew. 

WiG, das ich mich von hertzen frew, 
15 Das ich in Christo sterben sol, 

Dieweil die gantze weit ist vol 

Sünde und irrthumb überflüssig! 

Deß bin meins lebens ich vertrüssig. 

Drumb ger ich, aufgelöst zu werden, 
20 Nit mehr zu leben hie auif erden. 

Und wil als ein christlicher ritter 

Sterben on alle forcht und zitter. 

Ich sich schon stehn den himel offen. 

Deß bin ich gewißlich verhoffen 
25 Als ein glaubig getauffter Christ. 

Drumb thu, was dir bevolhen ist! 

Der ehrnholt kombt und spricht: 

Hör, keyser Valens dir gebeut: 

Weil die zwey lose christenleut 
30 So trutzig zu sterben begern, 

Solt du sie mit dem schwerdt gewern. 

Fürs zu der schelmen-gruhen nah! 

Haw beiden in die köpf herab! 

Weil an in hilfft kein trow noch bitt, 
35 Sol maus auff erden leiden nit. 

Fura, die Jungk fraw, hebt ir hend auff, sieht auff gen hixnel 

und spricht: 

Jesu Christ, dir sey lob, ehr 



357 

Heut ewigklich und immer mehr! 
Das ist ein genadreicher pot, 
Der mir verkündet meinen tod, 
DeG ich beger von gantzem hertzen. 
5 Endt hat mein nnmot, sorg und schmertzen. 
So endt sol haben das leben mein 
Und ich sol fort bey Christo sein 
Und aller außerweiten schar 
Fort leben ewig immerdar, 
10 Wie das sein wort zusaget klar. 

Der nachriehter fürt sie beide ab mit auffgehaben 

Der ehrnboldt beschleust : 

Auß der war geistlichen geschieht 
Ein ieder Christ nemb den bericht, 

15 Das er auch bleib bestendig fort 
Bey dem klar reineh Gottes-wort 
Und gelaube dem gar einfeltig, 
Laß sich gar nit machen zwispeltig, 
So mancherley opinion, 

20 So hin und her widerumb gon 
In der weite on zal und sum, 
Sonder gelaube in Christum 
Von hertzen, dem einign haylandt, 
Den Got Vatter uns hat gesandt, 

25 Seinen willen uns zu verktlnden 
Und büß zu würcken von den Sünden, 
Das er für uns am creutz sey gstorben 
Und bey dem vatter huldt erworben, 
Wellicher nach dem irrdischn leben 

so Dort Wirt ein ewig seligs geben 
Umb sonst auß lauter gnaden uns 
Von wegen Christi seines suhns. 
Da ewig freud uns aufferwachs 
Mit allen engein, wünscht Hans Sachs. 

S5 Die perron in die tragedi: 

1. Der ehrnholdt. 

2. Eeyser Valens. 

[A3, 1,236] 3. Leo, sein raht und diener. 
4. Qotfriedty der ritter. 



358 

[K 3, 1,474] 5. Pura, die jungfraw. 

6. Falecius, der trabandt. 

7. Selex, der ander trabandt. 

8. Der heucker. 

5 Anno 1558 jar, am ciliften tag Novembris. 



359 



Oomedia mit 5 persoDen, der waldtbruder vom 

heimlichea gericht Gottes, zu agiren unnd hat 3 actas. 

Der waldtbruder gehet ein, redet wider sich selb unnd spricht : 

Ich bin gelegen heindt die nacht 
5 Wol aa£f drey stnndt und hab gewacht 

Und hab da nachgesonnen sünderlich, 

Wie Gott, der Herr, handel so wunderlich 

Das manch mensch fürt ein böses leben 

Und Gott thut im doch teglich geben 
10 Gelück, gwalt, ehr und großes gut, 

Gesundtheyt, wolust, freudt und mut; 

Dargegen lest Gott manchen frummen 

Teglichen über sein halß kommen 

Yil Unglücks, trübsal und anfechtung, 
15 Hertzleidt, Verfolgung und durch-echtung, 

Eranckheyt, armut, §podt und ^chandt. 

Derhalb schleuß ich nach meim verstaut, 

Das Gottes gericht sein ungerecht 

Auff erdt bei menschlichem geschlecht. 
20 Wes hab ich -mich so lang denn ziegen 

Mit fasten, beten und hartliegen, 

Weyl Gott den bösen diese zeyt 

Vil bessers, denn den frummen, geit? 

Auß diser ursach obgemelt 
25 Wil ich wider nauß in die weit 

Und mein zollen im waldt verlassen. 

Nun, ich geh i-n die weit mein Strassen. 

* 

1 Vgl. 1, 409 ein gespräoh zwischen einem waltbnider und eim engel, von 
dem heimlichen gericht Gottes; vom 9 Jani 1539. 



360 



Der engel auch inn waldtbruders gestalt kumbt unnd spricht: 

Wohin, bruder? Geh dann mit mir! 
Da ml ich klerlich zeygen dir 
Die heymlichen Gottes gericht, 
5 Welche du doch hast gar vernicht, 
Als ob Gott handel ungerecht 
Auif erden mit menschlichem gschlecht. 

Der waldtbruder spricht: 
Ja lieber, es düuckt mich halt noch. 

10 Der engel spricht: • 

Die ding sindt deim verstandt zu hoch. 
Derhalb solt mit dein äugen sehen, 
Das du Gott nnbillich thust schmeben 
In seinen heimlichen gerichten, 
15 Die doch zu dadcln sindt in nichten, 
Wer hat den geistlichen verstandt. 

Der waldtbruder spricht : 

Sag! hat dich Gott zu mir gesandt, 
Mir anzuzeigen mein mangel? 

20 Der engel spricht: 

Ja, wiß! ich bin dein guter engel. 
Der von jugendt auif dich bewart. 
An forcht mach dich au€f die wegfart! 
Da solst den rechten grundt erfaren, 
[K 3, 1, 475] Das du vorthin bei deinen jaren 
Wider Gott wirst murren nicht 
Und wider sein heimlich gericht. 

Der waldtbruder spricht: 

Nun befilh ich mich Gott und dir. 
80 Wo du hin gehst, nach volg ich schier. 

Sie gehen beide ab. Der erst wirdt trit ein mit der gülden 

schewern unnd spricht: 

Mir hat gar wol gewölt das glück 
Mein lebenlang in allem stück, 



361 



Das leb größlich hab zu genummen 

Für alle wirt in dem reycbtummen. 

Das macht, ich kan micb scbicken drein. 

Ich hab almal den besten wein, 
5 Sehr gute kost und waiche beth. 

Kein wirt in der Stadt mirs vor thet 

Mit allem köstlichen baußrat. 

Das glück mir auch bescheret hat 

Yil kleinat und die gülden scbewr 
10 Vergangen in dem Meyen hewr, 

Welche mit ehr und reverentz 

Wol gibt eines fürsten credentz 

An kunst, an geldt und an der schwer. 

Wo sie ein gast bey mir sieht, der 
15 Denckt wol, ich sey ein mechtig man, 

Weyl ich ein solches kleinat han. 

Dort kummen zwen gest in der neben. 

Was Werdens dencken, wenn sie sehen? 

Ich wil in beden herein wincken, 
20 In auß der schewren geben zu trincken. 

Seht! trinckt! seidt mir beidt wilkum! 

Der engel trinckt und spricht: 

Und du sey auch grüst wiederumb! 
Wilt du uns herberg die nacht geben, 
25 Essen und trincken auch darneben 
Und uns darnach zu beth weyssen? 
Wenn wir sindt sehr müdt von dem reissen. 

Der wirdt spricht: 

Ja, gern. Ziecht euch ab, lieben mender! 
30 Ich sich wol: ir seit zwen außlender, 

Ich hör gern redn von frembden sachen. 

Wil euch ein fuswasser lassen machen, 

Das zeucht euch auß die müde fein. 

Nun kumbt mit in die Stuben rein! 
85 Wir wollen baldt zu nacht essen, 

Auch des schlafftrünckleins nit vergessen. 

Als-denn weyß ich euch zu bebt. 

Der waldtbruder spricht: 



362 

Wir haben nit nl gelts; versteht, 
Herr wirt! wir mflssen gmachsam lern. 

Der wirdt spricht : 

Das selbig wil ich ench nit wern, 
5 Ir lieben gest! Wir kOnnon za gleych 
>^icht alle sein mechtig and reych. 
Est glejch das pfenwart oder mal, * 

Es gilt mir gleych: habt euch die wähl! 
Ich wolt mich auch ins hertz nein Schemen, 
10 Ein armen gast zu ubememen. 
Ich halts mit mein gesten, darob 

Ich zum gelt verdien danck nnd lob. 

■ 

[A3, 1,237] Der wirdt gehet ab. Der waldtbruder spricht: 
Das ist freylich ein fmmmer wirdt. 

15 Der engel spricht : 

Wenn nit die hoffart in vexirt. 
[K 3, 1,476] Er ist gantz hochmatigcr art. 

Nun ist Gott ie feyndt der hoffart. 
Dinimb Lucifer von hymel stieß. 
20 Gott wirt in straffen, ist gewiß. 

Der wirdt schreyhet in und spricht: . 

Ir lieben gest, kummet herein! 
Im külwasser steht schön der wein. 
Der tisch zum essen ist gericht. 
25 Kumbt eilendt rein und saumbt euch nicht! 

Die zwen gehen ab. Der engel kummet wider mit dem -walt- 

bruder unnd spricht: 

Nun wöl wir wider auff die straß. 
Die uns von Gott fürgeben waß. 

30 Der bruder spricht: 

Was tregst unter deim kleidt verholen? 

Der engel spricht: 

* 
7 Pfonwcrt s. R. KOhlor, 4 dialoge von II. Sachs s. 47. 103. 



363 

Ich hab dem wirdt sein schewren gstolen, 
Die trag ich da mit mir darvan. 

Der bruder sprieht: 

Ach, was zeichst du den fnimmen man, 
5 Das du im stilst die schewren sein, 
Der uns doch gab den guten wein, 
Sehr gute kost, ein weiches pedt 
Und uns sehr wolfeil rechnen thet, 
Und war zu allem ding gutwillig? 
10 Dieweil du handelst so unbillig. 
So halt ich dich fQr keinen engel. 
Sonder für einen galgen-schwengel. 
Geh weck! ich körn mit dir -an galgen. 

Der engäl spricht: 

15 Bruder, du solt mit mir nit balgen. 
Wann es geschieht gar. nichts auif erden 
On ursach; das solt innen werden. 
Geh dann mit mir auch in die Stadt, 
Darinn mir Gott bevolhen hat 

20 Zu zeygen dir sein wunderthat! 

Sie gehen all beid ab. 



Actus 2. 

Der ander wirdt gehet ein unnd spricht: 

Der unfal mich von anfang reit, 
85 Meine jugendt biß auff die zeit. 

Kein glück het ich bey meinen tagen. 

Sehr viel geldtschuldt wurt mir entragen. 

Vil Schadens bracht mir die burgschafft. 

Offt bin ich worden auch gestrafft 
30 Umb vil Wandel an dem gericht. 

Was ich anfach, gelückt mir nicht. 

Mein wirtschafft thut mir auch nit recht. 

Mir tragen ab maygt unde knecht 

Das best, heimlich fressen und sauffen, 
35 Lassen mir den wein in keller lauffen. 



364 

Und eh ein nnglack hat ein endt, 
Ist schon ein anders vor der hendt. 
Derhalb bin eingernnnen ich, 
Das die katz ist das beste ?iech, 
5 Und steck in armut grosser schnldt. 
Des reit mich ietz groß angednldt. 
Nit wnnder wer, das ich mich hieng, 
Darmit aller hardtsel entging. 
Dort kummen zwen waldtbrflder her. 
10 Ja, wenn es etwas richtigs wer, 
Sie kerten aach nit ein bey mir. 

[E 3, 1,477] Die zwen kummen, der engel< spricht: 
Mein wirdt, Gott, der Herre, sey mit dir! 

Der ander wirdt spricht : 
15 Ich glaub, Gott der hab mein vergessen. 

Der eng^el spricht: 

Mein wirt, wölst uns trincken nnd essen 
Sambt gute herberg zusagen? 

Der wirdt spricht: 

20 Ja, wenn ir mir nichts wolt entragen; 
Wann solche stertzer stelen gern, 
Hab ir nit gern in meiner dafern; 
Noch fürts der teuffei airaal rein. 

Der waldtbruder spricht: 
25 Mein lieber wirdt, bring uns ein wein! 

Der ander wirdt spricht: 

All beidt seit geadelt ihr, 

Dünckt mich, es thu euchs wol ein hier. 

Der engel spricht: 
30 Mein wirdt, bradt uns ein gutes hun! 

Der wirdt spricht: 

21 Vgl. die faulen stertzer. R. Köhler, 4 dialoge von H. Saohs s. 55. HO, 
Grimmelshaasens landstOrzerin Courage. 



365 
Es wirdt euchs wol ein kue-fleysch thun. 

Der waldtbruder spricht: 

Ich bin müdt; het ich ein gut beht, 
Nach keim essen ich fragen thet. 
5 Tch wolt zu ruh nun legen mich. 

Der wirdt spricht: 

Alter, als ich dein reichthum sich, 

So ligst du wol in einem stro 

Und bist sein die nacht herrlich fro. 
10 Eumbt rein int stuben, wolt ir essen ! 

Magdt, hast des krauts den heindt vergessen? 

Rieht ahn! das dich potz marter schent! 

Wil dir denn nichts gehn auß der hendt? 

Knecht, rieht den tisch und suchs ach zam, 
15 Was darzu ghört, ins teuifels nam! 

Der wirdt lauflt auß. Der engel spricht: 
Bruder, wie gefeit dir der? 

Der waldtbruder spricht: 

Beim ^echting wirdt ich lieber wehr 
20 Ein jar, denn bey diesem ein wochen. 

Der engel spricht: 

Das macht, die armut thut in bochen. 
Ein Unglück in ubers ander reit. 
Eumb! wöln zum essn nein, es ist zeit. 

Sie gehn beide nein. Der wirdt kumbt und spricht: 

Wöln die betler heindt nit auffsthen? 
Ich wils gehn wecken, das sie gehn, 
Das sie nit laussig machen do 
Im Stadel grumet, hew und stro. 
so Da kummens selb; sie habens gschmeckt. 
Das ich sie wolt h^ben geweckt. 

Der engel spricht: 
Aide, mein wirdt! Gott laß dich genesen! 



366 



Der wirdt spricht: 
[A3, 1,238] Haut hin! sprecht, ir seidt hie gewesen! 

JDer engel i^ibt im die Bohewrn unnd sprioht : 

Mein wirdt, hie wollen wir dir schencken 
[K3, 1,478J Die schcwrn, unser zu gedencken 
Von wegen deiner herberg gut 

Der wirdt spricht: 

Ach Gott, von wann mir kuinmen thnt 
Das glück? ich danck euch, lieben gesti 
10 Ich wil eucli loben auff das best. 
Ach bleibet bey mir ein acht tag, 
Das ich der schenck euch dancken mag! 
Ach kumbt! thut wider einher g&hn! 

Der engel .spricht : 
15 Ehr dich Gott! wir müssen darvan. 

Der bruder spricht: 

Ich mein, das du unsinnig seist, 

Das du dem wirt die schewren geist. 

Die du dem frummen wirt nambst gestern. 
20 Gibst sie dem, der nur Gott thet lestem, 

Eim ungeschlachten, bösen man. 

Der uns handelt und zäunet ahn 

Unwillig, polrendt und vermessen. 

Gab uns kein reinen bissen zfressen, 
25 Weist uns in das stro in die schewr 

Un4 rechnet uns all ding zu thewr. 

Du bist kein engel, sonder ein nar. 

Der engel spricht: 

Mein bruder, hab gedult und har! 
30 Wann diese heiralikeyt verborgen 
Wirt dir geoffenbaret morgen 
Umb diese zeyt; darumb laß uns gehnl 
Nicht lenger hab wir hie zu stelin. 

Die z wen gehen ab. Der drit wirt kummet unnd spricht: 






367 , 

das mir körnen heindt vil gest! 
Den wolt ich geben ie das best 
Von hüner, vögel, visch und hasen, 
Wolt sie auch wol auü-tischen lassen. 
5 Doch müsens auch dargegen leiden, 
Das ich schreib mit zwifacher kreiden 
Und thu den wein auch weidlich baden, 
Das ^r eim thu im kopff kein schaden. 
Wer nit gelt hat, hat hin kein blatz, 

10 Wann ich muß samlen mir ein schätz 
Und in teglich tückisch schinden thun, 
Wann ich hab ein füngjering sun, 
Wann er kumb zun tagen allein, 
Das er darboy ein herr müg sein. 

15 Dort thun zwen waldtbrüder herwaten. 
Betteln sie, so wil ich sie beraten. 

Der engel spricht : 
Herr wirt, wolt ir uns herbrig gebn ? 

Der drit wirdt spricht: 
20 Habt ir gelt, so seidt ir mir eben. 

Der bruder spricht: 
Ey gelts gnug, was wir heindt verzern. 

Der drit wirdt spricht: 

So wil ich haben euch in ehrn. 
25 Was wolt ir haben heindt zu tisch ? 
Hab wol Vögel, wildtbredt und visch, 
Hecht, vorhen, karpffen, äl und esch 
Und dergleich ander gut genesch. 

Der engel spricht: 

30 Trag wol auff! wir wöln uns heindt letzen, 
Der harten tagreyß uns ergötzen. 
Was schätz, ob uns der wirdt gleich streit? 

Der waldtbrüder spricht: 
Ey, ziinlich, ich hab wenig gelt. 



368 



[E 3, 1, 479] Der engel spricht : 

£y, ich zal für dich heindt das mal. 

Der wirdt spricht: 

Ir herrn, geht hienein auff den sal 
6 Und schaudt ein weil zu meinem kneblein. 

Das reit darinn amb auff eim steblein ! 

Das ist so artlich and holdtselig, 

ledermans kindt, lieb und gefellig; 

Das reist so seltzam schwcnck und bossen, 
10 Ir wert lachen, das ir mOst bossen, 

So kurtzweilig mit werck and werten, 

Wie ir wert sehen an den orten. 

Sie gehen -beide ab. Der wirdt spricht: 

Ich merck: die zwen die schlemmen gern. 
15 Ich wil in heindt den beutet schern, 

Das sie im kopff sicli werden krawen 

Und iren jamer daran schawen. 

Drauff ist auch mein haußgsindt gricht, 

Das sie sparen der kreiden nicht, 
so Wie ich denn all mein gesten thu, 

Gieb in wol gute wort darzu. 

Ein Judt geh in wol mehr umb-sanst; 

Denn solches ist die rechte kunst, 

Reich zu wem mit wirtschafft, auff das 
85 Ich mein son auch ein dapffers laß. 

Het ich vor jam geschunden so sehr. 

Ich het ietz tausendt gülden mer. 

Nun ich wil zu in gehn hienein 

Und in gar weidtlich schencken ein 
30 Und frölich mit mein gesten sein. 

Der Wirt gehet auß. 

Actus 3. 

Der waldtbruder gehet auß, redet wider sich selb unnd spricht: 
25 K meim. 



369 

f 

Der gibt sich für ein engel auß 
Und helt doch also seltzam hauß. 
Er stilt leim, schencksl dem andern wider. 
Bald wir uns nechten legten nider, 
5 Stundt er wider auff, mauset umb 
Dem wirt in dem hauß umbadumb. 
Was er aber hat angericht 
Für ein unglück, das weiß ich nicht. 
Sein sach mir lenger übler gfelt, 
10 Weil er seltzamer sach nach stelt. 
Das ich mit ehren von im wer! 
Dort schleicht er gleich dockmauset her. 

Der engel kumbt unnd spricht: 

Wolauff, . bruder, laß uns ghan! 
15 Wir müssen beidt eillendt darvan. 

Der waldtbruder spricht: 

Ich wolt, die reiß het schon ein endt. 
Wie hast du also blutig hendt? 

Der engel spricht: 

20 Wiß! als ich heindt bin auffgestanden, 
Da hab ich auch mit meinen banden 
Dem wirt sein jungen son getödt, 
Mein hendt in seinem blut gerödt. 
Ich erdroslet in in seinem pedt. 
A 3, 1,229, statt 239] Hörst nicht, wie das im blut rasseln thet? 
Laß uns baldt fliehen, schnei und eh 
Der wirdt und sein haußfraw auff sthe 
Und sie des todtes werden bricht! 

Der waldtbruder spricht: 

30 Sag ahn, du mördischer bößwicht, 
Was hast zigen das unschuldig kindt, 
Den wirdt betrübt und sein haußgsint, 
Weil er das kindt het lieb ohn zel, 
Vil lieber denn sein eigne seel, 
K 3, 1,480] Dergleich sein weyb? du bist ohn zweyffel 

3 ? soiienkt's. 
Hans Sachs. XT. 24 



\ 



370 

Kein cngel, sonder bist der teafiel. 
Weich! icb wil nit mer mit dir geha. 
Du brechst uns aoff ein radt all swen. 
Drnmb zeuch nur hin allein dein straG! 
5 Mich weiter unbekümmert laß! 

Der engel spricht: 

Mein lieber bruder, hör mir zu! 
Menschliche äugen so hast du. 
Derhalb kanstu erkennen nicht 

10 Die Gottes heimlichen gericht, 
Die alle gerecht und gut sein. 
Der nemb exempel bey den dreyen! 
Der erste wirt sehr frumb und gOtig 
Der war erstlich schlecht und demfitig; 

15 ßaldt er die schewrn überkam, 
Er sich der so groß uberuam, 
Trib darmit groß hoffart und bracht, 
Seim neclisten neben in veracht, 
Biet sich auff in stoltz und hochmut 

w Und wer auch in der helle glut 
Von wegen seinr schewren kummen. 
Darumb hat imbs Gott wider gnummen 
Durch mich, das er demütig würdt, 
Thet, was eim Christen zu gebürdt, 

25 Wirt endtlich selig und behalten. 

Der waldtbruder spricht: 

Sag aber! warumb gabst dem alten 
Fluchenden wirt, der nichts denn mUren 
Thet im hauß hin und wider büren, 
30 Solch köstliche schewren von goldt? 

Der engel spricht: 

Gottes urteil du mercken solt. 
Gott thet sich miltiglich erbarmen 
Des unglückhafften alten, armen, 
85 Der wenig het und vil war schuldig. 
Das macht in fluchendt, ungedultig. 
Nun, so er hat die gülden schaln, 
Wirt er auch reych und kau bezahl. 



371 

Des wirt er nun auff dieser erden 
Geschlacht und fein senfftmtitig werden 
Und endtlich ein seliger man. 
Darzu die schewrn im helffen kan, 
5 Die Jen wirt het verdammet gar. 

Der waldtbruder spricht: 

Sag mir auch ahn die ursach klar! 
Warumb hast du denn an dem ort 
Verbracht diesen kleglichen mordt 
10 Und das lanschuldig kindt getödt? 

Der engel spricht: 

Das selbig thet aach groß von noht. 
Eh der wirt überkam den son, 
Hat er vil gats den armen thon; 

15 Baldt ers kindt het, wart er gant/s hart, 
Über die maß geitziger art 
Und schundt die lent gantz unbillig, 
Zog auch darzu das kindt mutwillig. 
Verhing imbs als und sein nur lacht, 

20 Wie du denn sähest nechten znacht. 
Es wer ein böser mensch drauß worn, 
Het über in bracht Gottes zorn. 
Derhalb das kindt und er beydesandt 
Weren ewig werden verdambt. 

25 Das selbig abzuwenden eben. 

Brach Gott dem kindt sein jung leben, 
Eh es vil Sünde hat gethan. 
Der vatter wirdt sich wider an 
Nemen der armen und darbey 

so Abthun sein geitzig schinterey. 
So im gestorben ist das kindt. 
Also sie beidt errettet sindt 
Worden, kinder zum ewign leben, 
Das in Gott wirt auß gnaden geben. 
[K 3, 1,481] Bey dem magst du nun klerlich sehen, 
Das alle werck auff erden gschehen 
Nach Gottes gericht und Ordnung, 

* 

25 E worden ▼. 

^4 



372 



Nach seiner ewig fOrsebung, 
Gott nem, Gott geb zu diser zeyt 
Auff erdt gsandtlieit oder kranckhejrt, 
Gott geb uns ehr oder schandt, 

5 Gott geb einfalt oder verstandt, 
Gott schick uns recht oder betrug, 
Gott geb uns hunger oder gnug, 
Geb uns reichtumb oder verderben, 
Er geb uns leben oder sterben, 

10 Von wem halt diese werck herkummen, 
Von bösen menschen oder frummen, 
Das sie alle sindt gut und nutz 
Zu straff, Warnung, hilff oder schütz. 
Wie wol drob murret flejsch und blut 

15 Und urteilt Gottes werck nit gut. 

Des macht: menschlich vemunfft ist blint. 
Darumb dich fürbaß uberwindt, 
Mein bruder, und gieb Gott die ehr! 
Mur widr sein werck nit mehr! 

20 Der bruder beschleust: 

Ach Gott, icli hab verstanden nicht 

Die Gottes heimlichen gericht. 

Nun wil ich bleiben wol mit ru, 

Drucken obren und äugen zu, 
25 Gottes wercken nit grübeln nach 

Mit murmelung, hon oder schmach, 

Sonder wil mir lassen gefallen 

Die werck Gottes, dencken in allen: 

Gott der ist ie das höchste gut, 
80 Der alle ding im besten thut. 

Das er dem übel stewr und wehr 

Und uns alle zu im beker. 

Da ewig freudt uns auff erwachs. 

Das wünschet uns allen Hans Sachs. 

35 Die person inn die comedia: 

1. Der engel. 

2. Der waldt bruder. 

3. Der erst wirt, mit der gülden schewrn. 

4. Der ander wirt, alt und unbillig. 



373 

5. Der drit wirt, mit dem son. 

Anno 1554, am 23 tag Novembris. 

* 
2 Nach Qödekes grandriss 1, 355 26 Kot. 



374 



[A3, 1,240] Ein spiel mit 4 personell. SanctPel 

letzt sich mit seinen frenoden. 

Petrus tridt ein unnd spricht: 

Nun bin ich in dem ewig leben, 
ft Das mir Gott hat auß gnaden geben, 

Da ich Gott frölich lob und ehr 

Mit allem himlischen beer. 

ledoch ficht mich ein stück noch ahn. 

Wenn ich das möcht am Herren han, 
10 Als-denn würdt ich erst selig sein. 

Dort geht eben der Herr herein. 

Dörfft in wol darumb bitten dich? 

Villeicht möcht er geweren mich. 

Der Herr spricht: 

16 Petre, Petre, nun bist bey mir 
' In meinem reych, wie ich denn dir 

Unden verhies auff erdtereich. 
[K 3, 1,482] Sag, Petro, wie gefeit dir mein reych, 
Das immer, ewig werden sol? 

20 Petrus spricht: 

Herr, dein reych gefeit mir wol, 
Darinn ist frewdt ohn alles trawrn. 

1 Denselben gegenständ hat Hans Sachs als gespräch am 24 Hai 1 
behandelt. Vgl. 1, 404 ff. Andere erzählnngen von sanct Peter g. entth 
gen aas altdeutschen handtschriften gesammelt (bibliothek des litteraiischen 
reins in Stattgart b. 35) s. 99. 301. 5,109. 114. 117. 9, 435. 482. Grii 
kindermährohen 1, 419. 3c, 131. 12 E ich. 



375 

Allein thut mich noch eines dawrn, 

Nemblich das ich anff erderich 

Vorhin nit bab geletzet .mich 

Mit meinen freanden umbadamb, 
5 Der ich denn hab ein grosse sam, 

Wann ich wart in mein alten tagen, 

Wie du waist, an ein creutz geschlagen, 

Daran ich starb in deinem namen. 

Da forchten sich mein freundt allsamen 
10 Und fliehen vor mir mnbadumb, 

Das ich von keinem Urlaub nurab 

Oder die letz mit im het truncken. 

Das thu ich mich hardtselig duncken. 

Derhalb bit ich, Herre mein, 
15 So es mag änderst müglich sein, 

Du wollest drey tag lassen mich 

Wieder hienab auff erdterich, 

Das ich mich mit mein freunden letz 

Und mich unmuts mit in ergetz, 
20 Weils ietzundt gleich vor faßnacht ist. 

Der Herr spricht: 

Ja, darzu hab drey tag die fristl 
Fahr hin, hab einen guten mnt. 
Wie man unden auff erden thut, 
25 Mit deinen freunden, gleych wie vor! 
Beschleuß ein weyl des hymels thor, 
Biß du kumbst wieder rauff zu mir! 

Petrus spricht: 

« 

Herr, der genaden danck ich dir. 
so Itzundt bin ich erfrewet wol. 

Wil gehn mein fleschlein füllen vol 
Und richten mich auff die abfart, | j 
Wil schawen, das thor sey bewart. 11. 

nt Feter gehet ab sambt dem Herren. Clas, sant Peters 
35 vetter, geht ein, spricht: 

Ich wil gehn schawen nauß zum weyn. 
Mich dünckt er sol vergoren sein. 
Mein Weinberg hat hewr geben wol. 



376 

Ich hab kflbel und zuber vol. 
Der fesser hab ich viel zu wenig 
Zu des most überflüssig meuig. 
Doch ist er gar zu wolfeil wom. 
5 Dasselbig thut mir heimlich zom. 
Das fnder gilt mir kaumb sechs thaler. 
Wer wil sein meiner unruh zaler? 
Mir werden kaum bezalt die faß. 

Hans, der ander freundt Fetri, tridt ein unnd spriolit: 

10 Ein gnten morgen, votier Clas! 
Wo wollen wir heindt hin zum wein 
Und guts muts mit einander sein? 
\ Ojwie war ich nechten so vol! 
\j^"^ . *' ' ' Drumb thut mir heudt der kopff nit wol. * 

^^> \ 15 Kan mich schier weder hucken noch regen. 

Wil gleich des hars heindt überlegen 
Vom hundt, welcher mich nechten beiß. 
Kein besser ertzney ich weyß, 
Denn ein fttl mit der andern verdreyben. . 
2) Weil der wein ist in mosten blcyben, 
So ist er süß, schmackhaft und gut. 

Clas, sant Fetters vetter, spricht: 

Ja, nichts ist besser wann guter mut. 
Weil wir most habn, wöl wir sein niesen 
[K 3,1,483] Trutz einen, den es thut verdriessen. 

Schaw, lieber, schaw, wer kumbt dort her! 
Wenn unser vetter Peter nit wer 
Gehangen woru, so meindt ich doch, 

17 Handsjammor, katzenjammer, was übrigens FörstemaDn in Aafreohts und 
Kuhns Zeitschrift fUr vergleichende Sprachforschung (Berlin 1851) 1, 5 ffkr ent- 
A1 '.'/ '••'' stellt aus kotzenjammer nimmt. Vgl. Hermann Kurz, Genzianen (Stattgart 
,Vr;-v// '^ 1837) s. 251. 255 flf. : 

//y ^.-./i'.j'i'. ^*<^.' V y «Ein haa, von der katze, 

Die dich gebissen hat, 
Eine kralle von der tatze, 
Die dich gerissen hat, 
Das nimm am frühen morgen, 
Zu stillen deine sorgen u. s. w. 



377 

Er wers, und solt ich schweren noch: 
Er iß. Schaw zu! er tregt den Schlüssel, 
Geht klatzet, mit hencketem trüssel, 
Mit murretem angsicht, eißgrab 
5 Daher in seinem mantel blab. 
Mich Tvnndert, das du in nit kenst. 

Hans, der ander fireundt, spricht: 

Es ist sein geyst oder ein gspenst. 
Knmb! laß uns eilendt von im fliehen, 
10 Das er uns nicht mit im thut ziehen 
Gen hymel, uns grosser frewdt vertröst, 
Das wir verlassen die süssen möst. 
Er eilt auf uns; lauff, lieber, lauff! 

Sant Fetter kummet unnd spricht: 

15 Ir vettern, steht und halt euch auff! 
Ich wil euch nichtsen arges thon. 
Ey, hart und bleibt doch stiller sthon! 
Ich bin doch ewer vetter Peter! 

Clas stehet unnd spricht: 

20 So sthe! es ist warlich der vetter. 
Und wolt er uns gleych arges than, 
Wir zwen weiten wol sein sein man. 

Sie keren sich zu Petro, der spricht : 

Ey, Gott, der Herr, grüß euch all beydt ! 

25 Ich wil euch warlich thun kein leydt. 
Ich bin zu euch von hymel kummen 
Und hab drey tag urlab genummen, 
Mit euch zu halten ein guten muht, 
Wie ein freundt mit dem andern thut, 

30 Uns mit einander freundtlich letzen 
Und aller frewden uns ergötzen. 
Secht! darumb kumb ich her allein. 

Clas beudt im die handt unnd spricht: 

Ach, Petter, lieber vetter mein, 
85 Biß mir zu tansendt mal wilkum! 
Eumbst du denn zu uns wiederumb? 



378 

Kumb! heindt mast du essen mit mir. 
Die gantz freuntschafft wil ich ladn dir. 
Kumb du auch mit, mein vetter Hans! 
-M H i^ W " M^^'^ weyb hat gewürgt ein ganß. 

<%» ^^^* l»241J Petrus reibt den kopff und spricht: 

Mir thut der kopff so grawsam weh, 
Das ich kaum auff den fassen steh. 
Ich hab nechten zu vil getruncken, 
Das icK'an wenden heim bin ghnncken. 

10 Bin gelegen die gantze nacht 

Und hab mich erst recht hinterdacht, 
Das Ist heut der nenndt tag mit nam, 
Das ich auff erdt von hymel kam. 
Derhalb wil ich vor allen dingen * 

15 Mich wider nauff gen hymel schwingen, 
Den Herren bitten, das er mir gleych 
Mein längs außbleiben verzeich. 
Wil doch mit wein erst füllen mein flaschen, 
Auff dem weg meinen halß zu waschen. 

Petrus gehet ab. Der Herr kumbt, redt mit im selb : 

[K 3, 1,484] Ich glaub, Petrus wert sich beweiben 

Und unden auff der erden bleiben. 

l Hat gar vergessen seinr zusag. 

j Nun ist ye heudt der neundte tag, 

8g2 Das niemandt ist beim hymel-thor. 

Ich glaub, es stehn vil seel darvor. 



\ 



Die alsam geren weren rein. 
Wie mag er nur so lang auß sein? 
Dort kumbt er mit seim schweren gang. 
30 Petre, Petre, wo bist so lang? 

Petrus neigt sich und spricht: 

Ach Herr, mein freundt luden mich aisander 
Zu dem wol-leben nach einander. 
Ich het mich schir bey in versessen, 
85 Dein und des hymels gar vergessen. 

3 K gewürget. 3 Hier soÜließt die soene. Das folgende ereignet sich 
erst 8 tage spilter. 



379 

Het mir der kopff so weh nit than, 
Ich het noch nit gedacht daran. 
Herr, verzeich! das bit ich dich. 

Der Herr spricht : 

5 Ja wol, doch eins foescheide mich ! 
Warmit hast ghabt so guten mot? 

Petrus spricht: 

Ach Herr, der most was süß und gut, 
War gar wolfeil und wolgeraten. 
10 Da aß wir gess und assen braten 
Und lebten da in aller weiß 
Wie im irdischen paradeiß. 
Wir warn gar aller frewden vol. 

Der Herr spricht : 

15 Petre, das selb glaub ich dir wol. 

Doch noch eins, Petre, sag mir ahn! 

War mir auch danckbar iederman 

Bey solchem brassen und wol-leben, 

Weil ich auß milter handt hat geben 
so So überflüssigen guten most. 

Frisch vögel, gens und ander kost? 

Wirt solches mir zu lob erkandt? 

Petrus spricht: 

Herr, nimb war! im gantzen landt j-.ji\X 

25 So dacht warnen kein menscü niellefif, 

Dias säg Tch äuff die treiwe mein, 

Der dir het dancksagt deinem sogen. 

Es thet kein mensch noch dir nit fregen, 

Dieweil und ich bin aussen gsein, 
30 Denn nur ein altes mutterlein, 

Der war ein alter stadel verbrunnen, 

Die schrie zu dir so unbesunnen. 

Das ir gleych lachet iederman. 

Der Herr spricht: 

* 
10 K gänß. 



■*-•-. \\^ 






380 

Sag, PetQr, Tvas habt ir denn than, 
Weil ir an mich nit habt gedacht? 

Petrus spricht: 

Da hab wir ghalten fasenacht, 
5 Haben in die sackpfeuffen gsungen, 

Gebult, gedantzet and gesprangen, 

Eagelt and gespielt in dem bret 

Den tag hienein in die nacht spat. 

Denn ging wir erst int rockenstuben 
10 Mit den megden and den roßbaben. 

Der Herr gesegnet sich unnd spricht : 

Nan geh hin zu dem hymel-thor 
Und wardt auß deinem ambt wi^ vor! 
Doch baldt wider rumb kumbt das jar, ^ 
15 Wider hinab auff erden far! . 
Ein monat hast arlaub von mir. 

Petrus spricht: 

Herr, der gnaden danck ich dir.. 
[E3, 1,485] So baldt die faßnacht widerkumb, 
20 So far ich auff erdt wiederumb 
Zu mein freunden auß dein genaden. 
Da wil ich in dem most mich baden, 
letz aber geh ich zum thorambt, 
Das weiter da nichts werdt versambt. 

Petrus gehet ab. Der Herr spricht zu im selb: 

Weil mein die weit in guten tagen 
Vergist und wil mir nit dancksagen. 
So wil ich ein anders anfahen, 
Sie mit mancherley blagen schlahen. 
so Weil süs nit, so muß säur helffen, 
Auff das sie zu mir müssen gelffen 
Umb hilff. Ich wil mein engel ünden, 
Der muß solch blag auff erden enden. 

Der Herr gehet ab. Die zwen vettern gehen ein. Hans 
35 spricht : 

Clas, wie gebt es uns so übel! 



381 

Sich hat des gantzen Unglücks schübel 
Bey uns gar wol gesiebenfeltigt 
Und uns auch so gar uberweltigt. 
Ich weyß nit, wo ich sol hienauß. 

5 Vetter Clas spricht: 

Ich weiß nit mer zu halten hauß. 
Ich wolt, das ich zu hymel wer. 
Und wo uns Gott nit hilfft wider, 
So muß wir all zu boden gähn. 
10 Ohn in uns niemandt helffen kan. 

Erst merck ich baldt, Gott handt abzeucht, 

Das alles guts von uns fleucht 

Und auch als glück und heil verliren. 

Vetter Hans spricht: 

15 Ich hab mich schon heyser geschriren 
Umb hilff in solcher angst und noht; 
Aber mit hilff verzeucht auch Gott, 
Weil ich im vor undanckbar wai*, 
Da wir betten ein gutes jar. - 

20 Das trenckt er uns hewr wider ein. 

Vetter Clas spricht: 

Schaw, mein freundt ! wer schleicht dort herein ? 
Es ist unser vetter Peter wider 
Von hymel zu uns kummen nider. 
25 Eumb! laß uns im entgegen gehn! 

Petrus kumbt und spricht: 

Nun seidt gegrüsset alle zwen! 
Ich kumb wider, ir lieben alten, 
Faßnacht auff erdt mit euch zu halten. 
80 Ich hab Urlaub ein monat lang. 

Vetter Hans spricht: 

lieber vetter, es ist uns bang. 
Vert het wir guten süssen raost, 
Yisch, vögl, genß und ander kost 
S5 Gantz wolfeil und gar überflüssig, 
Das wir sein wurden überdrüssig. 



382 

[A3, 1,242] Hewr schlug der liagel uns das körn 

Und ist uns auch der wein erfrorn. , 

Auchjiet wir ferdt gut friedt im landt, 
Heur ^hab wir fencknuß, raub und brant 
6 Darumb, Petre, o vetter mein, 
Eün wir heindt nit so frölich sein, 
Mir ist auch hauß und hoff verbrendt. 

Vetter Glas spricht: 

Dergleych mir auch genummen sendt 
10 AI] mein roß, schaff, ochsen und rinder. 
[E 3, 1,486] Hab auch' daheim zwey krancke kinder, 

Wann es regirt in unser grentz 

Auch die erschröcklich pestilentz. 

Drumb kan ich dich herbergen nit. 
15 Ich wil zu meinem schwager mit. 

Das, ob er dir möcht herberg geben. 

Wir künnen gar nit in frewden leben 

Und dir beweysen solche ehr, 

Wie ferdt. Wir haben schier nichts mehr, 
so Gott der wöl sich unser erbarmen, 

Sein straff ablassen von uns armen! 

Wir sindt ye wol peinigt auff erdt. 

Vetter Hans spricht: 

Ich traw Got wol, das er uns werdt 
85 Wenden krieg, hunger ^nd pestilentz. 

In unser vetterlichen grentz 

Uns wider geben gute jar, 

Wie uns denn vor hie bey uns war. 

Drumb wöl wir uns zu Gott bekern, 
so In liebhaben, fürchten und ehrn. 

letzundt niust du nemen für gut. 

Biß das es sich verkeren thut. 

Wol auff, Petre! thu mit uns gähn! 

Petrus spricht: 

35 Weils auff .erdt ist so übel stban, 
Wirdt ich nit lang bleiben auff erden. 
Sunder mich gar baldt drollen werden 
Gen hjunel, baldt sich endt die nacht. 



383 

Ich hab des unfals nit betracht. 
Ich wer sunst vorbin doben blieben, 
Bey dem Herrn mein zeyt verdrieben. 
Nun, wo weit ir mich füren hin? 
5 Geht fort! euch ich nachvolgen bin. 

Sie gehen alle drey auß. Der Herr gehet ein« redt mit ihm selb 

und spricht: 

Was gilt? das unglück wirt verdreiben 

Petrum, er wirt int leng nit bleiben 
10 Auff erden, wie vor einem jar. 

Dort fert er gleich herauf farwar. 

Und sieht so bitter sawr und sträng. 

Ich wil gehn, das ich in entpfang. 

Petre, Petre, wie kumbst so baldt? 
15 Sag an, wie hat die sach ein gstalt? 

Du kambst ferdt nit so baldt herwider. 

Petrus hebt beidt hendt auff und spricht : 

lieber Herr, es hat sich sieder 

Gantz alle ding verkert auff erdt. 
20 Es ist nit kurtzweilig wie fert, 
^ Wann wein und treidt ist als verdorben. 

Das arm volck ist schier hungers gstorben. 

Herumb im landt durch alle grentz 

Regieret auch die pestilentz. 
25 Darneben regiert in dem landt 

Krieg, gefencknuß, raub, mordt und brant. 

Derhalb lebt man nicht mehr im sauß. 

lederman trawrig lebt zu hauß, 

Ir lehn mit seufftzn und wein verdreiben. 
30 Drumb mocht ich nit mehr unden bleiben. 

Weil es so langweillig zu gieng. 

Der Herr spricht: 

Petre, so sag mir noch ein ding! 
Die weil das volck auff erden gar 
35 So hart peinigt und blaget war 
Mit pestilentz, hunger und schwerdt, 
Auch sunst in allerley gefert, 
Sag, fraget noch niemandt nach mir? 



384 



Petrus spricht : 

ja, mein lieber Herr, Dach dir 
[K3, 1,487] Seufftzet und schreyet firü und spedt 
^ Jung und alt mit gmeinem gebebt 

5 Und erkennen ir sünd und scbuldt 
Und bitten umb genad und buldt. 
Du wollest in genedig sein 
Und ablassen den zoren dein. 
Weil sie nun hertzlich zu dir schreyen, 
10 Mein Herr, was wilt du sie den zeyhen? 
Du dich widerumb zu in wenden. 
Solch schwere blag miltern und enden t 
Ich bit dich selb, du wolst es tban. 

I Der Herr beschleust: 

15 Mein Peter, schaw das wunder ahn! 
Wenn ich auff thu mein milte handt 
Und schaff dem volcke in dem landt 
Gut ruh und ein friedliche zeyt, 
Erbalt sie in guter gsundtheyt 

20 Und gieb in gute fruchtbare jar, 
Wein und treidt überflüssig gar. 
Das alle ding sindt gar wolfeil, 
So wirt das volck nur frech und geyl, 
Vergist mein und meiner wolthat, 

25 Von dem es doch alle guter hat, 
Erseufft in woUust, geitz, hoffart 
Und helt mir darnach widerbart 
In unmenschlichen, grossen Sünden. 
Und wo ich in gleich laß verkünden 

30 Mein wort, das evangelium. 
So werden ir doch wenig frum, 
Die sich von Sünden keren ab, 
Und reiche in mein milte gab, 
Welliche ich in gab auß gnaden 

35 Mir zu unehr und in zu schaden, 
Dieweil sie also bleiben kleben 
Dardurch in eim sündtlichen leben. 
Auch dort zu ewigem verdammen. 
Derhalb muß ich in allen samen 



386 

Solch milte gab wiedernmb nemen, 
Mit huDger, schwere! t und sterben zemen. 
Weil sie durch weldt von mir fliehen, 
Muß ich sie beim har zu mir ziehen, 

5 Sie blagen, creutzigen und krencken, 
Auff das sie auch an mich gedencken. 
Büß thun und sich zu mir bekeren, 
Ir sünd vermeiden und mich ehren 
Als das warhafftig, höhest gut, 

10 Der alle ding im besten thut. 

Schaw, Peter! da merckst du hiebey, 
Das solch creutz ist ein artzeney, 
Das sündig fleysch damit zu dempffen, 
DQm geyst damit zu helffen kempffen. 

15 Derhalb geh zu dem hymel-thor 

Und bleib der börtner gleych wie vor! 
Laß die vergencklich freudt den irdischen 
Und bleib du fort bey den hymlischen! 
Da ewig frewdt dir aufferwachs 

20 Mit allen engein, wünscht Hans Sachs. 

Die person in das spiel: 

1. Gott, der Herr. 

2. Petrus, der apostel. ^ 

3. Clas, ein vetter Petri. 
25 4. Hans, der ander vetter. 

Anno 1554, am 28 tag Aprillis. 

« 
3 K die weit. 26 K 29. 



Haos Sachs. XI. 25 



386 



[A3, 1,243. K3, 1,488] Ein spicl üiit 11 peisoneii , wie 

Gott, der Herr, Adam annd Eva ihre kinder segnet. 

Eva tridt ein, unnd spricht: 

• 

Ich bin das armut-seligst weyb, 
5 Beyde an seel und auch an leyb, 

Seit das ich folget an den orten 

Den schmeichelhafften, süssen worten 

Der hellisch satanischen schlangen, 

Des ich im paradeiß entpfangen 
10 Hab und aß die verbotten fracht. 

Das ich nun fort hin bin verflacht 

Von Gott und hab sein gnad verlorn 

Und, bin auch außgetrieben worn 

Vom paradeiß und maß auff ern 
15 Mit schmertzen meine kindt gebern, 
• Mich auch ducken vor meinem man. 

Ach Gott, groß übel hab ich than. 

Adam kummet mit seiner hawen und spricht : 

Gruß dich Gott, mein hertzliebes weyb! 
20 Ich bin gantz mtidt und mat von leyb. 

Ich hab das ghreüt und unibgehawen, 

Das erdtrich fruchtbarlich zu bawen 

Gar nach dem göttlichen geheiß, 

Das ich in dem angsicht meins schweyß 
25 Das hartselich brodt hab zu essen. 

Wie bist so trawrig auff dir gsessen? 

Mein liebes weyb, was leidt dir an? 

1 Vgl. 9, 354. 548. 



387 

Eva spricht : 

Ach, was fragstu, mein lieber man ? 
Ich bin ein ursach dieser noht, 
Bas wir essen das bardtselig brodt, 

5 Als ich im frommen paradeyß 
Hab gessen die verbotten speylS. 
Dardurch lieg wir, auch uit dest minder 
All unser nachkummen und kinder ' 
In Gottes fluch und ungenaden, 

10 In immer ewiglichem schaden 
ünterworflfen dem ewing todt, 
Darein uns hat Verstössen Gott. 
Derhalb mag ich auff dieser erden, 
Weil ich leb, nit mer frölich werden, 

15 Sonder in weinen, rew und klag. 

Adam spricht : 

Ach, mein Eva, nit gar verzag! 
Von eim engel hab ich vernumen, 
Gott, der Herr, werdt heindt zu uns kumen 
20 Und beschawen unser haußhalten 
Und wie wir unsere kinder walten. 
Wie wir sie leren, zaffen und zielien. 

Eva spricht: 

mein Adam, so wil ich fliehen, 
25 Wann ich furcht in so grawsam sehr. 

Adam spricht: 

Du solt im zu lauffen viel mehr. 

Weil er zu uns wil knmmen heindt, 

So ist er uns nit so gar feindt, 
30 Sonder begert, uns noch zu begnaden. 

Geh ! thu die kinder butzen und baden ! 

Strel in und schmück sie allesandt. 

Leg in ahn ir feyer-gewandt ! 

Kehr die Stuben und strew ein graß, 
35 Das es hinnen schmeck dester baß! 

* 

5 ? fronen. 30 7 bgnaden. 

25* 



388 
Wenn der Herr kamb zu uns herein! 

[E 3, 1, 489] Eva hebt ir hendt auff und spricht: 

Ach, lob sey Gott, dem Herren mein, 
Das er doch noch an uns gedencket, 
6 Weil wir doch sindt so dieflf versencket 
In Sünden und ewigen todt ! 
Weil aber unser Herre Gott 
Zu uns herkummen wil auß gnaden. 
So wil ich gehn die kinder baden, 
10 Schmücken und nach Ordnung her stein, 
Da sie den Herrn entpfangen söln. 
Vieleicht gibt er in seinen segen, 
Der auff in bleibet alle wegen, 
Nimbt sie gleich zu gnad wiederumb. 

15 Adam spricht: 

So geh hin und baldt wider kumb! 

Sie gehen all ab. Adam hebt sein hendt auff und spriolit: 

Ach Herr Gott, du himlischer vatter. 

Du unser einiger woltater, 
20 Wie haben durch unghorsam wir 

Uns so hart versündet an dir! 

Darvon uns mancherley unglück 

Seit her kummet auff unsern rück, 

Dieweil erst hat vor kurtzen tagen 
25 Gain unsern Abel erschlagen. 

Das ist uns auch ein hertzlich bschwer. 

Ach Gott, sendt uns dein heyland her! 

Nach deira verheissen du uns tröst! 

Uns auß deiner ungnad erlöst. 

Eva kummet, bringt vier sön und spricht : 

Adam, lieber gemahel mein, 
Wie gfallen dir die kindelein? 
Hab ichs nit fein gestrichen rauß? 
Wenn Gott, der Herr, nun kumbt zu hauß, 
35 Ich hoff, sie werden im gefallen, 
Werdt von irendt wegen uns allen 
Forthin dest genediger sein. 






389 

Adam spricht: 

Eva, lieber gemahel mein, 
Ja, ich laß mir sie auch gefallen. 
Ja, das ist nur ein theil auß allen. 
6 Sag, wo die andern kinder sein, 
Das du sie nit auch fürest herein, 
Das in der Herr auch geh den segen! 

Eva spricht: 

Ich hab es lassen unterwegen. 
10 Es ist werlich das ander kindig 

Laussig, zottet, kretzig und grindig, 

Högret, schlicket, unkündt und grob, 

Schlüchtisch, perstet ohn alles lob, 

Zerissen, ein zapffete rott. 
15 Wo sie seh unser Herre Gott, 

So müst ich mich der vor in Schemen. 

Darumb thet ichs nit herein nemen. 

Adam spricht : 
Wo hast diese kinder hin than? 

20 Eva spricht: 

So wiß, Adam, mein lieber man! 
Ich habs Verstössen in das hey, 
Dausen im stadel in die strey, 
Dergleichen ir eins teils auch schlaffen 
25 Dauß hintern herdt und in dem offen. 
Der keines sol schlieffen heraus, 
Bis das der Herr knmb auß dem hauß. 

Adam spricht: 

Hestus nur alle herein bracht! 
[A3, 1,244. K 3, 1,490] Gott hat auff leiplich schön kein acht, 
Sonder auff zucht und Gottes ehr. 
Ir kinder, volget meiner lehr ! 
Wenn Gott, der Herre, kumbt herein. 
So ziecht ab ewre schleplein fein 

16 K jhm. 25 K hinterm. 



390 

Und that euch alle gen ihm neigen! 
Thut ihm all reverentz erzeigen ! 
Biet im die hende nach einander 
Und entpfahet in allesauder! 
5 Denn kniet nider, legt die hendt zamb! 
Pett mit einander allcsamb! 
So wirdt er euch den segen geben. 

Set, der grost son, kumbt, spricht: 

Ja, lieber vatter, das wöl wir eben 

10 Mit allem höchsten fleyß verbringen, 

Wie das befilchst in allen dingen. 

Der Herr tridt> ein mit zweien engein unnd spricht : 
Der fried sey euch, ir kinderlein! 

Adam neigt sich unnd spricht: 

15 du hymlischer vatter mein, 
Dir sey ewig ehr, preyß und lob, 
Das du uns arme stinder grob 
Heimsuchst und uns verschmehest nicht, 
Weil wir durch unser sünd entwicht 

20 Sindt nun gar kaumb wirdig und werdt, 
Das uns ertragen sol die erdt! 
Und du, Herr, suchst uns selb zu hauß. 

Eva feilet au£f die knie und spricht : 

Gantz unaußsprechlich uberauß 

25 Ist unser missetat und schuldt, 
Weil wir theten wider dein huldt, 
Der du uns so miltreych hast geben 
Unser seel, leyb, vernunfft und leben. 
Derhalb wert wir in dem gewissen 

30 Geengst, gemartert und gebissen. 
Das wir schier gar verzweyffelt sein. 

Der Herr spricht: 

Seit getrost, lieben kinder mein! 
Ich bin von natur gnedig und gütig, 
35 Von grosser gut und langmütig. 

Bin ein trost und ein hilff der armen, 



391 

• 

Der sich über euch thut erbarmen. 
Derhalben so thut nit verzagen! 
Halt euch nur fest an meim zusagen! 
Dein sam zerdreten wirt die schlangen. 
5 Denn werdt ir gnad und heil erlangen 
Und wirt euch ewer sünd vergeben 
Und werdet ewig mit mir leben, 
Ein endt nemen all ewer klag. 

£va spricht: 

10 du himlischer vatter, sag! 
Ist dieser heylig samen rein 
Eins unter diesen kinden mein, 
Der sol zertretten dashaubt der schlangen? 

Der Herr spricht: 

15 Der sam hat darin angefangen 

Und solch jr samen der wirt wandern 

Von einem sone auff den andern, 

Biß kummen wirt zu Seiner zeyt 

Der gemeldt sam gebenedeit, 
20 Der die schlangen wirt untert retten. 

Der Herr went sich zun kindern unnd spricht: 
Ir kinderlein, sagt! kündt ir betten? 

[K 3, 1, 491] Eva spricht : 

Ja, lieben Herr! sie künnens wol. 
25 Wilt du, das mau betten sol? 

Die kinder knien nider. Set , der eltest, bett in vor und sie 

nach das Vatter-unser. 

Ir kinderlein habt bettet recht. 
Durch euch wil ich menschlich geschleclit 
30 Mehrn und erfüllen alle landt, ^ 
Unzalbar wie des meeres sandt, 

21 Qöthe, Hans Sachs poetische sendang, werke, Stuttgart bei Cotta 1850. 
2y 141 : 

Drauf seht ihr mit weiten ärmeln und falten 
Oott Vater kinderlehre halten u. s. w. 



392 
Biß an den jüngsten tag al wegen. 

Eva spricht: 

Acb lieber Herr, gieb in dein segen, 
Eim ieglichen besünder allein, 
5 Das sie darbey gedencken dein 
Deiner lieb, trew and muten gut, 
Auff das ir hertz, seel und gemüt 
An dir hang, weil sie leben auff erden! 
Sag iedem, was auß im sol werden! 

Der Herr legt dem ersten die hend auff sein haubt und sprioht 

Eva, ich wil geweren dich. 
]Du seit werden auff erdterich 
Ein könig gewaltig und mechtig, 
Herschen in deinem reych gar brechtig, 
15 Solt fürsten und herm unter dir han. 
Darzu hab dir zepter und krön! 

Ijegt dem andern die hendt auff den kopff unnd sprioht: 

Du knab solt werden ein strenger ritter 
Und solt beschützen one zitter 
20 Landt und leut, witwen und waisen 
Vor den feinden, in krieg und raisen. 
Schildt und wapen fürst du auff erdt. 
Darzu nimb in dein handt das schwerdt! 

Zum dritten spricht er: 

25 Und du solt burgermeister sein 

Und ordinieren die burger dein 

Und handhaben gemeinen nutz. 

Straff das böß und belon als guts! 

Recht urteil am gerichte hab! 
30 Darzu nimb des gewaltes stab! 

Der Herr sprioht zum vierdten: 

Und du solt werden ein kauffman. 
Du solt sehr grosse reychtumb han 
Und solt bringen allerley war 
S5 Von eim landt in das ander dar. 
Handel recht mit rechen und zeln! 



393 
Darzu hab dir gewicht und ein! 

Der Herr spricht zun knaben : 

Nun kumbt mit mir ins paradeyß, 
Das ich euch den lustgarten weyß, 

5 Auß dem ich Eva und Adam, 
Ewr eitern, umb ir unghorsam 
Verstössen habe, auff das ir 
Mich furcht und bleibet ghorsam mir, 
Mir glaubetu, liebt und ehrt allein! 

10 So wil ich ewr Gott auch sein 

Und ob euch fest halten mein handt, 
Das ieder bleib in seinem standt. 
Wie ich im hab mein segen geben 
Forthin, dieweil er hab sein leben. 

15 Sva spricht: 

Ach, lieber Herr, laß uns auch mit! 

Der Herr spricht: 

Eva, es gezimbt dir nit, 
Zu gehn wider ins paradeyß, 
20 Weyl du aßt die verholten speiß. 

[K 3, 1, 492] Der Herr fürt die kinder hin. Eva spricht ; 

mein Adam, erst rewet mich. 
Das nit die andern kinder ich, 
Gleych also zotet und so schewßlich, 
25 Bucklet, unlüstig und so grewßlich 
Hab auch rein für den Herren bracht. 
[A3, 1,245] So het er auch groß herrn drauß gmacht 
Durch seinen reichen, milten segen. 

Adam spricht: 

30 Ich sagt vor, im sey nichts dran glegen, 
Der Herr sech nit ahn die person, 
Sonder, wem er sein gute gon. 
Den selbigen den segnt er doch. 
Geh, liebe Eva! bring sie noch, 

9 K glaubet. 



394 
Das er in aocli sein segen geb! 

£va spricht: 

Ja, wils bringen, so war leb leb, 

Und wils gobn zieben auß dorn hey, 
5 Auß dem offen und auß der strey. 

Mein Adam, bleib ein weil zu baaß! 

Ich wil fürwar nit lang sein auß. 

Kumbt der Herr wider an den orten. 

So haltn ein weil auff mit Worten, 
10 Biß ich die andern kinder bring! 

Adam spricht: 

Geh, bring sie baldt! sey guter ding! 
Eil! ich sich dort her gehn von fern 
Wider unsern Gott und Herrn. 

Eva gehet auß. Der Herr gehet ein unnd spricht 

Adam, Adam, wo ist dein weyb? 
Wiß, das ich nun nit lenger bleib ! 
Die sunn die wil schier gehn zu rast 
Mit irem hellen, Hechten glast. 
■ 20 Ich wil gehn hymel wider von euch. 

Adam spricht: 

Ach, lieber Herr, ein klein verzeich, 
ßiß das mein Eva wieder kumb! 
Sie wirdt dir bringen noch ein sumb 
25 Kinder, die sie mir hat geborn. 

Der Herr spricht: 

Ich bin dir vor zu willen worn, 
Wil noch verziehen ein kleine weil. 

Adam laufft unnd spricht: 

30 Ich wil gehn sagen, das sie eil. 

Da kumbts gleich selber her gelaufen 
Mit irem rotzing, lausing hauffen. 

Eva kumbt mit vier kinden und spricht: 
Ach, lieber Herr, ich bit dich hoch: 



^ 



395 

Segh mir auch diese kinder noch, 
Wie die vorigen aller raassen ! 

Der Herr spricht: 

Wo hast die kinder vor gelassen? 
5 Sie mit den ersten nit hast hracht. 

Eva spricht: 

Ach, lieber Herr, ich hab gedacht, 
Von dir ich mit verepottet wer, 
Weil sie schlüchtisch gehn daher, 
10 Hogricht, schüchtet, zotet und kusig. 
Zapfet, zerrissen, bschlept und rusig; 
Tim auch dein gnad an in besteten ! 

[K 3, 1, 493] Der Herr spricht : 

So laß sie nider knien und betten! 

15 Eva spricht : 

lieber Herr, sie ktinnens nit. 

Der Herr spricht: 

Ey, was wilt du denn machen mit? 
Du bist mir ein heyloses weyb, 

20 Zeuchst sie weder an seel noch leyb. 
Sie wachssen auff wie stock und block, 
üngschickt und wildt, wie gemscn-böck. 
Ahn all art und menschliche zier. 
In eigen willen und begier 

25 Die iren schöffer nit erkennen, 
Ahnrüffen, loben, ehrn und nennen, 
Nit fürchten oder betten ahn. 
Wie künnen sie denn sogen han? 

Eva spricht: 

80 Ach Herr, ich hab der kinder viel. 
Mit der zeyt ichs baß ziehen wil, 
Sie geystlich und leiblich baß straffen. 
Müh und arbeit gibt mir zu schaffen 
Und meinem Adam nicht dest minder, 

35 Das wir vergessen offt der kinder. 



396 

Doch, Herr, ich beger deiner gnaden, 
Wölst ir einfalt nit lassen schaden 
Und in dein muten segen geben, 
Den ersten kinden gleych und eben. 
5 Das ist mein hertzliches begern. 

Der Herr spricht: 

Nun, ich wil dich der bit gewern, 

Die kinder nichts lassen entgelten. 

Du und dein Adam seit zu schelten, 
10 Das ir die kindt nit ziehet mehr 

Auff tugent, gottes-forcht und ehr. 

Wo man sucht Gottes reych vor allen, 

Wirt das ander als wol zu fallen. 

Nun ftir diese kinder auch her, 
15 Das in von mir der segen wer! 

Sva fürt die kinder her. Der Herr leget eim die hendt auff 

den kopff unnd spricht : 

Nun, du solt werden ein schuster, 
Dich nern mit leder und schmer 
20 Und solt das leder mit dein zenen 

Groß, weit und breit hin und her denen, 
Darauß machen den menschen schu. 
Da gieb ich dir ein laist darzu. 

Eva kratzt sich im kopff. Der Herr spricht zum andern son : 

25 Ein weher solt werden nach jarn 

Und mit leinen und wüllen garn 

Sol tuch wtircken, hem und rocken, 

Darmit die menschen sich bedecken. 

Darzu hab dir die webers-schützen ! 
80 Die solt du all dein lebtag nützen. 

Der Herr legt dem dritten die hent auff unnd spricht : 

Du aber solt ein scheifer wem. 
Die schaff solt melcken und schern, 
Sie füren auff waidt suß und gut, 
35 Vor wölffen sie haben in hut 

Und von in machen keß und schmaltz. 
Nimb die hirten-dasch und behaltz ! 



397 



Der Herr spricht zum vierdten son : 

. Du aber solt werden ein bawr 
[K 3, 1,494] Mit dem pflüg und mit arbeit sawr, 
Solt ackern, pflantzen und seen, 
5 Schneiden, dreschen, bayen und meen, 
Ernehren alle menschen gar. 
Dar-zu gieb ich dir die pflug-schar. 

Der Herr spricht: 

Nun seit ir auch gefertigt ab. 
10 leder hat sein segen und gab, 
Darmit ich in hie thu verehrn, 
Darmit sie sich auff erdt ernern. 

[A 3, 1, 246] Eva spricht : 

Ach, lieber Herr von hymelreych, 
15 Wie theilst du dein segen auß so ungleych I 
Weil sie sindt alle meine kinder 
Und ist ye keins mer oder minder 
Mit meinem Adam ehlich geborn, 
Wie, das denn gehn sindt herren worn 
20 Und diese vier hast du veracht, 
Lauter armes volck drauß gemacht, 
Schuster, weber, hirten und pawren? 

Der Herr spricht: 

Mein Eva, das laß dich nit daurcn! 

25 Wie ich ansihet ein person, 
Also mach ich darauß ein man. 
Nach dem er kan fürsthen eim ambt, 
Auff das auf erdt wert nichts versaumbt. 
Ich bin der allmechtige Herr, 

80 Muß in der weit weit und ferr 
Ambtleut haben zu allen dingen, 
Das einr den andern hin kan bringen. 
Wenn sie all könig und fürsten wem, 
Burgermeister und groß kauffherrn, 

85 Müsten ob einander verschmorn. 
Wer wolt in bawen treidt und kornV 
Wer wolt in zimmern, bawen und backen, 



398 

Weben, hossen und schnell machen, - 
Schmiden, drehen und leder gerben, 
Müntzen, scheren und tuch ferben? 
Dergleichen wenn der gnieine hauff 
5 Kein obrigkeyt het, die im sech drauff 
und sie fürsichtiglich regiert, 
Gmein nutz schützet und ordienieret 
Und thet den bösen wiedersthen. 
Wie würt es ubr und über gehn? • 
10 Kein standt kan ahn den andern sein. 

Eva spricht: 

Ich glaubs wol, lieber Herre mein! 

Die eraten aber leben herrischer art. 

Die andern vier erbeiten hart, 
15 Übel essen und hart ligen. 

Vor könig, adel und burger sich schmügen. 

Die haben gut kleider, tranck und speiß, 

Lust-gerten wie das paradeiß, 

Köstliche heuser, saufft bebt. 
20 Wenn solchs der ander hauff auch het, 

So leg mir zwar nichtsen dran. 

Der Herr spricht: 

Eva, du thust nit recht versthan. 

Es ist ein standt gleich wie der ander. 

25 Sie sindt müselig allesandcr. 

König, ritter, burger und kauffman 
Gleich wol gar kein handtarbeit han; 
Doch unter irem bracht verborgen 
Stecken sehr groß müh, angst und sorgen 

30 Von krieg, auffrhur und rauberey, 
Kranckeyt und Unglücks mancherley, 
So sich zu-tregt im regimendt. "■ 

Das sindt gefreidt die andern stendt, 
Haben kein ander sorg nit mehr, 

35 Denn wie man weih uund kindt ernehr. 
Die handt-arbeit ist in gesundt, 
[K 3, 1,495] Macht süssen schlaff, nüchter und rundt, 
In ist auch wolschmach speiß und tranck, 
Auch ist in die weil nit so lang. 



399 

Zu arbeit ich den menschen klug 
BeschufF, wie den vogel zum flug. 
Drumb welcher mensch im lest genügen 
An dem standt, den ich im thu fügen, 
5 Der hat genug bey all sein jarn. 
Nun ich wil wider gen hymel farn 
Zu aller engelischen schar. 
Mein friedt euch ewiglich bewar. 

Der Herr gehet ab. Adam spricht: 

10 mein Eva, laß uns fortban 

Nach dem worte des Herren fron 

Baß zihen unser kinder mehr 

Auff tugendt, Gottes forcht und ehr! 

Du hörst, das er sunst niclits begert, 
15 Denn das ihn menschlich gschlecht auff erdt 

Im glaube und vertrawe allein, 

Thu in fürchten und gehorsam sein. 

Ahn rüff und ehre seinen namen; 

So wil er uns des weybes samen, 
20 Den gewenedeiten heylandt 

Schicken, welcher uns alle-sandt 

Abtilgen wirdt den ewing fluch, 

Uns kleyden in der unschuldt tuch 

Und wcrdt uns auch nach diesem leben 
25 Ein ewig selig, himlisch geben. 

Da ewig frewdt uns aufferwachs 

Sambt menschlichem gschlecht, spricht Hans Sachs. 

Die person inn das spiel: 

I. Gott, der Herr. 
80 2.' Adam. 

3. Eva. 

4. Set, der eltest gebutzt son. 

5. Enoch, der ander gebutzt son. 

6. Machaleel, der drit gebutzt son. 
85 7. Kenam, der vierdt gebutzt son. 

8. Jared, der erst ungeschaffner son. 

9. Methusala, der ander. 

10. Lamach, der drit. 

I I. Noa, der vierdt. 

40 Anno 1553 jar, am 23 tag Septembris. 



400 



Tragedia mit 34 personen , des jttnsten gerichtes, 

auß der schrifft uberal zu sammen gezogen, und hat 7 actus. 

Der ernholdt geKet ein unnd spricht: 

Die genad des Herren Christy 
5 Die sey mit euch allen by, 

Ir ausserwelten Christen-leut, 

Die ir liie seidt entgegen heut! 

So wollen wir hie, Gott zu ehrn, 

Lieb und göttlich forcht zu mern, 
10 Halten ein geystlich schön gedieht, 

Darinnen denn das letzt gericht 

Wirdt fürgebildt am jüngsten tag, 

Darinn man klerlich sehen mag, 

"Wie Christus die christlich gemein, 
15 So an sein wort gelaubig sein 

Und vertrawen durch seinen todt, 
[K 3, 1,496] Seien versünet sie mit Gott 

Und haben sich in liebe ergeben 

Auff erdt in ein christliches leben, 
20 Dem nechsten, wie sich das nimbt ahn 

Christus, samb sey es im gethan, 

Wie er sie wirdt auß lauter gnaden 

Segnen und sie gar freundtlich laden 

Sambt allen ausserwelten gar 
25 Und der heyligen engel schar 

In seines vatters ewig reych, 
[A3, 1,247] Da sie denn mit im ewigleich 

Leben in ewig frewdt und wunn 

1 ? jüngsten. Vgl. s. 12. 17 K Seyet yersühnet nnn m. 



401 

Und leuchten wie die klare sun, 

Dargcgen Juden und Machmetisten, 

Heyden und ungläubigen Christen, 

Wie seim wort haben wiederstrebet 
5 Und in allen Sünden gelebet 

Ahn rew und büß, ahn wider-kern, 

Was man sie thet vermanen und lern, 

Bliebens verstocket in dem allen 

Und endtlich in Verzweiflung fallen 
10 Und sindt verzaget gar an Gott, 

Als sie ergrififen hat der todt, 

Sindt also abgschieden auf erden. 

Werdt ir auch alhie sehen werden, 

Wie die gottlosen allesamen 
15 Christus wirdt ewiglich verdamen 

In das ewig, hellische fewr 

Mit allen teuffein ungehewr. 

In ewig pein zu theil wirt den 

Grißgrammen und klappern der zen. 
20 Nun, das man klerer müg versthan, 

Das spiel wir außgeteilet han 

In sieben theil hie an dieser Stadt, 

Da ieder theil sein vorredt hat. 

Erstlich wirt euch zu angesicht 
25 Alhie von dem strengen gericht 

Anfencklichen ein warnung than. 

Ein priester uns trewlich verman, 

Auff das wir uns machen bereit 

Zum jüngsten tag, der sey nit weyt. 
30 Derhalb hört zu und seidt fein stil. 

Weil man helt das geystlich spiel, 

Auff das kein person mit gefert 

Mit dem gedöß geirret werdt! 

Das wirt bitlich von euch begert. 

Der ernhold gehet ab. Der priester kumbt inn einem corock 

und spricht: 

Heil, gnad und friedt von Gott, dem vatter, 
Und Christo, dem höchsten woltater, 
Sey hie der christlichen gemein 
io In Gott versamlet gab allein! 

Hans Sachs. XI. 26 



402 

Der evangelist Mattheas 
Der besdireibet uns: als Christas, 
Der Herr, auff dem olberg saß, 
Alda za im hin tretten was 

5 Sein jünger und theten ein frag 
Vom ort der weit und dem jüngsten tag. 
Der Herr gab in die antwort: 
Seclit za, und das ir an dem ort 
Nit wert verfürl! wann vil aaff erden 

10 In meinem namen kämmen werden 
Und sagen, wie sie Christus sein, 
Durch falsche lehr in gutem schein 
Werden verfüren ein grosse sum. 
Auch wert ihr hören um und um 

15 Von kriegen und krieges-geschrey. 
Doch ist das endt noch nit darbey. 
Erschreckt nicht, wenn ir das thut hörn! 
Wann es wirt sich ein volck entpör 
Über das ander und ein könckreych 

20 über das ander; dergeleych 

Wirt sein tewr zeyt und pestilentz; 
[K3, 1, 497] Vil erdtbiden in aller grentz 

Werden auff gantzer erdt entstan. 
Alda hebt sich die noiit erst ahn, 

25 Wann afs-denn werden sie zumal 
Euch überantworten in trübsal 
Und ir müst auch gehasset werden 
Und tödt von mein wegen auff erden. 
Vil werden sich ergern ob den thaten, 

30 Sich hassen, einander verraten; 
Und weil die ungrechtigkeyt 
Nimbt uberhandt zu letzter zeyt, 
So wirt die christlich lieb erkalten 
Beide bey jungen und bey alten. 

35 Wer aber verhart biß ans endt, 
Der wirt selig. Und auch erkendtl 
Das evangeli wirt predigt werden 
Allen völckern auff gantzer erden 
Zu zeugnuß den bösen und frummen. 

18 K entpörn. 






403 

Und als-denn wirt das ende kummen. 
Und baldt nach dem trübsal voran 
So werden beyde sunn und mon 
Finster und iren schein verlirn. 

5 Auch so wirt das leuchtendt gestim 
Herabher von dem hymel fallen. 
Auch wirt der hymel sich mit allen 
KrefPten so grawsamlich bewegen. 
Als-denn werden heulen dargegen 

10 Alle völcker auff gantzer erden. 
Und als-denn so wirt kummen werden 
Des mensehen son im gewolck die zeyt 
Mit krafft und grosser herrligkeyt 
Und wirt senden seinen engel 

15 Mit posaunen gar laut und hei, 
Die sein ausserweiten auff erden 
Von den vier winden versamlen werden. 
Denn wirt er halten das gericht 
Und allen menschen urteil spricht. 

20 Nach dem so spricht weiter Christus: 
Ein feigenbaum nembt ein gleichnuß! 
Wenn sein zweig safftig worden sindt 
Und das er grüne bletter gwindt, 
So wist, das der summer thut neben! 

25 Also, wenn ir auch werdet sehen 
Die oberzelten ding, so wist, 
Das der jungst tag gar nahet ist! 
Auch wirt des menschen zukunfft klar, 
Wie es zu der zeyt Noe war, 

so Wie sie lebten vor der sindtflut, 
Assen, truncken, hettn guten muht. 
Sie pflantzten und theten bawen, 
Detten nur auff das zeytlich schawen, 
Sie freyen und liesen sich freyen 

35 Biß auff den tag, als mit sein treien 
Sön Lot hienein die archen ging 
Seim weih und drey schnüren gechling. 
Da kam die groß sindtfluß zu in, 
Nam sie alle unversehens hin. 

21 K Am f. 36 7 Noa. K Loth hinein in die aroh. 

26* 



404 



Darumb so wacht! ir wisset nit, 
Wann des menschen son kummet mit 
Sein engein zum letzten gericht. 
Hut euch, das ewer hertz werdt nicht 
5 Beschwert mit saufPen und mit fressen 
Und sorg der narung, thut vergessen 
Deß tags, das er euch Überfall! 
Wann er wirt kummen überall 
Auff erden gleych wie ein fallstrick. 

10 Seit wacker! bett all augenblick, 
Das ir dem mügt entpfliehen thun, 
Wirdig sein für des menschen sun! 
Derhalben nun, ir ausserwelten, 
Nembt zu hertzen die oberzelten 

15 Wort Christi zu einr warnung an 
Vom jüngsten tag, wiewol man kan 
Nit wissen gwiß, wenn er wirt sein, 
Wenn der vatter weyß es allein, 
ledoch man wol abnemen mag, 
[E 3, 1,498] Das nahet ist der jüngste tag. 
Das machen diese zeychen offen, 
Die schier vast alle sindt verloflfen. 
Secht, wie zu unsern zeyten sey 
So mancherley der ketzerey! 

25 Schwirmerey und grober irthum, 
Seckt und rotten ein grosse sum 
le lenger mer ietz letzter zeyt 
Abfaren vom weg der warheyt. 
Auch hört man stetig krieg mit trutz 

so Ahn billigkeyt, noht oder nutz. 
So blutig, mördisch und rachgirig, 
Auffrürisch und vol neides schwirig, 
Dergleichen auch gwönlich thewer zeyt 
In allen fruchten, was Gott geit. 

35 Merckt auch, wo vor gewessen sey 
[A3, 1,248] Frembder kranckheit so mancherley, 
Darinn der menschen vil verderben 
Und also gehelingen sterben! 
Wenn, hat die weit auch vor erlitten 

40 So erschröcklich grosse erbieden, 
Darinn denn gantze stett verfallen, 



405 



Wer hat doch vor gehört von allen 
Von wolcKenbrtich und regen-gtiß, 
So uberlauff der wasserflüß, 
Das sie auch landt und leut hin nemen? 
5 Sol wir uns aber auch nit Schemen, 
Das man Gots wort predigt so klar 
Und weng beßrung geschieht fürwar 
Und lenger zu nimbt unser zeit 
Untrew und Ungerechtigkeit 

10 Sambt allem betrug und finantz? 
Derhalben auch erkaltet gantz 
Die lieb bey alten und bey jungen, 
Kein trew noch glaub mit band noch Zungen. 
Wenn hal man vor auch der geleichen 

15 Am himel gsehen so vil zeichen 
Der finsternuß ati sonn und monn, 
Auch erschröcklich stellation, 
Cometen, wunderliche gsicht, 
Darbey man denn das jüngst gericht 

20 Den jüngsten tag und der weit endt 
Augenscheinlich nit weit erkendt? 
Derhalb, ir Christen, munter wacht! 
Es Wirt, wie der dieb bey, der nacht, 
Der tag kommen und ist nit weit, 

25 Auff das ir seit darzu bereit, 
Das er euch findt in rechter büß! 
. Thut wie sanctus Jeronimus! 
Der sagt: Was ich auff erden mach, 
Ich eß, ich trinck, schlaff oder wach, 

30 So dunckt mich stäts, wie ich hör grim 
Der posaunen erschröcklich stim 
Vor mein obren, welliche spricht: 
Steht auff, ir todten ! kombt für ghricht 
Und thut gar schwere rechnung geben, 

85 Was ir habt thon in ewerm leben! 
Der-geleichen last euch auch sein! 
Es spricht Ecclesiastes fein: 
Wer dise letzte ding bedecht, 
Kein sündt er nimmer mehr verbrecht. 

40 Denn möcht ir vor dem richter bsten 
Und mit den außerweiten gehn 



406 

In Gottes reich durch Christi namen. 
Das verleich uns Gott allensamen! 
Wer das ger, sprech von hertzen amen! 

Der priester geht ab. 



5 Actus 2. 

Der ehrnholdt kombt und spricht: 

Nun werdt ir sehen für-gebildt 
Ein weltmenschen roch, grob und wildt, 
Der nichts helt auff den jüngsten tag, 
[K 3, 1,499] Noch was die schrifft im darvon sag, 
Sonder treibet darauß den spot. 
Wie freund tlich in vermanet Got, 
Sonder lieget in diser zeit 
In Sünden und wollustbarkeit, 

15 Yeracht gotsforcht und alle tugendt. 
Verlest sich auff die blüendt jugendt, 
Samb sey noch gar ferne der todt, 
Biß das in auß genaden Got 
Mit todts gefärligkeit angreifft, 

20 Das der todt hinter im aufif pfeifft. 
Der in erschrecket, er muß sterben 
Hie und dort ewigklich verderben. 
Da er dem strengen Gottes ghricht 
Und urteil müg entrinnen nicht. 

25 Erst thut sich auff das sündig gwissen, 

— • 

Darvon der mensch wirt hart gebissen. 
Das zappelt, wirt trostloß, ellendt 
Und verzweivelt auch an dem endt, 
Eombt in ewiges todtes schaden. 

30 Wo Gott nit auß roilten genaden 
Den armen Sünder an dem ort 
Im hertzen tröstet durch sein wort, 
Etwan durch ein geistreich person, 
So er das nimbt im hertzen an, 

35 Glaubet und hofft in Christi sterben, 
Der im thet ewig huldt erwerben 
Bey Gott durch sein unschuldig blut. 



407 

Denn wirt der Sünder wolgemut, 
Berewt sein sündt, Gott die bekendt 
Und setzt im für, biß an sein endt 
Wider Gott nimmer mehr zu thon. 
5 Denn nimbt in Gott zu gnaden on 
Durch Christum, der genaden thron. 

Der ehrnholdt geht ab. Der stoltz Jüngling geht ein, redt mit 

ihm selbs unnd spricht: 

Man sagt vil von dem jüngsten tag, 

■ 

10 Nach dem ich doch gar nichts nit frag. 

Die weit steht, wie vor lausen t jarn, 

Wie man in büchern thut erfarn. 

Glaub, was wir in Plutani lesen. 

Die weit die sey ewig gewesen 
15 Und werdt auch nimmer mehr zergehn, 

Sonder auch immer ewig stehn. 

Deß laß ich' als mein trawern sincken, 

Wil frölich sein, essen und trincken, 

Hofirn mit seytenspiel und singen, 
20 Mit bulen, tantzen, fechtn und springen, 

Rennen, jagen, paissen und hetzen 

Und aller freuden mich ergetzen 

Und haben ein frölichen mut, 

Dieweil ich hab gwalt, ehr und gut. 
25 Wil habn ein epicurisch leben, 

In allem woUust oben schweben. 

Mich nieten meiner jungen tag 

Freud t vil, dieweil ich han und mag. 

Hab noch zu leben lange zeit 
30 In solcher frechen fröligkeit. 

Wenn ich nun in das alter Jcomb, 

Denn ist es zeit, das ich werdt from 

Und den köpf umb den altar schlag 

Und hören, was der pfaff mir sag 
35 Von Got und dem ewigen leben. 

Als-denn wil ich zur büß mich geben. 

Wenn es schier zeit wirt sein, zu sterben, 

Und umb der seelen hail mir werben. 

Was wolt ich mich letzt mit betrüben?' 
40 Will mich in meiner jugent üben, 



408 

Weil ich noch bin frisch and gesundt, 
Wie andere weltkinder thandt. 

[E 3, 1, 500] Der Todt kombt mit seim handtbogen, zielt auff ihn 
mit auffgezognem stral und spricht grawsamlich: 

5 Jüngling, dunck dich nit so gwiß! 
Siehst du nit, das ich täglich schieß 
Beide die jungen sambt den alten? 
Derhalb must auch ein schuß mir halten. 
Schick dichl ietzunder must du sterben. 

Der Jüngling sieht umb verzagt und spricht: 

Ach grimmer Todt, sol ich verderben? 
Bin edel, zart, schön, gsundt und jung. 
Du findst der alten krancken gnung. 
Die selber umb dein zukunfft bitten. 
15 Laß mich der jungen tag baß nieten 1 
Steh noch in meiner ersten bltt. 
grimmer Todt, du kombst zu frtt. 
Verzeuch biß ins volkommen alter! 

[A 3, 1, 249] Der todt spricht: 

20 Jüngling, hie ist kein auffhalter. 

Weist nit? der mensch vom weih geborn 

Der lebt ein kurtze zeit davorn; 

Er geht auff wie ein schöne blum; 

Biest der wind dran, so feit er umb 
25 (Spricht Job) und an der stat vergeht; 

Denn wirt nit mehr funden sein stett. 

Jar und monat sindt im gezelt. 

.Der tag ist schon auff in gestellt, 

Den kein mensch übertretten mag. 
30 Derhalben so ist heut dein tag, 

Das du sterbest in diser stundt. 

Der Jüngling hebt beid hend auf unnd spricht: 

Todt, ich bitt dich auß hertzen grundt: 
Verzeuch mir allein noch ein jar, 
85 Das ich zum todt mich schicke garl 
Darnach wil ich mich geben drein. 
Weil es ie mag nit änderst sein 



409 

Und es Got also haben wil. 

Der Todt spricht : 

Hör, Jüngling! beut so ist dein zil. 
Weist nit, das der Todt nit verzeucbt, 
5 All stundt muntern dir nacb schleicbt? 
Vil edler zeit tbetst du verliem, 
Darinn du wol möcbst ordiniern 
Dein sach und dicb zu Gott bekern. 
Und das du recht hetst sterben lehrn, 
10 Da triebest du darauß den spot. 

Der Jüngling spricht : 

Verschon mein, du grimmiger Todt! 
Wie ungewarnet thust mir neben! 
Ich het mich dein noch nit versehen. 
15 Wie baldt verschwunden ist mein zeit, 
Zu dir bin ich gar unbereit. 
Wie ein unzeitige gehurt 
Ich von dir hin gerissen wurdt. 
Ich hab nie nach tracht solchen Sachen. 

20 Der Todt spricht : 

Jüngling, weist nit? du solt wachen; 
Wann du weist nit, zu welcher zeit 
Deß Herren zukunfft sich begeit, 
Zur ersten oder andern wach. 
25 Derhalben dich mit mir auf mach! 
Du seist bereitet oder nicht, 
Dasselbig mich gar nit anficht. 
Außredt noch bitt nit helffen thut. 

Der Jüngling schlecht sein hendt zusamen und spricht: 

[K 3, 1,501] 0, erst bin ich gar ungemut. 

grimmer Todt, wer ich von hinnen, 
Das ich dir lenger möcht entrinnen ! 
das ich adlers flügel het. 
Das ich mich schwüng von diser stett 
35 Biß zu den sewlen Herculis! 

Der Todt spricht: 



410 

Jüngling, du bist mein gewiß. 
Verbiergst da dich in meeres grundt 
Oder gar in der helle schlundt, 
Meinst nit, es fündt dich Gottes handt, 
6 Von dem ich zu dir bin gesandt? 
Derhalb entrinst kein augenblick. 

Der Jüngling sprieht: 

grimmer Todt, erst ich erschrick, 
Bin umbfangen mit todtes angst. 

10 Deß ich mich nit besorgt vor langst. 
Muß ich verlassen ehr und gut, 
Adel, freudt, wollust, freyen mut. 
Als ob ich nie gewesep wer? 
das ist mir unmenschlich schwer. 

15 Todt, wie bitter herb du bist 

Dem, der jung, gsundt und mechtig ist, 
Auff erdt möcht leben auff das best! 

Der Todt spricht : 

Jüngling, hast du nit gewest, 
2 Das du deß alles, was du hast. 
Allein hie bist ein frembder gast? 
Drob nur ein Schaffner warst gesetzt 
Und es verlassen musst zu letzt, 
Darfür Gott auch ein rechnung geben. 

25 Der Jüngling spricht : 

Ach, soll ich denn mein junges leben 
Verlassen und als, was ich hab, 
Bloß, nackendt darvon scheiden ab? 
Inn Sünden ich entpfangen wur. 

so Sünden ist mein gantze natur. 

Wie kan ich denn ein rechqung geben 
Von meinem schnödt sündigen leben 
Vor dem richter gerecht und streng? 
Die weit wil werden mir zu eng, 

35 Weil ich auff tausent seiner frag 
Nicht eine verantworten mag, 
Wann es wirt vor disem gericht 
Kein mensch rechtfertig funden nicht. 



411 
0, all creatar, helft mir klagen! 

Der Todt spricht : 

Hör, Jüngling! der richter wirt sagen: 
Geh in das hellisch fewer dar 
6 Mit sambt aller verdambten schar, 
Da dein wurm ewigklich nit stirbt 
Und dein seel ewigklich verdirbt 
Durch den ewig hellischen todt! 

Der teuffei kombt, blest dem Jüngling ein. Der spricht: 

10 Weh mir der jemerlichen not ! 

Du Todt bist die thOr zu der hell 

In ewig laidt und ungefell. 

Muß ich zeitlich auff erden sterben 

Und dort auch ewigklich verderben, 
15 Wer ist unseliger, wann ich? 

Ir borg, falt und bedecket mich, 

Das ich im augenblick vergeh! 

Der Todt spricht : 

Schaw, Jüngling, ietzt ist dir erst weh, 
20 Dieweil du erst in deim gewissen 

Von deinen Sünden wirdst gebissen, 
• Darinn der ewig todt sich reckt. 

Das dir vor alles was verdeckt, 
[K 3, 1,502] Dieweil du fürest deinen wandel 
25 Gantz weltlich in sündigem handel 

Und hetst kein acht auff Gottes wort. 

Strafft es dich gleich an manchem ort. 

So schlugst du es nur in den windt, 

Warst mit gsehenden äugen blindt. 
30 letzt aber in todtes gefar 

Wern all dein werck dir offenbar. 

Erst suchtest du den strengen richter, 

Der aller boßheit ist ein schlichter. 

Dir ist der ewig todt beschwerlicher, 
35 Forchtsamer, ängstlicher und gfärlicher, 

Denn ich und all mein angst und not. 

Nun schick dich! du must sterben todt. 



412 



Der Todt scheust in und geht ab. Der jüngling feilt, der teufl 
geht Etats umb ihn mawsen. Der jüngling spricht: 

[A3, 1,250] Ist iendort hie ein Christen-mann, 
Der iiemb sich meines eilends an, 
5 Geb mir durch Gottes wort ein trost, 
Wie ich doch möcht werden erlost 
Vom ewign todt und strengen ghricht! 
Und wo mir hie kein trost wirt nicht, 
Muß ich verzweiveln und verzagen. 

Der teuf fei patscht die hendt zusamen, tantzt iinnd springt lunb 
den krancken. Inn dem kombt der priester unnd spricht: 

Du armer sOnder, laß dir sagen! 

Wilt entgehn dem ewigen todt 

Und dem strengen gericht vor Got, 
15 So fleuch zu dem genaden-thron 

Jesu Christo, dem Gottes-sohn! 

Derselb ist kommen her auff erden, 

Atiff das die Sünder selig werden, |i 

Für die er ist am creutz gestorben, 
20 Bey Gott, dem vatter, huldt erworben. 

Der hat den ewign todt verschlunden, 

Sündt, hell und teufel überwunden. 

Wer dem vertraut, (wie er selb spricht) 

Der kommet nit in das gericht, 
25 Ist vom todt tmngen in das leben. 
/ Diser ist zu eim mitler geben, 

On den ich sonst kein trost nit west. 

Halt dich an den im glauben vest! 

Bekenn dein sünd ! umb genadt bitt 
30 In hoffnung, er versagt dir nit, 

Weil seel und leib beysamen ist! 

So bist du seiner gnadt vergwist. 

Das du ewig mit im magst leben. 

Der kranck sünder hebt seine hende auff unnd spricht: 

85 Ir habt ein rechten trost mir geben 
Von Christo, dem heylanden mildt. 
Doch weiß ich nit, ob es mir gilt. 
Weil nit all sünder selig wem. 



{ 



413 

Wie wolt ich von hertzen so gern x 
Haben ein gewisses warzeichen! 

Der Priester spricht : 

Sünder, du hast ein miltreichen, 
5 Tröstlich 'gwisen genaden-bandt, 
Der dir bleibt unverruckt all stundt, 
Nemlich die tauff, das wasserbadt, 
Darinn dich Got in sein genadt 
Auf namb zu einem lieben kindt. 
10 Dargegen dich verbandst geschwindt, 
Sündt, weit und teufel ab-zujagen 
Und dein creutz willigklich zu tragen, - 
Darmit dein fleisch und blut zu deinpfen 
Und also ritterlich zu kempfen 
15 Durchauß in deinem gantzen leben. 
[K 3, 1,503] Nach dem wöl dir Gott endtlich geben 
Das erb in seinem vatterlandt! 

Der kranek sünder spricht : 

Ja, lieber herr, deß tauffes pfandt 
20 Hab ich entpfangen in der jugendt. 

Doch nie geübt christliche tugendt, 

Zu widei*stehn den Sünden allen. 

ich bin täglich schwer gefallen! 

Weh mir, das ich ie wardt geborn! 
25 Hab ich denn Gottes huldt verlorn 

Von wegen deß leibes woUust? 

Der Priester spricht: 

Sey getrost, lieber mensch ! du must 
Verzagen nit so leichtigklichr 

30 Laß dein sündt hertzlich rewen dich! 
So will es dir Gott alles schencken 
Und deiner sündt nit mehr gedencken. 
Hetst aller menschen sündt gethan, 
Die wil dir Gott alle nach lan 

85 Durch Christum, seinen lieben söhn. 

Der kranok siin^ier spricht: 
herr, dasselbig hab ich thon. 



414 

Noch förcht ich sein gerecbtigkeit, 
Weil der weg zu der hell ist weit 
Und den auch geht die gröste meng 
Und die pfort zum himel ist eng, 

5 Auch wenig volcks dieselben findt. 
Wiewol ir vil beruffen sindt, 
Seindt ir doch wenig außerweit. 
Dergleichen mein hoffnung auff helt, 
Das Christus vil heist weichen ferr. 

10 Nicht ein ieder, der spricht „Herr, Herr", 
Wirt ein geh n zum ewigen leben. 
Auch sonst vil harter sprtlch darneben 
Die machen mich so gar kleinmütig, 
Wiewol ich Gott weiß trew und gütig, 

15 Wie all sein zusagen erscheint. 
Noch weiß ich nit, ob er mich meint. 
Ob ich auch sey derselben einer. 
Der außerwölten büsser reiner. 
Deß ist mein glaub so schwach und mat, 

20 Das mein gewissen forchtsam stat, , 
Wirt mit vil anfechtung gebissen. 

Der priester spricht: 

Hör, mensch ! ist gleich schwach dein gewissen, 
So hat dir Christus auch zu gut 

25 Gelassen hie sein leib und blut, 
Eh er abschiedt von seinem endt, 
In dem heyligen sacrament, 
Darmit du dein gelauben sterckest 
Und darbey gar gewißlich merckest, 

so Das er auch für dich sey gestorben, 
Dir ewigs leben hab erworben. 
Dich erlöst auß der helle rigel. 
Wie kündst haben ein gwiser sigel? 
Auch gibt Gottes geist deinem geist 

35 Kundtschafft und zeugnuß aller-meist. 
Das vatterlandt dort zu ererben. 
Doch muß eh vor an dir ersterben 
Dein sündiges fleisch unde blut, 
Welches denn in der erden rhut. 

40 Da nimbt die sündt erst gar ein endt. 



415 

Darnach in der letzten nrstendt 
Dich Gott wider erwecken wirt 
In eim leben klarificiert 
Mit im dort im ewigen leben. 

Der kranok sünder hebt seine hende auff unnd spricht : 

Erst habt ir gautzen trost mir geben. 

Erst hat ein endt mein hertzenleidt. 

grundtlose barmhertzigkeit ! 

milte, gut, huldt und genadt, 
[K 3, 1,504] fliljff, trost, deß heilign geistes badt! 

Wie heilsam hast du mich erquickt, 

Wie gnedigklich hast mich anblickt! 

Christo, mein haylandt, Gott und Herr, 

Wie war mir aller trost so ferr! 
15 Wie hart bließ zu der Sathan argk! 

Wie trang die Verzweiflung so starck! 

Wie kam der ewig todt getrungen ! 

Der hellen schmertzen mich umbrungen. 

Wie hast mich so gnedig erlöst 
20 On all verdienst, mich armen tröst, 

Geholffen mir auß dem verderben! 

Nun wil ich willig gern sterben. 

Mir nahet gleich meins lebens endt. 

Mein geist bevilch ich in dein hend. 

Da zeucht der kranck, samb er sterbe. [A3, I, 251 J Der priester ^ 

spricht : 

Beleit dich Got ins ewig leben! 
Wöll dir ein fröli^h urstendt geben 
Mit allem himelischen beer! 
so Sich frewen alle engel sehr, 
So ein Sünder zu Gott sich ker. 

Der Sathan speit auß, geht zornig ab. Die engel kommen, 

tragen den todten ab. 

Actus 3. 

35 Der ehmholdt kombt und spricht: 
Zum dritten werdt ir hören reichen 



416 

Deß jüngsten tages schröcklich zeichen 

In himel, erdt und aaff dem meer, 

Darob die menschn erschrecken sehr. 

Von den werden an disem endt 
5 Da reden hoch und nider stendt 

Und sindt umbfangen letzter zeit 

Mit forcht, angst und trübseligkeit, 

Weil zu der zeit auff gantzer erden 

Vil grosser krieg und auflFrur werden, 
10 Auch vervolgung ob Gottes wort, 

Vil falsch irrthumb an manchem ort, ^ 

Auch groß untrew, falsch und betriegen, 

Das sich die frommen müssen schmiegen, 

Und wie auch seindt durch alle grent2 
15 Hunger, thewrung und pestilentz, 

Kranckheit und mancherley trübsal 

Auff gantzer erden uberal, 

Wie allerley volck sich beklag. 

Es sey ktinfftig der jüngste tag. 
20 Deß will in werdn die weit zu eng 

Und sich verbergen mit getreng 

In die holen der berge weit 

Und warten der trübseligkeit 

Deß jüngsten tages letzte zeit. 

Der ehrnholt geht ab. Ein könig, prelat, burger, handt'wercks- 
mann und bawer komen. Der könig spiicht: 

wie gar hat in allem landt 

Der krieg genommen uberhandt! 

DerTürck treibt grosse tyranney. 
30 Die Christn einander stehn nit bey. 

lederman ist zum krieg erwilt. 

Und eh ein krieg recht wirt gestilt. 

So spindt sich gleich ein ander an. 

Komisch reich thut nit zsameu stan; 
35 Wider die reichstat seindt die fürsten, 

Ein stat ist wider die ander dürsten. 

Kein fried noch bündnuß wirt gehalten. 
[K 3, 1,505] Ober und unter sind gespalten. 

Die gmein unghorsam sich erzeiget 
40 Und stät zu auffrur ist geneiget 



417 

Und stellt sich die sach bey in allen, 

Samb werden in einander fallen 

Auflf erden alle regiment 

Mit wütiger, blutiger hendt 
5 Zu verderbung landt unde leut. 

Deß ist warlich zu bsorgen heut. 

Deß schlecht mein hertz mir immer zu 

Tag unde nacht on alle rhu, 

Umbgeben mit angst und besch werden. 
10 Ich glaub, der jüngste tag wöl werden. 

Öep bischoff oder prelat spricht : 

Dergleich die glöfcrten und prelaten 
Sindt auch uneins in wort und thaten, 
Tragen einander neidt und haß; 

15 Einer lehrt diß, der ander das; 
Bringen auff vil irrthum darbey, 
Vil spitzfündiger schwürmerey, 
Darob ^ner den andern schraecht 
Und ir ieder wil haben recht. 

20 Mit irem seltzamen gewirr 

Machens den gmeinen mann gantz irr 
Und machen gar bang den gewissen, 
Werden gemartert und ge^ssen. 
Auch Wirt vervolget Gottes wort 

25 Blut-durstigklich an manchem ort. 
Weil so vil irrthumb sich begeit, 
Förcht ich, der jüngst tag sey nit weit. 

Der burger spricht : 

dasselbig gelaub ich wol, 
80 Weil die weit steckt der untrew vol. 

Es ist kein traw noch glauben mehr. 

Man acht keinr redligkeit noch ehr. 

Kein oberkeit wirt mehr gehalten, 

Wie etwan vor war bey den alten 
35 In bürgerlicher policey 

Guter gsetz und Statut darbey. 

Der gmein nutz der ist worden klein. 

Ein ieder suchet nur das sein. 

Abcontrafet ist.diser zeit 

Hans Sachs. XI. 27 



418 

Ihm schein allein die ghrechtigkeit. 

Die warheit leidt grossen gewalt. 

Brüderlich lieb ist gar erkalt. 

Deß geht es durch einander wabern 
5 Eben wie der gemehte habem. 

Deß sindt pawfellig alle stendt, 

Geistlich and weltlich regiment, 

Das es in die leng nit bstehn mag. 

Das zeigt an, das der jüngste tag 
10 Warhaff tig nit weit von uns sey. 

Der handtwercks-mann spricht: 

Ja, man merckt es auch mo\ darbey, 

Wie ist ein hunger und ein kummer 

Durchauß den winter und den sumer. 
\f> Der narung halb klagen wir armen. 

Das thut die reichen weng erbarmen. 

Der handtwercker sehr vil verderben. 

Der armen vil auß zwangfal sterbe|i, 

Beide mit weihen und mit kinden. 
20 Die fruchte auff dem veldt verschwinden; 

Auch verderbt von dem ungewitter 

Macht dem menschen sein narung bitter. 

Auch weret die^thewrung zu lang. 

In allen dingen ist groß zwang. 
25 Was der mensch haben sol zu mal, 

Das ist groß angst, not und trübsal, 

WiderWertigkeit und gefär, 

Als nie gewesen ist bißher. 

Das auch vor anfechtung der not 
[K 3, 1,506] Mancher mensch im selb thut den todt. 

Alle zeichen verloifen sein, 

Das der jüngste tag tring herein 

Und der argen weit mach ein endt. 

Ich förcht, es sey schon vor der hendt. 

Der pawr schlecht sein hend zsamm unnd spricht: 

secht! es wil gar finster werden, 
Gantz dußmich sieht himel und erden. 
Got so grcwliche zeichen thut. 
Secht zu! es hat geregnet blut. 



419 

Der himel krefft thon sich bewegen 

Mit sehr grawsamen donnerscblegen. 

secht, wie die fewrigen, blitzen 

über die gantzen weit erglitzen! 
5 Seclit, wie die wolckenbrücb herfallen 

Und die wassergüß überwallen! 

Hört, wie das wilde meer thut sausen, 

Mit grosser ungestüm thut prausen, 

Als wöll es die gantz weit versencken, ' 
10 All lebende creatur ertrencken! 
[A3, 1,252] Secht, wie bidmet das erdtereich 

Und stellt sich aller ding geleicb, 

Als wöll himel und erdt zergehn! 

kombt! last uns nit lenger stehn, 
15 Da wir uns denn verbergen wölln 

In der berge klüfften und höln! 

Es ist künJQftig mit aller plag 

Uns der grawsam uhd letzte tag. 

Derhalb so fliecb, wer fliehen mag! 

Sie lauffen alle ab mit kläglicher gebärdt und auffgehebten 

arbmen. 



Actus 4. 

Der ehrnholdt kombt und spricht: 

Im vierdten theil so werdt ir sehen, 
25 Wie sich deß menschen son wirt neben, 
Cbristus, mit seiner jünger schar 
Und auch mit seinen engein gar, 
Die im füren das creutz voron. 
Die negel, spar, gaisel und krön 
30 Als ein panier der herrligkeit 
Und wie er da zu letzter zeit 
Wirt halten sein letztes gericht. 
Nach dem er beist zu angesicht 
Die ertzengel auf-blasen gschwindt 
36 Unter dem himel durch die vier windt, 
Von dem mittag gen Orient, 
Von mitternacht gen occident, 

27* 



420 

Attff das alle theten erstan 

Und für das letzt gerichte gan, 

Wie er die gotlosen allsandt 

Lest stellen zu der lincken handt, 
5 Aber die frommen außerweit 

Zu seiner rechten hande stellt 

Und die gesegneten fröleich 

Heist gchn in seines vatters reich, 

Welliche im doch zeigen an, 
10 Wie sie wenig guts haben than, 

Sonder mit Sünden warn beladen. 

Denn danckens im der grossen gnaden, 

Das er sie pur lauter umb-sunst 

Allein auß milter lieb und gunst 
15 On ir verdienst seligen thut 

Durch seinen todt und thewres blut. 

Deß seyen sie alle bereit 

Mit rhum und lob ewiger zeit 
[K3, 1,507] Seiner grundtlosen barmhertzigkeit 1 

Der ehrnholt geht ab. Christus geht ein mit seinen Junckern 
und engein, setzt sich auf den regenbogen und spricht : 

Gott, der himelisch vatter mein, 

Hat übergeben mir allein 

Gewalt in hirael und aujff erden, 
25 Das ich nun soll ein richter werden 

über gantz menschliches geschlecht. 

Beide gerecht und ungerecht. 

Weil nun in der weit die boßheit, 

Untrew und Ungerechtigkeit 
30 In der weit über handt hat gnommen 

Und so gewaltig hoch ist kommen. 

Wo nit die zeit verkürtzet würdt, 

So wurden auch ktirtzlich verfürt 

Die außerweiten mir gefellig, 
35 Das auch entlich kein mensch wurt selig, 

Derhalb wil ich auß billigkeit 

Verkürtzen ietzt die letzten zeit. 

Machen der bösen weit ein endt 

Mit irm grundtbösen regiment 
40 Und ietzt halten das jüngst gericht. 



421 

Darinnen wirt verschonet nicht 

Keiner person, sey wer die wöll. 

Bechenschafft sie mir geben soll, 

Wie sie auff erden fürt ein leben. 
5 Nach dem wirt ir ein urteil geben. 

Ir außerweiten jünger mein, 

Weil ir mir nachvolget allein 

Und verliest alle ding auff erden, 

So solt ir auch mitrichter werden 
10 Der 12 geschlecht in Israel. 

Darzu ich euch hie außerwel, 

Setz euch hie auff 12 stül zu mir. 

Ir ertzengel, geht aber ir! 

Blast auff die posaun obgemelt 
15 In die vier ort der gantzen weit, 

Das gut und böß erstehn zum leben . 

Im augenblick und das sie eben 

Herauß auß iren gräbern gehn 

Und für den richterstul her stehn! 

Michael , der ertzengel , geht auff ein eck unnd blest unnd 

spricht : 

Steht auff, ir könig und regenten 
In den weltlichen regimenten, 
Ir fürsten, richter und amptleut! 
25 Gebt rechnung ewer herrschung heut! 

Gabriel, der ander ertzengel, blest auff dem andern eck unnd 

spricht : 

Steht auff, ir bähst und cardinäl, 
Ir bischoff, ebt, officiel, 
80 Ir pfarrherren, probst und prelaten, 
Gebt rechnung ewer wort und thaten! 

Baphael, der dritt engel, blest aulf dem dritten eck unnd 

spricht : 

Steht auff, ir burger in den mawern, 
35 Ir handtwercks-leut, hirten- und pawern, 
AUerley stendt und nit verziecht! 
Kommet für das letzt streng gericht! 



422 



Uriel, der viert engel, blest an dem vierdten eck nnnd spricht : 

Steht auff, all todtn, die ir thet leben 
und thut dem richter antwort geb^n, 
• Was ir guts oder böß habt thon! 

5 Nach dem werdt ir entpfahen Ion. 

[E 3, 1,508] Die todten stehen auff, gut nnnd boß , auß iliren 
gräbern. Der engel Cherub mit dem creutz spricht: 

Du gantz menschlichs geschlecht, schavr on ! 

Creutz, nägl, spar, gaisel und krön 
10 Das sindt die arma und ponier 

Deß königes geschmuck und zier, 

Mit er den todt hat überwunden, 

Die hell und auch den teufel bunden, 

Den fluch und den ewigen todt, 
15 Darmit versünet hat mit Got. 

All, die auff in hoffen und trawen, 

Ihn lieb haben und auff in bawen, 

Die sollen ir haubter auff heben, 

Wann es nahet sich gleich und eben 
20 Ir erlösung von pein und bschwerden, 

Die sie unden betten auff erden. 

Von der Sünden schwere anfechtung 

Und von der bösen weit durchechtung, 

Wann in wirt der richter seufftmütig 
25 Sprechen ein urteil milt und gütig, 

Wie er in durch sein heilig wort 

Versprochen hat an manchem ort 

Und fürt sie in seins vatters reich, 

Darinn sie bleiben ewigkleich. 
[A3, 1,253] Aber all, die bey iren tagen 

Inn allen groben lästern lagen, 

Gotloß, verstockt an allem ort 

Und verachten sein heilig wort, 

Darzu auch seinen bitteni todt, 
85 Sonder trieben darauß den spot, 

Umb Vergebung der sündt nie warben, 

On rew und büß verzweivelt starben. 

An den wirt sein leiden verlorn, 

Den wirt er sein in grimmen zorn 



423 

Ein richter hert, gerecht und streng, * 
Weil in auff erdt die gotloß meng 
Nie hören wolt sein gnedig wort, 
Da er sie lockt an manchem ort, 
5 Sie solten sich keren zu im, 
Die müssen letzt hören sein stim: 
Geht, ir vermaledeiten, ein 
In deß hellischen fewers pein! 

Der Herr spricht: 

10 Cherub, schwing dich hinab auff erdt! 

Scheidt ab mit deinem blossen schwerdt. 

Gleich wie ein hirrdt, die deinen schaf, 

Auff das ich belon und auch straff 

Mit unterscheit gantz menschlich gschlecht, 
15 Wie denn gantz billich ist und recht, 

Das zu meinr rechten handt gestellt 

Werden die frommen außerweit! 

Zu der lincken so stell den grossen 

Hauffen allerley der gotlosen! 

Der engel theilt die seel von einander unnd spricht: 

Nun steht hie zu der rechten handt 
Und hört von ewerm haylandt, 
Ir glaubign, sein gnedig urteil, 
Euch zu ewiger seelen heil! 
25 Und ir gottlosen bleibt still stehndt 
Alhie zu seiner lincken hendt 
Und hört dem strengen urteil zu, 
Das euch schafft in ewig unrhu! 

Christus macht das creutz über die, so zu der rechten band 
30 stebn, unnd spricht: 

Kombt, ir gesegnten deß vatters mein. 
Und ererbet das reych allein, 
Das euch bereitet ist vor lang 
Weit vor der weite anefang, 
[K 3, 1,509] Wann ir habet bekennet mich 

Vor den menschen auff erdterich! 

35 E Dann. 



424 

Daitnnb wil ich euch auch bekennen 

Vor dem vatter, euch selig nennen. 

Ir seit von anfang nit vergebens 

Geschriben in das buch deß lebens; 
5 Wann als auff erdt war hungrig ich, 

Alda habt ir gespeiset mich, 

Und als ich dürstig wai*dt auff erdt, 

Da trencket ir mich mit begerdt; 

Da ich war ellendt und ein gast, 
10 Herwergt ir mich, het bey euch rast, 

Und als ich war bloß nacket gar, 

Da habt ir mich kleidet fürwar, 

Und als ich bin gelegen kranck. 

Da thet ir zu mir manchen gangk, 
15 Und als auch war gefangen ich, 

Kambt ir zu mir und tröstet mich. 

Die seel der außerweiten heben ir hendt auff imnd eine redt 

für sie all: 

Ach lieber Herr, wenn ist das gschehen, 
20 Das wir dich haben hungrig gsehen 

Und haben dich gespeiset rundt? 

Wenn ist durstig gewest dein mundt 

Und haben dich getrencket vast? 

Und wenn bist du gewest ein gast, 
25 Das wir dich auch beherwergt haben? 

Und wenn theten wir dich begaben 

Mit kleidung, als du wärest bloß? 

Wenn hab wir dich in kranckheit groß 

Oder in gefengknuß gesehen, 
80 Das wir uns theten zuher neben. 

Das wir dich mit trost theten laben? 

Wir wissen nit, wenn wir dient haben 

Mit solchen guten werckn umb dich. * 

Der Herr spricht : 

85 Warlich, warlich, euch sage ich: 
Was ir habt einem thon allein 
Unter den ringsten brüdern mein, 
Dasselb habt ir mir selb gethan. 
Darzu ich euch erwelet han 



425 

Und euch versünet auch mit Got 
Durch meinen unschuldigen todt, 
Das ir auff gnaden all geleich 
Solt mit mir leben in meim reich. 

Der enge! Qabriel spricht mitt auffgehaben henden für die 

anderen engel alle: 

Herr, deiner miltreichen gut 

Frewt sich das engelisch gemüt, 

Daß du dich hast in todt ergeben, 
10 Auff das die menschen mögen leben 

Dort in dem himelischen sal, 

Darmit erfüllet werdt die zal 

Unser, der guten engel, allen. 

Weil in dem anfang ist gefallen 
15 Luciper mit seiner gsellschajQft 

Und in die tiefen hell gestrafft. 

Adam feilt auff seine knie mit auffgehaben henden, spricht: 

Ich Adam, der erst mensch und man, 

Hab die aller-gröst sünd gethan, 
20 Das ich brach das Gottes gebot. 

Deß starb ich auch im geiste todt 

Und bracht auch gantz menschlich geschlecht 

In den fluch der götlichen echt. 

Das wer «ambt mir ewig verlorn, 
25 Wo wir nit wern erlöset worn 
[K 3, 1,510] Durch dein todt, heiliger haylandt! 

Deß wollen wir dich allesandt 

Dort frölich loben nach der zeit, 

Dir dancksagen in ewigkeit. 

Eva hebt auch kniet die hendt auff unnd spricht: 

Ich Eva bin ein mutter worn 
Menschlichs gschlechts und hab Gotes zorn 
Und fluch verdienet nach meim fraß. 
Da ich die verbotten speiß aß, 
85 Da in mein gmüt und sinne kam 
Eigne lieb und ungehorsam, 
Dardurch ich geistlich war gesterbet, 
Solch gotlosigkeit hab geerbet 



AufT 111 (anschlich gsclileclit, biß als doch kam 
Du, dei- gebenedeyot saiu, 
ChriHte, du einiger haylandt, 
Der uns iöst nuß der sttnden bandt, 
i Durclj dein todt uns anD gnaden gebe 
Dort cwigklich mit dir m leben. 
Ueli fiewet sieb seej, bertz und gmüt 
]']"ig deiner trew, milt und gut. 



1 



der könlg:, kniet mit aufi^ehaben liendeu unnd spricbt: 
10 Ich kling David ein Sünder was. 

Erzürnet Gott auch ubermaß. 

3Iit ßatliseha mein eh ich bracli. 
iSi] Kicht an durch verräterey hernach, 

Das man dem frommen Üriam, 
15 Irom olimann, sein leben nam. 

Und aber die groben mortstück 

lücht ich an nucli melir ungelOck. 

Auß liofTart ich den Joab hieß, 

Mehl haahtman, das volck zelen ließ, 
si\ Darniit ich hoch erzürnet dicli; 

^Ver auch verloren ewigklich, 

Wenn du nit auß erbarmung dein 

Hetgl rhu geben dem bertzeii mein, 

D;is icli mein siindt bekennet het 
iö Und ,:jiiiult bey Gott erlangen tliet. 

Bin ;mß genaden selig worn 

Und zu dem leben außerkoro. 

Doü sey dir danck, lob, preiß und ehr 

Ilewt cwigklich und immer mehr! 

;hcus hebt auch kniet sein heiide auff und Bpriobt; 

Teil Zacheus ein zolner war, 
Kill iiffner sÖnder gantz und gar, 
Sal.' im reicli und unrechten gut. 
War auch würdig der helle glut. 
:ir. Im. Iiayjandt, aber lialffst mir auß 
lud kämest selber in mein hauß. 
Ti(.>riir,-t mein hertz mit dein genaden, 
]>;is ich wurdt unrechte guts entladen. 
Ciih nidcr, wen ich het betrogen. 



427 

Wart also durch den geist gezogen, 
Das ich aaß teilt mein gat den armen. 
Also, herr, durch dein milt erbarmen. 
Dein als deß einigen haylanden, 
5 So kam ich auß deß fluches banden, 
Darinn ich ewig wer verzaget. 
Deß sey dir ewig danck gesaget! 

Maria Magdalena kniet mit auf gehaben henden, spricbt: 

Ich Magdalena dir bekenn: 
10 Die gröst Sünderin ich mich nenn 

In alle unzncht gar vermessen. 

Siben böß geist hettn mich besessen. 
[K 3, 1,511] In dem woUust war ich ertruncken, 

War in der hell zu grundt gesuncken. 
15 Hetst du mich nit mit rew anztlndt 

Und mir vergeben meine sündt, 

Mich auffgenommen zu der büß, 

Als ich dir weiuent fiel zu fuß. 

Wusch dein füß mit mein trähern klar 
20 Und trücknet die mit meinem har, 

Meinthalb ich blieben wer im todt. 

Deß sag ich dir, mein Herr und Got, 

Lob, ehr und preiß, zier, danck und rhum. 

Ewig in deinem kaysertumb. 

Der recht Schacher am creutz, spricht kniet mit auffgehaben 

henden : 

Jeßmas, der schächer, bin ich genant. 

Der dir hieng zu der rechten haudt, 

Jesu Christe, du Gottes söhn! 
80 Kein guts hab ich mein lebtag thon. 

Ich hab geraubet und gemört. 

Ich het strax in die hell gehört, 

Wenn du nit in deins todtes schmertzen 

Auß barmhertzig senfftmütign hertzen 
35 Mich hetst auf gnomen freuntlicher weiß, 

Verheissen mir das paradeiß 

Auß lauter gnaden, gunst und huldt, 

Gantz unverdient und unverschuldt. 

Wie kan ich solcher guthat dein 



428 

Ewigklich gnagsftm danckbar sein. 
Das ich sol werden aaGenrelt 
Und dein heiligen zo gesell? 

Sanct Paulos kniet and apridit: 

5 Panlos bin ich, der erster zeit 
Verrolget hab die Christenheit, 
Dein heylign bracht zom tod onghewr. 
Het wol verschnldt das ewig fewer. 
ledoch hab ich nach knrtzer zeit 

10 Bey dir eriangt barmhertzigkeit 
Und vergebnng all meiner sündt 
Und hab nach dem dein gnad verkündt 
Unter den hayden hin and her, 
Darmit erstanden groß gefer. 

15 Doch hast mir Ton den grimmen wolffen 
Gar gnedigklichen anß geholfifen, 
Unverdient, anß lanter genaden. 
Und thnst mich in dein reich aoch laden, 
Darinn zn leben ewigklich. 

20 Wie kan dir gnng dancksagen ich? 

Der Herr spricht: 

Ir anßerwelten, mercket mich! 

Ench habe anßerwelet ich 

Und geben den himlischen segen 

25 Gar nit von ewer wercke wegen, 

Dieweil kein menschlich werck anff erdt 
Der Seligkeit ist wirdig nnd werdt, 
Weil kein werck ist recht war gmndt-gnt, 
Dieweil noch allzeit fleisch und blut 

30 Hanget daran nach seiner art, 
Etwan ein geistliche hoffart, 
Ein Unlust oder ein vertmß, 
Dardurch das werck verderben muß. 
Thet ir die werck gleich gut und recht, 

35 Werdt ir doch nur unütze knecht 
Und hett auch nur allein getban, 
Das ir wert schuldig gwest voran. 
Darumb all menschen-werck der zeit 
Sindt vil zu ring der Seligkeit. 



429 

Derhalb allein seligen that 
Mein sterben und anschuldig blut, 
Welches allein ich schenck und gieb 
Meinen außerwehlten auß lieb, 
[K3, 1,512] Erbannung, trew, gute und gunst, 
Auß lautter gnaden gar amb sunst. 
Also auß gnadt ir selig werdt, 
Nicht auß ewern wercken auff erdt, 
Das mir allein beleih die ehr, 
10 Der selig mach, und niemandt mehr 
Unter dem gantz himlischen beer. 

Die seligen stehn alle auff unnd tretten zum Herren. 



Actus 5. 

Der ehrnholdt kombt unnd spricht: 

15 Zum fftnfften hört, ir Christen, hie. 
Wie hart Moses verklaget die 
Gotlosen sünder gegen Got, 
Helt in für die zehen gebot 
Und das gsetz in für äugen stellt, 

20 Von stück zu stück in das erzelt, 
Wie sie all lagen in wollust 
Und in all andern lästern snst. 
Einer in dem, der ander in diesen. 
Darmit werdens all überwiesen, 

25 Das sie alle haben gesundet 
Und Gottes zorn an gezündet. 
Darauff ein urteil er begert; 
Dieweil sie unden auflf der erdt 
So unchristlich haben gelebt, 

30 In allem wollust ob geschwebt. 
So sol er sie auch allesammen 
Mit dem ewigen fluch verdammen 
In der hellischen fewerflammen. 

Der ehrnholdt geht ab. Der Herr spricht: 

[A3, 1,255] Wer klagt nun hie die sünder an. 
Der trett hieber auff disen plan, 



430 

Das ich in aacb tha artbeil geben, 
Nach dem sie au£f erdt theten leben! 

Mose tritt herfür mit der tafel, neiget sich und spricht: 

da strenger richter gerecht, 
5 Ich Mose bin deß gsetz ein knccht, 

Der ich anff dem berg Sinay 

Entpfinge die gebott albie, 

Von dem mundt Gottes außgesprochen. 

Die haben fräveniich gebrochen 
10 Die sttnder hie, die klag ich an, 

Die wölst nit ungestraifet lan 

Mit dem flach and ewigen todt. 

Erstlich das sie den einign Got 

Allein soltn förchtn, liebn aud ehrn, 
15 Die theten sich doch all abkern 

Von Gott, dem iren schöpfer par, 

Za der eytelen creatur, 

Haben seim heilign wort nit glaabt. 

Ihn seinr götlichen ehr beraubt, 
20 In hoffnang im nit bloß vertrawt. 

Ein theil auff ir reichtumb gebaat, 

Eins theils aaff gwalt und herrligkeit, 

Eins theils weib und kindt diser zeit 

Für Got geliebet and geehrt, 
25 Eins theils zu abgöttrey sich kert, 

Anbett golt, silber, boltz und stein 

Und auch dasselbig nit allein, 

Sonder braucht segn und zauberey, 

Schätz-graben, dergleich phantasey, 
30 Mit teuifel-banncn, wettermachen 
[K3, 1,513] Und dergleich unchristlichen sachen 

Und sindt mit solchen stucken allen 

Vom rechten glauben abgefallen, 

Dich und ir tauff verlaugnet mit. 
85 Herr, das laß ungestraffet nitl 

(Da« ander gebot.) 

Zum andern haben sie on schäm 
Mißbraucht deinen heiligen nam 
Und theten den größlich unehrn 



481 

Mit irem gotslestern und schwern 
Bey deiner marter, leiden und sterben, 
Darmit da in thetst gnadt erwerben 
Bey deinen wanden, fleisch und blut, 
5 Bey deiner onmacht und demut, 
Bey deinen gliedern und deim endt 
Und bey dem heylign sacrament, 
Ey gröber yil und unbescheiden, 
Als wercns Juden, Türckn und hayden. - 

10 Etlicb haben on unterscheidt 
Geschworen auch vil falscher eidt, 
Darmit bestattet ire lügen, 
Darmit den frommen zu betriegen. 
Dergleich haben etlich all tag 

15 Gewünschet vil grausamer plag, 
Iren nechsten, auch an-zustossen 
Gech endt, pestilentz und frantzosen. 
Etlich dein nam auch zu unendt 
Haben on nutz und not genendt, 

20 In schimpf und spot dein thon gedencken, 
In groben leichtfertigen schwencken, 
Den man allein zu Gottes ehr 
Sol brauchen, sonst zu nichten mehr. 
Derhalb so straff, gerechter richter, 

25 Und sey deiner lestrung ein schlichter! 

(Das dritt gebott.) 

Zum drittn klag ich: der gotloß hat 
Auch verunheiligt den sabath, 
Gebrochen den an manchem ort, 

30 Daran sie dein heyliges wort 
Solten hören mit allem fleiß 
Und Got dienen in aller weiß, 
Ini hertzen feyem den sabath, 
Gar keiner sünde geben stat. 

35 Solchs alles haben sie veracht 
Und auß geitz ir arbeit verbracht. 
Auch darzu genöt maidt und knecht. 
An dem gotswort verhindert schlecht, 

18 5, 210. 9, 201. 



I 



433 

Eins theils mit kaaffen und verkanffen, 

Auff meß und märck r eilten und lanffen, 

Eins theils außfnrn und spaciertn, 

(]ins theils schlembtn und panckatiertn, 
5 Eins theils stachen, fachten und rungen, 

Tantzten, jagten, Schüssen und Sprüngen, 

Eins theils die sassen ob dem spil, 
^ Brachen also der sabat yil. 
f Durch sie ^art hinlessig versambt 
10 Die predig und götlichcn ambt. 

Doch sindt etlich zu kirchen gangen 

Allein zu hoffart und zu brangen 

Und das gar on alle andreht, 

In welchem sie haben verbracht 
15 Mehr sündt und grosser ubelthat 

An deinem heyligeu sabath, 

Denn sonst durch-auß die gantzen wochen. 

Wie künst das lassen ungerochen? 

Darumb straff die Sünder unghewer 
20 Mit dem fluch und hellischem fewer! 

(Das viert gebott.) 

Zum viertn anklag ich die verkerten. 

So vatter und mutter nit ehrten, 

Nit gevolgt irer guten lehr, 
[K 3, 1,514] Sonder sindt gwest unghorsam mehr, 

Verachtn gantz ir trewe zucht, 

Sie auch gescholten, ihn geflucht. 

Eins theils habn ir eitern geschlagen, 

Theten als ubels in nach sagen. 
80 Auch theten sie ir eitern hassen. 

Eins theils theten sie gar verlassen, 

In nöten ihn gar halffeu nit, 

Verachten ire fleh und bitt. 

Im alter habens ir gespott, 
35 Welche sie doch mit angst und not 

Gehörn haben und ernchrt. ^| 

Eins theils haben auch grob unehrt 

Auff erden iro obrigkeit. 

Widerspenstig gewest allzeit, 
io Ihn übel nach geredt und gschmecht, 



433 

Yeracht all billigkeit and recht. 
Derhalb tha die scbendtlich gotlosen 
Durch dein urlheil gen helle stossen ! 

(Das fiinfft gebot.) 

5 Zum fünfftn anklag ich der Sünder rott: 
Auff erdt schlngens die leut zu todt, 
Vergossen vil menschliches blut 
Auß einem rachseligen mut 
Und mörten auß grimmigem zorn. 

10 Eins theils theten grimmig rumorn, 
Brachten ir gemahel umbs leben, 
Mit dem schwerdt und dem gift vergeben. 
Zu mörderey gabens auch statt 
Und zu todtschlagen rat und that. 

15 Auch hettens offt wol unterkommen, 

Die todschleg und schidbalb fried gnomen, 
Das sie aber nit haben thon, 
Sonder sie betten freudt darvon. 
Dergleich in solchem haderspil 

20 Haben sie ir erlemet vil, 

Auch etlich beraubt irer glider, 
Kein Vergeltung in thon hin wider. 
Etlich in krieg auch loffen hin 
Mit trutzig und verwegen sinn 

25 Auß blutdurstigem bösen lust. 
Auch etlich maidt und weiber sust 
Haben kinder heimlich verthan, 
Das unzeitig theten abgan, 
Oder in der gehurt ertödt, 

30 Erwtlrgt ir fleisch und blut on not. 
Auch hat der gotloß hauffen mehr 
Den menschen abgschnitten ir ehr 
Mit irer neidisch falschen zungen. * 
Dardurch manchem ist misselungen 
[A3, 1,256] Und im zu-gericht ein unglück 

Heimlich und dflckisch hinter rück. 
Darumb, o richter ghrecht und streng, 
Straff der gotlosen grosse meng! 

(Das sechst gebott) 
Hans Sachs. XL 28 



434 

Zum sechsten anklag ich den hauffen, 
Welcher der unkeusch nach thet lauffen 
Uuverschambt, die armen und reichen, 
Nit allein ledigs mit seins gleichen, 

5 Sonder ir vil auch teglich meh 
Gebrochen auch die iren eh. 
Inn der begierdt gantz blindt verbeitzt 
Hat eins das ander angereitzt 
Mit Worten, gsang und mit gebärden, 

10 Dieweil sie nocli lebten auff erden. 
Auch haben die alten und jungen 
Frawen und jungkfraweu notzwungen. 
Eins theils listig mit schwinden rencken, 
Eins theils mit verheissuug und scliencken, 

15 Eins theils mit briefn und cuplerey 
Und deß hofirens mancherley 
Frawen und jungkfraweu verfürt, 
[K 3,1, 515] Das Christenleuten nit gebürt. 

Die cuplerin durch miet und gaben 

20 Solche hüben behauset haben, 
Haben durch solch gotlose gschicht 
Manch gotlose eh zugericht. 
Etlich haben sich auch anzündt 
Mit der sodoroittischen sündt. 

25 Derhalb, o richter streng und ghrecht, 
Straff dafumb das unztichtig gschlccht! 

(Das sibent gebot.) 

Zum sibenden klag nnverholn, 
Das diser hauff auch hat gestoln 

SU Dem seinen nechsten gelt und gut 
Gantz dückisch auß geitzigem mut, 
Dergleich auch sonst das sein abzogen, 
Ihn übervorteilt und betrogen, 
Eins theils im kauff mit böser waiir, 

35 Etwan entwicht verlegen gar. 

Etlich braucht leicht gwicht, kurtze ein, 
Mit über-rechnen, über-zeln 
Theten auch ir nechsten betriegen. 
Mit über-reden, schwern, auch liegen. 

40 Etlich theten ir schuldt ablangen 



4^5 

Und schwären sie in auß den aagen. 

Etlich machten auch falsche niüntz, 

Beschnitn, etztn darvon manch ttntz. 

Etlich mit schwinden wucher-stücken 
5 Thetn irn nechstn untertrücken. 

Etlich auff-kaufften tiher jar 

Wein, körn und allerley wahr, 

Darmit sie machen ein auffschlag. 

Deß fürten die armen groß klag. 
10 Etlich theten staigern, verthewern 

Ir haußzinst in heusern und schewcrn. 

Etlich ir handwercksleut auch zwungen, 

Ir arbeit auffs wolfeilst abtruugen. 

Etlich habn auch ab brechen thon 
15 Taglöner und ehaltn lidlon. 

Solliche sündt gen himel schreit. 

richter, straff nach ghrechtigkeit ! 

(Das acht gebott). 

Zum achten, o du richter streng, 

20 Klag ich an die gotlosen meng, 
Die offt haben in allen landen 
Der unghrechtigkeit bey gestanden. 
Beide vor rath und auch gericht, 
Durch falsche zeugnuß gar entwicht, 

25 Dardurch die warheit ist allwegen 
Und gerechtigkeit unter glegen. 
Etlich aber als richter sunst 
Auß neidt, forcht, gäbe oder gunst 
Falsche urtheil gefellet haben 

30 Und dem ungerechtn gwonnen gaben. 
Ir etlich auch auß untrew tieff 
Haben gmacht falsch sigel und brieff. 
Auch haben etlicli in irem leben 
Iren nechsten auft fleischbanck geben 

35 Durch mewtrey und veiTätrey. 
Ir vil haben die warheit frey 
Mit der schnöden lügen verblümbt, 
Auch etwan heuchlerisch gerümbt 
Das arg und übel auff der erdt, 

40 Das doch war keines lobens werdt. 

28* 



436 

Herr, laß gehn dein streng gericht 
Über der warbeit feindt entwicbt! 

(Das neunt gebot). 

m 

Zum neunten, strenger ricbter, hie 
5 So klag ich an auch alle die, 
Welliche unten auff der erdt 
Hat gelust und haben begert 
[K 3, 1,516] Irer necbsten standt, ambt und wirrd, 
Habens auß neidiger begierdt 
10 Den nachgestelt mit listing rencken, 
Mit heimlichen gaben und schencken 
Und auch mit gwalt sich eingetrungen. 
Manchem durch schalckeit ist gelungen. 
Dergleich der gotloß hauffen hat 
15 Darzu auch geben rat und that, 
Das man also spil der untrew 
On alle gotsforcht, schäm und schew 
Wider dein gsetz, der lieb gebot. 
Deß straff sie mit dem ewign todt! 

20 (Das 10 gebott). 

Zum zehenden klag ich dir klar 
über dise gotlosse schar. 
Der mancher unten auff der erdt 
Seins necbsten gmahel bat begert, 

25 Hat ir auch heimlich nach gestelt, 
Auff das er sie an ehren feit. 
Auch wider billigkeit und recht 
Begert seins necbsten maidt und "knecht. 
Die selben wollen spennen ab 

so Auch all sein viech, reichtuinb und hab. 
Seines necbsten begert da nieden 
Und hat in auch darumb genieden. 
Ist im darumb wordn feind und gram. 
ricliter, die stück alle sam 

9? Gehören keinem Christen zu. 
Derhalb ein urteil feilen thu! 
Nach deinem gesetz sie heimsuch 
Mit dem ewigen todt und fluch 
Und tilg sie auß deß lebens buch! 



437 



Mose neigt sich und geht ab. 



Actus 6. 

Der ehrnholdt kombt unnd spricht: 

Zum sechsten wert ir kurtzer zeit 

5 Hören, wie beide obrigkeit 
Von dem teuffei verklaget werdn, 
Wie dass sie nieden auflf der erdn 
Haben das übel nit gestrafft 
Mit wort und wercken gar standthafft, 

10 Das die sündt wer vermitten blieben, 
Sonder haben auch selb getrieben 
Stlndt und laster in irem leben 
Und groß ergernuß mit gegeben, 
Darmit geärgert manche seel, 

15 Sambt in bracht in abgrundt der hell. 
Nach dem heist Christus iederman 
Rechnung von seinem leben tban. 
Da antwort im der Sünder schar 
Gotloß in sündt verzweivelt gar, 

20 Hertneckig, verstockt und verbost 
Und sich selb on hoffnuug und trost 
Verurteilt in seim eigen gwissen. 
Drauff ist Beelzebub geflissen. 
[A3, 1,257] Bitt den gerechten richter streng 

25 Umb ein urteil der gantzen meng, 
Das er sie all gen helle breng. 

Der ehrnholdt geht ab. Der Herr spricht: 

Gib antwort, weltlich obrigkeit! 
Weil ich dir gab zu deiner, zeit 
30 Das schwerdt und gewalt in dein handt. 
Das du solt schützen in deim landt 
Die guten und die bösen straffen. 
Wie das du es als hast verschlaffen, 
[K 3, 1,517] Das so vil ubels ist geschehen, 

35 Wie denn letzt Moses hat verjehen! 



438 



Der könig schawt untersloh und schweigt. Lucifer tritt her- 
für unnd spricht: 

Herr, das wil ich dir wol sagen. 

Weltlich Obrigkeit in den tagen 
5 Hat allein braucht ir gwalt und schwerdt 

Zu irem eigen nutz anff erdt, 

Vil krieg gefürt auff erden weit 

Wider Gott, recht und billigkeit, 

Allein auß trutz, stoltz and hochmut 
10 Vergossen vil menschliches blut 

Mit morden, rauben und mit brandt, 

Auch mit gar tyrannischer handt 

Die landt verderbet und bezwungen, 

Auch ir arm volck vertruckt und trungen 
15 Durch vil stcwer und schwer auffsetz, 

Darmit zu mehren ire schetz, 

Darmit zu füren grossen bracht 

Sambt irem hoffgsindt ungeschlacht. 

Die selben raubten auif der straß, 
20 Das niemand t sicher vor in was. 

Darzu sie durch ir finger sahen. 

Ir heuchler in als billich jähen, 

Was sie theten, wer gut und recht. 

Bey in findt man allerley gschleclit 
25 Finantzer, schmaichler, die allzeit 

Hinterten die gerechtigkeit, 

Derhalb ir schwerdt gar wenig schnit. 

Achten deß armen hauifens nit, * 

Was der zu in thet klagn und gelffen. 
30 Darzu thet ich gar redlich helflfen 

Und blicß in ein tag unde nacht, 

Das nur vil Unrechts wart verbracht. 

Deß gib ZU urteil, das die herrschaflft 

Dort ewigklichen werdt gestrafft! 

Christus spricht zum bischofT oder prelaten: 

Gib antwort für den geistlichn stand, 
Wie das du nit solch sündt und schandt 
Selb hast gestraffet durch mein wort. 
Durchs gsetz getrowet an dem ort 



439 

Und auff mein streng letztes gericht, 
Das als wirt kommen an das Hecht 
Beide der ghrecht und ungerecht 
Bey dem gantzen menschlichen gschlecht, 
5 Darmit du sie zu büß hetst trieben, 
Da vil sündt werden unterblieben. 
So sie büß betten angenommen, 
So weren sie zu gnaden kommen 
Und wern versönt worden mit Got 
10 Durch meinen unschuldigen todt. 
Sag! warumb hast dein geistlich ambt 
Bey gantz menschlichem gschlecht versambt ? 

Der bischoff oder prelat sieht untersich , schweigt still. Der 

Sathan tritt herfür und spricht : 

15 strenger richter, das weiß ich wol. 

Der geistlich standt der steckt zu vol 

Geltgeitz und ehrgeitz, acht nit sehr 

Auif erden der christlichen lehr. 

Sonder, wie sie erlangen frey 
2) Feist pfründt, pfarr, bistumb und abtey. 

Heucheln fürsten und herren sehr. 

Mit zu erlangen reichtumb und ehr, 

Doch als mit gleißnerischen art. 
[K 3, 1,518] Sie plaget die geistlich hoffart. 

25 Auch war ir gotsdienst änderst nicht, 

Denn allein auff den geitz gericht. 

Mit den stifften und den seelmessen 

Habens der witwen hewser gfressen. 

Anaten, ablaß, opfer und pon 
30 Das trug in all mal guten lohn. 

Sie sindt hirten auff erden worn,' 

Haben aber die schaf nur gschorn 

Und gemolcken biß auff das blut, 

Sic nit geweiden wol und gut 
35 Mit reiner lehr dem Gottes wort. 

Sonder haben an manchem ort 

Eingmüscht vil menschen gsetz und fündt 

Und heiliger schrifft ungegründt, 

6 ? weren. 23 K gleyßnerisoher. 



440 

Darmit abgfart den gmeinen mann 

Von Christo und seim leiden fron. 

Anff eigne werck sich haben geben, 

Darmit zu verdienn ewigs leben. 
5 Dergleichen, Herr, ich auch gedenck 

Der geistlichen neidigs gezenck. 

Da ieder will der glehrtest sein. 

Suchen ir ehr und rhum allein 

Und darinn wenig Gottes ehr. 
10 Mit irer spitzfOndigen Jehr 

Brachten den layen vil ärgernuß, 

Das sie nit kamen zu der büß, 

Verachten sie sambt irer lehr, 

Dieweil sie stätigs zanckten sehr. 
15b Auch fürten sie ein sträflich leben, 

Theten vil ärgernuß auch geben. 

Dieweil sie bey all iren tagen 

Selber in grosser Unzucht lagen, 

Dacht der gmein mann derhalb, es wer 
20 Die sündt nit also groß und schwer. 

Weil es die geistlichn selber theten. 

Der sündt auch selb kein abschew betten. 

Blieben also verstockt darinn, 

Wurden stäts ärger denn vorhin. 
25 Derhalb die blinden hirten straff. 

Die dir verfürten deine schaf! 

Gib in auch den hellischen lohn. 

Den sie auif erdt verdienet hon! 

Der Herr spricht: * 

80 Nun, du gotloser grosser hauff, 

Nun gib du auch antwort darauff 

Auif Mose vilfaltige klag, 

Wie du auff erden deine tag 

Hast zu-bracht mit deim sündign leben! 
35 Ieder tliut für sich rechnung geben. 

Das ich hernach ein urteil feil 

Den über beide leib und seel. 

Die verdambten schlagen ir hend ob dem koi>ff zusammen, 
haben vil kläglicher geberdt. Sin seel o-ntwort für sie alle: 



441 

strenger richter, von unserm leben 
Können wir dir kein rechnung geben. 
All unser gedanck, wort und that 
Sich als gotloß verloffen hat. 
5 Wir habn gebraucht all creatur 
Auff erdt zu unserm wollust nur 
On all gotsforcht nach fleisches trieb 
Wider deß nechsten trew un(J lieb 
Und haben gantz veracht darneben 
10 Dises zukünftig ewig leben, 

Auß deinem wort trieben den spot, 
Nit glaubt noch gehofft in dein todt. 

[A3, 1,258] Derhalbeu wir an unserm endt 
Verzaget und verzweiflet sendt 
15 An deiner gnadt und barmhertzigkeit, 
Die uns doch wer gewest bereit. 
Deß werdt wir letzt in unserm gwissen 

[K 3, 1,519] Von dem hellischen fluch gebissen, 
Urtheilen uns selber allsambt, 
20 Zum ewign todt werdt wir verdambt. 

Der teuffei Beelzebub tantzt herfür unnd spricht: 

richter, es ist hohe zeit. 

Das du nach strenger ghrechtigkeit 

Ober und unter arm und reich, 

25 So gotloß sindt gewest all gleich, 
Fell ein urtheil den feinden dein, 
Weils dir undanckbar gwesen sein 
Deinem bittern leiden und sterben, 
Darmit du in thetst huldt erwerben, 

30 Das sie nie hertzlich haben glaubt. 
Derhalb sie billich werdn beraubt 
Deins angesichts und deß ewign leben 
Mit den außerweiten zu geben. 
Sonder verstoß sie ungehewer 

35 Ins unableschlich hellisch fewer, 
Darinn ir wurm ewig nit stirbt, 
Auch kein genadt ewig erwirbt 
On all h Öffnung in weh und klag. 
Das sie niemandt erlösen mag, 

40 Da sie der ewig todte nag! 



442 



Beelzebub tritt f^ölich ab. Die verdambteu seel stellen sich 

kläglich. 



Actus 7. 

Der ehrnholdt kombt und sprioht: 

5 Zum sibenden wirt zu der zeit 

Aufftretten die Barmhertzigkeit, 

Wirt für die Sünder thon ein bitt, 

Das sie Gott wöU verdammen nit 

Und urtheiln zu ewigem schaden, 
10 Sonder sie nemen noch zu gnaden. 

Nach dem auff-tritt die Ghrechtigkeit, 

Mit Worten scharpf das widerstreit, 

Der Sünder hab mutwillig versambt 

Die gnadt, darumb billich verdambt. 
15 Auff das Christus an dem gericht 

Den Sündern ein streng urtheil spricht, 

Das sie all müssen gehn hinein 

In die ewig hellisclien pein 

Mit allen teufifeln, ob der plag 
20 Füren die verdambten schwer klag. 

Nach deVn sie die teufel mit gschell 

Füren in den abgrundt derliell. 

Christus die außerweiten schar 

Fürt denn mit allen engein dar 
25 Mit freud und jubel ßXle gleich 

In seins himlischen vatters reich, 

Mit im zu leben ewigkleich. 

Der ehrnholt geht ab. Die Barmhertzigkeit tritt für den rieh- 

ter, neigt sich unnd spricht: 

so Du höchster rieh ter, milt und gütig, 

Der du warst ie und ie senfftmütig, 

Ich, die götlich Barmhertzigkeit, 

Die bey dir wohnt in ewigkeit. 

Ich bitt dich, durch die gute dein 
35 Wölst den Sündern gnedig sein, 

Sie nit verdammen ewigklich, 



443 

Sonder sie hie straffen zeitlich, 

Weil in die sündt wart angeborn, 

Darzu auch sin dt gereitzet worn 
[K 3, 1,520] Auff erdt täglich durch den Sathan, 
5 Und wollest darinn' sehen an. 

Weil sie das gschöpff sin dt deiner handt, 

Für die du, einiger hayland, 

le selb hast der weit sündt getragen. 

Bist für sie an ein creutz geschlagen, 
10 Hast dran erlittn den bittern todt 

Und dardurch versOnet mit Got 

Der Sünden halbgantz menschlich gschlccht. 

Erlöset und gemacht gerecht 

Und bist der einig mitler ^Yorn. 
15 Warumb solt diß als sein verlorn 

An diser armen Sünder schar i> 

Stell sie zun außerweiten dar! 

Laß sie auch leben ewigklicli 

Mit allen engein! bitt ich dich. 

Die Gerechtigkeit tritt mit einem blossen schwerdt herfür und 

spricht : 

Gerechter richter, das sey weit! 

Wo blieb Gottes gerechtigkeit. 

Von der sagt das gsetz und dein wor4, 
25 Das dem sünder an manchem ort 

Trowet sein ewiges verderben, 

Wicwol du für den sündr thetst sterben? 

Weil aber sie lebten auff erdt, 

Habens deiner guadt nicht begert, 
30 In dein todt nit gehofft noch glaubt, 

Haben sich der gnadt selb beraubt, 

Sin dt verstockt in Sünden gelegen, 

Wicwol sie täglich und allwegen 

Die guten engel theten warnen 
«5 Vor der Sünden schedlichen garnen. 

Dergleich hat sie vermant die predig. 

Durch büß werden der Sünden ledig, 

Weil noch hey in het statt und zeit 

Die götliche barmhertzigkeit. 
40 Das haben sie doch als verlacht, 



444 

Verspott, verhönet und veracht, 
Die gnadt nit wollen neraen an 
Und blieben in der sündt fortan 
On rew und büß, darumb sie heint 
5 Werden billich als Gottes feindt 
Verdammet in abgrandt der hell 
On all barmung mit leib und seel. 

Der ertzengel blast die posaun. 19'ach dem spricht er: 

Nun tret herbey der Sünder schar 
10 Und höret das letzt urteil klar, 
Da eim ieden, wie er thet leben, 
Der gerecht richter Ion wirdt geben! 

Die ander seel der verdambten schlecht die hendt ob dem 

kopfif zusamen und spricht kläglich: 

15 Weh der eilenden Zuversicht! 

Sol wir gehn für das streng gericht? 

Mose hat uns durch das gesetz 

Verklagt, auch der Sathan zu letz 

Hat uns vor dem richter versagt, 
20 Unser eign gwissen uns anklagt, 

Auch hat uns die Gerechtigkeit 

Gottes milte barmhertzigkeit 

Vor dem richter gar abgeschlagen. 

Wie soll wir denn das urtheil tragen? 
25 Ir berg fallt und thut uns bedecken! 

Thut uns im augeiiblick erstecken. 

Das wir wider zu nichte werden. 

Als wer wir nie kommen auff erden! 

[E3, 1,521] Die verdambten trotten hinzu. Der Herr feilt das 
so urtheil unnd spricht: 

Nun hört das urteil, ir verfluchten. 
Vermaledeiten und verruchten, 
[A3, 1,259] Sonder geht in das hellisch fewer, 
Das euch bereit ist ungehewer, 
35 Dem teuffei und all seinen engein. 
Da auch wir aller freuden mengein! 
Weil ir mich verlaugnet all stundt 
Vor den menschen mit handt und mundt, 



445 



So m\ ich euch auch nit bekennen 
Vor meinem vatter, selig nennen. 
Bey euch auff erdt ich hungrig war, 
Bloß und wol halber nacket gar, 
5 Kleid ir mich nit; war kranck und gfangen, 
Da ist ewr keiner zu mir gangen, 
Der mich tröst het oder gelabet. 
Weil ir nun mein verlauguet habet, 
Wil ich ietzundt auch ewer nicht. 
10 Weicht baldt von meinem angesicht! 

Die dritt verdambt seel spricht: 

Ach Herr, wenn hab wir gsehen dich 
Auff erdt durstig und hungerig. 
Ein gast, nacket, gfangen und kranc^, 
15 Das wir dir nit dienten zu danck? 

Christus spricht: 

Ey, was ir den minsten voran 
Auß den meinen nit habt gethan. 
Das ist auch nit geschehen mir. 
20 Darumb weicht alle von mir schier! 

Die viert verdambt seel spricht : 

Herr, hab wir nit bey unsern lagen 

In deinem namen thon weissagen? 

Wir sindt bey deiner predig gsessen, 
25 Haben vor dir truncken und gessen 

Und darzu teufel trieben auß. 

Wir stifften pfründt, kirchen und klauß. 

Umb ablaß thet wir wallen gau 

Und sonst auch grosse thaten than. 
30 Hab wir dann nichts verdienet mit? 

Christus spricht: 

Geht von mir! ich kenn ewer nit. 
Und weicht von mir, ir ubelthäter, 
Heins vatters willen ubertretter! 
35 Ir habt kein theil in meinem reich 
Noch an meim leiden ewigkleich. 



446 



Die fiinfit verdambt seel spricht : 

Weh uns und das wir sindt geborn! 
Ist denn an uns armen verlorn 
Gottes gnadt und barmhertzigkeit 
5 Und sein todt, den er für uns leit, 
Und müssen alle sein verdambt ? 
Ach, wie schendtlich hab wir versambt 
Die genadreicben edlen zeit, 
Die uns Got gab auß gütigkeit! 

10 Het uns zu gnaden gnommen an, 
So wir nur büß betten getban; 
Da sindt wir verstockt und verwegen 
In den schnöden Sünden gelegen, 
Mutwillig versaumbt Gottes huldt. 

15 Solcbs ist ie allein unser schuldt. 
Das ist der wurm, der uns thut nagen 
In der bell zu ewigen tagen. 
Mit nacbrew und klag ewigklich, 
Das billich bimel und erdtrieb 

20 Und die creatur allesamen 

Uns belffen urteiln und verdammen 
Und alle räch über uns schreyen, 
[K 3, 1,522] Das wir rechtlich verdammet seyen 
In der ewig hellischen pein, 

25 Da uns ie nit köndt würser sein 
Da wir all augnblick sterben sehr. 
Können doch sterben nimmer mehr. 
Bleiben on hoffnung, trost, ellondt. 
Weh uns, das wir geborn sendtl 

80 Verfluchet sey die nacht vergangen. 
Darinnen wir werden entpfangen! 
Verflucht seindt die leib, die uns trugen! 
Verflucht sindt die brüst, die wir sugen! 
Verflucht sey, der uns unrecht lehit! 

85 Vei-flucbt sey, wer nit strafft und wehrt! 
Verflucht sey, der gab räum und stat 
Zu Sünden und unrechter that! 
Verflucht sey unser gelt und gut! 

31 K worden« 



447 

Verflucht sey unser fleisch und hlut, 
Das uns zu wollust hat gereist! 
Verflucht sindt all hellische geist, 
Die uns zu vil laster und Sünden 
5 Durch anfechtung theten anzünden! 
Verflucht sindt wir selb allesambt 
Auß gerechtem urtheil verdambt! 

Der Herr sprioht : 

Lucifer, führ mit dein gesellen 
10 Die vcrdambten hinab gen hellen 
In deß ewigen todtes reich, 
Darinn sie bleiben ewigkleich 
Bey dir und der hellischen sdiar! 
Da Wirt sein kein erlösung gar. 

Iiuoifer tritt herfiir mit den andern teufiTeln unnd spricht: 

du gerechter strenger richter, 

Aller ubelthat wol ein schlichter, 

letzunder so sindt wir gewert. 

Das wir von anfang habn begert, 
20 Das wir möchtn bringen in Ungnaden 

Menschlich geschlecht in ewign schaden, 

Dieweil ich mit all mein genossen 

Sindt ab von dem himel Verstössen, 

Das nun menschlich gcschlecht gemein 
25 Mit uns muß leiden ewig pein. 

Die teuffei fürn die verdambten an einer ketten dahin. Die 

verdambten schreyen : 

We, we uns! ach und immer weh. 
Nun werdt wir ledig nimmer meh. 

Nach dem spricht der Herr zu den außerwehlten : 

Ir außerweiten allesandt,' 
Kombt her ins himlisch vatterlandt, 
Welliches heut von ewigkeit 
Mit allen engein ist bereit 
35 Mit frewden, die auflf erden vor 
Gehört hat keines menschen ohr 
Und auch kein aug nit hat gesehen, 



448 

Das auch kein zangen mag außjehen, 
Ist in keins menschen hertz nie kommen, 
Was Gott den anßerwelten frommen 
Wirt dort anß lautem gnaden geben 
5 Ein ewig und seliges leben, 
Welliches ich euch thet erwerben 
Durch mein gehorsam willig sterben. 
Weil ir gelaubet meinem wort, 
Steht euch offen der himel pfert. 
10 Darein ich euch selber beleit. 
Ich bin der weg und die Wahrheit 
In die ewigen Seligkeit. 

[E 3, 1, 52ä] Christus geht ab mitt den außer wehlten inn Ord- 
nung. Petrus geht vor mit einem grossen sohlüssel und singen : 

15 Christ ist erstanden. 

Der ehrnholdt kombt und beschleust: 

[A3, 1,260] So habt ir das tragedisch gedieht 

Vom jüngsten tag und dem gericht 

Alhie gehöret und gesehen, 
20 Wie das am endt der weit wirt gschchen 

In deß Herren letzten zukunfft. 

Den ernst begreiffet kein vemunfft, 

Kein menschlich hertz mag den außrechen, 

Noch weniger ein zung außsprechen. 
25 Wie schröcklich wirt der jüngste tag, 

Zeigt uns an Johelis weissag. 

Dergleichen zeigt an Petrus hell 

Am dritten der andern epistel, 

Deß Herrn tag werdt komen mit macht 
30 Eben wie der dieb bey der nacht, 

Da himel und erdt werden brinnen 

Und auch die dement darinnen 

Werden schmeltzen mit grossem krachen. 

Drumb soll wir Christen all zeit wachen, 
35 Uns bekeren mit rew und büß, 

Auff das, wenn nun erscheint Christus 

Am jüngsten tag an dem gericht. 

Das wir vor seinem angesicht 

Denn mügen stehen mit frolockung. 



449 

Weil sieb necbt unser erlösung 
Von weit, sttod, teuffei, hell und todt, 
Das wir denn ewigklich mit Got 
In seinem reich dort mögen leben, 
5 Das uns Gott auß genadt wirt geben 
Durch Jesum Christum, seinem söhn, 
Welcher für uns hat gnug gethon, 
Da ewig freudt uns aufferwachs. 
Das wünscht allen Christen Hans Sachs. 

10 Die person in die tragedi: 

1. Der ehrnholdt. 

2. Christus, der richter. 

3. Moses, der anklager. 

4. Michael, 
15 5. Gabriel, 

6. Baphaei, 

7. Uriel, 

8. Cherub, 5 engel. 

9. Adam. 
20 10. Eva. 

11. König David. 

12. Zacheus, der zolner. 

13. Magdalena. 

14. Paulus. 

25 15. Der Schacher am creutz. 

16. Die Barmhertzigkeit. 

17. Die Gerechtigkeit. 

18. Ein seel der außer weiten. 

19. Der priester. 

30 20. Der sterbendt sünder. 

21. Der Todt. 

22. Der könig oder fürst. 

23. Der bischoff oder prelat. 

24. Der burger. 

35 25. Der handtwercker. 

26. Der pawer. 

27. Luciper, 

28. Sathan, 

29. Beelzebub, 3 teutfel. 
40 30. Die erst, 

31. Die ander, 

32. Die dritt, 

Hans Sachs. X(. 29 







33. Di« V 


^^^^^H 


M. Di« f 


Terdammet ^^^^^^^| 


Aniii 


Q am tag Uaj. ^^^^^H 



451 



[K 3, 1,524] Ein spiel mit fttnf personen, der Todt 

im stock. 

Der engel geht ein unnd spricht: 

Hört, ir Christen, und schweiget still 
5 Und merckt ein erschröcklich beyspiel 

Von eim waltbruder und darbey ' 

Von verwegener mörder drey, 

Wie die all vier in einer sumb 

Brachten einander selber umb 
10 Ob eim schätz auß geitzigem mut. 

Welcher doch keinem kam zu gut, 

Welch beyspiel uns die alten eben 

Haben zu einem spiegel geben, 

Was Übels noch zu aller zeit 
15 Sich durch den schnöden geitz begeit 

Allerley art! Wo der regiert. 

Alle gotsforcht verachtet wirt 

Und bringt ein übel und unglück 

Das ander täglich auff dem rück, 
20 Wie das in dem beyspiel ist gschehen. 

Nun schweigt ! so werdt irs hörn und sehen. 

Der engel geht ab. Der waltbruder geht ein an einem steck- 
lein mit einem paternoster, spricht: 

Ich bin heut laug im walt umbtretten, 
25 Mein tägliche tagzeit zu betten. 
Wie ich das trieben hab fürwar 
Nun vast biß auff die dreissig jar, 
Hab ich Got dient in allen Sachen 
Mit vasten, betten und mit wachen, 

29* 



452 

Mit vil kestigung und hart liegen. 
Hab mich aller wollust verzigen, 
Darzu aller weltlichen ehr. 
Keiner reichtumb acht ich auch mehr. 
5 Allein mich noch erfrewen thut 
Gott, das aller-höchst und best gut. 
Nach dem allein thut mich verlangen. 
Ich hab mich müdt im walt umbgangen, 
Wil mich da setzn und haben rhu, 
10 Den waltvögelin hörn zu, 

Wie sie mit gsang den schÖpfer loben 
In seinem höchsten thron dort oben, 
Der in ir narung hat beschert 
Und alle creatur ernehrt. 

15 (£r setzt sich nider.) 

Da setz ich mich, ich merck gar wol: 
Diser stock ist inwendig hol. 
Ich wil auffstehn und sehen nein. 
Was darinn mag verborgen sein. 

Er steht auff, schaut hinein unnd spricht: 

Da ligt ein schätz; behüt mich Got! 
Warhaflft steckt darinnen der todt, 
Weil Salomon schreibt, das reichtumb 
Seim herren offt zu schaden kumb. 

25 Doch iederman reichtumb erweit 
Und im so begierlich nachstelt 
Beide mit recht und mit unrecht. 
Drumb wil ich in nit nemen schlecht, 
Auch nit lenger darbey verziehen, 

30 Sonder als vor dem todte fliehen. 

Er geht darvon, steht wider und spricht: 

Wie, wenn ich ein theil deß schätz nem 
[K 3, 1,525] Wo mir ein armer mensch bekem, 

Das ich in darmit möcht begaben, 
[A3, 1,261] Das er sich möcht speisen und laben, 

Das wer ie auch nit übel than. 

Ich will wider zum stock hin gan. 



453 



Er geht zum stock, greifft hinein, rauscht im gelt unnd spricht : 

Ich denck aber in meinem mut: 
Das geld im stock ist frembdes gut. 
Darvon kan ich kein almoß geben. 
5 Wil mich deß gleich verzeihen eben, 
Den stock mit dem schätz lassen stehn 
Und eilendt in mein zellen gehn. 

Der waltbruder geht ab. Die drey mörder kommen. Dißmas 

spricht : 

10 Wir haben lang kein pent erdappet. 

Qester betten uns schier erschnappet 

Die reutter und uns gfangen gnomen; 

Und wer wir in gefengknuß komen, 

So het es sich nit wol geschantzt, 
15 Man het uns aufif den scbinbein tantzt, 

Uns gelont unser mörderey. 

Barrabas, der ander mörder, spricht: 

Es waren fünff an unser drey. 
Botz Veiten, wir wem unterglegn. 
20 Drumb wolt wir warten nit den segn 
Und gaben gen holtz versen-gelt. 

Jeßmas, der dritt mörder, spricht: 

Ich bsorg, wir drey sind hart vermelt. 

Man wert uns lenger mehr nachstelln, 

25 Biß man uns doch gfengklich thu felln * 

Und uns darnach on all genadt 

All drey richte mit einem rad. 

Drumb wer zeit, wir Hessen darvon. 
« 

Dißmas spricht: 

80 du verzagter göckelman, ^ 

Weil mein mutter lebt, bin ich frey 

Vor gfengknuß durch ir zauberey. 

Botz Marta, wenns aufs ärgst thut gan, 

Ists umb ein böse stundt zu than. 
35 Als-denn hat endt all unser marter. 



454 

Jeßmas spricht: 

Ja, nit also, mein lieber zarter! 
Weist nit, das erst die arme seel 
Dort leiden muß die pein der hell, 
5 Das sie muß ewig sein verlorn? 

Barrabas spricht: 

Kein seel ist nie verlorn worn. 
Wo sie bey Got nit selig wem, 
So hat sie der teufel gleich gern. 

10 Der maß sie doch halten so bscheiden, 
Das sie es auch können erleiden. 
Es ist nit so hefftig geschaffen, 
Als darvon sagen mönch unnd pfaffen, 
Die also groß streich darvon sagen, 

15 Das man in sol dest mehr zu-tragen. 

Jeßmas spricht: 

Ey, der ding ist zu spotten nicht. 
Scharpf und streng ist Gottes gericht, 
Darvor all menschn mOßn erscheinen, 
20 Geurteilt zu freudt oder peinen. 

Dißmas spricht: 

Ey, nichts, Jeßmas, mein lieber gsell! 
[K 3, 1,526] Es ist weder himel noch hell. 

Auch ist weder teufel noch Got. 

25 Wenn wir sterben, so sin dt wir todt 

Eben gleich wie ein ander viech. 

Jeßmas spricht: 

Mein Dißmas, diser redt schem dich! 
Du bist ärger wann Juden und hayden, 
30 Die dennoch gelauben beschaiden 
Nach disem lehn ein ewigs leben, 
Darauff sie alle hoffen eben, 
Das ich auch glaub und hoffen bin. 

Barrabas spricht: 
35 0, du hast ein kindischen sinn. 



455 

Solche ding fechten mich nit an. 
Hetten wir ein reichen kauffman, 
Den wolt wir von der merrhen schlagn 
Oder ein kugel durch in jagen 
6 Und im denn zum reitwetscbger sehen. 
Der hunger thut mim magen blehen. 
Drumb het wir zu fressen darfür. 
Setz nur die seel auft uberthür 
Und sag uns nur nichts mehr dar von! 

10 DißmaB spricht: 

Schaw, schaw! dort lauft ein alter mann 
Im holtz forchtsam und sieht oift umb. 
Ich glaub, das er grosse reichtumbi 
Im rock verneht mit im thu tragen. 
15 Kombt mit! so wöll wir in erschlagen, 
Ihn blandem, darnach schicken spat 
Umb essen, trincken in die stat. 
Denn wöl wir schlemen und liegn im luder. 

Jeßmaa sieht hinauß und spricht: 

20 Ach, es ist eiu alter waltbruder. 
Er tregt weder gelt oder gut. 
Er lebt in der höchsten armut. 
Was wolt wir denn den frommen zeyen? 

Barrabas spricht: 

25 Schweig! wilt du uns denn stäts geheyen? 
Wilt geistlich und barmhertzig sein? 
So komb in ein closter hinein 
Und uns hie unverworren laß! 
Kombt! last fürlauffen im die straß! 

Der waltbruder kombt, sie laulFen in an. Dißmas spricht: 

Alter, wann her? bescheide mich! 
Warumb schaust so offt hindersich! 
Sag an! eylet dir iemandt nach? 

Der waltbruder deut auff den stock unnd spricht: 

35 In jenem stock den Todt ich sach. 
Vor dem so fleuch ich also fast. 



456 

Derhalb mein weg mich laaffen last 
Und hüt euch auch vor disem stock! 

Dißmas zencht von leder und spricht: 

Du mnst mir halten einen bock. 
5 Ich merck: du treibst anß uns den spot. 
Ich wil dir war machen den todt. 

Der waltbruder hebt die hende auff, feilt auff die knie und 

spricht : 

Laß mich mit friedt, bist du ein Christ! 
10 Du weist: todtschlagn verbotten ist. 
Wer menschen-blut vergiessen thut, 
Dem ^rt vergossen auch sein blnt. 

Er schlecht in darnider, der waltbruder spricht lieget : 

[E3, 1,527] Gott wirt mich an euch allen rechen 
15 Und ewer junge tag ab brechen. 

Barrabas spricht: 

[A3, 1,262] Kombt! last den alten kuttenbuben 
Im holtz dort werffen in ein gruben, 
Der uns warnt vor deß Stocks ungnad, 
20 Hat uns darmit trowt auff das radt! 
Nun, das ist der achtzehendt mann, 
Den ich euch halff im walt abtban. 

Sie tragen in auß. Dißmas kombt unnd spricht: 

Kombt! wollen zu dem stock uns neben 
25 Und den Todt auch darinn besehen. 
Der Todt hat den alten erbissen. 

Jeßmas spricht: 

*Mich peinigt heimlich mein gewissen 

Umb dises frommen mannes sterben. 

so Furcht, wir müssen all drob yerderben. 

Sie kommen alle drey zum stock, sehen hinein. Dißmas spricht : 

Botz marter, schaut! hie ligt kein Todt, 
Sonder bey tausent guldin rot. 
Die hat der alt pertling geschendt 



457 

m - 
Und, sie den bittern todt genendt. 

Gott geb dem Nolbart noch die drüß! 

Der todt wirt uns dreyen gar süß, 

Das wir darvon trincken und essen. 
5 Der hunger hat uns hart besessen. 

Last uns baldt lösen, welcher spat 

Unter uns nein lauff in die stat 

Und bringe uns brot unde wein, 

Darbey wir mögen frölich sein, 
10 D(;is man darnach den schätz auß theil! 

Nun, das walt glück und alles heil! 

Sie werffen knlent das loß mit würffein. Barrabas spricht 

Dich, Jeßmas, hat das loß getroffen; 

Nimb den guldin und komb geloffen! 
15 Bring uns drumb wein und brot wie vor 

Zu aller nechst bey dem stat-thor, 

Auff das du nit werst außgespecht, 

Das dich ergrieffen die statknecht! 

Sonst khem wir all mit dir in not 
20 Und wer im stock gewest der todt. 

Jeßmas nimbt die flaschen und spricht : 

Ich geh hin und sag überlaut: 
Vor forcht grieselt mir gleich die haut. 
Förcht stäts, mir komb auf meinen rück 
23 Ein unversehens ungelück 
Auff dem weg oder in der stat, 
Wie uns der alt gewtinschet hat. 

Jeßmas geht ab mit der flaschen. Dißmas spricht: 

Barrabas, was dunckt dich deß gselln? 
30 Er thut sich gar hundsfüttisch stelin 

Und gantz verzagt zu unsern tbaten. 

Furcht, er werdt uns ein mal verraten 

Und uns beidt bringen in Unglück. 

Nun, ZU ftirkommen solche duck, 
35 So weiß ich einen guten rath. 

Baldt er darnach kombt auß der stat 

Und thut uns brot und wein zu tragen. 

So wolt wir in dückisch erschlagen. 



528] So (ißrfft wir uns nit melir besorgen, 
Das er von uns heut oder niorgi'ii 
Selzet einen floclitigeii fuß. 

Ba,rraba9 spricht : 
5 Deim ratli ich auch zu-la!leii muß, 
Mein Dißmas, und ist mir auch eben. 
Hein todt tliut noch ein nutz uns geben» -i 
l}us wir discn schätz uns zu tieil 
Nui- dUi'lTen theilen in zweii Uieil, 
in So Wirt nnser eiin bey fünffbundevt. 
So man al)cr drey tlieil außauiidert, 
Wnrdt eim dreylinndert drey nnd dreissig. 

Dißmafl ap rieht: 

Du ri?chnest die such auß gar fleissig. / 

1.-1 Nun wüJl wir in denn vom brot tban, iM 

Baldt Er kombt; so gelob mir an! ^^ 

Sie Keloben einander an. Barrahas spricht 
Ja, dcß hab dir die trewe moinl 
Hör lieber! nocli eins feilt mir ein. 

uu DißoiaB spricht : 

Ey, mein Barrabas, thu mirs sagen! 

Barrabaa apriclit; 
Den pertliog, den wir habu erscUIogn, 
Meinst, er liab bey im gar kein gelt 

!5 Etwan ein-gneht? Gar hart das fehlt. 
Lieber komb! laß uns in besuchen! 

Dißmas sprieht: 
Ja wol; findt wir nichts, ich wirt fluchen. 
Komb! geh! ich wil gleich mit dir bin. 
3u Findt wir etwas, ist lauter gwin. 
Muß wir uns gelts bey im verwegen, 
Findt wir etwan ein wundsegen. 
Dieweil korabt unser gsell herwider. 
Den stech wir wie ein saw darnieder. 



459 
AufF das der schätz uns bleib allein. 

X 

Sie gehn beidt ab. Jeßmas kombt mit wein unnd brot, sieht 

sieh umb und spricht: 

Wo sindt mein zweii gesellen hin? 
5 Ich glaub fürwar, es schwinde! in 

Aaß der stat vor der znkunfft mein, 

Wann ich hab in brot and auch wein 

Mit einem herben gifft vergifft, 

Weil sie vil mort haben gestifft 
10 Und betten auch sollicher massen 

Ir lebtag nit darvon gelassen. 

Deß förcht ich mich def sünd dest minder, 

Ob ich gleich dise zwey mortkinder 

Mit herbem gifft geschwindt und resch 
15 Von disem erdtboden außlesch, 

Das vor in sicher sey weih und mann. 

Als-denn das gelt allein ich han. 

Darmit ich räumen wil das landt . 

In ein gegent mir unbekandt.. 
20 Da wil ich büssen und werden frumb, 

Ob mich Gott zu genadt auff numb 

Durch Christi, seines sohnes, sterben, 

Das ich nit ewig müät verderben 

Hie mit dem leib, dort mit der seel 
25 In deß hellischen fewers quel. 

Die zwen mörder kommen geloffen. Dißmas zeucht von leder 

unnd spricht: 

Wie bist so lang auß, du bößwicht? 
Ich glaub, du habst uns vor gericht 
[K 3, 1,529] Darinnen in der stat verraten. 
Wir wollen Ionen deinen thaten. 
Wehr dich, du bößwicht ! du must sterben, 
Eh denn wir mit dem radt verderben. 

Jeßmas spricht: 

35 Ich bin unschuldig an den dingen. 
Ir mörder, wölt ir mich umb bringen? 

Sie schlagen ihn nieder. Barrabas spricht : 



460 

[A3, 1,263] Komb! laß den verrätrischen haben 
Zum alten werffen in die graben 
Und in mit dannreiß decken za! 
So hab wir vor im rast and rhu. 

Sie tragen in auß. Sie kommen beidt wider. Dißmas spricht: 

Nan setz dich! laß uns trincken und essen 
Und unsers unmnts gar vergessen! 
Daranff biing ich dir disen trunck. 

(Er trinokt.) 

10 Wenn wir bahn gössen und trunckn gnung, 
Denn wollen wir Meilen den schätz 
Im stock, dem todt zu trutz und tratz. 
Den schätz hab wir mit guten ehm. 
Darvon bahn wir beid lang zu zehm. 

15 Barrabas trinokt anöh und spricht: 

« Ich rath, das wirs gelt theilen baldt 
Und uns mit heben auß dem walt, 
Zehm weit von hinnen in einer stat 
Köstlich nach lust und allem rath 
20 Mit doppelspil und schönen frawen. 

Dißmas greifft an die brüst und spricht: 

gsell, wie übel thut mir grawen 

Und thut mich gleich ein frost anstossen! 

Bamabas reibt den leib und spricht: 

25 Und mir auch; hab dir die frantzosen! 
Wie wirt mir so eng umb das hertz! 
Mein gantzer leib bidtmet vor schmertz. 
Mich dunckt, es greiff mir nach dem leben. 

Dißmas spricht: 

80 Ich glaub, der schal ck hab uns vergeben 
Beide in brot und auch in wein, 
Auff das im bleib der schätz allein. 
Ich will auff stehn, gehn hin und her. 

Er steht auff, geht umb und spricht: 



461 

Wie sindt mein schenckel mir so schwer! 
Kan nit mehr aufF den füssen stebn! 
Mir will geleich mein seel außgehn. 

Er feilt nieder samb todt. Barrabas spricht krencklich : 

5 Der alt schalck in dem graben rock 
Hat noch war gsagt, das in dem stock 
Der grewlich todt verborgen sey, 
Seit darvon er und wir all drey 
Absterben hie von dieser erdt. 
10 Erst ist mein gwissen hart beschwerdt, 
Das ich doch vor bey all mein tagen 
Veracht h*a\), in den windt geschlagen. 
Weil ich vil ubels hab gethan, 
Zu Gott kein traw noch hoffnung han, 
[K 3, 1,530] Fahr ich dahin in nobis-hauß. 

Da schlecht das fewer zum gibel auß, 
Vol ewigs Ungemachs und leidts. 
Weh meines eilenden abscheidts! 

Der engel kombt unnd beschleust: 

20 Ir lieben Christen all gemei«, 

Last euch das spiel ein warnung sein, 

Das ir auß lieb deß zeitlichn gut 

Nit solch groß sündt und unrecht thut! 

Geitz ist ein wurtzel aller sündt, 
25 Wie das sanct Paulus uns verkündt, 

Wann sehr kurtz ist das menschlich leben. 

Darvon wir müssen antwort geben 

Dem richter am strengen gericht, 

Auff das auß sollichem übel nicht 
30 uns ewige pein aufferwachs. 

Vor dem bhüt uns Got, wünscht Hans Sachs. 

Die person in das spiel: 

1. Der engel. 

2, Der waltbruder. 
35 8. Dißmas, 

4. Barrabas, 

5. Jeßmas, 3 mörder. 

Anno salutis 1555, am 8 tag Aiigusti. 



462 



Ein beschloß in den ersten theil dieses buchs. 

Der wunderliche tranm Yon meiner abgeschiden 

lieben gemahel, Kflnigundt Sächsin. 

Als man nach Christi gebnrt war 
5 Zelen fttnffzehen hundert jar 

und neunzehen (fürwar ich sag), 

Eben an sanct Egidi tag 

Wart mir zu einer gmahel geben 

Jungkfraw Küngundt Creutzerin eben, 
10 Die einig tockter und erb allein 

Peter Creutzers zu Wendelstein 

Am berg, der vor sibenzehen jarn 

Sambt seiner gmahel verschieden warn, 

Den Gott genadt in ewigkeitl 
15 Am neunten tag het ich hochzeit. 

Von der mir in 12 jarn sindt worn 

Zwen söhn und 5 töchter geborn, 

Welche all sindt mit todt verschieden 

Und bey Got ewig sindt zu frieden. 
20 Doch von meiner ersten tochter eben 

Hab ich 4 enencklein im leben. 

Nun diese mein gmahel fürwar 

Het ich vast 41 jar 

Gantz lieb und trew, gantz ehren werdt. 
25 Wolt Got, das ich sie solt auflP erdt 

Gehabt haben biß an mein endt! 

Gott aber selb hat das gewendt. 

Als man nach Christi geburt fürwaf 

Zelt fünffzehen hundert 60 jar, 



463 

Da begab sich (für war ich sag) 
An unser frawen verkündung tag, 
War der 25 tag deß Mertzen, 
Thet sie in einer seilen schraertzen 

5 Ein wehtag und darnach im hertzen. 
Aber in solclier wehtag schmertzen 
[K 3, 1,531] Versuchten wir der artzte rath. 

Doch Yolgten nit der gsnndheit that. 
Derhalb wo^rt sie vor irem endt 

10 Versehen mit dem sacrament. 

Der schniertz namb lenger herter zu, 
Stuhnd offt auf und het wenig rhu. 
letzt wolt sie dort, ietzundt da liegen. 
Die kranckheit thet ir angesigen 

15 Und in der dritten naclit verschied. 
Der seel bey Got wohnt in dem friedt. 
Nach dem wart auch nach zweien tagen 
Der leib dahin gen kirchen tragen ' 
Mit der teutschen psalmen gesang. 

20 Ach Gott, erst wart meim hertzen bang, 
Weil ich mein gmahel nit mehr het. 
Wo ich ansach die selben stet. 
Daran sie war gstanden und gsessen, 
so thet sich mein hertz denn fressen. 

25 Dergleich wo ich ir kleider sach, 
[A3, 1,264] Wirt ich geleich von hertzen sphwach, 
Das ich mein gmahel außerkorn 
Also gar gehling het verlorn, 
Der ich erst gar nottdürfftig war, 

30 Weil ich ins 66 jar 

Gieng, und sie acht und fünfftzig was 
Erst alt, derhalb ich ubermaß 
War im hertzen bekümmert hoch. 
Offt daucht mich auch, sie lebet noch, 

35 Etwaii bey iren freundin wer. 
In iren gschefften hin und her. 
Wenn ich mich denn bedacht, das sie 
Gestorben wer und nicht mehr hie, 
So wurdt mein hertzenleidt mir new, 

40 Wann ich mich zu ir alle trew 
Versach, für all menschen auff erdt, 



464 

Besorgt mich vor ir keinr gefcrdt. 
Rechte lieb uud trew von aufang 
Bey ir fandt ich ir leben lang. 
Sie war gantz heußlich fra und spat, 

5 Zug all ding rechter zeit zu rath. 
Doch etwan hefftig war mit worten 
Bey dem gesindt, das an vil orten 
Farlessig war, nit arbeitsam; 
In summa, all ir ding das kam 

10 Dem gantzen haußhalten zu gut. 
Derhalb mein hertz war in unmut. 
Weil ich die trewen nit mehr het. 
Mein hertz offt nach ir seufftzen thet. 
Tag und nacht ich ir nach gedacht. 

15 Nun begab sich in einer nacht, 
Das ich in den gedancken tieff 
Irenthalben gar hart entschlief. 
Da daucht mich, ich sech aller ding, 
Wie zu mir in die kamer gieng 

20 Mein lieber gmahel zu mir her 
In weiß, gantz züchtiger gebär, 
Von der mein hertz erfrewet wur 
Und gehling in dem pett auf fuhr 
Und wolt sie mit eim kuß umbfahen. 

25 Als ich ir aber kam so nahen. 

Wich sie von mir gleich wie ein schatten 
Und sprach zu mir nach disen thaten: 
Mein Hans, das mag nit mehr geseiu. 
Ich bin nitxmehr wie vorhin dein. 

30 Da fiel mir erst ein gwiß und klar, 
Das sie mit todt verschieden war. 
Derhalben mich ein. forcht durchschlich, 
ledoch irer trew tröstet mich. 
Gedacht: ir geist ist kommen her, 

35 Zu trösten mich in meiner schwer. 
Und thet mich deß hertzlich erfrewen. 
All mein unmut thet sich zerstrewen 
Und sprach: du seliger geist, 
Vergangner zeit du noch wol weist, 

40 Als dein leib lag in kranckheit schwer, 
Trost ich dich, wie das Christus wer 



465 

[K 3, 1,532] Für aller menschen sündt gestorben, 
Bey Gott genadt und huldt erworben 
Umb sonst auß lauter barmhertzigkeit. 
Auff disen haylandt in der zeit 
5 Soltst du dich hertzigklich verlassen. 
Hoff, du habst das thon aller massen. 
Der geist mir antwort an dem ort: 
Ich hab auff das gwiß gottes-wort 
In rechtem glauben und vertrawen 
10 Thon von grundt meines hertzen bawen. 
Darinnen bin ich abgeschieden 
Vom leib und bin auch wol zu frieden 
Und bin schon in ewiger rhu. 
Kein zweivel setzet mir mehr zu. 
15 Leb nun in höchster Sicherheit 

ff 

Und warrt ewiger Seligkeit 
In frolockung und freuden groß 
Mit Lasaro in Abrahams schoß, 
Mit gewiser starcker hoffnung, 

20 In der letzten aufferstehung 
Das seel und leibe widerumb 
Glarificiert zusammen kumb, 
Da an uns gentzlich wirt erstatt, ' 
Was Christus uns verheissen hat. 

25 Mich daucht, ich sprech in wunder groß. 
Sag mir! Wo ist Abrahams schoß? 
Sag, was die geister darinn thun, 
Was sie haben für freudt und wunn 
Biß auff den letzten jüngsten tag! 

80 Da sprach der geist: 0, auff dein frag 
So kan ich dir kein antwort geben. 
Wann kein mensch in dem zeitling leben 
Mit nichte die ding kau verston 
Noch weniger reden darvon, 

35 Was Got mit sein außerweltn thu. 
Welche sindt in ewiger rhu. 
Sie berürt mehr kein leibligkeit, 
Sindt gantz auß aller statt und zeit 
In Got als außerweite geist, 

40 In himlischer freudt allermeist, 
Darinn in dann ist ewig wol. 

Hans Sachs. Xf. 30 



466 

Sollicbs ein mensch gedencken sol, 
Biß das er nach dem zeitlichn todt 
Auch dahin kommen wirt durch Got 
Auß gnaden zu ewiger rhu. 
5 Auff das solt fort auch warten du, 
Wann es wirt auch das ende dein 
Nun fort nit lang außstendig sein; 
Denn wirst mit geistlichn äugen sehen 
Ding, die ich dir nit kau verjehen, 

10 Das kein aug hat gesehen vor 
Und auch gehöret hat kein ohr 
Und ist in keins menschen hertz hommen, 
Was den gotseligen und frommen 

' Gott hat dort ewigklich bereit 

15 Für freude in der Seligkeit. 

In dem der geist von mir verschwandt. 
Da aufferwachet ich zuhandt. 
Groß forcht und freudt mich da besten. 
Ich lag und disem träum nach son 

20 In freudt und hertzlich grossem wunder 
Und gedacht mir heimlich besunder 
An meister Linhart Nonnenbecken, 
Mein lehrmeister, der mich thet schrecken 
Vor jaren mit der-gleichen träum 

25 Nach seinem todt, der ich auch kaum 
Mein leben lang vergessen mag. 
Da ich eins nachts auch schlieff vor tag. 
Das ich in bath in traumes gsicht, 
Das er mir geh klaren bericht, 

80 Wie es zu gieng in jhenem leben, 
Thet er mir gleiche antwort geben: 
Das du mich fragst, lest sich nit reden 
Noch außsprechen zwischen uns beden; 
Biß du ein mal auch kombst dorthin 

35 Auß gnaden, denn wirst du erst in, 
[K 3, 1,533] Was Gott sein außerweiten geit 
Nach dem ellendt in ewigkeit. 
Nach dem auch derselb geist verschwundt. 
Ich erwacht auch und mannig stundt 

40 Seit her demselben träum nach son. 
Denck gwiß, das kein mensch wissen kon 



467 

In disem zergengklichen leben, 
Was Gott dort ewigklicli wirt geben 
Den außervvelten in seim reich, 
Wie denn Christus selb saget gleich. 

5 Drumb sol wir seim wort hertzlich glaubn, 
Der hoffnung uns nit lassen rauben 
Solch fürwitzig leiblich ged^ncken, 
Got vertrawen on alles wancken. 
Derselb wirt uns nach disem leben 

10 Durch unsern heylandt Christum geben 
Auß gnadt das himlisch vatterlandt. 
Dahin helff uns Gott allensandt, 
Da uns ewig freudt aufferwachs 
Nach seinem wortl das wünscht Hans Sachs. 

15 Anno salutis 1560, am 19 tag Junii. 



468 



AnmerkungeiL 

Zum 1 bände. 

234, 1 Handschrift s. Reinhold Bechstein, deutsches Museum II, 1, 
159. 162. 

269, 1 Handschrift s. Reinhold Bechstein, deutsches Museum II, 1, 
159. 162. 

277, 1 Handschrift s. Reinhold Bechstein, deutsches Museum H, 1, 
159. 162. 

282, 1 Handschrift s. Reinhold ßecljstein, deutsches Museum II, 1, 
159. 162. 

Zum 3 bände. 

366, 1 Handschrift des stückes s. Reinhold Bechstein, deutsches 
Museum II, 1, 159. 162. 

Zum 6 bände. 

29, 1 Gödekes grundriss n. 154. Eine handschrift s. Reinhold 
Bechstein, deutsches Museum II, 1, 159. 162. 

Zum 9 bände. 

85, 1 Das fastnachtspiel ist neuerdings in Karlsruhe und in Baden 
aufgeführt worden. Vgl. Staatsanzeiger für Württemberg 30 Deeember 
1876 s. 2054. 

498 Über die religionsgeschichtliche bedeutung der antlasseier s. 
Sepp über Ostern in der beilage zur allgemeinen zeitung 4 April 1877, 
s. 1419b. 

538 Über Claus Narr und m. Wolfgang Bütner vgl. Ayrers dramen 
8. 3125. Lappenbergs Eulenspiegel s. 382. Franz Schnorr von Cards- 
feld, archiv für litteraturgeschichte 6, 277. 287. 

Zum 10 bände. 

6, 3 Mit Seneca beginnt Hans Sachs auch die vorrede zum sechsten 
buch. Reinhold Bechstein, deutsches Museum II, 1, 158. 



469 



Zum 11 bände. 

17, 27 ? ir im wolt. K widrspenig. 

74, 9 du] K die. 

80, 2 5] K 4. Es sind nur 4. 

102, 16 E nach. 28 E Silas. 

103, 1 E last. 
110, 6 E erweckt. 
114, 23 E Nicanor. 

120, 28 E vnablöschlichen. 

121, 21 Die ganze zeile fehlt E. ? im. 

123, 3 E H. ynd* dar zu zehnmal t. 4 E ohn. 

125, 15 E vberwelting. 

126, 4 E die p. 18 E den. 
128, 31 E Her, her, her, her. 
134, 22 E J. f. 80 ist b. 
138, la E Zu. 

142, 12 E das sie h. 

144, 8 ? Marianne. 16 E han. 

147, 10 ? deiner b. söne. 

158, 6 E alter. 

189, 5 E opffert. 

202, 22 hecht]. Vgl. 3, 180. 10, 44. 510. 11, 226. 279. th. 3, 1, 205 f. 

217, 21 E mein. 

218, 27 E vngschnittn. 
240, 36 E büssenden. 
242, 10 ? welches. 

246, 22 ? verklert. 33 ? das. 

256 Die leidensgeschichte dramatisch aus früherer zeit s. F. J. 
Mone, Schauspiele des mittelalters 1, 60. 2, 150 ff. A. Schönbach in 
Haupt-Steinmeyers Zeitschrift für deutsches aiterthum 20, 135. 

257, 24 ? Verspottet werden. 38 E Das. 

266, 14 E ohne. 

269, 6 E geärgert. 

271, 5 ? Hie. E Da fallen. 26 E stecke. 

275, 14 A verket. 

293, 29 E römischem. 

294, 28 E wolte. 

301, 32 E verdammet. 

307, 9 ? Des. 

310, 15 ? Ihm. 21 ? die in. 

312, 1 E Zerstörung Jerusalem. 

315, 14 E mördischen. 

339, 9 E fahnen. 33 ? Unmöglich. 



470 

341, 2 Dolm = betäubung. Grimm, Wörterbuch 2, 1230. Dort 
übrigens unrichtig: verzwivolt. 
351, 24 K Biret. 

354, 7 ? der\au. Vgl. Grimms deutsche grammatik li., 450. 33 V 
fuhr ihn ab. 

355, 4 Vgl. zu 354, 7. 17 V Des. 
361, 21 K trincket. 

363, 2 Vgl. 354, 7. 355, 4. 

365, 14 K auch. 

366, 15 Vgl. 354, 7. 355, 4. 363, 2. 
370, 18 K Sein. K jhm. 

375, 14 K ich dich. 

376, 25 K einem. • 
378, 17 K langes. 

380, 8 K spat. 

386, 1 Einen andern schwank über Adam und Eva s. 9, 303 ff. 

391, 25 K man dir. 27 K vnser. der Herr spricht. 

395, 9 K gehen. 

396, 19 K nehren. 27 K Solt. K zu hemm. 33 K vnde. 

397, 25 K ansihe. 

398, 3 ? Mützen. 

401, 4 K Die s. 40 K versamlet da allein. 

415 umbrungen] = umringten. M. Eapp übersetzt in Shaksperes 
tempest 1, 2 die worte : from the still-vex'd Bermoothes (aeesturm s. 25) : 
Von den stäts sturmumrungenen Bermudas. So noch Hans Hopfen, 
zwischen dorf und stadt (in Paul Lindaus Nord und Süd, Mai 1877) 1, 
152: Er sah sich, wo er ging und stand, von lauter kostbaren mo- 
dellen umrungen. 

418, 1 K Im. 37 dußmich] nicht in Dietzs Wörterbuch zu Luthers 
deutschen Schriften. Grimm u. d. w. vergleicht grch. övaiiri. Schmeller 
1 , 402. hg. Frommann 1 , 548. Schwäbisch düs = sanft , gedämpft 
erinnert eher an das französische doux, lateinisch dulcis. 

449, 6 K seinen. 

457, 18 K ergreiffen. 

463, 3 Gödeke, grundriss 1, 356 giebt das datum 28 Merz, wohl 
durch dr uckfehler. 



471 



Zeittafel. 



1550 Jan. 15 Tragedia mit 6 personen. Die enthaubtung Johannis s. 198. 

1551 Oct. 1 Comedia mit 10 personen, der ganz prophet Jonas s. 80. 

1551 Nov. 19 Tragedia mit 9 personen, die auferweckung Lasari s. 242. i»^ 

1552 No7. 2 Tragedia, mit 15 personen za agirn , der wUtrich könig Herodes, 
wie er sein 3 sön und sein gmahel umbbracht s. 132. . »-"" 

1553 Sept. 23 Ein spiel mit 11 personen, wie Gott, der Herr, Adam und Eva 
ihre kinder segnet s. 386. 

1554 Apr. 28 Ein spiel mit 4 personen. Sanct Peter letzt sieh mit seinen ^ 
freunden s. 374. 

1554 Nov. 23 (?) Comedia mit 5 personen, der waldbruder vom heimlichen ge- 
richt Gottes s. 359. 

1555 Aug. 8 Ein spiel mit 5 personen, der Todt im stock s. 451. 

1555 Oct. 21 Tragedia mit \7 personen, die Zerstörung zu Jerusalem 2U agiren 
s. 312. 

1556 Apr. 18 Comedia mit 9 personen, der verlorn söhn s. 213. 

1557 Juni 16 Comedia mit 24 personen, die entpfengnus und gehurt Johannis 
und Christi s. 162. 

1557 Aug. l6 Comedia mit .15 personen, der Daniel s. 27. 

1558 Apr. 12 Tragedia mit. 31 personen, der ganz passio nach dem text der f""^ 
4 evangelisten, vor einer christlichen Versammlung zu spielen s. 256. 

1558 Mai 25 Tragedia mit 34 personen, des jüngsten gerichtes, aul^ der schrift 
liberal zusammen gezogen s. 400. 

1558 Kov. 11 Tragedia mit. 8 personen, die Jungfrau Pura und ritter Gotfrid 
s. 343. « 

1559 Jan. 14 Tragedia mi^ 8 personen, der gott Bell s. 67. 

1560 Juni 19 Der wunderliche träum von meiner abgeschiden lieben gemahel, 
Künigund Sächsin s. 462. 

? Tragedia mit 12 personen, der prophet Jeremias sambt der gefengknus Jude 

■ 8. 1. 

? Tragedia mit 27 personen, der Machabeer s. 97. 



472 



Register. 



Abschweißen 226. 

Adam 386. 

Als man nach Christi geburt war 

462. 
An. ahn : fran -256. 
Anstoßen 460. 
Apposition, mit Christus , dein 

lieber sun 306. 
Auferwecknng, Die, Lasari 242. 
Aufranstern 269. 
Außbenteln 230. 
Außgenät 227. 
Außrechen 193. 
Anßtischen 367. 
Baden, den wein 367. 
Beck, du must mir halten einen 

b. 456. 
Behengen 225. 
Bell 67. 

Bertling = barbone 456. 458. 
Brangen 231. 
BrQmmel. st. neutr. 268. 
Christi empfengnus 162. 
Comedia mit 5 personen, der wald- 

bruder vom heimlichen gericht 

Gottes 359. 
Comedia mit 15 personen, der Da- 
niel 27. 
Comedia mit 9 personen. der yer- 

lorn söhn 213. 
Comedia mit 24 personen, die ent- 

pfengnus und geburt Johannis 

und Christi 162. 



Comedia mit 10 personen, der ganz 
prophet Jonas 80. 

Creuzer, Küngund, 462. 

Creuzer, Peter, 462. 

Daniel 27. 

Dant-mehr 252. 

Die genad des Herren Christi 
400. 

Dolm 341. 

Doppelspil 460. 

Dußmich 418. 

Ein. eim rat das zeigen an 
321. 

Endlich 226. 

Enenklein 462. 

Enthaubtung, Die, Johannis 198. 

Entpfengnus, Die, und geburt Jo- 
hannis und Christi 162. 

Epela 232. 

Eva 386. 

Fechten, prät. fachten 432. 

Finanzer 438. 

Fingerlein 240. 

Fladen 225. 

Flandern, Ein weib aus, 231. 

Fortuna 222. 

Franzosen == syphilis 431. 460. 

Galgenschwengel 363. 

Geheien 455. 

Gelehrte verkehrte 11. 

Geltlich 232. 

Genad, fried und barmherzigkeit 
27. 162. 



473 



Gnad und fried Jesu Christi 242. 

Gensprediger 201. 

Gericht , Vom heimlichen , Gottes 

359. 
Gerichtes, Tragedia des jüngsten, 

400. 
Gen 234. 
Girsten brot 235. 
Gotfrid 343. 
Gott, Der, Bell 67. 
Gott, Wie, der Herr, Adam und 

Eya ihre kinder segnet 386. 
Grumet 365. 
Haberweid 233. 
Hartsei 239. 
Hauen, haut hin ! sprecht, ir seit 

hie gewesen 366. 
Hecht 202. 226. 245. 250. 253. 279. 
Heil, fried, genad und Gottes se- 

gen.256. 
Heil, fried und gnad wünsch wir 

euch allen 97. 
Heil , . gnad und fnd Jesu Christi 

343. 
Heil, gnad und fried von Gott, 

dem vatter 312. 
Heil sei den edlen , ehrenfesten 

132. 
Heil sei euch hie ! allen zu frummen 

67. 
Heil und genad Jesu Christi 80. 
Heil und genad von Gott, dem yat- 

ter 213. 
Heil und gnad des Herren Christi 1. 
Heil und gnad sei euch von Gott 

allen 198. 
Heimlichen, Vom, gericht Gottes 

359. 
Herodes 132. 
Hört, ir Christen, und schweiget 

still 451. 
Holhüben 216. 
Hortfromm 321. 
Hossen 368. 
Ich bin das armutseligst weib 386. 



Ich bin gelegen heint die nacht 
359. 

Jeremias 1. 

Jerusalem 312. 

Johannis entpfangnus 162. 

Johannis enthaubtung 198. 

Jonas 80. 

Juda gefengnus 1. 

Jüngstes gericht 400. 

Jungfrau, Die, Pura und ritter Got- 
frid 343. 

Kellergschoß 216. 

Kestigung 452. 

Kindig 389. 

Knaben mit dem köpf 301. 

Kropf, ein rab het in im kröpf 
hin gfört 237. 

Krüpfen 268. 

Kusig : rusig 395. 

Laus, Auf der, stehen 225. 

Lazarus 242. 

Lenden 240. 

Lidion 435. 

Lied Fortuna 222. 

Lösen = loosen 457. 

Machabeer 97. 

Mausen, der teufel geht stäts umb 
in mawsen 412. 

Morgenträume 193, 34 ff. 

Mort-hessig 244. 

Nähen am hungertuch 220. 

Narr, narren muß man mit kolben 
langen 231. 

Nechtig 365. 

Necker 237. 

Neidhart 221. 

Nobishaus 461. 

Nolhart 457. 

Nonnenbeck, Linhart, 466. 

Notzwingen st. v. 434. 

Nun bin ich in dem ewig leben 
374. 

Obgemelt 228. 239. 

Ort 402. 406. 

Paren. zum paren bringen 345. 

30* 



474 



Passio, Der gt^nz, 256. 

Perstet 389. 

Peter, Sanct, letzt sich mit seinen 
freunden 374. 

Pfenwert 362. 

Polren 366. 

Prophet, Der, Jeremias 1. 

Pnra 343. 

Beben, Ein abgeschnitner, 254. 

Reitern 264. 

Beitwetschger 455. 

Besch: auslesch 459. 

Beuse 225. 

Reute rei treiben 344. 

Sabat 431 f. 

Sächsin, Eünigund, 462. 

Schandhaus 347. 350 f. 

Scheur. kunstreiches trinkgefäß 
361. 

Schidhalb 433. 

Schlaftrunk 224. 

Schiern und demb 216. 

Schleplein 389. 

Schlicket 389. 

Schlachtet 395. 

Schlüch tisch 389. 395. 

Schmecken, stinkt und schmecket 
251. 

Schmehe. adj. 282. 

Schübel 381. 

Siebenf eltigen 381. 

Sohn, Der verlorn, 213. 

Spiel , Ein , mit 1 1 personen , wie 
Gott, der Herr, Adam und Eva 
ihre kinder segnet 386. 

Spiel, Ein, mit fünf personen, der 
Tod im stock 451. 

Spiel, Ein, mit 4 personen. Sanct 
Peter letzt sich mit seinen freun- 
den 374. 

Sprachhaus 341. 

Staffieren 228. 
Sterzer 364. 
Stock 451 ff. 
Stumpfieren 277. 



Tod, Der, im stock 451. 

Tragedia mit 8 personen, der gott 
Bell 67. 

Tragedia mit 8 personen, die Jung- 
frau Pura und ritter Gotfrid 348. 

Trngedia mit 31 personen, der ganz 
passio nach dem text der 4 
evangelisten , vor einer christ- 
lichen versamlungzu spielen 256. 

Tragedia mit 15 personen au agim, 
der wutrich könig Herodes, wie 
der sein 3 sön und sein gmahel 
umbbracht 132. 

Tragedia mit 9 personen, die auf* 
erweckung Lasari 242. 

Tragedia mit 6 personen, die ent- 
haubtung Johannis 198. 

Tragedia mit 17 personen, die 
Zerstörung Jerusalem 312. 

Tragedia mit 27 personen-, der 
Machabeer 97. 

Tragedia mit 34 personen, des 
jüngsten gerichtes 400. . 

Tragedia mit 12 personen , der 
prophet Jeremias sambt der ge- 
fengnus Juda 1. 

Traum, Der wunderliche, von mei- 
ner abgeschiden lieben gemahel 
Künigund Sächsin 462. 

Überthür 455. 

Unbekümmert 238. 

ünend 431. 

Verbeizt 434. 

Verderbt, substant. 418. 

Verlorn, Der, son s. Sohn. 

Vierteglich 242. 

Vorhe 227. 

Wabern : habem 418. 

Wahl = wall 337. 

Waldbruder, Der, vom heimlichen 
srericbt Gottes 359. 

Waldbruder und engel , verhan- 
delnd über Gottes gerechtigkeit 
359. 

Wand, lauf wir dem wirt an 



475 



d'want 229. 
Wendelstein 462. 
Wetter machen 228. 
Wetterfarb 236. 
Winnig 348. 



Wütrich, Der, könig Herodes 132, 
Wundsegen 458. 
Zerstörung, Die, Jerusalem 312. 
Zwangfal 418. 



f 

.^.•' 



,-AMr 



i 



2P^ 



'.'^"Sh^